Gunther. Kostümentwurf für Der Ring des Nibelungen.

Gunther

Gunther. Kostümentwurf für Der Ring des Nibelungen.

Das Rheingold.

GÖTTERDÄMMERUNG. GUNTHER, eine der unglücklichsten Gestalten, welche die Legende irgend eines Landes kennt. Trotz Krone, Waffen und Königsmantel prägt sich in Haltung und Physiognomie die Schlaffheit aus, die sein Verhängniss wird. Als ihm Hagen räth, sich um das hehrste Weib der Welt zu bewerben: –
„auf Felsen hoch ihr Sitz;
ein Feuer um brennt ihren Saal:
nur wer durch das Feuer bricht,
darf Brünnhilde’s Freier sein,“
lautet seine Gegenfrage:
„Vermag das mein Muth zu bestehn?“
Und ohne viel Bedenken erklärt er sich bereit, sich sein Weib von Siegfried aus der sie umlodernden Gluth holen, Siegfried für sich freien zu lassen. So schreitet er von einem Kompromiss mit Herz und Gewissen zum andern, bis in dem Königssaal der Gibichungen eitel Trauer und Herzeleid wohnen. Dennoch fehlt es dem Bilde des unglücklichen Königs nicht an versöhnenden Zügen. Trotz Brünnhildes gegen Siegfried gerichtete vernichtende Anklage packt ihn ein Grausen, die Blutbrüderschaft zu brechen, die er Siegfried zugeschworen hat. Mitleid mit Gutrune erfüllt ihn und will ihn verhindern, ihren Gatten dem Tode zu weihen. Und als Hagens in Siegfrieds Trinkhorn geträufelter Saft die Wirkung des ihm von Gutrune gereichten Liebestranks aufhebt und der junge Held träumerisch die Wahrheit vor den lauschenden Mannen König Gunthers wiederfindet, erkennt dieser letztere die Unschuld Siegfrieds und fällt seinem Mörder – zu spät – in den Arm.

Original Text aus: Das Rheingold aus der Oper Der Ring des Nibelungen von Richard Wagner. Kostümentwürfe für den ersten Ring-Zyklus von Prof. Carl Emil Doepler, 1876. Uraufführung am 22. September 1869 im Königlichen Hof- und Nationaltheater München.

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