Germanen. Kleidung der germanischen Völker im Mittelalter.

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Skandinavier, Angelsachsen, Normannen und Engländer.

Kleidung der germanischen Völker.

1. Skandinavier, Angelsachsen, Normannen und Engländer.

Skandinavien tritt erst gegen Ende des achten Jahrhunderts aus dem Dunkel einer halb sagenhaften Vorzeit in das Tageslicht der Geschichte ein. Man nimmt an, dass seine Urbewohner Tschuden (finno-ugrische Völker) gewesen seien, die sich hauptsächlich an den Küsten aufgehalten und durch Jagd auf die Tiere des Waldes, des Strandes und des Wassers ihr Leben gefristet hatten. Eine Menge von rohen Werkzeugen aus Feuerstein und Knochen sowie Scherben von plumpen dickwandigen Tongefässen finden sich mit den Abfällen von Mahlzeiten vermischt und zu Hügeln aufgehäuft noch heute in den Bezirken der ältesten Wohnsitze. Nach den Steingeräten pflegt man jene Frühzeit (Wildlingsperiode) das Steinalter zu nennen. Felle dienten dem Schutz des Körpers gegen das rauhe Wetter. Schon damals mag die Bekleidung der nördlichen Stämme wenigstens in der Hauptsache dieselbe gewesen sein, welche heute noch an jenen unwirtlichen Gestaden üblich ist; sie wird gleichmässig für beide Geschlechter aus Rock und Hosen, aus Stiefeln und Fausthandschuhen bestanden haben, sowie aus einer Kappe, welche mit Ausnahme des Gesichtes den ganzen Kopf umschloss.

Das Klima verlangte eine völlige Verhüllung, und mit den damaligen Werkzeugen konnte dieselbe auch hergestellt werden. Für die südlichen Stämmen, welche Jütland bewohnten, durfte eine grosse Decke aus Fell genügt haben, sowie ein Rock aus Fell oder Bastgeflecht (vgl. 1. 17), wie solcher unter den Germanen zur Zeit des Tacitus aus zwei rechteckigen Decken hergestellt wurde, die man über die Schultern her und an den Seiten herab bis auf die Armschlitze zusammennähte. Als Schmuck pflegte man Halsketten aus Bernsteinperlen und durchbohrten Tierzähnen zu verwenden. Höhlen im Gebirge, namentlich wenn sie auf der Sonnenseite Iagen, kesselförmige Löcher im Boden oder Flechtwerke aus Baumzweigen, später auch Pfahlhäuser, die im Wasser aufgerichtet wurden, dienten zur Wohnung, zum Schutze gegen feindliche Einbrüche aber Ringwälle in sumpfigen Niederungen. Für die Toten richtete man aus Steinblöcken geräumige Kammern her, mit einem langen niedrigen Gange, welcher zu denselben führte, und überschüttete den ganzen Bau mit einem Hügel von Sand oder Erde; doch mögen Bauten dieser Art auch en Lebenden zur Wohnung gedient haben. Leichen der Steinzeit, sitzend oder liegend, findet man ausserdem in sogenannten Steinkisten; es sind dies Kammern aus Steinblöcken, welche ebenfalls unter einer Decke von Sand und Gerölle verborgen wurden.


 

Tafel 1. Skandinavier bis 1200

Beschreibung Tafel 1. Mittelalter. Skandinavier (bis 1200).


 

Zu höherer Kulturentwicklung scheinen die Skandinavier der Steinzeit durch germanische Wanderstämme gekommen zu sein, welche von Osten her sich in jene entlegenen Erdenwinkel ausbreiteten und neben den Geräten aus Stein und Bein auch solche von Metall mit sich führten, Waffen und Werkzeuge von Bronze, Schmuckstücke von Bronze und Gold. Nach der Bronze hat man der leichteren Übersicht wegen jener Periode den Namen Bronzezeitalter gegeben. Der Anfang dieses Umschwunges scheint mehr als ein Jahrtausend vor Christus begonnen zu haben.

Zur Kleidung verwendete man jetzt ausser Fellen gegerbtes Leder, Gewebe aus Wolle und Hanf, sowie Gewebe aus einer Mischung von Tierhaaren und Pflanzenfasern. Die wollenen Gewebe wurden ohne Zweifel im Lande selbst aus heimischer Wolle hergestellt; denn der Nordländer besass schon vor der Einführung der Bronze das Schaf. Es gab gröbere Stoffe aus Flockzeug oder Filz, welche Lod oder Floki, weniger grobe, die Wadmal, und braungestreifte, die Morendo genannt wurden. Die damalige Kleidung mochte ungefähr der Schiffertracht entsprochen haben, welche noch heute unter den Isländern üblich ist, denn diese erscheint als die nächste Fortsetzung der uralten Fellbekleidung und wurde noch in jüngerer Zeit aus Schaf- oder Seehundsfell hergestellt; sie besteht aus langen Hosen mit einem Hüftriemen, ledernen Schnürschuhen und einem kittelartigen Rocke. Das Feld wurde angebaut und das Pferd zum Reiten und Fahren benutzt; auf grossen Schiffen, die noch ohne Segel waren, folgte man der tiefen Stimme des Meeres, die zur Reise an ferne fremde Küsten einlud.

Der alte Brauch, die Toten in Steinkisten zu bestatten, verlor sich allmählich, man verbrannte jetzt die Leichen und sammelte deren Überreste in kleine Kisten oder Tongefässe, welche oft in grosser Anzahl zusammengestellt und mit Erde überschüttet wurden.

Das Eisen war, wie überall, so auch in Skandinavien zu jeder Zeit bekannt; aber die allgemeine Verwendung desselben zu Werkzeugen und Waffen folgte erst auf die der Bronze. Das Ende der skandinavischen Bronzezeit fällt ungefähr mit dem Beginne der christlichen Zeitrechnung zusammen. Die folgende Periode, welche man dem Übereinkommen gemäss das Eisenalter nennt, reicht an den Küsten der Ostsee etwa bis zur Wende des elften und zwölften Jahrhunderts. Statt der einfachen Gewebe wurden nun prächtige Gewänder von wollenem Köperzeuge (Webtechnik) im Lande verfertigt.

Über das Meer brachten jetzt die Nordländer, die Wikinger, feinere Stoffe aus Wolle, Baumwolle und Seide nach Hause. Die Männer in der Frühzeit dieser Epoche gingen in dunkelfarbigen Kleidern einher, in braunen und schwarzen, mit Verzierungen in Weiss und Grün; das weibliche Geschlecht aber und die Jugend gefiel sich in hellen, grellfarbigen Kleidern, namentlich in blauen, roten und braunen.

Rückseite einer Tunika aus dem Thorsberg Moor in Schleswig-Holstein, Deutschland, ca. 4. Jahrhundert.

Rückseite einer Tunika aus dem Thorsberg Moor in Schleswig-Holstein, Deutschland, ca. 4. Jahrhundert (Das Bild wurde nachträglich bearbeitet. Quelle des Originals siehe Ende des Beitrags.).

In einem Torfmoore bei Thorsbjerg auf Jütland hat man neben zahlreichen Gegenständen aus Bronze und Eisen lederne Schnürschuhe (1. 13), ein hemdförmiges Übergewand mit langen Ärmeln sowie lange Hosen mit einem Hüftriemen gefunden, beide Gewänder von starkem Stoffe (1. 5), im Gewebe aber verschieden gemustert. Ein Baumsarg, der gleichfalls auf jütischem Boden, im Kirchspiele Vamdrup, ausgegraben wurde, enthielt die Leiche eines Mannes welche bekleidet war mit einem von der halben Brust bis zu den Knien reichenden Schurze von grober Wolle (1. 1), der über die Schultern her durch Tragebänder festgehalten, um die Hüften aber mit einem langen Riemen zusammengeschlossen war; ferner mit einem Mantel von plüschartigem Zeuge, der halbkreisförmig im Zuschnitte; dabei lagen noch wollene Binden, die vermutlich zur Umwickelung der Beine gedient, schmälere Wollstreifen, mit welchen jene Wickelbinden befestigt wurden, endlich Schuhe von Leder und zwei Mützen, die eine halbrund, die andere mehr zylindrisch.

In der Nähe von Aarhus wurde eine weibliche Leiche gefunden, die bekleidet war mit einem langen faltigen Rocke, der von einem langen Gürtel mehrfach umschlungen wurde (1. 4), mit einer bis zu den Hüften reichenden Jacke, die einen Brustschlitz und halblange Ärmel hatte, und mit einer doppelten Netzhaube. Ringe für Hals, Arm und Finger, sowie runde Platten, die, wie es scheint, als Brustschmuck gedient, lagen ebenfalls im Sarge (1.  6.10-12.14). Nach den Beigaben an Schmuck und Waffen zu schliessen gehören sämtliche Funde der früheren Periode des Eisenalters an. Aus dieser einfachen Tracht haben sich die Gewandstücke der späteren Zeit entwickelt, von welchen die nordischen Sagen und Lieder reden; da diese Lieder ihre endgültige Fassung vom 11 bis zum 13 Jahrhundert erhalten haben, so sind auch die hierin genannten Gewänder derselben Periode zuzuweisen. Abbildungen von Überresten der Trachten dieser Epoche sind äusserst selten und können in ihrer Dürftigkeit den schriftlichen Überlieferungen kaum als Unterlage dienen.

