Der Harnisch und seine Bestandteile.

Harnisch, Rüstung und dessen Bestandteile im 15. Jahrhundert.

Der Harnisch und seine Bestandteile.

Deutscher Harnisch (Rüstung) aus der Zeit Maximilians I. (1459 – 1519)

Frührenaissance, Spätgotik, ausgehendes Mittelalter. Burgunder Modeepoche.

Erklärung der einzelnen Teile der Rüstung.

  • a Helm
  • b Visier
  • c Kinnstück
  • d Kehlstück
  • e Nackenschirm an demselben
  • f Halsberge
  • g Bruststück
  • h Rückenstück
  • i Vorder- und Hinterschurz
  • k Achselstücke
  • l Federstifte zum Festhalten der Achselstücke
  • m Ränder der Achselstücke
  • n Armzeug, Ober- und Unterarmschienen.
  • o Ellbogenstücke (Ellbogenkacheln)
  • p Rüsthandschuhe mit Stulpen
  • q Rüsthacken zum Einlegen der Lanze.
  • r Schenkelstücke (Dielinge oder Diechlinge)
  • s Kniestücke.
  • t Beinschienen (Beinröhren)
  • u Schienenschuhe (Bärenfüße)
  • v Panzerhemd (Ringelpanzer)

Die Geschichte der Rüstung im Überblick

 

Rüstung (hierzu Tafel „Rüstungen und Waffen“), eine Bekleidung zum Schutz gegen Verwundungen und hierin gleichbedeutend mit Panzer.

Schon die Krieger der ältesten Kulturvölker schützten einzelne Körperteile, namentlich den Kopf und die Brust, durch Helm und Küraß. Assyrische und chaldäische Soldaten trugen (710 v. Chr.) einen hemdartigen Panzer, dessen Metallschuppen auf Büffelhaut genäht waren, bei den Leichtbewaffneten bis zur Hüfte, bei den Schwerbewaffneten, auch Hals und Oberarm bedeckend, bis zu den Füßen reichend. Beinschienen bedeckten die Vorderseite des Beins bis zum Knie. Die Reiter trugen ein Maschenpanzerhemd mit Hinterschiene und kurzer Rüsthose, wie die deutschen Ritter des Mittelalters.

Römischer Legionär.

In Ägypten kommen neben Brustschienen Panzerhemden aus Bronzeschuppen von 20 bis 25 cm Größe schon um 1000 v. Chr. vor. Ebenso waren solche Schuppenpanzer bei den Parthern, Persern und Sarmaten gebräuchlich.
Die Griechen trugen um diese Zeit schon bronzene Brust- und Rückenpanzer, je aus einem Stück geschmiedet oder aus dachziegelförmigen Schiebeplatten bestehend, und Beinschienen (Knemiden) an beiden Beinen, gleich den Etruskern.

Griechischer Krieger, Hoplite, ca. 660 v. Chr.

Bei den Römern trugen die Veliten (leichtbewaffnete Infanterie) gleich den Samnitern und den wie sie gerüsteten Gladiatoren am linken, die Schwerbewaffneten (hastati) am rechten, dem beim Kampf vorgesetzten Bein die Beinschienen (ocreae). Der Schuppenpanzer (lorica) bestand aus Schuppen von Metall, Knochen oder Horn, nach Form der Fisch- (rund) oder Schlangenschuppen (rautenförmig) oder der Vogelfedern, die auf Leder oder Leinwand mit Lederriemen oder Draht befestigt waren, und bedeckte außer Brust und Rücken auch Bauch, Hüften und die Schultern. Die Kataphrakten, schwerbewaffnete Reiter, waren ganz, bis zu den Füßen und Händen, auch ihr Pferd ganz mit einem Schuppenpanzer bekleidet. Ein aus biegsamen breiten Stahlbändern zusammengesetzter, Taille und Schultern bedeckender Panzer, den Körperbewegungen sich anschmiegend, wurde zur Kaiserzeit von den Legionären, Reitern wie Fußvolk, getragen. Daneben gab es für die Heerführer, Konsuln, Imperatoren etc., Prunkrüstungen, welche, aus Eisenblech gehämmert und zusammengeschmiedet, dem Körper angepaßt und mit Reliefs, Vergoldung und sonstigen Zieraten versehen waren. Zur Zeit der Republik trugen die Hastati Kettenpanzer, auf Leder genähte Ketten, die aus kleinen Metallringen zusammengesetzt waren.

Merowingisch-fränkischer Krieger ca. 600 n. Chr.

Krieger aus der karolingisch-fränkischen Periode. 9. – 10. Jahrhundert.

