Verschiedene Arten der Fontange. Mode 17. Jahrhundert.

Auguste Racinet, Fontange, Amadiskostüm, Mode, Ludwig XIV, Barock, Kostümgeschichte, Schönheitspflästerchen

Trachten der vornehmen Stände zur Zeit Ludwig XIV.

FRANKREICH. TRACHTEN DER VORNEHMEN STÄNDE.

Nr. 1. Frau von Maintenon.
Nr. 2. Prinzessin von Conti, Witwe.
Nr. 3. Herzogin von Bourbon.
Nr. 4. Elisabeth Charlotte von Bourbon, genannt Mademoiselle de Chartres, Schwester des Regenten.
Nr. 5. Gräfin von Egmont, geborene Prinzessin von Aremberg.
Nr. 6. Herzogin von Chartres.
Nr. 7. Vornehme Dame in Wintertracht.
Nr. 8 und 9. Die Fräulein Loison.
Nr. 10. Abbé in weltlicher Tracht.
Nr. 11. Vornehme Dame im Überwurf.
Nr. 12. Vornehmer Herr im Sommerkleid.

Diese Trachten gehören dem Ende des 17. und dem Anfang des 18. Jahrhunderts, also der letzten Zeit der Regierung Ludwig XIV. an. Die Tracht des Herrn Nr. 12. mit den Bandschleifen an der rechten Schulter und den Handgelenken stammt noch ans der Zeit von 1690. Von da ab verschwand diese Art des Aufputzes. Im Jahre 1684 nannte man diese Tracht mit den breiten Ärmelaufschlägen und ihren Spitzengarnituren nach einer damals beliebten Oper Lullys das Amadiskostüm. Indessen macht sich bereits im Schnitt des Rockes eine grössere Einfachheit und Strenge bemerkbar. Dieser Rock ist ein wirklicher Überrock mit einem abstehenden Schoss. Er wird über dem Bauche durch zwei oder drei Knöpfe zusammen gehalten, so dass der eigentliche Leibrock (justeaucorps) darunter sichtbar ist. Derselbe ist von Seide und über der Brust eng zugeknöpft. Von der Wäsche kommt nichts vor. Nur die beiden Enden der von einer farbigen Seidenschleife zusammen gehaltenen Musselin Kravate fallen auf die Brust herab. Der Überrock ist an den Taschen, an den inneren Nähten der Ärmel u. s. w. mit engen Knopfreihen besetzt. Die Knöpfe waren mit gelber oder weisser Seide überzogen, um den Glanz des Goldes oder des Silbers nachzuahmen.

Nr. 10 ist ein Abbé in der Soutanelle, dem kurzen Leibrock. „Die Abbés, sagt die Encyclopédie, nehmen den zweiten Rang in der Geistlichkeit ein und kommen unmittelbar hinter den Bischöfen.“ Der Besitz der geringsten Pfründe berechtigte einen Priester, sich Abbé zu nennen und die Soutane zu tragen. Der kurze Mantel mit kleinem Kragen war so charakteristisch für die Abbés, dass man sie danach kurzweg petit-coitet nannte. Wegen ihrer stutzerhaften Tracht nannte man sie auch petits-maîtres.

Unsere Figur trägt einen runden Hut, einen weissen Vorstoss (rabat, auch Bäffchen nach dem italienischen beffa), lederne Schuhe, weisse Manschetten und einen Muff, der an einem Band herabhängt, welches passe-caille hiess. Der Abbé hat in der Hand eine Dose, aus welcher er eine parfümierte Prise nimmt. Es gehörte zum guten Tone, die Dose mit einer Hand zu öffnen und wieder zu schliessen und die Prise mit höchster Grazie zur Nase zu führen. Die beiden Herren haben das Gesicht ganz glatt rasiert. Der Bart, welchen Beamte und hohe Geistliche noch bis 1656 getragen hatten, war um 1680 gänzlich verschwunden. Nur die schweizerischen Soldaten, die Offiziere und Soldaten einiger Reiterregimenter und hochgewachsene Kutscher trugen Schnurrbärte, um sich ein martialisches Aussehen zu geben.

