Frauentrachten aus der Schweiz nach A. Racinet.

SCHWEIZ.

FRAUENTRACHTEN AUS UNTERWALDEN, SANKT GALLEN, BERN, WALLIS, ZÜRICH, ZUG, LUZERN UND BASEL.

SCHWEIZ, FRAUENTRACHTEN, UNTERWALDEN, SANKT GALLEN, BERN, WALLIS, ZÜRICH, ZUG, LUZERN, BASEL

SCHWEIZ. FRAUENTRACHTEN AUS UNTERWALDEN, SANKT GALLEN, BERN, WALLIS, ZÜRICH, ZUG, LUZERN UND BASEL.

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Nr. 1. Canton Unterwalden. – Das über der Brust und am Halse festgeschlossene Leibchen ist durch das Klima einer Landschaft bedingt, welche gegen Süden durch Berge abgeschlossen ist, die mit ewigem Schnee bedeckt sind. Die Ausschmückung und die Farbzusammenstellung der Stoffe, aus denen das Leibchen besteht, hängt vom persönlichen Geschmack der Trägerin ab. Das Vorderteil ist gewöhnlich bunt, grün und rot gemustert, das Rückenteil immer schwarz. Die über der Brust sich kreuzenden Ketten sind von Silberfiligran. Das Haar wird meist in Flechten gelegt, in welche weisse Bänder hineingeflochten sind. Auf den Kopf wird bisweilen ein weisses Spitzenhäubchen gesetzt. l

Nr. 2. Canton Sankt Gallen. – In diesem Canton blüht eine lebhafte Industrie in Weiss- und Flanellwaren, Tuch und anderen Stoffen, vornehmlich aber in geklöppelten Spitzen und in Stickereien. Auf diese sesshafte Tätigkeit deutet auch das Kostüm der Frau: der lange Rock und das niedrige Leibchen, welches die freie Bewegung der Arme ermöglicht. Das zierliche Häubchen ist ein Produkt dortigen Gewerbefleisses und Geschmacks, der sich auch in der feinen Zusammenstellung der Farben kund giebt.

Nr. 3 und 7. Canton Bern. – Der kurze Rock, den Nr. 7 trägt, ist wegen des Bergsteigens notwendig. An Stelle der früher üblichen farbigen und gestickten Strümpfe sind heute allgemein weisse getreten. Die weisse Wäsche der Bernerinnen ist berühmt. Ihre Tracht ist hübsch und. geschmackvoll; nur die Frauen von Oberhassli entstellen sich dadurch, dass sie die Hüften auspolstern. Nr. 3 ist eine Simmentalerin. Das Leibchen zeigt italienischen Schnitt; es ist von schwarzer Seide und mit einem schwarzen Samtstreifen besetzt. Das weisse Hemd steigt bis zum Hals hinauf. Die Enden des einfarbigen Brusttuchs sind unter dem Leibchen befestigt. Die Ärmel, eng anschliessend, bilden an den Ellenbogen Puffen. Oft ist um den Hals eine Kravate von Samt geschlungen, von welcher auf die Brust silberne Ketten herabhängen, die am Gürtel befestigt werden. Die Kopfbedeckung besteht aus einer kleinen Haube von schwarzem Atlas, die, mit schwarzen Spitzen besetzt, auf dem Hinterkopfe sitzt. Der dunkle Rock hat eine farbige Borte. Die Schürze ist unter dem Mieder befestigt. Die Berner Tracht hat sich am längsten in ihrer vollständigen Ursprünglichkeit erhalten.

Nr. 4. Canton Wallis. – Die französische Mode hat die charakteristischen Eigentümlichkeiten der Volkstracht meist verwischt. Von derselben ist nur noch der Hut übrig geblieben, welcher allen fremden Einflüssen Widerstand geleistet hat.

Nr. 5. Canton Zürich. – In der Tracht der Züricherin paart sich würdevoller Ernst (der schwarze Rock) mit heiterer Farbenlust (rotes Leibchen mit gelbem, schwarz eingefasstem Brustlatz).

Nr. 6. Canton Zug. – Da die Bevölkerung des Cantons Zug vorzugsweise Ackerbau treibt, ist danach die Tracht der Bäuerinnen eingerichtet. Bemerkenswert ist die als Kopfputz dienende, aufgesteifte Rüsche, welche an eine Sonnenblume erinnert.

Nr. 8. Canton Luzern. – Auch die Bevölkerung dieses Cantons treibt Ackerbau, weshalb die zu Feldarbeiten passende weibliche Tracht mit der des Cantons Zug verwandt ist.

Nr. 9. Canton Basel. – Wie Bern ist auch Basel eine bergige Stadt, in welcher viele Strassen treppenartig emporsteigen. Daraus erklärt sich die Notwendigkeit für die Frauen, kurze Röcke zu tragen.

(Nach Photographien von Braun & Co. in Dornach und nach Aquarellen von Bastinos. Für den Text vgl.: Simond, Voyage en Suisse; Raoul Rochette, Leures sur la Suisse 1819, 1820, 1821; C. V. de Sommerlatt, Description des vingt-deux cantons de la Suisse, Bern 1840; Berlepsch; Schweizerkunde; W. Kaden, Schweizerland) .

Quelle: Geschichte des Kostüms in chronologischer Entwicklung von Albert Charles Auguste Racinet. Bearbeitet von Adolf Rosenberg. Berlin 1888.

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