Giuseppe Balsamo, genannt Alessandro Graf Cagliostro.

Alessandro Graf Cagliostro. 1743-1795.

Giuseppe Balsamo, genannt Alessandro Graf Cagliostro.

Geb. 8. Juni 1743; gest. 1795.

Giuseppe Balsame, der unter dem Namen des Grafen Cagliostro sich den Ruf des größten Schwindlers aller Zeiten erwarb, wurde am 8. Juni 1743 zu Palermo als Sohn eines gewissen Peter Balsamo geboren. Nach dem frühen Tode des Vaters übernahm ein Oheim seine Erziehung. Er brachte den Knaben in das Seminarium des H. Rochus zu Palermo, aus dem dieser aus Unlust am Lernen zu wiederholten malen entfloh.

Als Balsamo 13 Jahre alt war, wurde er als Novize im Ordens-Konvent der barmherzigen Brüder zu Cartagirone eingekleidet. Da er hier unter der Obhut des Apothekers stand, hatte er Gelegenheit, sich die Anfangsgründe der Chemie anzueignen.

Die Zucht des Klosters behagte ihm jedoch keineswegs. Er begab sich daher nach Palermo und führte dort ein zügelloses Leben; er kam häufig mit der Polizei in Konflikt und übte sich schon damals in den Künsten des Betruges und der Fälschung, anfangs glücklich operierend, dann aber nach Verübung einer größeren Gaunerei zur Flucht gezwungen.

Nach seinen eigenen, nicht gerade zuverlässigen Angaben wandte er sich nach Messina, wo er einen gewissen Althotas kennen lernte, mit dem er nach Alexandria, Rhodus und Malta reiste, überall mit alchemistischen Experimenten das Staunen der Gimpel erregend.

In Malta interessierte sich der Ordensgroßmeister Pinto lebhaft für Balsamo. Auf seine Kosten reiste Balsamo nach Neapel und von da nach Rom, wo er seinen Lebensunterhalt durch Anfertigung von Federzeichnungen verdient haben will. Er heiratete hier ein Dienstmädchen, Lorenza Feliciana, deren Reize er gelegentlich bei Lebemännern vorteilhaft anbrachte.

Sehr geschickt in der Nachahmung von Handschriften, fälschte er gleichzeitig Staatspapiere, Wechsel und ähnliche Urkunden. Einer seiner Spießgesellen verschaffte ihm ein preußisches Offizierspatent mit der gefälschten Unterschrift Friedrichs des Großen. Seitdem trug Balsamo die preußische Uniform.

Als er infolge einer Zwistigkeit mit einem seiner Kollegen der Anzeige gewärtig sein mußte, ergriff er die Flucht und begab sich nach Venedig, auch dort sein Gaunerhandwerk fortsetzend.

Als weiteren Schauplatz für seine Unternehmungen ersah er sich Spanien aus. Er reiste dorthin in Begleitung seiner Gemahlin und verstand es auch dort, ihre Schönheit in der angedeuteten Weise für sich zu verwerten. Dann ging er über Lissabon nach London, nachdem seine Frau das Englische erlernt hatte. Das Paar traf in London am 3. August 1771 ein und lebte in größter Dürftigkeit, weshalb es sobald wie möglich nach Paris aufbrach, wo es in dem Hause eines Herrn Duplesir Unterkunft erhielt, der an Lorenza Gefallen fand.

Als diese jedoch sich von ihrem Gatten trennte, ließ sie Balsamo verhaften, nahm sie aber nach nur kurzer Haft wieder zu Gnaden an.

In Paris spiegelte er den Leichtgläubigen vor, daß er die Kunst des Goldmachens und der menschlichen Verjüngung verstehe. Seine Betrügereien kamen aber an das Tageslicht, und er wurde aus Frankreich ausgewiesen. Nun folgte ein rastloses Wanderleben in Italien, Malta, Südfrankreich und Spanien.

