Die Kosaken des Kaukasus.

Die Kosaken des Kaukasus.

Auszug aus dem Buch: DER KAUKASUS UND SEINE VÖLKER von R. von ERCKERT. Kapitel: Die Kosaken des Kaukasus. (Die Orthographie wurde der heutigen Schreibweise angepasst. Mit gekennzeichneten, weiterführenden Ergänzungen.)

Kuban-Kasak, Kosake, Trachten, Transkaukasien, Kaukasus, Roderich von Erckert, Kostümkunde

Kuban-Kasak (Kosake)

Kapitel: Die Kosaken des Kaukasus von R. von ERCKERT.

Als Basis für die Bekriegung der früher feindlichen, eingeborenen Völkerschaften des nördlichen Kaukasus und als Schutzmauer gegen ihre Überfälle und Einfälle bestanden, teilweise schon seit einigen hundert Jahren (am Terek und der Ssunsha), Kosaken Ansiedlungen, dorthin aus dem moskauischen Reich übergesiedelt, die später vermehrt wurden und seit der Regierung der Kaiserin Katharina II. und später ihren völligen, auch territorialen Abschluss nach Westen hin zum schwarzen Meere fanden, besonders als die Saporoger Kosaken (nach den Stromschnellen des unteren Dnjepr so genannt von sa = jenseit, poroga = Schwelle, Stromschnelle), nach den heute noch von Ihnen eingenommenen Wohnsitzen übersiedeln mussten, die südlich vom untern Kuban und westlich vorn asowschen Meer begrenzt werden, von wo aus nach Beendigung des kaukasischen Krieges auch grosse Gebiete südlich des Kuban durch Kosaken kolonisiert wurden.

Tscherkesse, Zirkassier, Adighé, Kabardiner, Adygejer, Trachten, Transkaukasien, Kaukasus, Roderich von Erckert, Kostümkunde

Tscherkesse (Zirkassier) oder Adighé, aus dem nordwestlichen Kaukasus.

In jener Zeit erhielten sie, wohl nicht ganz korrekt der Lokalität angepasst, den Namen der Kosaken vom schwarzen Meer, – Tschernomoren, während die übrigen Kosaken der Grenze östlich von ihnen, hauptsächlich längs des Terek (1) wohnend, speziell den Namen Linienkosaken, Kosaken der kaukasischen Linie, d. h. Grenze, trugen, deren einzelne Regimenter spezielle lokale und meist sehr berühmt gewordene Namen tragen.

Die Linienkosaken gingen gleich den donischen und uralischen Kosaken im sechszehnten Jahrhundert aus den russischen Drushinen (Heeresgefolge der Fürsten und Bojaren) und zwar aus den jüngeren, der Zahl nach grösseren Drushinen (2), aus der niederen Truppe hervor; diese folgte eben nicht den mit den Tataren unter ihren Anführern paktierenden älteren, weniger zahlreichen Drushinen, sondern lief hilf,- und aussichtslos auseinander, weit fort, wo die Macht der tatarischen Abgabensammler sie nicht erreichen konnte.

Ein freies, wenn auch sehr beschwerliches Leben führend, mit den vordersten Tataren (Kosaken)-Posten Bekanntschaft machend und die russischen Kolonisten schützend, zogen die Aktivsten in die südöstlichen Gebiete Russlands und nannten sich nach den ersten tatarischen Gegnern — Grenzwächtern, „Kosaken“ (auf dem Kaukasus bei den östlichen Bergvölkern wie bei den Grusinern (3) „Räuber“ bedeutend und „Flüchtling“, im Tatarischen aber auch der eigentliche Nationalname der Kirgisen) und nahmen fast alles, selbst vielfach die Sprache von ihnen an.

Im sechszehnten Jahrhundert zogen solche Kosaken aus den damaligen südöstlichen Grenzgebieten des moskauischen Russlands auch nach dem untern Don, der Wolga und dem Uralfluss wie nach dem Terek, wo sie noch heute wohnen. Diese letzteren waren die Tscherwlonny Kosaken, deren Hauptstaniza (Hauptwohnplatz, Stadt) lange eine besondere Bedeutung hatte, und die von den kabardinischen Tscherkessen, welche früher in der Krim und den Dnjepr-Steppen gewohnt hatten, freundlich aufgenommen wurden, da diese selbst zu Ende des vierzehnten Jahrhunderts als Kosaken ins moskauische Reich gerufen worden waren. Diese Kabardiner (4) gaben den neuen Ankömmlingen im Kaukasus einen unbewohnten Landstrich auch an der Ssunsha, einem Nebenflusse des Terek, wo sie als Greben-Kosaken den Stamm der Linienkosaken bildeten. So lässt sich sicher behaupten, dass die Anfänge des Kosakentums überhaupt nach dem Dnjepr hinweisen und zwar auf die den Petschenegen (5) folgenden Polowzen (6) als benachbarte Steppenbewohner des Reiches von Kiew.

Enzeli, Bandar Anzali, Encheli, Andier, Dagestan, Kaukasus,

Ortschaft Unter-Encheli im Gebiet der Andier, der westlichen Nachbarn der Awaren, an der Andi-Koissu; charakeristsich und typisch durch Lage und Bauart im mittleren und westlichen Dagestan.

Interessant und bezeichnend und in Analogie mit vielem was die Russen von den Tataren und überhaupt vom Orient angenommen haben, ist, dass bei den Kosaken des Kaukasus die Kleidung der Männer, die Ausrüstung, Kampfweise, Sattelung und Zäumung des Pferdes, die Bewaffnung ganz nach dem Muster der Feinde, denen ihrerseits, wie auch heute noch, die Kabardiner (Hauptstamm der Tscherkessen) als Muster hierin dienten, entlehnt wurde, und dass bis zur Beendigung des kaukasischen Krieges (1817–1864), vor etwa zwanzig Jahren, die tatarische Sprache grosser Verbreitung und Bevorzugung unter den Linienkosaken sich erfreute, was auch in einzelnen andern Gegenden des russischen Reichs seine Wiederholung findet.

Die Linienkosaken waren und sind noch der übriggebliebene Prototypus der so berühmt gewordenen russischen kaukasischen Krieger und repräsentierten am längsten das Kosakentum in seiner spezifischen Gestalt und seinem ursprünglichen und eigentlichen Charakter, — dauernde Gefahr am eigenen häuslichen Herd, und zwar durch die Jahrhunderte lang dauernden Räubereien und Überfälle der benachbarten feindlichen Völkerschaften.