Um diese Zeit bestand die Kleidung der Männer aus verschiedenen Unter- und Obergewändern, nämlich aus einem Hemd, aus Beinkleidern und verschiedenen Röcken und Überhängen. Das Hemd (Skyrta, Serkr) war von Leinen oder Hanf; es reichte ungefähr bis an das Knie, war ziemlich anschliessend und mit engem Kopfloche und langen Ärmeln versehen. Da es im Hause gewöhnlich als einziges Kleid getragen wurde, so pflegten reiche Leute sich seidener Hemden zu bedienen, die an den Säumen zierlich besetzt waren. Der Hosen gab es verschiedene; nämlich lange Hosen, welche bis an die Knöchel reichten (Hökulbroker), kurze, die unter den Knien mit Strümpfen zusammengeschlossen wurden (Broker) und solche, welche wie lange Strümpfe zugleich über die Füsse gingen (Leistabroker); sie bestanden aus Leinwand oder Tuch sowie aus filzähnlichem Loden oder Rinds- und Bockleder; befestigt wurden sie oben durch einen Hüftriemen von Zeug oder Leder. Die Unterschenkel pflegte man kreuzweise mit farbigen Seidenbinden (Silkibönd) zu umwickeln oder mit Langstrümpfen (Hosa) und Socken (Sekr, Leistr) zu bekleiden; die Strümpfe wurden nur in Verbindung mit den Kniehosen getragen und letztere wurden selbst bei Nacht nicht ausgezogen. Die Schuhe waren aus Fell oder Leder und mit Riemen versehen. Bei ärmeren Nordländern besteht der Schuh noch gegenwärtig aus einem nach dem Fusse zugeschnittenen Lederstück, das am Rande durchlöchert und mit Riemen durchzogen ist. Der Rock (Kyrtil) hatte fast ganz den Schnitt wie das Hemd; er war ziemlich eng, reichte nur wenig über die Hüften herab und wurde durch einen Gurt (Belti, Lindi) umschlossen; je nach der Jahreszeit bestand er aus Wolle oder Pelz.

Vom 12. Jahrhundert an wurde der Rock allmählich bis auf die Füsse und selbst bis zum Schleppkleid (Dragkirtlana) verlängert. Arme Leute trugen einen Gurt von Wolle oder Leder, die Reichen einen solchen von Metall, welcher nach Art einer breiten Schartenkette mehrfach gegliedert und mit aufgereihten Tierzähnen, Buckeln, Blechen und selbst mit Edelsteinen besetzt war; auch pflegte man Messer und Schwert an den Gürtel aufzuhängen. Es gab noch Abarten des einfachen Rockes, nämlich eine nur wenig über die Hüften reichende Juppe (Hiupr) und einen längeren Rock (1. 37), welcher vorn übereinander geschlagen und auf der Schulter befestigt wurde; diesen Rock beliebte man auch als Prunkgewand, und in diesem Falle mit Borten um die Hand besetzt und zuweilen aus zweifarbigem Tuche verfertigt. Daneben gab es einen Überrock mit Kapuze (Kußhöttr, Kapa, Kuß, Kiafal, Hekla), welcher einer Mönchskutte glich und nicht selten noch eine Maske zur Bedeckung des Gesichtes hatte; Röcke dieser Art wechselten in der Länge und waren bald mit langen Ärmeln, bald nur mit Armlöchern versehen; die letzte Art, „Olpa“ genannt, diente zugleich als Harnisch, und wurde aus starkem Loden, zumeist aber aus Wolfs- oder Bärenfell hergestellt (vgl. 4. 6). Ein Rüstrock, welcher „Bialfi“ hiess, hatte keine Kapuze, aber einen Kragen, welcher schützend den Hals umschloss. Der Überhänge und Mäntel gab es gleichfalls verschiedene Arten; sie wurden im Allgemeinen „Felder“ (Feldr) oder „Faldonen“ genannt. Als ältester Felder ist vermutlich eine Decke von Fell (denn Feldr heisst Fell) oder aus derbem Wadmale * anzusehen, welche einfach um die Schultern genommen wurde. Aus dieser Decke hat sich ein Überhang entwickelt, dessen sich namentlich die Seefahrer bei nassem Wetter bedienten; er glich einem grossen Sacke und wurde über den Kopf gezogen; an den Seiten war er von den. Schultern bis unten hin aufgeschlitzt und mit Knöpfen besetzt, so dass er nach Bedarf geschlossen und geöffnet werden konnte. Eine Abart dieses Felder war zum Prunke bestimmt und demgemäss von zarter Wolle oder Seide und mit Borten besetzt.

* Wadmale, Wadmol, auch Wadmel. Ein grober, rauer Wollstoff der früher auf den Britischen Inseln und Skandinavien für Schutzabdeckungen und warme Kleidung verwendet wurde. Aus dem mittelenglischen wadmale, ursprünglich dem altnordischen vathmāl zughörig. Erste bekannte Verwendung war im 14. Jahrhundert. Auf Orkney und Shetland wurde diese Art von groben Wolltuch zusammen mit Butter als Steuer abgeführt.

Noch gab es einen Mantel, welcher auf der Schulter mit einer Spange festgehalten wurde, und eine Abart desselben von Seide oder Scharlach, die mit Stickereien geziert und mit Pelz gefüttert als Prunkstück diente. Den Kopf bedeckten die Skandinavier mit einem niedrigen breitkrempigen Hut von Filz, Leder oder Pelz, welcher mit einem Riemen unter dem Kinne befestigt wurde; über die Hände zogen sie grosse Fausthandschuhe. Das Haar liessen sie schlicht und lang auf die Schultern herabfallen, ebenso trugen sie den Bart rund oder ziegenbärtig, je nachdem wie er gewachsen war. Im 11. Jahrhundert war durch die Begegnung mit dem Ausland grosse Prachtliebe entstanden; die Männer trugen Schleppröcke, die an der Seite geschnürt waren und Ärmel von fünf Ellen Länge * hatten, welche durch Schnüre vom Handgelenk bis zur Achsel heraufgezogen wurden, ferner geschnürte Prachtstrümpfe, um welche ein Goldring lag, und hohe Schuhe. Um die Wende des 11 und 12 Jahrhunderts wurden wiederum kurze Röcke und Überwürfe üblich, ja man ging sogar mit blossen Schenkeln. Die Tracht der gewöhnlichen Leute blieb sich während dieser Wandlungen immer gleich; sie bestand wie von altersher aus einem weiten, niederhängenden Hut, grünem oder grauem Kapuzenrock und aus Leinwandhosen, welche um die Beine fest verschnürt wurden; statt des Schnürwerkes waren auch Strümpfe und Schuhe gebräuchlich.

* Eine Elle (vom alten germanischen ALINA verwandt mit lateinisch Ulna) ist eine Maßeinheit, die ursprünglich eine Elle, d.h. in etwa der Länge eines Armes des Mannes vom Ellbogen („Ellenbogen“ bezeichnet die Biegung oder den Bogen des Armes) bis zur Spitze des Mittelfingers etwa 457 mm betrug.

Die weibliche Kleidung wird anfangs und lange Zeit hindurch von jener der Männer kaum verschieden gewesen sein; man bezeichnete sie auch mit demselben Namen; ein Unterschied begann erst mit der Aufnahme fremder Gewandstücke. Das Hemd war anliegend, aber am Kopfloch bis zur Brust ausgeschnitten; es reichte bis zu den Füssen und schleppte auch wohl auf dem Boden nach; da das Hemd als Hauskleid getragen wurde, liebte man es von farbigem, zumeist blauem Stoff, die Reichen von Seide und mit Goldstickerei an den Rändern; den Schlitz pflegte man mit einem Brusttuch zu verhüllen. Der Rock schloss sich um den Oberkörper an, fiel aber von den Hüften an in zunehmender Weite bis auf die Füsse herab; er hatte lange oder auch ziemlich kurze Ärmel und wurde gegürtet; an den Gürtel pflegte man Schere, Messer und ein Täschchen zu hängen, die verheiratete Frau auch einen Schlüssel. Ähnliche Mäntel und Überröcke mit und ohne Kapuze, wie bei den Männern, wurden von den Frauen auch zum Schutz und Putz getragen, ebenso Schuhe und Handschuhe. Mädchen liessen das Haar frei herabhängen und stülpten ab und zu den Männerhut darüber; Frauen aber flochten das Haar in Zöpfe, ordneten diese dem Rücken entlang oder banden sie in die Höhe und bedeckten den Kopf einfach mit einem Überhang von Linnen. Vornehme Frauen umwanden den Kopf turban artig mit einem oft zwanzig Ellen langen, farbigen, goldgestickten Leinwandstreifen; die so entstandenen Windelhauben waren entweder kegelförmig gerade oder wie ein Horn gebogen und auch sonst an Höhe verschieden.

Dem Schmuck waren die Skandinavier sehr zugetan. An den Küsten der Ostsee hat die Kultur der Bronze- und Eisenzeit Schmuckstücke hinterlassen, die an Reichtum und Schönheit vielleicht alles überbieten, was andere Länder unseres Erdteiles in dieser Art während derselben Periode angefertigt haben. Dass schon während der Bronzezeit die Mehrzahl dieser Gegenstände im Lande selbst hergestellt worden, scheint sowohl durch aufgefundene Gussformen und Bronzeklumpen, durch halbfertige oder zum Umschmelzen bestimmte Bronzegeräte wie auch durch solche Gegenstände bewiesen, die in anderen Ländern fehlen. Die älteren Schmuckstücke sind augenscheinlich unter dem Einfluss der römischen Kultur entstanden; später aber, nachdem mit der römischen Macht auch der römische Einfluss verschwunden war, kam der heimatliche germanische Geist zum Durchbruch, ein eigener Geschmack, welcher in phantastischen Tierfiguren und verschlungenem Geriemsel seinen Ausdruck fand. Dies war die Zeit der Wikinger.


Tafel 2. Skandinavier bis 1200

Beschreibung Tafel 2. Mittelalter. Skandinavier (bis 1200).


