Das Haberfeldtreiben. Oberbayerisches Rügegericht.

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Ein Haberfeldtreiben. Nach einer Originalskizze auf Holz gezeichnet von A. Baldinger

Rund um das Haberfeldtreiben von Michael Gsodschneider.

Von der Wirklichkeit zur Geschichte

Unsere Bayerische Geschichte ist reich an Vorgängen, an denen entweder die Bauern in großen Maßen oder auch einzeln beteiligt waren. Denken wir an den Mathias Klostermeier, genannt der Bayerische Hiasl, die Schachermüller und später an den Mathias Kneißl. Erinnern wir uns an die vielen Einzeltragödien die sich zwischen pflichtbewussten Jägern und Hegern und den Wildererschützen in einsamer Bergwelt abspielten. Dramen wurden über Wilderer und Jäger geschrieben und zumeist wurde fälschlich der Wilderer zum Helden gemacht.

Kaiser Karl von Untersberg.

Kaiser Karl von Untersberg (Untaschberg)

Noch mehr beschäftigten sich berufene oder auch unberufene Schriftbeflissene mit dem Haberfeldtreiben, einen Brauch, der nach Dr. Adlmaier (Der Oberländer Habererbund. 1926) seit der Zeit des Schmied von Kochel, Sendlinger Bauernschlacht nachweisbar ist.

Falk W. Zipperer hat in seinem umfassenden Werk: „Das Haberfeldtreiben, Seine Geschichte und Bedeutung“ unter Stützung aller erreichbaren Quellen, Licht in die Haberergeschichte gebracht. Das Werk ist im Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar erschienen und umfasst 170 Seiten.
Zipperer, der wohl Jahre brauchte um alle erreichbaren Quellen nachzuforschen, ist es als dem bisher Einzigen gelungen alle Treiben folgerichtig aufzuzählen. Wenn man bedenkt daß die wenigen heute noch lebenden Haberer sich nach Jahrzehnten noch an ihren damals geleisteten Eid gebunden fühlen, so muß man den Autoren große Anerkennung für sein Werk zollen.
Wer je den Versuch gemacht hat, einen ehemaligen Haberer auszuhorchen, wer beitragen wollte die Geschichte zu erforschen, der scheiterte an den Hinweis auf den Eid. “ Bal i`a`ma`i hi`bin, kost s Büachl ham“ (wenn ich einst, bald, tot bin kannst du das Büchlein haben), so sagte mir ein alter Haberer der an mehr als zwanzig Treiben teilgenommen hatte.
Zipperer beruft sich neben anderen Quellen in der Hauptsache auf Dr. Adlmaier und Georg Quert. Was Dr. Adlmaier in mühseliger, jahrelanger Arbeit und den wenigen, was ihm der letzte Haberermeister Thomas Bacher von Westerham genannt “ Bräuthama“ oder auch “ da lang Thama von Westried“ sagte, zusammentrug, ist grundlegend für die weitere Erforschung der Haberergeschichte.
Wir wollen nicht den Wert dieses einzigartigen Buches etwa schmälern, sondern beitragen die nun einmal eingeleitete Forschung zu erleichtern.
Da ist in Zipperer`s Forschungsbuch auf Seite 72, Absatz II unter Berufung auf Georg Queri das Treiben in der Nacht vom 30. auf 31 Oktober 1892 zu Götting erwähnt. Besonders glückliche Zufälligkeiten waren es, die uns eine Abschrift des damals angehefteten Plakates, dessen Erfindung man dem „Daxer von Wall „, Johann Vogl zuschrieb, in die Hand spielten.

Haberer Treffen. Sauerlach, Amt Miesbach,1895 (Auszug).

Haberfeldtreiben, Sauerlach, Amt Miesbach,1895 (Auszug)

Interessant ist, daß als Drucker und Verleger H. Zawelly, Bern, Schweiz, angegeben ist. Während bei diesem Treiben noch kein Stempel unter Berufung auf “ Kaiser Karl vom Untersberg “ verwendet wurde, haben die Haberer einen solchen bei späteren Treiben verwendet.
Zipperer erwähnt auf Seite 77 seines Buches das Treiben in Sauerland in der Nacht vom 26. auf den 27. Oktober 1894. Da der Schriftleitung die Originale und deren Aufbewahrung bekannt ist, dürfte Dr. Adlmaier und Georg Queri infolge der mündlichen Überlieferung ein Irrtum unterlaufen sein.

Haberfeldtreiben

Haberfeldtreiben

Was für die weitere Erforschung der Haberergeschichte ausserordentlich wertvoll ist, ist das 1866 mit Waffengewalt der damaligen Machtinhaber verhinderte Treiben am 21. Oktober bei Rosenheim. Bei diesem Treiben wurde durch, vermutlich Gendarmen, der Schmiedsohn Sixtus Maier von Langenpfunzen erschossen und eine Anzahl Kameraden, die zum Teil aus dem Wasserburger Bezirk stammten, gefangen. Immer wurde behauptet, daß die damalige Staatsgewalt nachsichtig gegen die Haberer vorging. Damit ist der Beweis geliefert, daß schon 1866 die schwarzen Machthaber gegen Bauernrecht und Bauernbrauch Sturm liefen. Zu verstehen ist das sehr wohl, da sich die Haberer nicht scheuten, auch den “ Herr`n „, soweit es notwendig erschien, das Sündenregister vorzuhalten.