Die deutschen und fränkischen Ritter trugen im 8. Jahrh. eine aus gepolsterter Leinwand oder Leder gefertigte, mit aufgenähten eisernen Ringen, Ketten, Metallplatten oder dicken, vernieteten Nagelköpfen häufig gitterförmig besetzte ärmellose Panzerjacke (Brünne, Brunnika oder Haubert genannt), die bis zur Hüfte reichte und mehrere Jahrhunderte lang noch von unbemittelten Edelleuten und Schildknappen getragen wurde, während vom Ende des 10. Jahrh. an der Ritter ein derartiges bis zum Knie reichendes Panzerhemd trug, dessen Ärmel anfänglich am Ellbogen aufhörten; später waren Rüstärmel und Rüsthosen mit demselben fest verbunden; ebenso saß eine Art Nacken und Kopf bedeckender Kapuze, Kamail, auch Helmbrünne genannt, daran. Ein aus mehreren Lagen gepolsterten und gesteppten Zeugs gefertigtes Wams, rautenförmig mit Lederstreifen, von aufgesetzten Ringen oder breitköpfigen Nägeln zusammengehalten (gegittertes Panzerhemd), benäht, war im Norden gebräuchlich. Die langen Panzerhemden hießen großer Haubert, zum Unterschied von der Panzerjacke, dem kleinen Haubert. Die Schuppenpanzer dieser Zeit wurden Jazerans oder Korazuns genannt. Aber schon vor dem 11. Jahrh. war in Mitteleuropa und im Norden das Maschenpanzerhemd, der Ringelpanzer, der geringelte Haubert mit Ringelkapuze oder ganze Brünne bekannt. Da die Ringe geschmiedet und genietet waren (es sind Reste solchen Panzers gefunden, deren Ringe nur 5 mm Durchmesser haben!), so gehörten die Ringelpanzer jener Zeit zu den kostbaren Rüstungen wohlhabender Ritter, und erst nach Erfindung des Drahtziehens (1306 durch Rudolf von Nürnberg) wurden sie allgemeiner und so dicht gefertigt, daß die Miserikordia und der Panzerbrecher (s. Dolch) nicht hindurchdringen konnten. Sie wurden in Frankreich über einem gesteppten Leder- oder Zeugwams, dem Gambesson (daher in Deutschland „Gambeis“), getragen.

Ritter aus der zweiten Hälfte des XI. Jahrhunderts.

Ritter aus dem XII. Jahrhundert.

Ritter aus der Mitte des XIII. Jahrhunderts in den Farben eines Grafen von Württemberg.

Ritter von ca. 1300 in den Farben eines Grafen von Eberstein.

Über dem 25-30 Pfd. schweren Ringelpanzer trug der Ritter einen aus leichtem Stoff gefertigten und mit dem Wappen oder andern Merkzeichen gestickten Waffenrock. Auf dem Kopf trug der Ritter zunächst eine gepolsterte Zeugmütze, die Wattenkappe, Harnaschkappe oder Gugelhaube (Kugelhaube), deren dem heutigen Baschlik ähnliche Enden um den Hals geschlungen wurden. Die Gugelhaube war in der Regel das Geschenk einer Dame, von dieser in den ihrem Geschmack entsprechenden Farben geziert, daher es später bei den Rittern Gebrauch wurde, diese „Farben der Dame“ frei zu tragen und auf den Schild zu übertragen. So ging aus der Gugelhaube die in der Wappenkunde so bedeutungsvolle Helmdecke (lambrequin) hervor. Sie steht in gewisser Beziehung zu der Zindelbinde, die ursprünglich zur Befestigung des „Kleinods“ (cimier, daher „Ziemierde“) auf dem Helm diente, später aber als Liebespfand nur um das Kleinod oder den Helm geschlungen mit flatternden Enden getragen wurde.
Über der Wattenkappe wurde dann häufig die Ringelkapuze (Maschenkappe), unter oder über dieser die kleine Kesselhaube, die Hirnkappe, getragen, hierüber kam dann für den Kampf noch der Topfhelm.

In Italien war bis zum 16. Jahrh. die Brigantine, eine Schuppenpanzerjacke, so genannt, weil sie auch zum Schutz gegen den Dolch der Banditen diente, gebräuchlich. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts wurden Arme und Beine durch Platten von Stahl, auch die Brust mit einer solchen Rüstung bedeckt, woraus sich im Lauf des 14. Jahrh. die Plattenrüstung entwickelte, so daß um 1360-1370 die ganze Blechhülle des geharnischten Ritters vollendet war.

Rüstung aus dem letzten Drittel des XV. Jahrhunderts. Rückenansicht.