 

Wir sehen uns angesichts dieser kunstgewerblichen Reste gezwungen, die landläufige Meinung von der Rohheit jener nordischen Periode bedeutend herunter zustimmen. Die Skandinavier erschienen damals reich geschmückt mit Brustketten, Hals- und Kopfreifen, Arm-, Finger- und Ohrringen, Hafteln, Gürteln und Schnallen (2. 1-50. 60-70. 83-86). Auch ihre Waffen waren besser als jene der Nachbarvölker. Die Verteidigungsrüstung des skandinavischen Kriegers während der Bronze- und ersten Eisenzeit scheint einzig nur der runde oder längliche Schild (3. 1. 2), der Panzer und der Helm gewesen zu sein. Der Helm wurde vermutlich nur von den Anführern getragen; es ist kaum mehr als Eine vollständige Waffe dieser Gattung in den nordischen Museen vorhanden. Einige Bronzeplatten (1. 15 -18), welche als Gürtelschmuck gedient haben und mit kriegerischen Figuren verziert sind, gehören, den hierauf dargestellten Schwertern nach zu urteilen, der eigentlichen Wikingerzeit an. Wichtig ist der abgebildete Helm, welcher mit einem Eber auf dem Wirbel, einem Nackenschilde und einer Gesichtslarve ausgestattet erscheint. Bis jetzt hat man nur einen Eberhelm und zwar auf angelsächsischem Boden angetroffen (5. 11) und ebenso nur einen Helm mit Larve, welcher dem Thorsbjerger Moor (Schleswig- Holstein) enthoben wurde (1. 2. 23). Eine der Figuren auf den genannten Gürtelplatten (1. 16) trägt einen Helm mit zwei gegeneinander gebogenen Hörnern, welche Vogelhälsen gleichen; es erinnert dieser Kopfschutz an einen gehörnten Helm, welcher in der Themse aufgefunden wurde und den Dänen zugeschrieben wird (3. 27).

Als Panzer trug man damals den starken Lodenrock, welcher ab und zu mit metallenen Ringen und Blechen besetzt war. Erst im 12 Jahrhundert kamen Hemden mit Kapuze, Handschuhe und Hosen auf, welche vollständig aus ineinander gehängten Stahlringen zusammengenietet waren. Die Angriffsbewaffnung hat bei den zahlreichen Zweigen der grossen germanischen Völkerfamilie wenig Veränderung erfahren. Überall begegnet uns der Sax oder Skramasax (2. 59), eine Art von kurzem Schwert mit ausgekehlter Klinge und nur einer Schneide, die Spatha (2.51-56), das lange, gerade, zweischneidige Eisenschwert, ferner das Beil (3.6.7), die Lanze zu Stoss und Wurf, die Keule und der Bogen samt Pfeilen (2. 73-80). Bezüglich der skandinavischen Erzgefässe (2.81. 3.13-16) lässt sich nur wiederholen, was über den Schmuck und die Waffen gesagt wurde: zuerst römisch, dann bis tief in das Mittelalter hinein durchaus nordisch. Die nordische Dekorationsweise finden wir auch an den Möbeln betätigt, von welchen indess nur Proben aus ziemlich später christlicher Zeit uns erhalten geblieben sind (3.21. 22).

Einen ganz besonderen Massstab für die Kultur der Wikingerperiode geben uns die Überreste eines Bootes (1. 62), welches in der Nähe des norwegischen Seebades Sandefiord einem Hünengrab enthoben wurde und dem 9 Jahrhundert angehört (Sandefjord, Vestfold, Norwegen. 1880 von Nicolay Nicolaysen entdeckt und ausgegraben. (Mehr dazu auf dieser Seite.) Das Boot ist von Eichenholz, 23 m lang und 5 m breit, im Boden flach, vorn und hinten spitz, ohne Verdeck und zum rudern wie zum segeln eingerichtet; es hat 20 Rippen, welche oben mit eisernen Bolzen, unten aber mit Tauen an den Seitenplanken befestigt sind; 16 Ruder auf jeder Seite wurden durch ebenso viele Löcher gelegt, welche sich in den oberen Seitenplanken, der sogenannten Verschanzung, befinden (1. 51); jedes Loch hat einen seitlichen Schlitz; durch diesen Schlitz wurde das Ruderblatt gesteckt und die Öffnung sodann mit einem Schieber verschlossen (1. 48), um das Eindringen des Wassers zu verhindern.

Die Ruder oder Riemen sind 6 m lang, Das Ruderblatt ist kurz aber ziemlich breit und von lanzettlicher Form. Das Steuerruder, dessen Blatt gerade geschnitten, befand sich hinten auf der rechten Seite in einem Tauringe schwebend. Auf dem Boden des Schiffes befindet sich ein starker Block, welcher ungefähr wie ein Fisch gestaltet ist und zur Aufnahme des Mastes gedient hat. Dass das Segel von viereckigem Zuschnitt gewesen, dürfte nach der Abbildung eines Wikingerbootes zu schliessen sein, welche sich auf dem Gobelin von Bayeux befindet (5. 33); hier erscheinen Vor – und Hintersteven als Voluten gebogen, hoch über das Wasser emporragend und mit geschnitzten Drachen- und Schlangenköpfen besetzt. Solch einen Drachenkopf hat man nebst Überresten von kleineren Booten ebenfalls bei jenem Wikingerboote aufgefunden; er ist von Holz und energisch in der Schnitzerei (1. 49). Nach diesem drachenköpfigen Schmuck wurden die Wikingerboote „Drakar“ oder „Snakar“, Drachen oder Schlangen genannt. Während der Seefahrt pflegte man, wie der Teppich von Bayeux bestätigt, die Schilde der Besatzung oben längs der Verschanzung anzubringen (7. 14); so geordnet waren sie aus dem Wege und doch zur Hand, während sie anderseits die Bordwände erhöhten und das Spritzwasser abhielten. (Über das bei Nydam gefundene Boot (1. 61) siehe unter „Angelsachsen“.)

Die Verbrennung der Leichen war in der christlichen Zeit einer Bestattung in Särgen gewichen. Unter den Särgen, welche wir ausgegraben, befinden sich ungeschälte Eichenstämme, die an den Enden stumpf abgehauen, der Länge nach in zwei IIälften gespalten und ausgehöhlt sind. In die untere Hälfte wurde die Haut eines frischgeschlachteten Tieres ausgebreitet, die Leiche im vollen Kleider- und Waffenschmuck darauf gebettet, mit der Haut zugedeckt, der Deckel aufgelegt, die Fugen ringsum mit Harz zugekittet und der Sarg mit Erde überschüttet,

Die Stämme, welche den südlichen Teil von Jütland, das heutige Schleswig und Holstein bewohnten, waren Angeln und Sachsen; diese gehörten nach den übereinstimmenden Angaben des Tacitus und Ptolemäus dem Verband der Sueven (Stammesgruppe germanischer Völker) an und wanderten im 5. Jahrhundert nach Britannien hinüber. Aus der Mischung dieser als Angelsachsen zusammengefassten Germanen mit eingeborenen Kelten und normannischen Eroberern ist das englische Volk erwachsen, eine Nation, in welcher bis auf den heutigen Tag entschieden germanischer Geist in norddeutscher Eigenart vorherrschend geblieben ist. Betrachten wir uns zuerst die keltischen Stämme, welche vor Ankunft der Angelsachsen den britannischen Boden bewohnten. Die nördlichen Horden, die Kaledonier (lat.: Caledonii. Sie siedelten im östlichen Teil des heutigen Schottland), lebten noch in urtümlicher Rohheit dahin; Tierfelle, welche sie, mit der Haarseite nach Innen, wie Mäntel umhingen, waren ihre einzige Bedeckung, namentlich gefleckte Ochsenhäute oder Felle von Bären und Schafen, je nachdem sie Jäger oder Hirten waren.


Tafel 3. Skandinavier, Bretonen, Irländer (bis 1200)

Beschreibung Tafel 3. Mittelalter. Skandinavier, Bretonen, Irländer (bis 1200).


 

Das Kopfhaar liessen die Kaledonier ungekürzt, den Bart aber schoren sie bis auf einen Knebel hinweg; sie punktierten sich die Haut mit linearen, pflanzlichen oder tierischen Mustern, und rieben das Stichwerk mit blauer Waidfarbe ein (4.  1) (Färberwaid: Isatis tinctoria, Pastel oder Deutscher Indigo), so dass sie aussahen, wie die heutigen Inselbewohner der Südsee. Ihr Schmuck war von Eisen; um den Hals trugen sie Ringe, um die Hüften aber Ketten; eine vierkantige Wurfkeule mit Lederriemen, ein ebenso ausgestatteter Speer mit einer Kugel am stumpfen Ende waren ihre Hauptwaffen; die Speerkugel war mit Eisenstücken gefüllt, um mit deren Gerassel die Pferde des Feindes in Schrecken zu setzen. Die südbritannischen Stämme dagegen, die Bretonen, gingen wie ihre gallischen Nachbarn vollständig und sogar reich bekleidet einher; beliebt waren gewürfelte Stoffe. Man trug enge Hosen (Breach und Brycan, bei den Engländern Breacan), die rot oder gewürfelt, Tuniken, die mit allen möglichen Farben geblümt waren, und blaue oder schwarze Mäntel, (Saie). Nur die Einwohner von Cornwall und den Scilly-Inseln pflegten sich mit einem langen schwarzen Gewand zu bekleiden, so dass sie, mit ihrem Stabe in der Hand, das Aussehen von Furien in der Tragödie hatten. Das Haar strichen die Bretonen zurück, so dass es mit einem Busch in den Nacken fiel; Kinn und Wangen aber rasierten sie und liessen nur einen gewaltigen Schnurrbart stehen, welcher wie Flügel auf die Brust herabhing; an Hand und Fussknöcheln trugen sie Ringe, ebenso am Mittelfinger, und Spangen an den Armen; als höchster Schmuck und als Abzeichen ihres Standes galt ein Halsring (Torch) aus verschlungenen Fäden von Edelmetall, bei den Armen von Eisen.