Zwischen den durchaus glaubhaften Angaben des letzten Haberfeldmeisters, unseres Trachtenvaters Thomas Bacher und den mündlichen Überlieferungen seines vorgegangenen Haberermeisters Hans Vogl, Daxer von Wall, klafft eine große Lücke.
Tatsache soll sein, dass der Daxer von Wall als „Posthalter“ 1886 wegen Schwatzhaftigkeit und Bruch des Haberereides abgesetzt werden musste. Auch hier beruft sich Zipperer auf das Buch von Dr. Adlmaier.

Hans Vogel Haberermeister

Hans Vogel, Daxer von Wall, Haberfeldmeister

Über den viel umstrittenen Daxer von Wall, Hans Vogel, berichtet Dr. Adlmaier auf Seite 11 in seinem Buch. Hans Vogel soll ein großer Juxvogel gewesen sein, den seine zum Teil sehr derben Scherze oft mit dem Gericht zusammen führten. Die Episode, wo er nur mit einem kurzen „Pfoad“ (Hemd) bekleidet vor einem neuen Heuwagen stand und mit diesem vor einem vorbeigehenden Bittgang nicht entsprechende Auseinandersetzung führte, ist im ganzen Oberland bekannt. Ebenso eine andere Geschichte bei der während einer Fronleichnamsprozession eine Magd durch die Bretter viel.

Daxerhof um 1900

Daxerhof um 1900,  mit damaligen Besitzern Schlosser.

Wohl aus Dummheit hat die unrühmlichste Rolle in der Zeit der Habererprozesse der „Killi Hausl“ gespielt, der am 13 April 1886 verhaftet wurde. Nach Dr. Adlmaier, muss trotz anderer Meinungen der „Killio“ Mitglied des Habererbundes gewesen sein. Nach seiner Einlieferung in das Gefängnis in München an der Baderstraße leugnete er zuerst, dem geleisteten Eid treu, alles. Als ihm die gewieften Kriminaler über das Ohr schlugen, nannte er alle die er kannte. So kam auch der letzte Haberermeister unser „Trachtenbacher“ hinter die eisernen Gardinen. Bei einer Gegenüberstellung  mit dem „Killio“ wußte Thomas Bacher von gar nichts. Und als er nach Schluss des Verhöres dem „Killio“ in`s Gesicht spuckte, da ging dem Verräter ein Licht auf. Später, aber zu spät, zog er seine Angaben zurück.

Der letzte Haberfeldmeister Thomas Bacher in Amtstracht

Sehr viel ließe sich noch über die Decknamen und die Geheimsprache der Haberer anführen, vergessen wurde jedoch die Verständigung unbekannter Haberer unter sich. Da trafen sich in einer Wirtschaft zu Miesbach zwei unbekannte Bauern. Wortkarg saßen sie einander gegenüber und tranken ihr Bier. Der eine greift in die Hosentasche und holt einige Haferkörner heraus um scheinbar mit diesen zu spielen. Machte es der andere ebenso, konnte er annehmen, es handele sich um einen Gleichgesinnten. Ging der Gegenübersitzende nicht darauf ein, wurden die Haferkörner zerbissen und auf den Boden gespuckt. Diese Überlieferung ist durchaus glaubwürdig.

Etwas fehlt in dem so sehr wertvollen Buch von Zipperer, ebenso bei Dr. Adlmaier, das Original des Bannbriefes von Erzbischof Gregoires, der unterm 30. Oktober 1866 in München erlassen und von allen Kanzeln der Diazöse verlesen wurde.

Der letzte Haberfeldmeister Thomas Bacher in Amtstracht. Thomas Bacher

Nach Beginn der üblichen Einleitung und unter Hinweis auf die Hirtenworte vom 8. November 1863 heißt es unter anderem: “ … verhängen Wir darum hiermit für die Zukunft über alle Anstifter und Teilnehmer des sogenannten Haberfeldtreibens die größere Exkommunikation oder den größeren Kirchenbann“. In nachfolgenden Worten folgt die bekannte Begräbnisverweigerung und alles was damit zusammen hängt. Trotz ihrer Gläubigkeit ließen sich die Haberer von ihrem Brauch nicht abbringen. Im Gegenteil, sie wurden halsstarrig und gingen erst recht vor. Um schlußwendend noch einmal auf das Brauchtum zurück zu kommen, müssen wir Dr. Adlmaier recht geben, wenn er sagt, dass der Kampf der Bauern ein sich wehren gegen das römische Recht war. Die Bauern von 1705 an, wollten ihr bayerisches Landrecht behalten und wollten keine volksfremde Gesetzgebung. Stolz kann jener sein den vergangenes römisches Recht auf Monate oder Jahrzehnte hinter schwarzrote Zuchthausmauern brachte.

(Abschrift eines Original Manuskriptes von Michael Gsodschneider, Herausgeber des „Neuen Münchener Punsch“ aus dem Jahre 1927)

Weiterführend:

  • Konrad Adlmaier: Der Oberländer Habererbund. Heimatbücherverlag Müller & Königer, München 1926.
    Georg Queri: Bauernerotik und Bauernfehme in Oberbayern. Alitera-Verlag, München 2004, ISBN 3-86520-059-1.
    Ferdinand Kopp (Hrsg.): Traubinger Heimatbuch, Selbstverlag, 1981
    Alexander Langheiter: Thomas Bacher. In: Miesbach – ein Kulturführer. Miesbach: Maurus, 2006.
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