Hagen. Kostümentwurf. Der Ring des Nibelungen.

Hagen

Hagen. Kostümentwurf. Der Ring des Nibelungen.

Das Rheingold. Götterdämmerung.

HAGEN. In Alberichs Sohn Hagen verkörpert sich das feindselige Geschick, dem die Helden, Könige und Fürstentöchter und in letzter Reihe die Götter Walhalls erliegen. Seine Mutter, die Gibichungen – Königin Grimhild, liess sich von dem Gold Alberichs verführen, der die Minne verschwor, ohne der Lust zu entsagen. Schon die Wala hatte geweissagt:
„Wenn der Liebe finstrer Feind
zürnend zeugt einen Sohn,
der Seligen. Ende
säumt dann nicht!“
Dieser Sohn, „des Hasses Frucht“, ist der finstre Hagen. In dunkler Rüstung und dunklem Mantel lehnt er sich auf seinen Schild. Die wie aus Erz gegossnen Züge sind von schwarzen Locken und ebensolchem Bart eingerahmt. Der rothe Gurt, die Hals- und Armspangen und der geflügelte Helm mit ihrem Erzschimmer hellen nur wenig die düstre Erscheinung auf. Woran liegt es nun, dass Hagen trotz der bösen Rathschläge, die er seinen Halbgeschwistern zuraunt, trotz seiner Winkelzüge und Gewaltthaten nicht völlig unerträglich wirkt und dass sein Thun und Trachten die Theilnahme lebendig erhält? Wohl daran, dass er als Sendling des Hasses geboren, nur eine Aufgabe, nur ein Verhängniss erfüllt. Alberich lässt ihn darüber nicht im Zweifel, dass er zu zähem Hass,
„dem Wälsung und Wotan zum Hohn“
erzeugt und erzogen sei. Auch dankt Hagen dem „schlimmen Alben“ sein Leben nicht:
„früh alt, fahl und bleich
hass‘ ich die Frohen,
freue mich nie!“
Alberich vertröstet den Sohn darauf, dass sie beide, wenn anders Hagen ihm in Treuen gehorche, Wotans und Siegfrieds Erbe antreten, dass sich ihnen Walhall und Nibelheim neigen sollen, da das Walsungenkind des Ringes Macht nicht zu nützen verstehe. So schreitet denn Hagen, seiner Sendung gehorchend, auf blutbedecktem Pfade dahin, um schliesslich in der Umschlingung der Rheintöchter, denen Brünnhilde vom Scheiterhaufen aus den Nibelungenreif zuwirft, in der Tiefe des Rheins unterzugehen.

Original Text aus: Das Rheingold aus der Oper Der Ring des Nibelungen von Richard Wagner. Kostümentwürfe für den ersten Ring-Zyklus von Prof. Carl Emil Doepler, 1876. Uraufführung am 22. September 1869 im Königlichen Hof- und Nationaltheater München.

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