Dürftig sind die Berichte über die weibliche Tracht der Bretonen. Boadicea, die Königin von Iceni (keltischer Volksstamm, siedelte im Gebiet des heutigen Norfolk und Suffolk), trug nach Dio Cassius (Lucius Cassius Dio, geb. um 163 gest. 229) eine Tunika in verschiedenen Farben und sehr faltenreich, darüber einen Mantel von rauhen Stoff, mit einer Fibel befestigt, am Hals einen Ring von Gold, das lichte Haar aufgelöst über die Schultern herabfliessend. Auf einer römischen Münze findet sich die Britannia in langem Kleid mit kurzen Ärmeln dargestellt. Mit der römischen Herrschaft fand auch die römische Tracht Eingang unter den Bretonen, namentlich unter den Häuptlingen, so dass schon vor Ablauf des 1. Jahrhunderts die alte bretonische Kleidung als ein Zeichen mangelnder Kultur in Missachtung gekommen war.

Statt der langen Hosen bedienten sich die Vornehmen jetzt der kurzen römischen Kniehosen, ebenso der Tuniken und Mäntel nach römischer Art. Der weibliche Anzug war von Haus aus dem römischen ähnlich und veränderte sich aus diesem Grunde vielleicht nur wenig oder gar nicht; auf der Trajanssäule (lat. Columna Traiana) und auf Münzen finden sich die keltischen Frauen in zwei übereinander liegenden Tuniken dargestellt, von welchen die untere bis auf die Knöchel, die obere bis zur Hälfte der Schenkel fällt und weite, doch kurze Ärmel hat. Auch das Haar schnitten und frisierten sich beide Geschlechter jetzt nach römischer Art. Die ältesten Waffen der Britannier waren aus Knochen und Feuerstein. Phönizische und gallische Handelsleute brachten Schwerter, Speer- und Pfeilklingen von Bronze ins Land. Der Schild war anfangs flach, rund und aus Weidengeflecht mit einem Überzug von Tierhaut hergestellt, später aus Erz oder einem dünnen Überzug von Erz; er hatte einen hohlen Buckel für die Hand und einen Schmuck von konzentrischen Kreisen mit Buckeln und Nägeln (3. 25). Der Schildnabel wurde auch dann noch beibehalten, als man den Schild an den Arm zu streifen pflegte (4.  2.4). Ein im Fluss Witham (Grafschaft Lincolnshire) gefundener Schild gleicht dem rechteckigen Skutum der Römer (3. 2G); er ist auf dem Buckel mit Karneol, sonst aber mit einer Mischung von römischen und einheimischen Ornamenten in vergoldeter Bronze ausgestattet.

Die wetterharten Stämme des schottischen Berglandes, die Pikten (britannische Kelten) und Skoten (gälisch, irische Kelten), schlangen sich ein Stück gewürfelten Stoff (Kilt) so um die Lenden, dass es den Körper bis zu den Knie bedeckte (4.  2). Bei grösserer Fülle wurde das Zeugstück der Länge nach auf die Hälfte zusammengelegt, zuerst um den Leib gewickelt und dann mit dem Rest über die linke Schulter geworfen; so trug man es noch zur Zeit der Königin Elisabeth (4.  4); es hiess „irländisches Hemd“ und war von safrangelber Farbe. Zum Schutz des Fusses diente ein Stück verschnürten Leders. Während die dänischen und sächsischen Trachten im Tiefland um sich griffen, hielten sich die Hochlandbewohner, die gälischen oder wilden Schotten, fern von den verhassten „Sassenaghs“ oder Sachsen.

Mehr als tausend Jahre hindurch geschieht der schottischen Tracht fast keine Erwähnung, weder bei Chronisten noch bei Reisenden; nur durch zerstreute Notizen gelangen wir zu einem kleinen Mass von Kenntnissen über die schottische Tracht. Es ist kein Grund zum Zweifel, dass dieselbe aus Mantel, anschliessender Jacke und Hosen bestanden habe. Die Armen gebrauchten Stoffe in Schwarz und Weiss, die Reichen in bunten Farben; die Anzahl der Farben richtete sich nach dem Range des Trägers; dem König kamen sieben Farben zu, dem niederen Adel vier, dem höheren fünf; Bauern und gewöhnliche Kriegsleute mussten sich an einer Farbe genügen lassen; die niederen Führer hatten zwei, die Häuptlinge der Clane drei Farben. Blau war schon früh die Lieblingsfarbe der Schotten, doch bediente man sich auch gern der Stoffe in grün und schwarz mit roten Streifen.


Tafel 4. Schotten, Angelsachsen

Beschreibung Tafel 4. Mittelalter. Schotten und Angelsachsen.


 

Der Hochlandsplaid, mit dem richtigen gälischen Ausdruck „Breacanfeile“, “buntscheckige Decke“ genannt, war ein grosser Mantel, welcher um den Körper fest gegürtet wurde; vor Alters farbig, wurde der Plaid gegen Ende des Mittelalters braun von der Farbe des Heidekrautes beliebt. Die Hosen, ein wesentlicher Bestandteil der Tracht unter allen keltischen Stämmen, hatten auch bei den Schotten, aber nicht durchweg, Aufnahme gefunden; dieselben waren gestrickt wie Strümpfe oder aus gewürfeltem Wollzeug (Tartan) hergestellt, genau anpassend und der Länge nach befranst. Statt der Hosen trug man auch gewürfelte Strümpfe, welche die Knie freiliessen, oder um die Waden gebundene Gamaschen (4. 2), Kleidungsstücke, welche man vermutlich von den Sachsen oder Dänen angenommen hatte; die Schuhe bestanden aus ungegerbtem, haarigem Leder.

Uralt ist der Gebrauch, am Gürtel eine Tasche (Sporan) in Gestalt eines indianischen Beutels zu tragen, und zwar vorn auf der rechten Seite (4.  3). Der alte Lendenschurz, der Kilt, hat sich erst in ziemlich später, aber nicht mehr bestimmbarer Zeit in ein unserem heutigen Frauenunterrock völlig gleiches Kostümstück sowie in eine Weste geteilt und verwandelt. Der Rock (Feile-beag) wird bis unter die Arme heraufgezogen und gegürtet (4. 3); in der elisabethanischen Zeit war die Weste an jedem Armloch mit einem breiten Flügel ausgestattet, welcher auf der Hinterseite des Armes über die unmässig weiten Ärmel eines weissen Hemdes herabfiel (4.  4). Der Ursprung der jetzt gebräuchlichen flachen Tuchmütze ist unbekannt. Von der weiblichen Tracht der alten Schotten sind nur geringe Spuren vorhanden. Das weibliche Geschlecht bediente sich des Schurzes gleich den Männern, oder eines langen, um die Hüften gegürteten Rockes und eines Mantels, welcher auf der Brust mit einer Schnalle festgehalten wurde. Unterröcke und Hosen (Ossan) wurden nur unter solchen Frauen üblich, die weniger treu an der alten Sitte hingen.

Mit einem Stirnband umwanden die Mädchen ihr frei herabfallendes oder an den Schläfen in lange Locken gedrehtes Haar; Frauen legten einen Schleier (Cureh) darüber, welchen sie unter dem Kinn verknoteten. Zur Zeit des römischen Einbruches tätowierten sich die Bergschotten am ganzen Körper. Ihre Waffen waren dieselben wie bei den Kaledoniern und Bretonen; später nahmen die im Flachland wohnenden Häuptlinge den mit Ringen besetzten Rock der Sachsen und den verbesserten Panzer sowie den Nasenhelm der Normannen an; im nächsten Jahrhundert erschien die schottische Reiterei durchaus in Rüstungen von Eisennetzwerk wie die englische. Die Waffen der Bergschotten aber beschränkten sich noch im 13 Jahrhundert auf Rundschild, Schwert, Dolch, Streitaxt und Bogen samt Pfeilen. Nur Häuptlinge trugen einen Helm (4.  4.7), oder statt dessen eine blaugefärbte Lederkappe; der Kopfschutz hatte stets eine mehr oder weniger halbeiförmige Gestalt; sein Schmuck bestand in ein paar Adlerfedern oder einem Zweig der Stechpalme oder einem Büschel Ginster. Über den Schurz legten die Häuptlinge ein Ringpanzerhemd (Lurich, von Lorica), welches bis über die Hüften (4. 6) oder bis gegen die Knöchel reichte (4. 7), und über das Panzerhemd oder den Haubert noch eine Fellweste, die verschnürt und gegürtet wurde (4. 6). Das alte Schottenschwert, der berühmte Claymore, hatte eine lange, gerade, zweischneidige Klinge, lange Angel und eine einfache, nach beiden Seiten stark gesenkte Parierstange (4.  2.3.7).


Tafel 5. Angelsachsen und Anglo-Dänen

Beschreibung Tafel 5. Mittelalter. Angelsachsen und Angeldänen.


 

Die alten Iren waren in Kleidung und Sitten ganz verschieden von ihren brittanischen Brüdern; sie behielten auch ihre urtümliche Tracht noch die ganze Zeit hindurch, während welcher Britannien nacheinander die Beute der Römer, Angelsachsen und Normannen geworden war. Die Tracht der Iren im 12 Jahrhundert, wie sie uns in Abbildungen überliefert ist, scheint sich gegen die aus römischer Zeit noch gar nicht verändert zu haben. Die Männer trugen damals lange Beinkleider (Truis 3.  52-54, eng anliegende Hosen, aus Tartantuch und von schottischen Soldaten getragen) mit einer Zugschnur um die Hüften; die Hosen waren oben ziemlich weit, an den Knöcheln aber anschliessend und wurden hier in hohe Schuhe untergesteckt; auch gab es Hosen und Strümpfe aus einem Stück.