Eine vollständige Plattenrüstung bestand in ihrer höchsten, am Anfang des 16. Jahrh. erreichten Entwicklung aus folgenden Teilen: Den Hals schützte die mit dem Helm verbundene, aus mehreren übereinander greifenden Querschienen bestehende Halsberge. Mit der Halsberge hingen die Achselstücke zusammen; an welche sich vorn und hinten gerundete Platten anschlossen, die Vorder- und Hinterflüge. Da der rechte Vorderflug zum Einsetzen der Lanze etwas kürzer war, schützte man die Achselhöhle durch eine mit einem spitzen Stachel versehene Platte, die Schwebscheibe. Die Armschienen bestanden aus dem Ober- und Unterarmzeug und den sie verbindenden, beweglichen Ellbogenkacheln oder Mäuseln. Die Hände wurden durch eiserne Handschuhe, die Henzen, mit mehr oder minder gegliederten Fingern geschützt, die oft sehr künstlich zu bewegen waren, wie die noch vorhandene „eiserne Hand“ des Götz von Berlichingen beweist. Brust- und Rückenstück des Harnisches waren meist aus je einem Stück geschmiedet und durch Riemen miteinander verbunden. Eine besondere Art aus Schienen zusammengesetztes Bruststück des Harnisches nannte man wegen seiner Gestalt Krebs.
Vom Harnisch fiel zu beiden Seiten über die Oberschenkel ein aus Querschienen bestehender, beweglicher Schurz herab, den man Leib- und Hinterreifen nannte. Die Bedeckung der Beine zerfiel wie die der Arme in drei Hauptteile: die Oberschenkeldecke (Beintaschen oder Diechlinge), die Kniekachel (genouillière) oder -Kapsel und die Beinröhren oder Beinschienen für die Unterschenkel. Daran waren die Eisenschuhe befestigt, die etwa seit 1490 vorn stumpf waren (Bärenfüße).
Mit Ausnahme des Harnisches, der immer schwerer zum Widerstand gegen die Feuerwaffen aus Eisen geschmiedet wurde, fertigte man im Lauf des 16. Jahrhunderts alle Teile der Rüstung aus beweglichen Schienen. Bis gegen die Mitte des 16. Jahrh. wurde die Rüstung ganz aus poliertem Stahl, sogen. lichten Eisen, gefertigt. Die erste Hälfte dieses Jahrhunderts war zugleich die höchste Blüte der Plattner- oder Harnischmacherkunst. Die Plattner versahen Helme und Harnische mit den kunstvollsten figürlichen und ornamentalen Darstellungen in getriebener Arbeit und dekorierten das lichte Eisen durch Gravieren, Niellieren, Tauschieren, Vergolden, Ätzen und Bohren des Metalls. Für solche Prachtrüstungen zeichneten die Plattner entweder selbst die Entwürfe, oder sie ließen sie sich von Malern anfertigen. Nürnberg, Augsburg, München und Innsbruck waren in Deutschland die Hauptstätten der Plattnerkunst.

Rüstung eines Reiters, Kürissers (schwere Kavallerie), aus der Zeit des 30jährigen Krieges um 1630.

Die Rüstung der Pferde, der Rosspanzer, war wie die des Ritters ursprünglich aus Leder, dann aus Kettengeflecht, bis das Streitross gegen Ende des 15. Jahrh. ebenfalls mit einer vollständigen Plattenrüstung in die Schlacht ging. Sie bestand aus sechs Hauptteilen, dem Kopf-, Hals-, Bruststück, den beiden Seitenstücken und dem Hinterstück. Die Beine blieben unbewehrt. In Deutschland wurde die Rüstung der Pferde erst durch Maximilian I. eingeführt.

Zu Turnieren trug der Ritter häufig über dem Harnisch einen Waffenrock aus Samt oder Seide in den Farben seiner Dame, der durch einen schmalen Gürtel zusammengehalten wurde, während ein breiter, reich verzierter Gurt, der Rittergürtel, links das Schwert, rechts den Dolch trug. Die Halsberge legte der Ritter zuerst an, weil an ihr der Harnisch mit Riemen befestigt wurde. Im übrigen begann das Anlegen der Rüstung an den Füßen, wozu der Ritter der Hilfe des Knappen bedurfte. Der Helm machte den Schluß. Er war mit einem Falz versehen, und dieser verband ihn direkt mit der Halsberge oder dem Ringkragen, so daß der Kopf seitlich bewegt werden konnte. Ferner hatte er Kinnstück und Nackenschirm, ersteres wurde mit einem Haken an der Halsberge befestigt und hielt so den Helm. Kinnstück, Mundstück und Visier wurden gemeinschaftlich durch eine Schraube am Helm gehalten und unter sich durch Haken befestigt. Die Unterlassung dieses Einhakens bei einem Turnier kostete Heinrich II., König von Frankreich, 10. Juli 1559 das Leben. Eine vollständiger Harnisch wog bis 47 kg. Doch sei erwähnt, daß die größten Rüstungen jener Zeit für kräftig gebaute Männer unserer Zeit erheblich zu klein sind. Durch den Harnisch war der Reiter schwer und unbeholfen, die Pferde wegen der zu tragenden Last zum Chok (ein militärisches Angriffsmanöver der Kavallerie) unfähig und stürzten leicht im Kampf. Nach der Einführung der Feuerwaffen kamen die Rüstungen nach und nach außer Gebrauch, da sie gegen die Kugeln der Hakenbüchsen keine Sicherheit mehr gewährten.

Quelle: Meyers Konversationslexikon. Verlag des Bibliographischen Instituts Leipzig und Wien. Vierte Auflage 1889.

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