Friesische Braut aus Westerland auf Sylt.

Deutschland. Friesische Braut aus Westerland auf Sylt. Um 1800.

FRIESISCHE BRAUT AUS WESTERLAND AUF SYLT. Um 1800.

Von A. von HEYDEN.

Die Erscheinung unserer Kostümfigur hat etwas ausserordentlich Originelles. Wesentlich hat sich in den fast hundert Jahren, welche zwischen der Tracht der Braut aus dem Jahre 1724 (145. Blatt) und der vorliegenden verflossen, das Kostüm geändert.

Der »Huyf«, die Kopftracht, ist zwar an sich gleich geblieben und hat nur in der Form etwas gewechselt; er ist höher, erweitert sich nach oben, trägt oben einen Kranz runder Metallschellen und wird ganz auf den Scheitel des Kopfes gesetzt.

Unter dem »Huyf« fällt ein bis zum Oberarme reichender Schleier von rotem Seidenstoff hervor, welcher an seinen senkrechten Rändern mit grossen, flachen Metallknöpfen geziert ist; ähnliche Metallknöpfe garnieren den weissen Saum des schwarzen, vorn offenen Samtmieders, dessen weite Ärmel nur bis zum Ellbogen reichen.

Brust und Hals sind durch ein weisses, oft durch Stickerei verziertes Leinenhemd mit Stehkragen, der vorn offen etwas übergeklappt, bedeckt. Der Rock, von weissem Leinen- oder Wollstoff, »Boxen« genannt, ist in viele enge Falten gelegt und erreicht kaum die Länge desjenigen, welchen die Frau um 1724 trug; er zeigt die ganze Wade des mit roten Strumpf bekleideten Beines; seine Ärmel sind eng und treten aus den dunklen bauschigen Ärmeln der Jacke hervor.

Das Leibchen, an welchem diese Ärmel befestigt sind, ist nicht zu sehen, da die ganze Mitte des Leibes durch einen breiten, mit Knöpfen und Metallringen dicht besetzten Gürtel fast unförmlich verdeckt ist; unter letzterem wird ein zweiter, farbiger, dünner Gürtel angelegt, dessen Enden an einer Seite über den roten und weissen Rand des Metallgürtels übergeschlagen sind.

Figur 1. Festtags Tracht

Um die Hüften endlich ist noch ein roter auf der rechten Seite gebundener Schal befestigt, welcher ebenfalls »Bialt« genannt wurde, wie der goldene Brautgürtel von 1724, so dass von der Taille des Mädchens eigentlich nichts zu sehen ist.
Selbst in dem Feiertagsanzug, welchen beifolgender Holzschnitt (Fig. 1) wiedergibt, verschwindet die Taille unter dem roten »Bialt«, dem auch rote Oberärmel entsprechen.

Die Hände sind mit roten gestrickten Handschuhen bekleidet; in der einen Hand trägt unsere Figur das notwendige Requisit einer Braut jener Zeit, ein grosses, bunt-seidenes Taschentuch.

Das Kostüm hat sich in dieser Form noch bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts erhalten; ebenso auch das Werktagskostüm, welches unser Holzschnitt (Fig. 2) genau nach einer Puppe wiedergibt, die sich noch im Besitze der alten Frau Hansen von Keitum, der Gattin des um die Geschichte und Kulturgeschichte von Sylt so hochverdienten C. P. Hansen, fand.

Der weisse Rock, mit weitem, an der Hand durch ein Bündchen geschlossenem Ärmel, reicht ebenfalls nur wenig über das Knie und deckt einen Unterrock von weissem Pelz, »Siihet« genannt; um die Hüften ist wieder der rote Wollschal geschlungen und über den Kopf ein rotes Tuch gelegt, welches sogar den Mund verhüllt.

 

Fig. 2. Werktagskostüm

Das Mieder, von dem in der Ansicht nur die weiten Ärmel sichtbar sind, ist rot. Es hängt das mit der Sitte der Bewohnerinnen der friesischen Inseln zusammen, das Gesicht zu verhüllen, vielleicht um sich gegen den Einfluss des schneidenden Windes und der von ihm mitgeführten feinen Sandkörner der Dünen zu schützen. Auf einigen Inseln sollen die Frauen früher eine Art Gesichtsmaske getragen haben. Jetzt ist das Verhüllen des Gesichtes nicht mehr Sitte. Auch die Strümpfe des Werktagsanzuges sind rot.

Quelle: Blätter für Kostümkunde. Kostümkunde. Historische und Volkstrachten. Dritter Band. Beschreibender Teil. Herausgegeben von A. von Heyden. Berlin. Franz Lipperheide. 1887.

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