Der Rock (Cota 3.  48.54) hatte lange und enge oder kurze und ziemlich weite Ärmel; er war ringsum geschlossen, niemals gegürtet und von verschiedener Länge, so dass er bald bis auf die Knöchel oder bis auf das Knie und bald nur knapp über die Hüften reichte; sein unterer Saum erschien bisweilen ausgezackt (3.  52). Man bediente sich auch eines Mantels, welcher auf der Brust oder Schulter verhaftelt wurde und eines Kapuzenmantels, der über beide Schultern fiel und bis an die Ellbogen reichte; doch galt ein irischer König schon für gut gekleidet, wenn er nur in einen Mantel gehüllt war, und noch im 14. Jahrhundert gab es Häuptlinge, welche keine Hosen hatten. Die Mäntel wurden aus kleinen Stücken von verschiedener Farbe zusammengesetzt (3. 48), ein Flickwerk, wie solches in Nachahmung der gewürfelten Stoffe gewiss schon vor der römischen Periode üblich war; indessen findet sich in keiner Handschrift des Mittelalters der Mantel bunt gefärbt oder mit einer Kapuze versehen. Gewöhnlich waren die Kleider von schwarzer Farbe, weil die irischen Schafe, aus deren Wolle sie hergestellt wurden, zumeist diese Farbe haben. Eine Kopfbedeckung scheint selten gewesen zu sein.

Die weibliche Tracht war bis auf die Beinkleider der männlichen ziemlich ähnlich und nur von grösserer Länge und Weite. Vornehme Frauen trugen einen mit goldener Nadel im Haare befestigten Schleier. In allen Teilen Irlands sind Schmuckstücke und Waffen gefunden worden, (3.  25 u. ff.) die genau den in England entdeckten entsprechen; die alten Iren trugen Halsringe, Ketten und Armbänder von Gold und Silber, Schwerter und Streitäxte, sowie Speere und Wurfspiesse aus Bronze. Von den Dänen nahmen sie die stählerne Streitaxt an und den runden, roten, mit Eisen beschlagenen Schild (3.  53.54.4.2). Im 12 Jahrhundert war der irische Krieger ausgerüstet mit einer kurzen Lanze, zwei Wurfspiessen und einer breiten Axt von Stahl; diese wurde mit nur einer Hand geschwungen. Der Schleuder wussten sich die Iren mit gefürchteter Sicherheit zu bedienen; in der Schlacht liessen sie die Steine wie Hagel dahinsausen, so dass nicht selten die feindlichen Pfeile davon aufgehalten wurden. Noch im 13. Jahrhundert sassen sie ohne Sattel und Steigbügel zu Pferd. (Über den Kultus der keltischen Stämme siehe „die Franzosen“.)


Tafel 6. Normannen und Angelnormannen (1066 bis 1200).

Beschreibung Tafel 6. Mittelalter. Normannen und Angelnormannen (1066 bis 1200).


 

Nach den Schilderungen Widukinds und der Quedlinburger Annalen waren die festländischen Sachsen im 9. und 10. Jahrhundert bekleidet mit einer weiten Tunika, einem viereckigen Mantel aus haarigem Stoffe, sowie mit einem breitkrempigen Strohhut auf dem frei über die Schultern fallenden Haare; in der rechten Hand führten sie den langen Spiess der Urzeit, in der linken einen kleinen Schild, an der Hüfte aber den Sax, das einschneidige lange Messer. Diese überaus einfache Tracht gestattet die Vermutung, dass die Angelsachsen, soweit es gewöhnliche Leute waren, schon in diesem Aufzug den britannischen Boden betreten haben. Mit germanischer Zähigkeit müssen sie noch geraume Zeit an dieser altererbten Tracht festgehalten haben trotz der römischen Tracht, welche unter den Britanniern herrschte, und trotz des Christentums, zu welchem sie mit der Zeit übertraten; in einem Konzil des 8. Jahrhunderts wird nämlich gesagt: „ihr legt eure Kleider an in der Weise der Heiden, die von euren Vätern aus der Welt vertrieben wurden; erstaunlich, dass ihr diejenigen nachahmt, deren Leben euch verhasst war.“

Vier Jahrhunderte hindurch muss nach dem Zeugnis der illustrierten Handschriften in der Tracht der neuen Herren von Britannien kaum eine Veränderung stattgefunden haben. Bis zum 9. Jahrhundert bestand die allgemeine männliche Tracht der Angelsachsen aus einem Hemd, einer Tunika, einem Mantel, aus Schuhen und Schenkelbinden; dazu kamen später noch die von den Römern ins Land gebrachten Kniehosen und Strümpfe. Das Hemd war von Leinwand und am Hals mit einem Schlitz versehen. Denselben Schnitt zeigte die Tunika oder der Rock (Roc, Rooc); doch war dieses Kleid bedeutend länger und weiter als das Hemd; es reichte nämlich bis in die halben Waden und seine Ärmel, die oben ziemlich weit, nach unten hin aber anschliessend waren, fielen weit über die Hände herab. Um seine Fülle zu vermindern wurde der Rock entsprechend heraufgezogen, dass er mit einem Bausch über den Gürtel fiel und denselben gänzlich bedeckte, die Ärmel aber wurden über die Unterarme in ein dichtes Gerinne von Fältchen zusammengeschoben und am Handgelenk mit einer Spange oder einem Knopf festgehalten (4. 8-15).

Alle zeitgenössischen Miniaturen ohne Ausnahme und selbst die rohesten lassen diese zusammen gestreifelten Ärmel erkennen (5.  36. 44. ff.). Auch scheint es, dass man den Rock zweimal in abstehenden Windungen zu umgürten liebte (4.  9.14.23), so dass jener Teil, den die Bildwerke zwischen den Windungen blicken lassen, für eine Schärpe gehalten werden könnte, wenn er nicht stets die Farbe des Rockes trüge. Häufig erscheint der Rock unten an den Seiten aufgeschlitzt (4.  8.23.) und an allen Säumen mit farbigen Borten verziert. Über den Rock pflegte man einen ziemlich kurzen Mantel (Mentil) anzulegen, welcher nach Belieben auf der rechten Schulter oder auf der Brust, zuweilen auch auf beiden Schultern verhaftelt wurde (4.  12.13.19-21). Die Beine liess man in der frühsten Zeit entweder völlig nackt (4. 10.11) oder umwickelte sie mit Binden; selbst in der letzten Zeit der Angelsachsen finden sich arbeitende Leute mit nackten Beinen dargestellt, selten aber ohne Schuhe (4. 9); doch kamen damals die von den Römern ins Land gebrachten Kniehosen (Brech 4. 23.) in Mode und Strümpfe (Hose 4.  4), welche bis zu denselben hinaufreichten; Hosen von Leder, welche sich hie und da erwähnt finden, dürften als Strumpfstiefel aufzufassen sein.

Auch über die Strümpfe wurden wollene Riemen gewickelt, kreuzweise oder in Spiralwindungen (4.  8. 12. 20). Die Schuhe waren über den Rist herab offen und wurden mit Riemen oder einem Knopf geschlossen. Bei festlichen Anlässen trugen die hohen Staatsbeamten Kleider von grösserer Fülle, bis auf die Knöchel fallende Röcke und weite Mäntel (4.10.21). Trotz des Nebelhimmels, welcher sich über Britannien ausspannt, liebten die Angelsachsen der Spätzeit glänzende Farben; Rot, Blau und Grün finden sich in allen Miniaturen. Schon im 7. Jahrhundert waren die englischen Frauen in der Kunst des Stickens so berühmt, dass man auf dem Festland jede kostbare Arbeit dieser Art mit „anglicum opus“ zu bezeichnen pflegte. Auch die Kunst des Tätowierens wurde von den Angelsachsen selbst noch nach der Zeit des normannischen Einbruches geübt trotz Priesterzorn und Gesetz. Das Haar pflegte man auf der Stirne zu scheiteln und frei auf die Schultern herabfallen zu lassen, den Bart aber gabelig zu teilen. Schmucksachen wurden von den Männern ausgiebig verwendet; man trug Armbänder von Edelmetall und Elfenbein, goldene und mit Juwelen besetzte Gürtel, Halsketten von Bernstein, Broschen, Ringe und Schnallen. (5. 2G König Alfred’s Amulet).

Weit und fliessend waren auch die weiblichen Gewänder; sie finden sich in den Schriften durch die Namen Cyrtle, Tunica und Gunna unterschieden. Unter „Cyrtle“ ist vermutlich ein Untergewand oder Hemd zu verstehen, denn dieses Kleid wird stets als weiss und von Leinwand beschrieben. Die Tunika reichte bis an die Fussknöchel (4. 18); ihre Ärmel waren ganz wie beim Männerrock so lang, dass man sie über die Unterarme zusammen streifen musste; sie mögen bei kalter Witterung zugleich als Handschuhe gedient haben. Bezüglich des Kleides, welches „Gunna“ genannt wird, gehen die Meinungen auseinander; den schriftlichen Berichten nach müsste es eine kurze Übertunika mit halblangen Ärmeln gewesen sein; in den Abbildungen aber findet sich niemals eine kurze Tunika als Überrock angedeutet, wohl aber ein langes schleppendes Gewand mit weiten Ärmeln, das unter dem Gürtel heraufgezogen werden musste, um darin gehen zu können (4.  18. 22).


Tafel 7. Normannen und Angelnormannen.

Beschreibung Tafel 7. Normannen und Angelnormannen.


