Die Hormtjungfern. Altenburger Trachten.

Die Hormtjungfern.

Die Jungfrau trägt bei Hochzeiten und Gevatterschaften als Kopfbedeckung das Hormt. Dieses hat die Gestalt einer runden Schachtel ohne Boden und ist inwendig und auswendig mit rotem Damast oder Samt überzogen. Um dieses Hormt herum gehen 13 silberne Bleche oder Tafeln und auf jeder derselben stehen drei Reihen erhabene Knöpfe ebenfalls von Silber. Rund herum hängen nun an Henkeln silberne stark vergoldete Schildchen fast von der Größe und Gestalt kleiner Kirschblätter, die vieles Geklimper aber auch besonders im Sonnenschein, einen blendenden Glanz von sich geben.

Sachsen-Altenburg, Thüringen, Brautleute, Trachten, Kostüme, Friedrich Hottenroth

Sachsen-Altenburg, um 1700. Brautleute.

Hinten am Hormte sind zwei Zöpfe ehemals von den Haaren des Mädchens geflochten deren Stelle aber jetzt Werg vertritt, und sie sind sogleich an das Hormt befestigt, werden mit einem roten oder grünen Samtband umwunden und in einem halben Zirkel über dem Hormt gebogen, etwas nach dem Vorderkopf zu gerichtet. Zwischen den beiden Zöpfen sitzt auf dem Hormte ein Kränzchen von Silberlahn, worunter, wenn das Mädchen Braut ist, grüne, wenn sie aber Gevatter steht, rote Seide gemischt ist und bunte Glasperlen, welche dazwischen schimmern erhöhen den Glanz.

Das Kränzchen hat nach der Mode vielerlei Gestalten bekommen; bald hat es Ähnlichkeit mit einem hohen Fingerhut bald sieht es mehr einem Püppchen ähnlich steht auf drei Füßen und hat oben noch eine vergoldete Glasperle. Am Hinterteil des Hormtes sind auch zuweilen noch Zweige von künstlichen Blumen angebracht. Wo die beiden Zöpfe hinten zusammenstoßen ist eine von rot seidenem Band gemachte Schleife; etwas weiter herunter eine dergleichen, woran die lang herunter hängenden bunten Bänder befestigt sind.

Die von dem Hormte herabgehenden Bänder sind unter dem Kinn mit einer großen Schleife gebunden und halten diesen Kopfputz vorzüglich fest; doch wird es auch ziemlich derb niedergedrückt, so wie auch durch ein seidenes Tuch um den Kopf unter dem Hormte nachgeholfen wird.

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Sachsen-Altenburg, um 1780. Brautjungfer, Bauer.

Bei Gevatterschaften und wenn die Jungfrau eine Braut als Hormtjungfer begleitet sind Zöpfe und Schleifen meist karmoisinrot bei der Braut grün. Dieser Putz der ehemals etwas niedriger war und der auch bei den Wenden noch heimisch ist kostet gewöhnlich 40 – 100 Taler, ist in Familien erblich, wird aber, da ihn bei weitem nicht alle besitzen, unter ihnen verborgt, auch wohl für 4 – 8 Groschen geliehen; man hat ihn aber auch von fein vergoldetem Tomback (auch Domback, Auri sophistici, Metallgemisch aus Kupfer, Messing und Zinn).

Der Hormtschmuck ist noch am schönsten bei großen Bauerhochzeiten zu sehen wenn 20 – 30 und mehr solcher Hormtjungfern die Braut zur Trauung oder bei dem Auszug oder Einzug zu Wagen begleiten. Solche Hochzeiten mit dergleichen Aufzügen sind aber jetzt nicht sehr häufig, und dann begnügt sich die Braut mit einer kleinen Begleitung, oder bei den Ärmeren, die oft von dem Traualtar Nachmittags wieder an ihr Tagewerk gehen und auch wohl mit der Ehre, als Jungfrau aufgeboten und getraut worden zu sein, zufrieden sind, erscheint sie mit einer anständigen Sonn,- oder Festtagsbekleidung, mit einem Tuch um den Kopf, bis sie Sonntags mit der Frauenhaube in der Kirche zeigt, daß sie unter die Haube gebracht worden ist.

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Sachsen-Altenburg, um 1790. Frauen zu Gevatter stehend.

Auch bei Gevatterschaften läßt man jetzt zuweilen das Hormt weg, das freilich wohl wenn es 6 – 8 Stunden zu tragen ist, eine Last wird, zumal in der Sonnen,- und Stubenwärme. Die Hormtjungfern trugen in den alten Zeiten rote Jacken von dunkelrotem Tuch und schwarze Kittel. Die Jacken lagen glatt am Rücken bis auf die Hüften, der untere Teil war nach hinten in sehr kleinen Falten gelegt und hatte am Ende einen erhabenen Rand; sie waren mit großblumigen Katun auf beiden Seiten gefüttert, den man gern zur Schau trug; die Ärmel, die bis zu den Ellbogen reichten, waren sehr dickbauschig, nach der Hand zu knapp anliegend und die ganze Jacke war mit grünem blumigen Samtband eingefaßt wurde mit Schlingen und Häfteln zugemacht unten mit einem grünen Atlasband befestigt dessen Schleife über die zu der Tracht bestimmte weiße Schürze herabhing.