Je weiter eine von Kosaken besetzte und bewachte Grenze hinausrückt, weiter nach vorn verlegt oder friedlich wird, je mehr also die Kosaken Bewohner des Inneren des Landes werden, um so mehr geht dasjenige gerade verloren, was ihr Lebenselement, ihr Zweck und ihre Bestimmung ist. Solches ist z. B. bei den zahlreichsten und bedeutendsten Kosaken, denen des Don und auch des Uralflusses der Fall. Lange noch erhielt sich und erhält sich der eigentliche Charakter und Typus; aber er muss allmählich dank der Macht der Verhältnisse verschwinden; solches kann durch vielfachen Gebrauch in auswärtigen Kriegen, wie dies in den kaukasischen lange und viel der Fall war, wohl aufgehalten, aber nie abgehalten werden. Dasselbe gilt für die Linienkosaken, die zum Teil an allen asiatischen Kämpfen teil nahmen.

Dem eben Gesagten entsprechend sind auch die „Stanizen“ genannten Kosakendörfer des Kaukasus gebaut. Sie bestehen aus grossen, mit einfachem Wall und Graben umschlossenen Dörfern mit von Hecken eingefriedigten Strassen, einer hübschen Kirche auf dem inneren geräumigen Platze, die zitadellartig zum Schutz für die Familien, die Haustiere und die einfache Habe bei Überfällen, eine mit Schiesslöchern versehene, meist achteckige niedrigeMauer umgab, welche jetzt noch gut erhalten ist.

Die Linienkosaken, jetzt Terek-Kosaken, das auch poetisch gefeierte Ideal, der traditionelle Typus einer alten und jungen kriegerischen Vergangenheit, sind grösstenteils Grossrussen, wenn auch viel mit tatarischen, tscherkessischen und tschetschenischen Ethnien gemischt, was sich in ihrem Charakter und in ihrer Erscheinung im Gegensatz zu den kleinrussischen Schwarzemeer-Kosaken, jetzt (seit dem Hinzuzählen eines Teils der Linienkosaken) Kuban-Kosaken genannt, in vielem deutlich ausdrückt.

Awarin, Gunip, Dagestan, Trachten, Transkaukasien, Kaukasus, Roderich von Erckert, Kostümkunde

Awarin aus der Gegend von Gunip, der Mitte des Dagestan.

Wie so häufig nationale Mengungen und Blutmischungen hervorragende Eigenschaften und Formen geben, so auch das auf solchen Mengungen und Mischungen beruhende Kosakentum in allen seinen Gliedern, die dies charakteristisch widerspiegeln, wenn dabei auch Tradition, Vergangenheit und Verhältnisse fördernd oder hindernd mitgewirkt haben. Alle Mengungen und Mischungen sind in den Kosaken assimiliert und zu echt russischem Kosakentypus geworden, wie dies ja im Russentum überhaupt ein hervorragender Zug ist, der Jugend der Nation vergleichbar und angemessen: so Vieles, ja viel mehr, als es bei oberflächlicher Kenntnisnahme und Anschauung erscheint, von andern Nationen und Völkern angenommen zu haben, sei es aus West oder aus Ost.

Das Russentum

Es ist diese Annahme und Aufnahme und bleibt auch keine äusserliche nur, sondern das Russentum verarbeitet alles Angenommene und Aufgenommene mit der eigentümlichen elastischen, natürlichen, ungesuchten eigenen Nationalkraft auf einfache Weise und gestaltet es zu etwas spezifisch Russischem, was von der Masse als solches eben darum dann geliebt und geschätzt wird, und worauf man, eben, weil es etwas Eigenes, Russisches nun geworden, stolz ist. Es ist dies eine Kraftäusserung, die vielleicht mit deshalb so intensiv ist, je weniger es Richtungen und Bahnen, Verhältnisse und Raum gibt, wo dieselbe ausserhalb sehr enger, althergebrachter Grenzen zur Tätigkeit und Äusserung gelangen kann. In diesem Geist der Assimilierung repräsentiert sich die so ausgebildete Leichtigkeit des Verkehrs mit Russen, das überwiegende, hervortretende des einfach Menschlichen im Gegensatz zum gewordenen, reflektierten Sein. Darin liegt aber auch eine Schwäche, da es von Mangel an korporativem Geist und Sinn begleitet ist, ja damit in gewissem Widerspruch steht, da in der Korporation die Persönlichkeit relativ verschwindet oder zurücktritt, und die Korporation als solche weniger Einflüssen zugänglich, aber wenn einmal erfasst, auch mehr oder ganz erfasst ist. In dem mehr ursprünglichen, wenn auch berechtigt egoistischen Begriff und Auftreten der Association hat das Individuum mehr Spielraum, mehr Freiheit des Handelns, die Persönlichkeit tritt mehr hervor, ist weniger eingeschränkt.

Der Russe ist ganz der Mensch des Augenblicks, der Extreme, des Eindrucks, des Gefühls, oft ohne Steuerruder der Vernunft; ganz Mensch der Assoziation, Feind der Korporation, die in erster Linie ja die Opferbereitschaft für das Prinzip voraussetzt, das sie repräsentiert; hierin sieht der Russe aber meist nur die Beschränkung der persönlichen Freiheit, — auch hierin, wie in so vielem, die Jugend der Nation widerspiegelnd.

Koissu, Laken, Lesgi, Lesgji, Kasikumyken, Dagestan, Trachten, Transkaukasien, Kaukasus, Roderich von Erckert, Kostümkunde

Kasikumyken oder Laken aus dem mittleren Dagestan, im Gebiet der kasikumykischen Koissu.

Der Nachteil des mangelnden korporativen Geistes und Sinnes der Russen wird teilweise aufgewogen durch die Uniformität der nicht oder wenig gegliederten Gesamtnationalität, die, wenn auch nicht so, als es in Europa angenommen wird, durch die Kirche homogen verbunden ist (was das vielfache und zahlreiche Schisma beweist), so doch durch eine allgemeine, echt menschliche, unmittelbar und im Prinzip nivellierende Brüderlichkeit, die das Individuum so sympathisch macht, wenn sie auch in ihrer Unmittelbarkeit zu keinen grossen Gesamtresultaten führt, da eben nur reflektiertes Sein und Handeln für die Lösung grösserer gesellschaftlicher, kultureller und staatlicher Aufgaben notwendig ist.

