Bürger, Handwerker, Adel in Frankreich, 17. Jh.

Bürger, Handwerker, Adel. Frankreich, 17. Jahrhundert.
Oben 1, 2, 3,
Unten: 4, 5, 6,

FRANKREICH 17. JAHRHUNDERT. BÜRGER UND HANDWERKER. ADEL; BALLKOSTÜME. (1667-1677.)

Nr. 1, 2 und 3, – Handwerker und Tapezierer des Königs.

Diese drei Figuren sind einer Tapisserie aus der Mobilienkammer (Garde-Meuble) entlehnt, die einen Besuch Ludwigs XIV. und Colberts in der Manufacture royale des meubles de la couronne darstellt. Die Zeichnung ist von Charles Le Brun.

Die Handwerker Nr. 1 und 2 sind im Arbeitskostüm: Wams mit in den Gürtel gesteckter Schürze und weite Hose von derselben Farbe. Nr. 2 trägt die rhingrave (Rheingrafenhose), die erst 1680 aus der Mode kam. Man bemerkt keine Spur von Leibwäsche.

Lefèvre, der Unternehmer der mit den Gobelins verbundenen Tapetenwirkerei, repräsentiert den Bürgerstand: Perücke, crinière de lion; Rock aus leichtem Tuch mit einer Reihe kleiner Knöpfe und kurzen Ärmeln; Kravatte mit freifallenden Enden; Hose, dunkler als der Rock; seidene Zwickelstrümpfe; gelblederne Schuhe mit roten Absätzen.

Nr. 4, 5 und 6. – Tänzer im Ballkostüm; Musiker.

Die Trachten dieser Figuren gehören der Zeit von 1675 bis 1680 an.
Der Tänzer trägt einen rotseidenen Rock mit goldener oder gelber Galonierung, von oben bis unten geknöpft, mit grossen Taschen an der Vorderseite und Goldfransen am Saum; Schulterschleife; kurze Ärmel mit Seide gefütterten Aufschlägen; seidene Strümpfe mit Strumpfbändern, die an beiden Seiten des Beines einen Tuff bilden; Schuhe mit Schleifen und hohen Absätzen.

Die Dame trägt ein tiefausgeschnittenes, spitzenbesetztes Mieder, auf der Brust und zwischen den Schultern durch Goldketten verbundene Kokarden. Eine ebensolche Kokarde, le rond, steckt seitwärts in dem gelockten Haar. Schuhe ohne Absätze. Nr. 6 ist ein Mitglied des zum Tanz aufspielenden Orchesters.

Die im 17. Jahrhundert üblichen Tänze waren das Menuet, die Pavane, die Passacaille, die Chaconne, die Courante, die Sarabande, die Gavotte u. s, w. Takt und Regel der verschiedenen Pas sind in der Orchésographie (Die Lehre der Tanzbeschreibung) des Kanonikus Thoinot Arbeau überliefert.

Der Teppich der Mobilienkammer und das Gemälde „Ein Ball nach dem Diner“ befinden sich im Besitz des Herrn Victorien Sardou und waren in der Kostümausstellung im Industriepalast zu Paris 1874 ausgestellt.

Vgl. Quicherot, Histoire du costume en France. – Alf. Darcel, Les Tapisseries du Garde-Meuble.

Quelle: Geschichte des Kostüms in chronologischer Entwicklung von Albert Charles Auguste Racinet. Bearbeitet von Adolf Rosenberg. Berlin 1888.

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