Dazu gehörte der schwarze Tuchkittel, der in sehr viele kleine, dicht aneinander liegende, unten erhöhte Fältchen gelegt war, die noch überdies zusammengeleimt wurden, so daß er ganz steif war. Man sagt er habe 12 bis 14 Ellen Tuch enthalten und über 6 Wochen Arbeit gefordert war also ein teures Kleidungsstück. Er war mit einem ledernen Bund an das dazu besonders eingerichtete Kittelmieder befestigt und man trug darunter auch wohl einen Pelzrock. Auch ein viereckiger Vorstecklatz von schwarzem Tuch oder Samt, oder doch in der Mitte mit einer Samtborde besetzt, und schwarze Strümpfe waren dabei gewöhnlich.

Von dieser ganzen festlichen Tracht wird seit länger als 80 Jahren nichts mehr als nur etwa der schwarze gewöhnlich ererbte Kittel von alten armen Personen getragen.

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Tafel I Historische Altenburg Trachten. Hormtjungfern, Bauersleute

Tafel I

Man sieht hier die Veränderlichkeit, die auch in diesen Trachten vorgekommen und daß sie an sich nicht beweisend für wendische Abkunft ist. Kronbiegel versichert daß er diese Fragmente mühsam aufgesucht habe und wir glauben, daß es der ehrliche Mann und die Abbildungen mit seiner Beschreibung verdienen, sie hier voranzustellen.

Nr. 1. Ein Bauer aus dem 15. und 16. Jahrh., mit hohem Hut in spitz zulaufenden Köpfen (S. 29). Es wurden auch rote Hüte getragen wie ehemals die altenburgischen Bierschröter. Die großen Bärte verloren sich im 17. Jahrh. Bei festlichen Gelegenheiten wurde ein weißes Oberkleid, Schmitzkittel genannt, über ein von Leder verfertigtes schwarzes Wams auch Schmitzkittel genannt, gezogen und darunter war ein rottuchenes Unterkleid. Man trug auch zuweilen Strümpfe und Hosen von gelbem Leder nebst großen Stulpenschuhen, und zum Staat Stiefeln oben mit dicken Wulsten.

Nr. 2. Eine Bäuerin aus jener Zeit. Eine große Mütze von schwarzem oder braunem Bärenfell, hing an einem starken ledernen Bunde um die Stirn. Auch trug man weiße Oberkleider mit roter Einfassung über dem schwarzen Kleid und hatte schon große viereckige Vorstecklätze.

Nr. 3. Eine Braut in dem damaligen Hormte, nur sind die Bügel anders als Tafel VII 1. S. 35. Sie enthielten die wirklichen Haare des Mädchens. Die weißen Ärmel waren sehr steif und faltenreich und endigten fast wie Manschetten am Handgelenk. Weiße Schürze und schwarzer Tuchkittel, große Schuhe mit hohen Stulpen grün eingefaßt, waren ein Hauptschmuck.

Nr. 4. Eine Kopfschürze wurde noch gegen die Mitte des 18 Jahrh. von ledigen und verheirateten Frauen getragen. Es war ein großes, weißleinenes, stark gesteiftes Tuch, wovon die zwei Zipfel herabhingen.

Nr. 5. Ist dasselbe Stück, nur verändert und fest gehalten durch eine starke Wulst mit grünem oder rotem Band um den Kopf und am Kinn befestigt.

Nr. 6. Das Mädchen mit dem Saumagen und Mantel. S. 37, 38, a.b. –

Nr. 7. Das Bartelchen der Frauen ebend.

Nr. 8. Ein Mädchen mit dem Stirntuche. Die jetzige ganz andere Tracht der Mädchen siehe Tafel III. 4. 5. IV. 2. V. 5. VI. 4, X. am Wagen mit Körbchen unter dem Arme am Marktkorb.

Nr 9 Eine wendische Braut schwarz gekleidet hat ein etwas anders gefärbtes Hormt.

Weiterführend: Die Trachten von Sachsen-Altenburg, Thüringen. Blätter für Kostümkunde der Verlagshandlung Franz Lipperheide, Berlin.

Quellen:

  • Sitten, Gebräuche, Trachten, Mundart, häusliche und landwirthschaftliche Einrichtungen der Altenburgischen Bauern von Carl Friedrich Hempel, 1839. Buch unter Googlebooks.
  • Friedrich Hottenroth, 1898. Deutsche Volkstrachten, städtische und ländliche: vom XVI. Jahrhundert an bis zum Anfange des XIX. Jahrhunderts. Volkstrachten aus Süd- und Südwest-Deutschland. Frankfurt am Main: H. Keller, 1898-1902.

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