Der Russe hat sich bei der für das Volk so stabil gebliebenen Kultur die Uranfänge des Russentums im Gegensatz zum allgemeinen Slaventum, dessen bedeutendstes Glied es ist, relativ mehr in ihrer Reinheit und Ursprünglichkeit bewahrt. Die Besiedlung und Unterwerfung des speziell von Grossrassen, dem herrschenden und Haupt-Stamm, bewohnten Gebietes fällt fast genau mit dem der aus denselben zurückgedrängten, massenhaft verschwundenen und assimilierten finnischen Bevölkerung zusammen, die als passives, wenig fruchtbares Waldvolk überall von den Verkehrswegen der Russen durchsetzt und abseits verkümmernd zurückgedrängt oder aufgesogen wurde und noch wird. Das Russentum breitete sich als östliches Slaventum gruppenweise in Mutter- und Töchter-Kolonien nach Nordosten strahlenförmig aus und erhielt sein staatliches Gepräge, seine Festigkeit durch die Normannischen Waräger, die, Russen genannt, dem Volke den Namen gaben und in ihm aufgingen.

Dieser eigentümliche, spezifisch russische Assimilierungstrieb und diese Assimilationskraft wird nun im Kosakentum am intensivsten und gerade durch die abermalige Mischung mit fremden Elementen und fremdem Blut repräsentiert und kommt in ihm zum sichtbarsten und tätigsten Ausdruck, da mit der Erwerbung neuer Gebiete und Strecken in unkultivierten Gegenden ähnliche Verhältnisse sich wiederholen, als bei der ersten Besiedlung Russlands durch die nun zu Russen gewordenen Ostslaven.

Das Kosakentum

Gurier, Georgier, Grusier, Trachten, Transkaukasien, Kaukasus, Roderich von Erckert, Kostümkunde

Gurier aus dem Mündungsgebiet des Rion (Gurier), dem westlichsten Gliede der Georgier oder Grusier im weitesten Sinne des Wortes.

Der Kosake hat ein grosses Etablierungsvermögen, freilich mit sehr geringen Ansprüchen und Leistungen; er steht darin und dadurch und durch seinen National-Charakter den neuen Reichsbrüdern, den unterworfenen primitiven Völkern wirtschaftlich und menschlich näher und erscheint persönlich, als solcher, nicht so fremd oder gar feindlich, nicht so ganz anders, als der Westeuropäer oder besonders der Engländer in fremden unkultivierten Ländern es tut den neu Unterworfenen gegenüber; der Westeuropäer ist mehr eins mit der repräsentierten Gewalt und Macht und Kultur des siegreichen Staates, spiegelt sie mehr persönlich ab, während der Kosake sozusagen mehr neben, ausserhalb der Regierungsmission als Mensch auftritt, der so ist, wie er ist und nichts anderes sein will, und dem Eingebornen als Nachbar und Verkehrsmensch, nicht als durchsetzende heilende, aber schmerzende Säure gegenübertritt; nicht gerade im Gegensatz zu der neu eingesetzten Verwaltungsmission und Herrschaft, sondern mehr als versöhnender Ausgleich mit dieser, als menschlich wirkendes und sympathisches Band. —

Armenierin, Armenien, Trachten, Transkaukasien, Kaukasus, Roderich von Erckert, Kostümkunde

Armenierin aus Transkaukasien (früher persische Provinz)

Darin liegt bis in die neueste Zeit hinein, in Asien, die spezifische staatliche und kulturelle Bedeutung des Kosakentums für Russland, das stolz auf seine Vergangenheit und seine Erfolge zurückblicken, das nie absterben kann, so lange Russland in Asien weitergeht, d. h. nie im Prinzip und als Ganzes, wohl aber in einzelnen Gliedern und Zweigen, wenn sie unfruchtbar für den ursprünglichen Zweck geworden sind durch das mangelnde Bedürfnis, das aber neue Schösslinge und Früchte da sofort wieder treibt, wo die Vorbedingungen zum Kosakentum gegeben sind oder werden.

Interessant und bezeichnend und in Analogie mit vielem, was die Russen von den Tataren und überhaupt von dem Orient angenommen haben, ist, dass bei den Kosaken des Kaukasus die Kleidung der Männer, die Ausrüstung, Kampfweise, Sattel und Zäumung des Pferdes, die Bewaffnung ganz nach dem Muster der Feinde, denen ihrerseits, wie auch heute noch, die Kabardiner (Hauptstamm der Tscherkesen, Adyge) als Muster hierin dienten, entlehnt wurde, und dass bis zur Beendigung des kaukasischen Krieges, vor etwa zwanzig Jahren, die tatarische Sprache grosser Verbreitung und Bevorzugung unter den Linienkosaken sich erfreute, was auch in einzelnen andern Gegenden des russischen Reichs seine Wiederholung findet. Mit Beendigung der Kriege im Kaukasus ist selbstverständlich auch der so bekannte und berühmte Typus der aus der Zeit der Kämpfe gegen Tscherkesen, Lesghier, Tschetschenzen und Nogaier (Tataren) immer mehr im Verschwinden. Andere Lebens- und Existenzbedingungen treten mächtig und schliesslich unüberwindlich auf und verändern erst, dann vernichten sie den Geist, das Prinzip, das Sein und Wesen, den ganzen Typus des Kosakentums.

Aware, Avaren, Awaren, Tracht, Sakatali, Trachten, Transkaukasien, Kaukasus, Roderich von Erckert, Kostümkunde

Aware (aus Sakatali am Südhang des Hauptkammes).

Der Linienkosake, jetzt Terekkosake, war mehr der gewandte, schlaue, umsichtige, auch in der äusseren Haltung und Erscheinung sehr vorteilhaft auffallende Krieger, mehr posierend dabei, um Eindruck zu machen und zu bestechen, dabei aber wuchtig und tapfer und gerade durch die Mischung mit fremden Elementen und oft unter nicht kosakischen Führern stehend, als Soldat und spezifisch als kaukasischer Soldat hervorragend. Ihm gegenüber war und ist der Tschernomore (Kosake vom schwarzen Meer) schwerfälliger, aber zuverlässiger, positiver, bedächtiger, weniger gewandt in Haltung und Wort, aber wohl ausdauernder, wie auch sein weniger schnelles, aber tragfähigeres kleines Pferd.