 

Als Schutzkleidung zu Hause wie öffentlich bedienten sich die Frauen einer ringsum schliessenden langen Pänula und eines Tuches von Leinwand oder Seide, welches über den Kopf gelegt und nach Belieben um den Hals geschlungen wurde. Strümpfe bildeten höchst wahrscheinlich einen Teil der weiblichen Kleidung; in den Miniaturen scheinen sie jedoch beständig von Tunika und Gunna verdeckt; was von Schuhen sichtbar, ist schwarz gemalt. Das Haar pflegten die Frauen in lange Locken zu drehen oder zu kräuseln, den Schleier aber zuweilen noch mit einem goldenen Kopfband festzuhalten. Armbänder, Halsschnüre und Ohrringe finden sich fortwährend in den Schriften erwähnt. Handschuhe dürften unter beiden Geschlechtern erst um die Wende des 10. und 11. Jahrhunderts üblich geworden sein; sie wurden bis dahin durch die langen Ärmel ersetzt. Eine Miniatur aus jener Zeit lässt uns eine Frau begegnen, welche an der linken Hand eine Art von Fausthandschuh mit besonders angesetztem Daumen trägt; der Handschuh ist blau gemalt.

Anuerin *, ein keltischer Barde, welcher selbst gegen die eindringenden Angelsachsen gekämpft hatte, gibt folgenden Bericht über die Schlacht bei Cattraeth: „Dreihundert Krieger waren es in vergoldeten Rüstungen, drei gepanzerte Rotten mit drei Anführern, die goldene Halsringe trugen. Bewaffnet waren sie mit Dolchen in weisser Scheide; sie trugen vierkantige Helme. Einige hatten Speere und Schilde, letztere aus gespaltenem Holze. Ihr Führer trug einen gewölbten Schild; er war geharnischt mit einem schuppigen Panzer und bewaffnet mit einer mörderischen Pike; er trug die Haut eines wilden Tieres (vergl. 1. 16). Sein langes Haar floss über die Schultern und war, wenn er unbewaffnet ging, mit einem Kranz von Bernsteinkugeln geschmückt; um seinen Hals trug er einen goldenen Ring.“

Viereckige Helme und selbst Kronen solcher Art (4. 20) begegnen uns häufig in den angelsächsischen und fränkischen Handschriften bis in das 10. Jahrhundert hinein; diese Form, so unschön und unpassend sie erscheint, hat ihren Grund in dem grossen Schutze, welchen die vorstehenden Kanten gegen feindliche Hiebe gewähren, aber nicht, wie man vermuten könnte, in der ungeschickten Hand der malenden Mönche; indessen gab es auch runde Helmkappen in der Form von Glockenhelmen (4. 8).

Vorzugsweise vertreten unter dem angelsächsischen Kopfschutz war eine Kappe mit vorwärts geneigter Kuppe (4. 11.12), die vermutlich von Leder und mit Metall beschlagen, sowie ein Helm von nahezu konischer Form (4. 14) mit kurzer Nasenberge, ein Vorläufer des sogenannten normannischen Helmes. Ein Helm, welcher statt der Kuppe einen gezackten Kamm hatte (4. 15. 23), dürfte als der letzte Ausläufer des altgermanischen Eberhelmes zu betrachten sein, welchen die Sachsen mit über das Meer herübergebracht hatten und von welchem bis jetzt nur ein Exemplar in Derbyshire dem Grabe eines Häuptlings gefunden wurde (5. 11). Dieser Helm besteht aus eisernen, zu einer Rundkappe übereinander gebogenen Spangen, die am unteren Rand an einem Reif festgenietet, in der Kreuzung aber, oben auf dem Wirbel, mit dem Eisenbild eines Ebers besetzt sind. Das Eberbild war das Zeichen des Frö und galt als schützendes und schreckendes Amulet. In der christlichen Zeit begnügte man sich mit einer Andeutung der Rückenborsten des Ebers in Gestalt eines gezackten Kammes; möglich, dass auch noch die Augen, die Hauer und die Ohren des Tieres durch Metalleinlagen nachgeahmt wurden.

Unter dem Schuppenpanzer, von welchem der keltische Barde redet, haben wir sicher die Rüstung aus Hornplatten zu verstehen, welche durch sarmatische und gothische Stämme nach dem Abendlande gekommen war. In einer der ältesten Miniaturen begegnet uns ein Panzer aus Ringen, welche flach auf einen ledernen Rock aufgenäht erscheinen (4. 10); es ist dies die „Byrne“ (Brünne, Kettenhemd), welche sich im 8 Jahrhundert erwähnt findet; später wurden Lederpanzer mit Reihen übereinander gelegten Ringen und Panzer aus ineinander gehängten Ringen hergestellt (4. 12.151)

Die Schilde der Angelsachsen waren stark gewölbt, kreisrund oder elliptisch (4. 10. 12), später nach unten hin zugespitzt nach Art unserer papiernen Drachen, mit einem eisernen Buckel und einer vergoldeten, roten oder blauen Randeinfassung verstärkt, im Grunde fast immer weiss bemalt. Das Schwert der Angelsachsen glich der Spatha (5. 30), war aber nicht ganz so lang und hatte am Gefäss nicht selten einen dreiteiligen oder Kleeblatt förmigen Knopf (2. 54.3.5); der Sax, die berühmte Sachsenwaffe, das einschneidige lange Messer (2. 59), wird auffallender Weise nur selten in angelsächsischen Gräbern angetroffen, häufiger dagegen das Angon, jener Wurfspiess mit widerhakiger Klinge (4. 12.14) auf dünnem langem Eisenschaft, ferner eine schwere Wurflanze mit schmaler, gestreckter Klinge ohne Widerhaken, wie sie bei uns nur in den Schleswig Meeren gefunden wird (2. 74).

Fig. 1.

Als Hauptwaffe galt das Beil, von welchem die Sachsen mehr Gebrauch machten als andere Völker (5. 2-1. s s). Bogen und Pfeile wurden zumeist auf der Jagd verwendet.
Sattel, Steigbügel und Stachelsporen (3.  3.4.8.18.5. 12. 36. 37) waren bekannt, doch nicht allgemein üblich. Signale wurden mit einem Stierhorn gegeben oder mit einer mannslangen Tube von Erz, die, gerade oder leicht gebogen, beim Blasen auf eine Stützgabel gelegt wurde (4. 13. Fig. 1, 5. 6). Bei ihrer Landung führten die Angelsachsen das Bild eines weissen Pferdes im Banner, bei Hastings das Bild eines bewaffneten Mannes. Auf dem Gobelin von Bayeux sind die Sachsen mit einem fliegenden Drachen dargestellt, welcher an einem Lanzenschaft befestigt ist. Wie es scheint, war dieser Drache aus bunter Wolle gewirkt, so dass er sich durch den einströmenden Wind aufblähen und bewegen liess. Den Drachen führten auch die Donauvölker und Langobarden; er war der symbolische Gegner des römischen Adlers. Unter den Feldzeichen gab es einen mit „Tuf“ oder „Cumbal“ bezeichneten Busch aus langen schwarzen und weissen Federn, welcher auf einen Speer gepflanzt war, vermutlich ein altes Emblem der gefiederten Walküren.


Tafel 8. Anglo-Normannen und Engländer (bis 1200).

Beschreibung Tafel 8. Anglo-Normannen und Engländer (bis 1200).


 

Bezüglich der Haus- und Feldgeräte sowie der Transportmittel (5. 23.25.33.35.3S. 014-60. Fig. 1. 7-23) muss ich die Abbildungen sprechen lassen. Wichtigen Aufschluss über den angelsächsischen Schiffsbau gibt uns ein dem Nydamer Torfmoor gehobenes Boot (1. 61), welches der Zeit zwischen dem 2. und 4. Jahrhundert angehört, also der frühesten Eisenzeit. Das Boot ist von Eichenholz, 24 m lang, 31/2 m breit, flach im Boden und vorn und hinten in schön geschwungener Curve gleichmässig zugespitzt; es hat 19 gewachsene Rippen, die, weil eiserne Werkstücke damals noch eine Seltenheit, durch Taue an den Planken befestigt waren; die Planken selbst aber sind durch Eisen verbunden. Auf dem oberen Rande des Bootes, dem Dollbord, waren Klampen (1. 56) festgebunden, 14 auf jeder Seite; an diese Klampen wurden Tauringe gehängt, die zur Aufnahme der Ruder dienten (1.  59.60); so liess sich vor- und rückwärts rudern, ohne das Boot selbst zu wenden. Das Steuerruder befand sich ebenfalls in einem Seilring schwebend hinten auf der rechten Seite; sonst hatte das Boot weder Mast noch Verdeck.

Die Tracht der Dänen vor deren Einfall auf der englischen Küste bis zur Einsetzung ihrer Herrschaft unter Kanut dem Grossen war die skandinavische. Am beliebtesten, wenn nicht allgemein üblich, war, wie damals bei den nordischen Männern überhaupt, die schwarze Farbe, denn die Dänen werden in den Chroniken gewöhnlich „die schwarzen Dänen“ genannt; selbst die Vornehmen erschienen bei festlichen Anlässen in schwarzer Seide. Als Leute, welche die See bewohnten, trugen die Dänen stets Matrosenkleider; indessen gelangten sie mit der Zeit auch zum Tragen von Scharlach, Purpur und feiner Leinwand. Bei ihrem Einmarsch in England trugen sie neben den schwarzen Röcken auch weisse und rote; nach ihrer Niederlassung aber und ihrem Übertritt zum Christentum gaben sie die skandinavische Tracht völlig auf und nahmen dafür die Kleidung der Angelsachsen an (5. 4-7).