Im Jahre 1776 tauchte er wieder in London auf. Er erklärte jetzt, durch gewisse kabbalistische Operationen in den Stand gesetzt zu sein, diejenigen Lottonummern zu bezeichnen, welche gewinnen würden. Mit dieser Angabe fand er bei einigen beschränkten Köpfen Glauben. Namentlich brachte er einen gewissen Scott und seine angebliche Gemahlin auf seine Seite. Balsamo versprach ihnen ungeheuere Reichtümer, verlangte aber von ihnen Kostenvorschuss, der ihm bewilligt wurde, bis das Mißtrauen auch bei ihnen erwachte und sie die gerichtliche Vernehmung des Schwindlers durchsetzten. Als Balsamo sah, daß der gegen ihn eingeleitete Prozeß übel ablaufen würde, flüchtete er nach Brüssel.

Seinen Aufenthalt in London hatte er benutzt, sich in die dortigen Freimaurerkreise einzuführen und sich Einblick in die freimaurerischen Formen und Bestrebungen zu verschaffen. Gleichzeitig trat er dort mit den Anhängern Swedenborgs in engste Verbindung, wahrscheinlich auch in den Dienst des Jesuitenordens, welcher damals die geheimen Gesellschaften protegierte.

Balsamos Ehrgeiz richtete sich nun darauf, einen neuen Freimaurer-Ritus ins Leben zu rufen, dessen Ziel die physische und moralische Wiedergeburt seiner Anhänger sein sollte.

Im Jahre 1789 machte er sich auf den Weg nach Rußland. Auf der Reise dahin wußte er sowohl in Nürnberg als in Leipzig die vornehmsten Freimaurer für sich einzunehmen. Während er in Königsberg wenig Glück hatte, fielen ihm zu Mitau viele begeisterte Anhänger zu. Er trat dort im Februar 1779 unter der Maske eines spanischen Offiziers auf und wurde namentlich in dem gräflich Medemschen Hause mit Auszeichnung empfangen. Vor allem hingen ihm die Damen der vornehmen Gesellschaft an, da er vorgab, den Auftrag zur Gründung einer Freimaurerloge zu haben, in dem auch Frauen aufgenommen werden könnten.

Durch seine Schwindeleien, Geisterzitationen und Beschwörungen hielt er den Adel lange Zeit in Spannung, sah sich aber in seiner Erwartung, daß ihm die für ihn begeisterte Freifrau von der Recke nach Petersburg begleiten und in die dortigen Hofkreise einführen werde, getäuscht, da er so unvorsichtig gewesen war, das Sittlichkeitsgefühl der Dame durch schamlose Zumutungen zu verletzen. Aber wenn ihm auch in Petersburg für seine ersten Schritte die gewichtige Fürsprecherin fehlte, so verstand er doch, sich auch hier in kurzer Zeit zahlreiche Anhänger und Bewunderer zu schaffen.

Er trat in Petersburg als Arzt und spanischer Oberster auf und hätte sich dort länger halten können, wenn er nicht die Frechheit gehabt hätte, eine reiche Russin, welche ihm ihr Kind zur Heilung anvertraut hatte, zu täuschen, indem er ihr ein gesundes, aber fremdes Kind anstatt des inzwischen verstorbenen zurückgab. Als der Betrug entdeckt wurde, hielt es Balsamo für geraten, sich aus dem Staub zu machen.

Er eilte nach Warschau, fand bei dem Grafen Mosczynski Aufnahme und verlegte sich in dessen Laboratorium vornehmlich auf alchemistische Experimente, vorgebend, er könne aus Quecksilber Gold machen. Der Verlauf der Dinge war hier wie überall; anfangs allgemeines Erstaunen und Bewunderung, dann von Tag zu Tag wachsendes Mißtrauen, Enthüllung des Schwindels und schließlich Flucht.

Zu Ende Juni 1780 finden wir Balsamo in Straßburg, wo er wie in Petersburg die Leute durch seine Wunderkuren betörte und den uneigennützigen Menschenfreund spielte. Wiederum waren es die vornehmsten Kreise, Offiziere und Adelige, namentlich auch Damen, bei denen Balsamo Eingang fand. Sowohl der Marschall de la Salle, als der Kardinal von Rohan traten auf das wärmste für ihn ein und sorgten so dafür, daß die zahlreichen Angriffe der Ärzte in der Presse gegen Balsamo ohne Wirkung blieben. Durch sie erhielt er Empfehlungen an den französischen Hof und Zutritt bei den Ministern in Paris.