Die einzige Stadt im Gebiete der Terek-Kosaken ist Mosdok*, sie ist aber durchaus keine Kosakenstadt, sondern vorzugsweise eine armenische, wie überhaupt der Armenier im weitestgehenden Sinne des Wortes auf dem ganzen Kaukasus den Verkehr vermittelt, der Kaufmann, der Geschäftsmann, der Mann des Erwerbs ist, der energisch und konsequent alle Konkurrenz niederschlägt und seine Bedeutung immer mehr zur Geltung bringt.

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Krimtataren

*Mosdok wurde 1763 als russische Festung an der Stelle eines vier Jahre zuvor gegründeten kabardianischen Dorfes errichtet, in dem sich die Familien der Wolga-Kosaken in Stanitsas um sie herum niederließen. Hunderte von Kabardianern folgten auf der Flucht vor ihren Feudalherren aus den benachbarten Gebieten in das russische Territorium. Im Jahre 1764 blieb die Bitte der kabardianischen Führer an die russische Regierung, die Festung zu zerstören, unbeantwortet. In den folgenden Jahren versuchten die Kabardianer, die Stadt zu belagern, aber sie wurden schließlich zum Rückzug gezwungen. Mit der Gründung von Mosdok ermutigten die russischen Behörden Osseten, Georgier, Armenier und andere Christen, die Stadt zu bevölkern. Sie entwickelte sich bald zu einem wichtigen russischen Militärstützpunkt, der mit Kizlyar verbunden war, mit einer befestigten Linie sowie dem Zentrum des lokalen Handels, der ethnischen Vielfalt und des russisch-kaukasischen Austauschs.
1789 waren 55,6% der Bevölkerung Armenier und Georgier. Die ossetische Besiedlung nahm besonders in den 1820er Jahren zu, als der russische Kommandant Jermolow damit begann, die Kabardianer aus dem Gebiet der georgischen Militärstraße zu vertreiben und die Osseten dort anzusiedeln. Von Mosdok aus nahm Russland, durch die Darial-Schlucht, Kontakt mit dem Osten Georgiens auf. Mosdok blieb der nördliche Endpunkt der georgischen Militärstraße, die nach Tiflis führte, bis Vladikavkaz 1784 auf halbem Weg zwischen Mosdok und dem Darialpass gegründet wurde.

Eine andere Stadt, an der Mündungsgegend des Terek gelegen, ist Kislär (Kisljar, Dagestan), tatarisch (kumykisch), in einer reichen Weingegend, mit unglaublich heissem und feuchtem Klima im Sommer und einen der intensivsten Fieberherd bergend, an welchen das kaukasische Gebiet in allen seinen Teilen, das Gebirge ausgenommen, so reich ist, so dass es eigentlich nur wenige Gebiete gibt, die nicht unter dieser Kalamität leiden; und das kaukasische Fieber untergräbt den Organismus meist dauernd, wenn es erst einmal Wurzel gefasst hat. Die Ursachen des Fiebers sind vorzugsweise in den durch Unkultur und unrationelles Ausroden der Wälder feuchten, sumpfigen, versuppten, zu Sumpf gewordenen Gegenden zu suchen, die infolge der hohen Sommertemperatur, besonders im westlichen Teile Transkaukasiens, vermehrt durch eine überaus üppige Vegetation, vorzugsweise gesundheitsgefährlich gewesen oder geworden sind.

Küriner , Götzenbild, Idol, Assachó, Dido, Didoni, Leghi, Lesghi, Lesghier, Lesginer, Stier, Skulptur, Grusien, Georgien, Kaukasus,

Altes bronzenes Götzenbild aus Assachó in Gebiet der Dido, dem westlichsten Teil der lesghischen Stämme (Küriner), nahe der Grenze zu Grusien (Georgien).

Kuban Kosaken

Die westlich der Terek-Kosaken wohnenden Kuban Kosaken müssen national in die Kosaken vom schwarzen Meer und den erst unlängst hinzu gezählten benachbarten Teil der Linienkosaken geschieden werden, von welchen erstere bei weitem das Übergewicht haben. Die kleinstaatliche Nationalität repräsentierend und einen mehr geschlossenen Offizierstand besitzend, der im Standesbewusstsein noch hier und da vielleicht leise Reminiszenzen an das berühmte Saporogertum * aufweist, bilden die eigentlichen Kuban Kosaken ein mehr gruppiertes, abgeschlossenes Ganzes, was auch mit der kompakteren, geschlosseneren geographischen Lage zusammenhängt.

Die Saporoger Kosaken

*Die Saporoger Kosaken waren Kosaken, die jenseits der Stromschnellen des Flusses Dnjepr lebten, dem Land, das auch unter dem historischen Begriff Wilde Felder in der heutigen Zentralukraine bekannt ist. Heute wird ein großer Teil des Territoriums von den Gewässern des Kakhovka Stausees überflutet. Die Saporoger wuchsen im 15. Jahrhundert rapide schnell durch die Flucht von Leibeigenen, die aus den stärker kontrollierten Teilen des polnisch-litauischen Staatenbundes flohen. Sie etablierten sich als eine anerkannte politische Einheit mit einem parlamentarischen Regierungssystem. Im Laufe des 16., 17. und bis weit in das 18. Jahrhundert hinein wurden die Kosaken zu einer starken politischen und militärischen Kraft, die die Autorität des polnisch-litauischen Staatenbundes, des russischen Zarenreichs und des Krim-Khanats in Frage stellte.

Die Kuban Kosaken, auf fruchtbarerem Gebiete sitzend, waren und sind wohlhabender als die Terek-Kosaken, auch gab die Lokalität mehr Gelegenheit das alte Kosakenelement mehr allseitig, also auch durch Fischfang, Seefahrt und Schützendienst aufrecht zu erhalten. Die ausgedehnten Weideplätze,
einst mit unzähligen Herden, namentlich Pferdeherden bedeckt, sind jetzt grösstenteils in fruchtbare Äcker umgewandelt, besonders in der Kuban-Niederung, und es ist ebenso Mode als einseitig, wie so oft im Leben, Klagen über das Verschwinden der Herden auszustossen und der guten alten Zeit zu gedenken, wo der Mensch doch eben an der Herden Stelle getreten ist und reiche Äcker die Weideplätze ersetzt haben, ein Aufschwung, der besonders mächtig seit dem Krimkrieg sich geltend gemacht hat.

Der Kosak überhaupt und, als Kleinrusse, der Kuban Kosake insbesondere, hat den Russen im Ganzen genommen, speziell dem herrschenden Stamm der Grossrussen gegenüber, doch ein unterschiedenes, spezifisches Gepräge in seinem ganzen Sein und Wesen. Es ist weniger etwas Anderes was er repräsentiert, als ein besonderer Zusatz zu dem, was das Russische überhaupt darstellt. Der Kosake hält im Verkehr immer mit etwas zurück, hat immer noch eine Reserve, die er nicht gern ausspielt, auch hat er nicht die Leichtlebigkeit des Grossrussen, das Sympathische desselben, wie dessen Ungezwungenheit; er hat mehr esprit de corps, mehr korporativen Sinn und Geist, was jenem im Ganzen nicht nur fehlt, sondern auch ebenso unsympathisch als unverständlich ist, wie weiter bereits oben gesagt wurde.

Die Kuban Kosaken hatten ein viele Jahrzehnte, ja fast ein Jahrhundert lang selbständiges, von den der Linienkosaken getrenntes Feld ihrer militärischen Tätigkeit. Jene beschützten die Tereklinie, diese die Kubanlinie; jene hatten besonders Tschetschenzen (Tschetschenen), diese fast ausschliesslich Tscherkessen (Zirkassier) zu Nachbarn und unversöhnlichen Feinden; welche letztere ein aristokratisches, in viele Stämme zerfallendes Volk, erstere dagegen ein demokratisches, mehr geschlossenes bildeten.

Schamyl,* der politisch unter seiner despotischen, militärischen, auf religiöser Grundlage und Glaubenskrieg basierten Herrschaft die Bergvölker des Daghestan mit dem Waldvolk der Tschetschenzen vereinigte, vermochte nie die Tscherkessen als Glaubensbrüder zu gemeinsamem Handeln zu bewegen; diesen eben war die Vereinigung und Verbrüderung mit der Demokratie Schamyl’s verhasst, der die einheimischen tatarischen Fürstengeschlechter des Dagestan grausam abschlachten liess.

*Imam Shamil (ausgesprochen „Shaamil“) auch Schamyl oder Shameel (26. Juni 1797 – 4. Februar 1871) war ein politischer und religiöser Führer der Muslime des Nordkaukasus. Er war ein Führer des antirussischen Widerstands im Kaukasus-Krieg und war der dritte Imam des kaukasischen Imamats (1840-1859).

Politisch war es ein Fehler, der den Russen ausserordentlich zu Nutzen kam, da sie abwechselnd und konzentriert ihre Kräfte auf dem rechten oder linken Flügel ihrer Basis gebrauchen konnten, denen Stawropol als Depotplatz diente. Das waldige und bergige, bei seiner Terrassenformation mit steilen Rändern im Ganzen mehr zugängliche Gebiet der Tscherkessen, die Schluchten und Täler der linken Nebenflüsse des Kuban im Gebirge selbst ausgenommen, gab dem Kriege, der freilich nicht von den Kosaken in erster Linie, sondern von der in Entbehrungen, Ausdauer, Überwindung der Schwierigkeiten der Lokalität und Verpflegung einzig dastehenden Truppe des Kaukasus überhaupt geführt wurde, — nicht den gleichen Charakter als im östlichen Teil der kaukasischen Linie. Der Widerstand war im Ganzen ein nicht so lokaler, aufs Äusserste getriebener, da mit dem Verlassen des Wohnsitzes der Tscherkesse seine Existenzbedingungen nicht unbedingt aufgab, weil die Lokalität in einiger Entfernung Ähnliches bot, wie vorher das Aufgegebene.

Auch war die Kriegführung hier weniger eine grossartige, sie war mehr eine engere, lokale, es gab keine besonders wichtigen Angriffspunkte, und der Feind war ritterlicher, vornehmer, war bei aller Tapferkeit und Grausamkeit im Grande doch weniger von religiösem Fanatismus beherrscht, er hatte mehr ein persönliches, ein Krieger- und Standesbewusstsein. Schliesslich erlag der Feind hauptsächlich dem verbesserten russischen Infanterie -Gewehr, welches bei der im Ganzen ähnlichen Kriegführung beider Teile den Russen zuletzt ein entschiedenes Übergewicht verlieh. Nach der vollendeten Niederwerfung Schamyl’s in Dagestan im Jahre 1859 dauerte der Krieg gegen die Tscherkessen noch fünf Jahre, nachdem die Stämme der Ebene bereits alle unterworfen waren.

Das Streben nach Uniformität im russischen Reiche hat sich bald nach dem Krimkrieg auch für das Kosakentum überhaupt sehr bemerkbar gemacht, und ist nicht ohne tiefe Einwirkung auf selbiges geblieben. In erster Linie betraf es den zahlreichsten und bedeutendsten Teil der Kosaken, die donischen; dann auch die Kubankosaken, die Linienkosaken und uralischen. — Das Kosakentum bildete in diesen Gruppen ein fest geschlossenes selbständiges Ganzes, einen Staat im Staate, mit dem ganzen Reich nur durch die Stammes-, sprachliche und politische Einheit verbunden; die militärische, ökonomische und administrative war vollständig getrennt. Nun wurde gegen die administrative Ausnahmestellung des Kosakentums geeifert und zugleich die in Russland nach Aufhebung der Leibeigenschaft eingeführte selbstverwaltende Landgemeinde, unter dem Namen Semstwo (von Semlä, Land), eingeführt. Die einfache und billige militärische Verwaltung, die freilich vielfach einseitig und nicht fördernd gewesen sein mag, verwandelte sich nun in einen sehr zahlreichen und komplizierten administrativen und bürokratischen Apparat, der schwerfällig und besonders sehr kostspielig ist und einen moralisch und materiell in die Verhältnisse tief eingreifenden Dualismus erzeugte.

So belebend und nützlich die Übertragung der neuen russischen Lokaladministration auf die Verhältnisse der Kosakengebiete gewesen sein mag, so lag doch eben ein Dualismus darin, der heute noch vom Kosakentum vielfach bekämpft wird, und der seinen nachtheiligen Einfluss wohl nur dann verlieren könnte, wenn eben das Kosakentum als solches als Staat im Staate entweder auf hörte, oder administrativ und korporativ gesondert als solches fortbestände, eine Anschauung, die bei den Kosaken als die vorherrschende angesehen werden muss.

Quelle: DER KAUKASUS UND SEINE VÖLKER. Nach eigener Anschauung von R. von ERCKERT.
Mit Textabbildungen und Lichtdrucken, kurzen tabellarischen Resultaten linguistischer und anthropologischer Forschung und einer ethnographischen Karte des Kaukasus. Leipzig, Verlag von Paul Frohberg, 1887.


(1) Der Fluss Terek ist ein großer Fluss im Nordkaukasus und fließt durch Georgien und Russland in das Kaspische Meer. Er entspringt in Georgien in der Nähe der Schnittstelle des Groß-Kaukasusgebirges und der Khokh-Gebirgskette, südwestlich des Berges Kazbek, in einem Weißbach zwischen der Stadt Stepantsminda und dem Dorf Gergeti in Richtung der russischen Region Nordossetien und der Stadt Vladikavkaz.

Er wendet sich dann nach Osten, um durch Tschetschenien und Dagestan zu fließen, bevor er sich in zwei Zweige teilt, die in das Kaspische Meer einmünden. Unterhalb der Stadt Kizlyar bildet er ein rund 100 Kilometer breites sumpfiges Flussdelta. Der Fluss stellt einen wichtigen Lebensraum in der Region dar, der Bewässerung und Wasserkraft im Oberlauf liefert. Leo Tolstois Roman „Die Kosaken“ spielt am Terek und unter den an seinen Ufern lebenden Kosaken.

(2) Druzhina, drużyna, oder družyna (Ukrainisch eine „Gemeinschaft“) in der mittelalterlichen Geschichte Polens und der Kiewer Rus‘ war ein Gefolge im Dienste eines Fürsten, auch knyaz genannt. Der Name leitet sich vom slawischen Wort Drug (друг) mit der Bedeutung „Begleiter, Freund“ ab. Die deutsche Entsprechung ist Gefolge.

(3) GeorgÄer — (von den Russen Grusiner genannt), kaukasischer Stamm in Transkaukasien, nennt sich selbst Karthweli oder Karthli (nach dem Stammvater Karthlos), wohnt fast ausschließlich in den Gouv. Tiflis und Kutaïs und zerfällt in Ost und Westgrusiner.

Die Kabardianer

(4) Die Kabardianer (Russisch: Кабардинцы), oder Kabardiner, sind die zahlreichsten der zwölf Adyghe (tscherkessischen) Stämme (subethnische Gruppen). Sie sind auch unter den Pluralbegriffen Kabardin, Kebertei oder Kabarday bekannt. Zusammen mit dem Stamm der Besleney sprechen sie einen unverwechselbaren Dialekt der Adyghe-Sprache. Die Kabardianer sind der größte tscherkessische (Adyghe) Stamm in Russland (über 600.000), der Türkei, Ägypten und einigen anderen Ländern der Region, mit Ausnahme von Israel und Jordanien, wo die Shapsug und Abzakh die größten Stämme sind. Die Kabardianer sind auch der größte tscherkessische Zweig der Welt im Allgemeinen. Die Kabardianer bildeten auch eine der ersten christlichen Gemeinschaften in Europa, die im späten zweiten und frühen dritten Jahrhundert konvertierten. Es gibt auch einige römisch-katholische Kabardianer (die möglicherweise von Familien abstammen, die sich im 13. Jahrhundert aus der Orthodoxie bekehrt haben sollen).

Im Jahr 2002 lebten rund 520.000 in Kabardino-Balkarien, Russland. Bedeutende Populationen von Kabardianern sind auch in Georgien zu finden. In der Türkei, wo mehr als 1 Million von ihnen leben, konzentrieren sie sich auf das Uzunyayla-Plateau der Provinz Kayseri und Umgebung (Mitteltürkei), obwohl es unter anderem kabardianische Dörfer in BalÄkesir, Düzce, Eskişehir (Nordwesttürkei), Çorum, Samsun und Tokat (Schwarzmeerregion) gibt. Es gibt auch Gemeinschaften in den Vereinigten Staaten.

Die Pechenegs

(5) Die Pechenegs oder Patzinaks waren ein halbnomadisches Turkvolk aus Zentralasien, das die Pecheneg-Sprache sprach, die zum Oghuz-Zweig der türkischen Sprachfamilie gehörte. Drei der herrschenden Clans der Pechenegs waren die Kankalis/Kangli. Das Ethnonym der Pechenegs leitet sich vom alttürkischen Wort für „Schwager“ (baja, baja-naq oder bajinaq) ab, was bedeutet, dass es sich ursprünglich auf „einen verwandten Clan oder Stamm“ bezog. Quellen in verschiedenen Sprachen verwendeten ähnliche Bezeichnungen, wenn sie sich auf die Konföderation der Pecheneg-Stämme bezogen. Sie wurden unter den Namen Bjnak, Bjanak oder Bajanak in arabischen und persischen Texten, als Be-Äa-nag in klassischen tibetischen Dokumenten, als PaÄanak-i in georgischen Werken und als Pacinnak in armenischer Sprache erwähnt.

Der moderne Name für sie ist Böcänäklär. Anna Komnene und andere byzantinische Autoren bezeichneten die Pechenegs als Patzinakoi oder Patzinakitai. In mittelalterlichen lateinischen Texten wurden die Pechenegs als Pizenaci, Bisseni oder Bessi bezeichnet. Ostslawische Völker verwenden die Begriffe PeÄenegi oder PeÄenezi, während die Polen sie als Pieczyngowie oder Piecinigi bezeichnen. Das ungarische Wort für Pecheneg ist besenyő. Das rumänische Wort für Pechenegs ist „Pecenegi“. Nach Konstantin VII. Porphyrogenitus waren drei der acht Pechenegs „Provinzen“ oder Clans unter dem Namen Kangar bekannt. Er fügte hinzu, dass sie diese Bezeichnung erhielten, weil „sie tapferer und edler sind als der Rest des Volkes, und das ist es, was der Titel Kangar bedeutet“.