Die Miniaturen lassen nur in der Anlage des Mantels eine Veränderung bemerken; der Mantel wurde unter bei beiden Geschlechtern über der Brust mit Schnüren festgehalten, die an den Enden bequastet waren (5.  4.6). Zur Zeit der Eroberung trugen die Dänen eine völlige, den ganzen Mann samt Kopf und Füssen bedeckende Rüstung aus kleinen Schuppen (5. 3); dieselbe war offenbar von Leder, da sie, soweit die Miniaturen es erkennen lassen, den Formen des Körpers angepasst und sehr geschmeidig erscheint. Den Kopf deckte ein etwas überhöhter Rundhelm mit Nasenberg. Der dänische Schild war von zweierlei Art, rund und halbmondförmig; der letzte glich völlig dem phrygischen Amazonenschilde, der Pelta. Der Schild findet sich in den Miniaturen gewöhnlich rot, bei den Häuptlingen aber weiss bemalt, bei letzteren überdies mit vergoldeten oder farbigen Ornamenten besetzt; diese Ornamente galten als persönliche Abzeichen und sind als die ersten Vorläufer der mittelalterlichen Wappen zu betrachten. Als Angriffswaffe liebten die Dänen vorzugsweise die Axt mit doppelter Klinge; auch mit dem Bogen wussten sie gut umzugehen; daneben führten sie noch Schwert und Speer.

In dem kurzen Zeitraum zwischen der dänischen und normannischen Eroberung, während welcher die englische Krone an die sächsische Linie zurückgefallen war, lassen sich nur zwei nennenswerte Veränderungen bezüglich des Kostüms nachweisen. Noch ehe die Sachsen von den Normannen besiegt worden waren, hatten sie deren Moden angenommen. Sie bekleideten sich mit der normannischen Tunika: die kürzer als die sächsische war, stutzten das Haar und rasierten den Bart bis auf die Oberlippe hinweg. Auch das Tätowieren war damals noch Sitte. Die zweite Veränderung betraf die lederne Rüstung (Corium, Corietum), welche die Sachsen, wie es scheint, ebenfalls von den Normannen annahmen; dieselbe wurde aus übereinander gehenden Lappen hergestellt, die in Form von Schuppen und Blättern zugeschnitten und mit verschiedenen Farben bemalt waren (6.  17.18).

Die Sachsen wurden eine Beute der Normannen, welche 1066 unter Wilhelm dem Eroberer aus der Normandie herüberkamen. Die beste bildliche Überlieferung der normannischen Tracht liefert uns der 212 Fuss lange Gobelin von Bayeux, welcher, wie man sagt, von der Frau des Eroberers, Mathilde selber roh aus farbigem Garne gewirkt wurde. Üblich waren damals, jenem Teppiche zufolge, bei den Männern eine Tunika, welche, ohne heraufgezogen zu werden, bis an oder knapp bis über das Knie, bei vornehmen Leuten bis auf die Füsse reichte (6.  3.5.7.20.24), lange ziemlich anschliessende Ärmel hatte und gegürtet wurde; ein rechteckiger, auf der rechten Schulter mit einer Agraffe oder Quastenschnur festgehaltener Mantel; Beinlinge oder lange Hosen mit Füssen daran, von den Normannen „Chausses“ genannt; Binden, welche um die Unterschenkel gewickelt wurden und bei vornehmen Leuten in Quasten endigten; sodann Knöchelschuhe, später kurze Stiefel (6.13), eine haubenartige Mütze (6. 5) und eine am Rocke befestigte Kapuze (6. 19). Leute, welche viel zu Pferde sassen, trugen kurze unten offene Kniehosen, in welche sie ihre Tunika untersteckten (Fig. 2.  5).

Die Normannen pflegten sich damals das Gesicht und selbst den Hinterkopf „nach aquitanischer Sitte“ ** völlig glatt zu rasieren (6. 13), ganz in der Weise der alten Merowinger, so dass sie aussahen wie Mönche. Die weibliche Tracht der Normannen zeigte gegenüber der angelsächsischen einige Veränderungen. Man trug die lange Untertunika und darüber ein Gewand, entsprechend der sächsischen „Gunna“, von den Normannen „Robe“ genannt (G. 9.11). Die Ärmel des Untergewandes waren sehr eng und wurden darum auf ihrer Unterseite aufgeschlitzt und zum knöpfen oder zuschnüren eingerichtet (6. 11), so dass zwischen den Schnüren das weisse Hemd zum Vorschein kam. Das Obergewand, die Robe, umschloss den Oberkörper glatt bis zum Hals hinauf, erweiterte sich dagegen nach unten hin noch bedeutender, als die sächsische Gunna und zwar vermittelst eingesetzter Zwickel; die Ärmel schlossen sich eng bis zum Handgelenke an, dann aber öffneten sie sich weit und fielen tief herab. Die Säume der Kleider waren von Gold und sehr breit. Das Haar wurde lang herabfliessend getragen und nach Belieben in zwei und mehr Zöpfe verflochten; darüber kam das Kopftuch, „Couvre-chef“ genannt; dasselbe fiel wie ein Mantel über den Rücken herab; ausserdem wurde der Hals noch mit einem feinen Tuche möglichst dicht verhüllt. Auf einer Miniatur aus jener Zeit findet sich eine Frau dargestellt, deren Hände mit Handschuhen bedeckt sind, an welchen lange Flügel hängen (6. 9).

Auch die normannische Kriegstracht wies verschiedene Neuerungen auf. Zuerst die Kapuze, „Camail“ genannt; diese bedeckte Kopf und Nacken so, dass nur ein kleiner Teil des Gesichtes entblösst blieb; sie war mit dem Panzerhemd, einer Art Kittel, welcher bis unter das Knie reichte, aus einem Stück verfertigt; das ganze Gewand bestand aus Leder oder Leinwand, auf welche Stoffe entweder starke Ringe von geschmiedetem Eisen nebeneinander aufgenäht (6.  8.12) oder Ketten senkrecht oder waagrecht (6. 4) sowie auch Metallplatten verschiedener Art befestigt waren. Die Ärmel reichten anfangs nur bis zum Ellbogen und wurden erst später verlängert; dieses Rüstgewand war unten vorn und hinten ein Stück weit aufgeschnitten, so dass es in der rohen Darstellung des Bayeuxer Teppichs aussieht, als ob es in kurze Hosen endet; doch gab es auch beringte Hosenröcke (6. 16); um die Anlage derselben zu ermöglichen, befand sich auf der Brust eine Öffnung, die mit einem ebenfalls beringten, viereckigen Latz geschlossen wurde (6.  12.16). Alle Ränder hatten eine gelbe, blaue oder rote Einfassung, ob aus Metall oder Leder vermögen wir nicht zu unterscheiden. Der normannische Name für dieses Panzerkleid war Hauberk (lat. halbercum), ein Wort, das abgeleitet war von Halsberge,  dem Schutz für den Hals; so nannte man zuerst die Kapuze allein, welche sich mit der Zeit nach unten und über die Arme hin zu einem völligen Rocke verlängert hatte (vergl. 6. 7). Der normannische Hauberk (oder Haubert) zeigte häufig ein Gitterwerk, dessen Vierecke mit sehr dicken Ringen oder Nagelköpfen besetzt waren (6.  16.7.5), was sich bei dem halbverblassten Zustande des Gobelins unmöglich mehr unterscheiden lässt. Vorderarme und Unterschenkel blieben von dem Haubert unbedeckt; jene wurden durch ein gestepptes Ärmelwamms, diese durch Strümpfe von Filz oder Fell mit darüber geflochtenem Riemen geschützt, oder auch durch Strümpfe, welche ähnlich wie der Haubert gegittert waren (6.  13.16).

Der normannische Helm hatte eine konische oder halbeiförmige Gestalt, war nicht selten zur Hälfte aus Eisen und Bronze hergestellt (7.  9) und mit Nasenberg, bisweilen auch noch mit einem Nackenschutz versehen. Der Schild hatte die Gestalt unserer Papierdrachen, (6.  12. 7. 8) und soll den sizilianischen Schilden gelegentlich früherer Eroberungen nachgeahmt worden sein. Er war innen gepolstert und hatte in der oberen Hälfte eine Handhabe aus Lederriemen, welche kreuzweise oder im Viereck mit Schrauben angeheftet waren; mit den beiden oberen Schrauben erschienen zugleich die Enden eines langen Riemens (Guige) untergefasst, mit dem man den Schild um den Hals zu hängen pflegte. Aussen war der Schild mit Leder überzogen und am Rande mit Metall beschlagen, im Grund aber einfarbig oder mit Drachen, Greifen, Schlangen und Löwen, manchmal auch mit Kreuzen, Ringen und phantastischen Ornamenten bemalt; diese rohen Schilde sind indessen nicht als regelrechte Wappenbilder aufzufassen. Auf dem Teppich begegnen uns der Normannenherzog Wilhelm der Eroberer und seine vornehmsten Ritter mit Lanzen, an welchen kleine Fähnchen oder Wimpel hängen (6.  12.  7.  1.6.11), die „Gonfalons“ genannt wurden, oder mit Knütteln in der Hand (7.   2); ferner Bogenschützen zu Fuss und zu Pferd. Der normannische Sporn war derselbe wie der sächsische (7.  10; vgl. 5. 12). Der Sattel hatte sehr hohe Vorder- und Hinterpauschen (7. 3. 4), die voluten förmig gebogen waren und das Kreuz samt der unteren Brust des Reiters schützten. (Über den Schiffsbau der Normannen siehe oben).


Tafel 9. Engländer (bis 1200).

Beschreibung Tafel 9. Engländer (bis 1200).