Ausnahmsweise lang konnte Balsamo in Bordeaux seine Schwindeleien ausüben. Er blieb elf Monate lang in der Stadt und ließ sich hierauf in Lyon nieder, wo er eine Mutterloge der Ägyptischen Freimaurerei stiftete.

Im Jahre 1785 erschien er in Paris. Gleichzeitig fand sich auch der Kardinal von Rohan in Paris ein, und Balsamo wurde wieder wie in Straßburg sein täglicher Haus- und Tischgast. Balsamo hatte ihm vorgelogen, er sei, in Folge seiner Lebenselixiere 300 Jahre alt, und der Kardinal war einfältig genug, seiner Angabe zu glauben.

Da man auch in Paris an seine Heilerfolge glaubte, fand Balsamo starken Zulauf von vornehmen Patienten, die er dafür tüchtig schröpfte. So sah er sich in den Stand gesetzt, ein großes Haus zu machen und ein prächtiges Hotel zu bewohnen. Um so größer war das Erstaunen der Pariser, als sie im August 1785 hörten, daß Balsamo in die Bastille abgeführt worden sei. Da er als Freund Rohans in dem Verdacht stand, in den bekannten Halsbanddiebstahl verwickelt zu sein, wurde er sechs Monate lang in der Bastille eingekerkert gehalten und erst, als er von der Anschuldigung der Hehlerei freigesprochen worden war, am I. Juni 1786 wieder in Freiheit gesetzt, gleichwohl aber Landes verwiesen.

Sein Zufluchtsort wurde jetzt zum dritten mal London, wo der Lord Gordon sich ebenso sehr von ihm fesseln ließ, wie Rohan in Frankreich. Dagegen war ein gewisser Morand, Redekteur des in London erscheinenden »Courrier de l’Europe«, gegen Balsamo mißtrauisch geworden. Er hatte sich vorgenommen, ihn als Schwindler zu entlarven, und eröffnete den Kampf gegen den angeblichen Grafen in einer Reihe von Artikeln, in denen er ihn als Scharlatan und Betrüger brandmarkte.

Balsamo antwortete in heftigster Weise im »Advertiser«, mußte aber schießlich den vernichtenden Angriffen Morands weichen und sich in die Schweiz zurückziehen. Er lebte zuerst in Basel, dann in Biel und trieb sich hierauf in Aix, Turin, Genua und Verona umher, wohl noch überall angestaunt, aber mit weit weniger Glück operierend.

Da er nicht mehr wußte, wo er sich hinwenden sollte, geriet er auf den Einfall, nach Rom zu gehen und um Vergebung für seine Teilnahme an der Freimaurerei nachzusuchen. In Rom angelangt, fing er jedoch an, für seine Ägyptische Freimaurerei Proselyten zu machen, bis sein Spiel entdeckt und er am 27. Dezember 1789 vor das Gericht der römischen Inquisition gestellt wurde.

Da auf der Propaganda für das Freimaurertum Todesstrafe stand, wurde Balsamo nach 15 monatlicher Untersuchung am 21. März 1791 zum Tode verurteilt. Der Richterspruch wurde jedoch nicht ausgeführt, vielmehr Balsamo durch Papst Pius VI. zu lebenslänglicher Festungshaft begnadigt.

Er starb im Kerker im Jahre 1795.

Stich von Ch. Guérin.

Quelle: Allgemeines historisches Porträtwerk nach Zeitaltern geordnet nach einer Auswahl von Dr. Woldemar von Seidlitz. Mit biographischen Daten von Dr. H. Tillmann und Dr. H. A. Lier. München 1896. Verlagsanstalt für Kunst und Wissenschaft, vormals Friedrich Bruckmann.

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