Die Kipchaken

(6) Die Kipchaken sind auch als Polowezer bekannt. Sie waren ein türkisches Nomadenvolk und eine Konföderation, die im Mittelalter existierten und Teile der eurasischen Steppe bewohnten. Erstmals im 8. Jahrhundert als Teil des türkischen Khaganats erwähnt, bewohnten sie höchstwahrscheinlich die Altai-Region, von wo aus sie in den folgenden Jahrhunderten expandierten, zuerst als Teil des Kimek-Khanats und später als Teil einer Konföderation mit den Kumanen. Es gab Gruppen von Kipchaken in der pontisch-kaspischen Steppe, Syr Darya und Sibirien. Die Konföderation Kumanen-Kipchaken wurde Anfang des 13. Jahrhunderts von den Mongolen erobert.

In der Kipchak-Steppe fand zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert ein komplexer ethnischer Assimilations- und Konsolidierungsprozess statt. Die westlichen Kipchaken Stämme nahmen Bewohner von Oghuz, Pecheneg, dem alten Baschkiren, Bulgar und anderer Herkunft auf; die östlichen Kipchak verschmolzen mit den Oghuz-Kimek, Karluk, Kara-Khitai und anderen. Sie wurden alle mit dem Ethnonym Kipchaken charakterisiert.

Nach ukrainischen Anthropologen besaßen Kipchaken ethnische Merkmale der Kaukasier und Mongolen, nämlich ein breites flaches Gesicht und eine vorstehende Nase. Der Forscher E. P. Alekseeva machte darauf aufmerksam, dass die europäischen Kipchak-Steinbilder sowohl mongolische, als auch kaukasische Gesichter haben. Ihrer Meinung nach waren die meisten Kipchaken, die sich in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts in Georgien niederließen, überwiegend kaukasisch mit einer Mischung aus mongoloiden Zügen. Zu ihnen gesellten sich bereits Kumanen. Im Zuge der türkischen Expansion wanderten sie nach Sibirien und weiter in die Trans Wolga-Region aus.

Die Kipchaken erscheinen in der Inschrift Moyun Chur aus dem 8. Jahrhundert als Türk-Qïbchaq, die als Teil des türkischen Khaganats erwähnt wird. Es ist unklar, ob die Kipchaken in chinesischen Quellen als Chueh-Yueh Shih identifiziert werden konnten. Auch die Beziehung zwischen den Kipchaken und den Kumanen ist bisher ungeklärt. Anfang des 11. Jahrhunderts kam es zu einer massiven türkischen Nomadenmigration in die islamische Welt. Die ersten Wellen wurden im Kara-Khanid Khanat in den Jahren 1017-18 aufgezeichnet. Es ist nicht bekannt, ob die Kumanen die Kipchaken eroberten oder nur die Anführer der kipchakisch-türkischen Stämme waren.

Im 12. Jahrhundert schlossen sich die beiden getrennten Konföderationen Kumanen und Kipchaken zusammen. Die Mongolen besiegten die Alanen (Iranisches Volk, ein östlicher Teilstamm der Sarmaten), nachdem sie die Kipchaken davon überzeugt hatten die Seiten zu wechseln, indem sie sie auf ihre beider Ähnlichkeit in Sprache und Kultur hinwiesen. Jedoch wurden die Kipchaken von den Mongolen verraten und als nächstes unterworfen. Unter Khan Köten * flohen Kipchaken in das Großfürstentum Kiew, wo die Kipchaken mehrere Heiratsverbindungen eingingen, darunter war auch Kötens Schwiegersohn Mstislav von Galizien.

Die Russen und Kipchaken schmiedeten ein Bündnis gegen die Mongolen und trafen sich am Dnjepr, um sie zu bekämpfen. Nach acht Tagen Verfolgung trafen sie sich am Fluss Kalka (1223). Die Kipchaken, die wie die Mongolen Pferdebogenschützen waren, dienten als Avantgarde und Späher. Die Mongolen, die sich zurückzuziehen schienen, lockten die russisch-kipchakische Truppe jedoch in eine Falle, nachdem sie plötzlich hinter den Hügeln auftauchten und sie umzingelten. Die fliehenden Kipchaken wurden verfolgt, und das russische Militärlager wurde niedergemacht. Die nomadischen Kiptschaken waren die Hauptziele der Mongolen, als sie 1236 die Wolga überquerten. Die besiegten Kiptschaken traten überwiegend in die mongolischen Reihen ein, während andere nach Westen flohen. Köten führte 40.000 Familien nach Ungarn, wo König Bela IV. ihnen als Gegenleistung für ihre Christianisierung Zuflucht gewährte. Die Kipchakischen Flüchtlinge flohen jedoch aus Ungarn, nachdem Köten ermordet wurde. Nach ihrem Sturz waren Kipchaken und Kumanen als Söldner in Europa bekannt und wurden als Kriegsknechte vereinnahmt.

*Köten, bekannt als Kötöny auf Ungarisch und Kotjan (oder Kotyan) auf Russisch, hatte seinen Namen unterschiedlich geschrieben als Kutan (auf Arabisch), Kuthen, Kuthens, Koteny und Kuethan. In den russischen Annalen wird sein Name Котян Сутоевич (Kotyan Sutoevich, Kotjan SutoeviÄ) wiedergegeben. Köten war ein Kuman-Kipchak-Häuptling (Khan) und Militärkommandant, der Mitte des 13. Jahrhunderts aktiv war. Er schmiedete das wichtige Bündnis mit der Kiewer Rus gegen die Mongolen, wurde aber schließlich am Kalka-Fluss von ihnen besiegt. Nach dem mongolischen Sieg 1238 führte Köten 40.000 „Huts“ nach Ungarn, wo er ein Verbündeter des ungarischen Königs wurde und den Katholizismus akzeptierte, aber dennoch vom ungarischen Adel ermordet wurde. In einer Urkunde von Béla IV wird ein kumanischer Häuptling Zayhan oder Seyhan erwähnt, der vermutlich Köten war.

In Ägypten wurden die Mamelucken zum Teil aus Kiptschaken und Kumanen gebildet. Der moderne nordwestliche Zweig der türkischen Sprache wird oft als Kipchak-Zweig bezeichnet. Die Sprachen in diesem Zweig gelten meist als Nachkommen der Kipchak-Sprache und die Menschen die sie sprechen können ebenfalls als Kipchak-Völker bezeichnet werden. Einige der traditionellen Gruppen sind die Karachays, Sibirischen Tataren, Nogays, Baschkiren, Kasachen, Kirgisen, Wolgataren und Krimtataren. Es gibt auch ein Dorf namens Kipchak auf der Krim. Kypshak ist einer der konstituierenden Stämme der kasachischen Konföderation der Mittleren Horde. Der Name Kipchak kommt auch als Nachname in Kasachstan vor. Einige der Nachkommen der Kipchaks sind der baschkirische Klan Qipsaq.

