Die Nornen. Kostümentwurf für Der Ring des Nibelungen.

Die Nornen. Werdandi (Gegenwart, das Werdende), Skult (Zukunft, Schuld; das, was sein soll) Urd (Schicksal, Vergangenheit)

Die Nornen. Kostümentwurf für Der Ring des Nibelungen.

Das Rheingold.

GÖTTERDÄMMERUNG. DIE NORNEN. Urd, Werdandi und Skuld, die Töchter Erda’s, sind hohe Frauengestalten von nie alternder Schönheit und wandellosem Ernst. Urd, die Älteste, sitzt rechts unter der breitästigen Tanne, um die das goldne Seil der Schicksale geschlungen ist. Werdandi, die Jüngere, hat auf einer Steinbank vor dem Felsengemach Platz genommen, Skuld, die Jüngste, sitzt in der Mitte des Hintergrundes auf einem Felssteine des Höhensaumes. Die Schleiergewänder der drei Nornen stufen sich in der Farbe ab, so dass die Jüngste am lichtesten erscheint, dasselbe ist mit Haar und Augen der Fall. Unter Wechselgesängen werfen die Nornen sich das goldne Seil zu, ihre düstern Betrachtungen wandern bis in die Zeit, da sie noch unter der Weltesche wohnten. In ihrem Schatten schäumte der weisheitraunende Quell, dem Wotan für einen Trunk sein Auge hergab; er brach sich einen Ast von der Weltesche, um sich einen Speerschaft daraus zu schneiden. Darob verdorrte der Baum, versiegte der Quell, trübte sich der Nornen Gesang. In den Schaft schnitt Wotan der Verträge Runen. Seit Siegfried den Speer zerhieb, hiess Wotan Walhall’s Helden das welke Geäst der Weltesche fällen und um Walhall häufen, dem Ende der Götter zu Ehren einst entzündet zu werden. Vom Raube Rheingolds durch Alberich her zieht sich der rächende Fluch, dem schliesslich selbst die ewigen Götter fallen. Über diese düstern Erwägungen  reisst den Nornen das Seil, sie fahren erschreckt auf, fassen die Stücke des zerrissenen Seiles, binden ihre Leiber damit an einander und fliehen entsetzt in die Tiefe der Erde zu ihrer Urmutter.

Original Text aus: Das Rheingold aus der Oper Der Ring des Nibelungen von Richard Wagner. Kostümentwürfe für den ersten Ring-Zyklus von Prof. Carl Emil Doepler, 1876. Uraufführung am 22. September 1869 im Königlichen Hof- und Nationaltheater München.

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