 

Die Normannen und Flamländer im Gefolge Wilhelms waren bekannt durch ihre Liebe für modischen Aufwand; eine Mode drängte die andere, so dass bereits im 12 Jahrhundert die englische Tracht sich gegen früher bedeutend verändert zeigte. Männer aus dem Volke trugen zwar noch immer nach Vätersitte den kurzen Knierock, Schuhe oder kurze Stiefel, die Kappe mit vorwärts geneigter Kuppe oder einen Rundhut mit Krempe, überdies bei schlechtem Wetter einen Mantel mit Kapuze, „Capa“ genannt. Aber die Kleidung der Vornehmen war anders geworden; der kurze Rock hatte sich mit der Zeit immer mehr verlängert und erweitert, namentlich an den Ärmeln (8. 1); man zog auch zwei Röcke übereinander an (8. 2. 8), von welchen der untere nicht selten auf dem Boden schleppte und mit seinen weiten Ärmeln bedeutend über die Hände herabfiel (8. 2). Gebräuchlich war eine Fütterung des Mantels mit Pelz. Mit der kurzen Tunika wurde ein Kapuzenmantel (Rhene) getragen, welcher so verengt war, dass er weniger einem Mantel als einem knapp anschliessenden Kragen glich (8. 3); auch dieses Gewandstück liebte man mit Pelz gefüttert.

Die Schuhe liess man in Spitzen auslaufen und gab den Spitzen die Gestalt von Schnäbeln, Skorpionschwänzen und selbst von Widderhörnern, eine Mode, welche namentlich die Geistlichkeit sehr in Rage brachte. Statt den Nacken auszurasieren, von jeher eine schlecht kleidende Mode, liess man das Haar in ganzer Fülle wachsen und scheitelte es über der Stirne (8.  8). Wem die Natur reiches Haar versagt hatte, ersetzte es durch eine Perücke; die Perücken datieren in England aus der Zeit des Königs Stefan. So mit langem Haar, weit fliessenden Gewändern, Schnabelschuhen und überdies ohne Waffen glichen die Anglo – Normannen des 12 Jahrhunderts äusserlich in nichts mehr ihren Vätern, die aus der Normandie herübergekommen waren.

Um die Wende des 12. und 13. Jahrhunderts verlor sich wiederum die übermassige Länge der Gewänder; man liess den unteren Rock bis an die Knöchel reichen oder knapp bis unter das Knie (6. 23. 25) und stattete ihn mit langen, anschliessenden Ärmeln aus. Bei grosser Enge pflegte man die Ärmel auf der Unterseite vom Handgelenke bis zum Ellbogen aufzuschlitzen und zum zuknöpfen einzurichten. Der Überzieher war etwas kürzer aber weiter als der Unterrock (6. 23), und hatte weite Hängeärmel oder Ärmel, welche nach hinten in einen Kragen übergingen, ausserdem eine Kapuze, welche bei schlechtem Wetter über den Kopf gezogen wurde. Der Mantel kam jetzt ziemlich selten und dann nur als Prunk- oder Reisekleid vor; häufiger eine Pänula, welche gleichfalls eine Kapuze hatte (6. 25) und von den Schultern an nach abwärts aufgeschlitzt war, so dass man deren Vorderstück je nach der Witterung über die Schulter zurückwerfen konnte. Strümpfe und Schuhe wurden im 12 Jahrhundert wie vordem getragen; beliebt unter den reichen Leuten waren Sandalen (Sotulares) mit Riemen von purpurnem Tuche oder vergoldetem Leder, welche von den Zehen an über das ganze Bein herauf regelmässig gekreuzt und verschnürt wurden (6.18). Als Kopfbedeckung war neben der, althergebrachten phrygischen Mütze eine Rundkappe mit breiter aufwärts gestellter Krempe üblich (6. 23. 25); auch Handschuhe kamen häufig vor, teils kurz, teils bis zu den Ellbogen reichend, an den Enden gestickt und bei Fürsten und Prälaten mit Edelsteinen besetzt (6. 23. 25. 8. 4. 15. 26). Das Haar wurde lang getragen, mit Kräuseleisen gelockt und mit Bändern oder Reifen festgehalten, auch auf Bärte und Schnurrbärte eine besondere Pflege verwendet.

Die weibliche Tracht machte im Verlaufe des 12 Jahrhunderts ähnliche Veränderungen durch wie die männliche; auch hier waren es vorzugsweise die Ärmel des Oberrockes, an welchen die Mode ihren Launen frönte. Wir haben gesehen, dass an den normannischen Frauenüberröcken die sonst engen Ärmel sich in der unteren Hälfte bedeutend erweiterten (6.  9. 11. Fig. 3, 2-5). Die Ärmel blieben anschliessend von oben bis in die Mitte des Unterarmes, oft auch bis dicht an das Handgelenk, dann aber öffneten sie sich plötzlich oder nur allmählich; der erweiterte Teil wurde entweder mit dem übrigen Ärmel aus einem Stücke geschnitten (Fig. 3. 2.) oder besonders angesetzt; in diesem Falle wurde das angesetzte Stück hinten herauf zusammengenäht und dann über den Unterarm zurückgeschlagen (8.  11). Der Ärmel erhielt mit der Zeit eine so übermässige Weite, dass man ihn in die Höhe binden musste (8. 11).

Die Leidenschaft, alle Teile der Kleidung zu verlängern, machte sich auch sonst an diesem Oberrock geltend; von den Hüften an wurden grosse Zwickel zwischen das Vorder- und Hinterstück eingesetzt und das Hinterstück zuerst halbkreisförmig (Fig, 3. 6), später aber dergestalt verlängert, dass es in zahlreichen Windungen auf den Boden zu liegen kam (8. 16). Leichtlebige Frauen machten es ebenso mit dem vom Hinterstücke getrennten Vorderstücke ihres Oberrockes (8. 12), welches gleichfalls hochgebunden wurde, so dass beim Gehen die mit Trikot bekleideten Beine zum Vorschein kamen. Mit der Zeit wurde der rechte Ärmel, welcher sich besonders hinderlich erwies, durch einfaches Abschneiden verkürzt (8.19); dies war der erste Anstoss zum Rückgang; man fing an, die lästigen Schleppärmel durch Stulpen zu ersetzen (8.13), und auch diese gab man mit Schluss des 12. Jahrhunderts auf (8. 17). Nur im Oberkörper behielt das Kleid unausgesetzt seine knapp anschliessende Form; hier war es vorn oder hinten zum Verschnüren eingerichtet (8.  13. 19). Bei starkentwickelter Büste wurde das Vorderstück aus zwei Teilen hergestellt (Fig. 3, 1), welche an ihrer zusammenstossenden Kante dem unteren Rande der Brüste entsprechend ausgeschnitten waren, der obere Teil aber in grösseren Bogen, so dass er beim Festnähen auf den unteren Teil ein wenig zusammen geschoben werden musste; auf diese Weise bildeten sich zwei Beutel fur die Brüste.

Gegen Schluss des 12. Jahrhunderts bekleidete man sich wiederum mit einem einfachen Obergewand (8. 17), welches lange anliegende Ärmel hatte und locker von einem Gürtel umschlossen, wurde; an den Gürtel pflegte man ein „Autmoniere“ genanntes Täschchen zu hängen. Über dem langen Rocke lassen die Abbildungen gelegentlich ein kürzeres Gewand erblicken, welches in den Chroniken Super-tunica oder Surcote genannt wird; es ist fast immer gewürfelt oder gestickt und endet ein wenig unter dem Knie mit einem ausgezackten Rande. Der Frauenmantel scheint seine massige Länge niemals verloren zu haben; auch das althergebrachte Kopftuch war noch nicht ausser Mode gekommen. Das Haar pflegte man über der Stirne zu scheiteln, jeden Teil in einen Zopf zu verflechten und diesen mit Bändern zu umwinden (8. 11.19).

Hinsichtlich der kriegerischen Tracht ist zu bemerken, dass sich dieselbe in England seit der Normannenzeit nahezu völlig in Übereinstimmung mit der in Deutschland und Frankreich gebräuchlichen weiter entwickelt hat; eine Beschreibung derselben findet sich in dem Abschnitt über die Deutschen.

* Anuerin, Aneurin oder Neirin war ein britannischer Dichter des frühen Mittelalters. Die walisischen Triaden beschreiben Aneirin als „Fürst der Barden“ und „von fließenden Vers“. Nennius, ein walisischer Mönch des 9. Jahrhunderts zählt ihn zu den frühesten walisischen Dichtern (walisisch Cynfeirdd), als einen Zeitgenossen von Taliesin, Talhaearn, Blwchfardd und Cian. Letzter ist nicht mit Cian aus der irischen Mythologie zu verwechseln. Es wird angenommen das er ein Barde oder Hofdichter in einem der kumbrischen Königreiche des alten Nordens war, Hen Ogledd, dem Volksstamm der Gododdin in der Gegend des heutigen Edinburgh. Ihm wird das Epos „Y Gododdin“ zugeschrieben auf das sich die Beschreibung von Hottenroth bezieht.

** Das historische Herzogtum Aquitanien entspricht nicht der französischen Region jetzt als Aquitaine bekannt; es war weiter nördlich, einschließlich Teile von dem, was jetzt die Regionen Pays de la Loire, Centre, Limousin, Poitou-Charentes und Auvergne sind. Es entstand im 7. Jahrhundert als Herzogtum unter fränkischer Oberhoheit, auf Grundlage der römischen Provinzen von Aquitania Prima und Secunda.

Quelle: Trachten, Haus, Feld-und Kriegsgerätschaften der Völker alter und neuer Zeit, von Friedrich Hottenroth. Stuttgart Verlag von Gustav Weise 1891.

Bildnachweise und deren Beschreibungen von Friedrich Hottenroth.

Bildnachweis: Rückseite einer Tunika aus dem Thorsberg Moor in Schleswig-Holstein, Deutschland, ca. 4. Jahrhundert. Fotografiert am Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum. Schloss Gottorf, Deutschland. Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported