ITALIEN. RÖMISCHE VOLKSTRACHTEN DES 19. JAHRHUNDERTS.

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TRASTEVERINER. Trastevere.

ITALIEN. RÖMISCHE VOLKSTRACHTEN DES 19. JAHRHUNDERTS.

ROM. TRASTEVERINER. Trastevere.

Die untere Darstellung unserer Tafel ist den 52 Radierungen entnommen, welche der römische Maler Bartolommeo Pinelli (1781-1835) zu dem humoristisch-satirischen Gedichte Meo Patacca von Giuseppe Bernari im Jahre 1823 herausgegeben hat. Obwohl dieses in römischem Volksdialekt geschriebene Gedicht bereits im Jahre 1695 erschienen ist, hat der moderne Illustrator den Figuren die Kostüme seiner Zeit gegeben, sodass die Abbildungen für die Trachtengeschichte aus dem ersten Viertel des 19. Jahrhunderts charakteristisch sind.

Meo Patacca ist ein Volksheld von komischer Färbung, ein revolutionärer Bramarbas, dessen Name (Patacca heisst Kleingeld, Pfennig) seine Popularität, aber auch sein Maulheldentum bezeichnen soll. Den Inhalt des Gedichtes bildet die in Rom verursachte Aufregung bei der Nachricht, dass Wien von den Türken belagert und bereits erobert worden sei. Auf Grund dieser Nachricht ruft Patacca die Bewohner von Trastevere zusammen – diese Scene stellt unsere Abbildung dar, um sie durch seine Beredsamkeit zur Bildung eines Befreiungskorps anzufeuern. Er exerciert die Leute ein und macht sich zu ihrem Kommandanten, bis die Meldung von der Befreiung Wiens eintrifft. Er erhält sie zuerst und verbreitet sie mit demselben Feuer der Beredsamkeit, das er früher bewährt hat. Das Gedicht schliesst mit der Heirat Pataccas und Nuccias, einer schönen Trasteverinerin.

In seinen Tableaux de la ville éternelle (1835) sagt Joseph Regnier: „Nur die Leute aus dem Volke halten an der Samt-Jacke (Carmagnole), dem gestreiften Gürtel (Fascia), den der Jacke gleichen Hosen, den breiten Knieschleifen und den übergrossen Schuhschnallen fest.

Einige tragen ihr dickes Haar in einem seidenen Netz, das an einem Ohr zusammengeknotet ist, und setzen auf das andere Ohr einen spitzen, an der einen Seite aufgekrempten Hut. Um ihre entblössten Schultern ist eine Art roten Halstuchs geschlungen; die kleine Jacke fliegt in der Luft herum wie ein Husarendolman*, und die weisse oder rote neapolitanische Weste wird mit kleinen Ketten, die in silbernen Schnallen endigen, geschlossen. Man nestelt den Knieriemen los, um eine rote Unterhose zu zeigen, welche mit einer flatternden Rosette eng um das Knie befestigt ist.“

* Dolman (türk.), eine mit Schnüren besetzte, kurzschößige Jacke, frühere Bekleidung der Husaren.

Abbildungen:
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Die obere Reihe von Kopftrachten ist demselben Werke entnommen.

Nr. 1. Einer der Zeugen bei Pataccas Hochzeit. Die Mütze ist mit einem über der Stirn zu einer Schleife zusammengezogenen Bande befestigt.
Nr. 2. Junger Mann mit geflochtenen Haaren, die mit einer Schleife und einer Nadel geschmückt sind.
Nr. 3. Marco Pepe, der Nebenbuhler Pataccas, mit derselben Mütze wie Nr. 1. Die über die Stirn gezogene baumwollene Zipfelmütze scheint nur dazu zu dienen, eine Kopfwunde zu verbergen, die ihm Patacea beigebracht.
Nr. 4. Nuccia, Pataccas Braut. Die Haare sind zum Teil geflochten, dazu ein hoher Kamm, Schleifen und lange Ohrgehänge.
Nr. 5. Meo Patacca.
Nr. 6. Mann mit Hut und langem Haarnetz.
Nr. 7. Junger Mann mit Kopftuch.
Nr. 8. Frau mit hohem Chignon und Kamm.
Nr. 9, 10 und 11. Verschiedene Muster von Hüten.
Nr. 12. Hintere Ansicht eines Chignon mit Aufputz.

Vgl. Eugene de Montlaur, De l’Italie et de l’Espagne (Paris 1852). – Ch. de Brosses, Lettres familières écrites d’Italie en 1739 et 1740. Mit einer literarischen Studie und Anmerkungen von H. Bobou (paris 1858).

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