Verschiedene Arten der Fontange

Die Nr. 1-6 zeigen verschiedene Arten der Fontange, jenes nach dem Fräulein von Fontange benannten Kopfputzes, welcher aus einem bis zwei und selbst drei Fuss hohen, etagenartig übereinander aufgebauten Drahtgestell bestand, welches mit steifem Zeug bekleidet und mit Bändern befestigt war. Diese Fontangen hatten je nach ihrer Form verschiedene Namen wie duchesse, solitaire, chou, mousquetaire, firmament, dixième ciel, souris, effrontée, asperge, tuyau d’orgue, chat u. a. m. Nadeln mit Köpfen aus Edelsteinen dienten dazu, um das Gestell zu befestigen und zusammenzuhalten. Der weisse Puder, mit welchem das Haar von Nr. 6 bestäubt ist, geht nicht über das Jahr 1703 zurück.

Schönpflästerchen

Alle Frauen schminkten sich das Gesicht mit einer unglaublichen Ausgiebigkeit. Seitdem Katharina von Medici die weisse und rote Schminke aus Italien mitgebracht hatte, war der Gebrauch derselben bis zur Übertreibung gediehen. Das spanische Rot, ein grelles Zinnober, gab den Ton an, neben welchem alles übrige gelb aussah. Die Augenbrauen wurden mit Antimon geschwärzt und die Augen selbst durch schwarze Striche scheinbar vergrössert. Dazu gesellte sich das Bekleben des Gesichts mit den sogenannten mouches oder Schönpflästerchen. Es waren diese kleine Stücke von Seide, Samt, Atlas oder schwarzem Taft, die rund, stern oder halbmondförmig geschnitten waren. Sie waren von verschiedener Grösse. Die Mouche an den Schläfen, die man, wie der Verfasser der Lois de la galanterie française (1644) sagt, enseigne du mal de dents nannte, war so gross wie ein Heftpflaster. Oft waren die Mouches auch zu absonderlichen Figuren ausgeschnitten. So sieht man auf dem Portrait einer Herzogin von New Castle ein Schönheitspflästerchen in der Gestalt eines von vier Pferden gezogenen Wagens auf der Stirn kleben. (Rimmel, Livre des parfums.) Man schreibt das Aufkommen dieser Mode dem Bestreben zu, gewisse Unebenheiten der Haut, Warzen u. s. w., zu verdecken. Gegen Ende des 17. und am Anfang des 18. Jahrhunderts gehörten die Schönheitspflästerchen, die man oft in grosser Menge aufklebte, zu den unerlässlichen Bestandteilen der Damentoilette.

Nr. 3 ist im Hauskleid und deshalb mit einer weniger komplizierten und steifen Fontange dargestellt. Aber auch sie trägt wie alle anderen ein Halsband vou Perlen. Die Perlen wurden nach ihrer Grösse aneinandergereiht. Wer keine echten hatte, begnügte sich auch mit falschen. Bisweilen hing (Nr. 6) von dem Perlenhalsband ein Anhänger von Diamanten herab, den man boute-en-train oder tâtezy nannte. Die Damen trennten sich weder Sommer noch Winter von den Fächern, die aus feinem Leder oder aus Papier, Taffet und anderen leichten Stoffen bestanden, die in Gestalt eines Halbkreises auf Stäben von Holz, Elfenbein, Perlmutter, Schildplatt, Fischbein oder Rohr aufgezogen sind. Die Zahl dieser Stäbe pflegte zwanzig nicht zu überschreiten. Nr. 2 trägt ein Blumenbouquet am Halsausschnitt, Nr. 6 in der Hand. Man bediente sich zu diesem Zwecke auch künstlicher Blumen.

Nr. 7 und 11 tragen den aus Taft bestehenden Überwurf, welchen man écharpe nannte. Er diente dazu, den Damen, die auf Bälle und Gesellschaften gingen, Hals und Schultern zu bedecken. Beide Damen tragen Muffen, die aus Marder-, Tiger-, Bären-, Luchs- und Fuchsfellen gefertigt wurden.

An den Nrn. 7, 8, 9 und 11 sieht man den Schnitt der Robe und des Oberkleides, das durch einen Wulst von steifer Leinwand (vertugadin, criarde) hinten aufgebauscht wurde.

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