Die Terek-Kosaken

(7) Die Terek-Kosaken waren ein Kosakenvolk, die 1577 von freien Kosaken gegründet wurde und von der Wolga an den Terek-Fluss umgesiedelt wurden. Die einheimischen Terek-Kosaken schlossen sich später diesem Kosakenheer an. Im Jahre 1792 wurden sie in die Kaukasuslinie aufgenommen und 1860 zusammen mit der Hauptstadt Wladikawkas * wieder von ihr getrennt. Viele der frühen Mitglieder der Terek-Kosaken waren Osseten. Es ist unklar, wie die erste Kosakengemeinschaft am Terek entstanden ist. Eine Theorie ist, dass sie Nachkommen des Staates Khazar und des Fürstentums Timutarakan waren, da es Aufzeichnungen gibt, dass Mstislav von Tmutarakan, in der Schlacht von Listveno 1023, Kosaken auf seiner Seite hatte, als er die Armee von Jaroslaw dem Weisen zerstörte. Das würde bedeuten, dass die slawischen Völker des Kaukasus die in der Region beheimatet sind, sich dort viel früher niedergelassen hatten, als bisher angenommen.

*Vladikavkaz früher bekannt als Ordzhonikidze und Dzaudzhikau, ist die Hauptstadt der Republik Nordossetien-Alanien, Russland. Die Stadt wurde 1784 als Festung während der russischen Eroberung des Kaukasus gegründet und war viele Jahre lang der wichtigste russische Militärstützpunkt in der Region. Die georgische Militärstraße, die die Berge überquert, wurde 1799 gebaut, um die Stadt mit Georgien im Süden zu verbinden, und 1875 wurde eine Eisenbahn gebaut, die sie mit Rostow am Don und Baku in Aserbaidschan verbindet.

Die Stadt ist neben Grosny eine der größten im von Russland kontrollierten Kaukasus und war die Hauptstadt der Gebirgsautonomen Sozialistischen Sowjetrepublik, einer nach der Annexion der Gebirgsrepublik Nordkaukasus gegründeten Sowjetrepublik. Vladikavkaz wurde sowohl im russischen Bürgerkrieg als auch im Zweiten Weltkrieg umkämpft. Im Februar 1919 eroberte die antikommunistische Freiwilligenarmee unter General Anton Denikin die Stadt, bevor sie im März 1920 von der Roten Armee vertrieben wurde. Im November 1942 versuchten die Truppen von Nazi-Deutschland erfolglos, die Stadt zu erobern, wurden aber zurückgeschlagen.

Die frühesten bekannten Aufzeichnungen über slawische Siedlungen am unteren Terek-Fluss stammen aus dem Jahr 1520, als das Fürstentum Rjasan vom Großherzogtum Moskau annektiert wurde und eine einzelne Gruppe im natürlichen Hafen des Terek-Flusses (dem heutigen Nord-Tschetschenien) blieb. Die frühe Siedlung befand sich an der Mündung des Flusses Aktash. Dies bildete die älteste Kosakengruppe, die Greben-Kosaken (Гребенские казаки Grebenskiye Kazaki), die sich an beiden Ufern des Flusses niederließen.

In den Jahren 1559-71 errichtete das russische Zarenreich im Zuge verschiedener Feldzüge mehrere Festungen, in denen die erste Terka (Burg) erbaut wurde, die später von den noch unabhängigen Kosaken übernommen wurde. Im Jahre 1577, nach der Niederlage der Wolga-Kosaken durch die Strelitzen unter dem russischen Höfling Ivan Murashkin, ließen sich viele von ihnen unter dem russischen Voevody * Novosiltsev im Terek-Becken nieder und errichteten die zweite Terka, die den Beginn der Terek-Kosaken markierte. 1584 wurde diese Terka wieder von feindlichen Kosaken übernommen, von denen einige vom georgischen König Simon I. von Kartli rekrutiert wurden.

*Voevody, Woiwode, ist ein osteuropäischer Titel, der ursprünglich den Hauptkommandanten einer Streitmacht bezeichnete. Der Begriff leitet sich von slawisch voi oder vojsko (Miliz) + vodi (zu führen) ab und bedeutet somit ursprünglich Kriegsherr (siehe Voyi). Der Voevody als Anführer oder Heerführer eines russischen Fürsten, begann im zehnten Jahrhundert in der russischen Chronik erwähnt zu werden. Ein Woiwode galt als Assistent des Knyaz. Doch der Titel konnte vom Knyaz selbst verwendet werden. Während der Militäraktionen war der Woiwode verantwortlich für eine einberufene Armee, die aus der lokalen Bevölkerung, der Voj (voi), bestand; während der Knyaz eine eigene reguläre militärische Armee befehligte, die Druschina. Im 15. bis 17. Jahrhundert wurde jeder Polk (große Unterteilung der russischen Armee) und jede Abteilung der russischen Streitkräfte von einem Voevody angeführt. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts blieb der Polk Voevody nur in den Razriad Polki (Militärische Grenzbezirke Russlands). Sie wurden Anfang des 18. Jahrhunderts von Peter I. abgeschafft.

In einer anderen Geschichte führte ein Ataman des Donkosakenheeres namens Andrei Shadrin eine Gruppe von drei Kosaken-Sotnien in die Kumyk-Länder und gründete eine Grenzstadt namens „Tersky“ (Ort ungewiss). Dies mag zum Teil durch seine angespannten Beziehungen zu Jermak Timofejewitsch motiviert gewesen sein. Anschließend gründete er Andrejewo (das moderne Endirej), das nach ihm benannt werden sollte.

Im späten 16. Jahrhundert wurden mehrere Kriegszüge der Terek-Kosaken gegen das Osmanische Reich (Temryuk) durchgeführt, die den Sultan dazu brachten, sich bei Iwan dem Schrecklichen zu beschweren. Im Jahre 1589 wurde der erste Außenposten auf der Sunzha errichtet und auf dem unteren Terek wurde eine permanente Terka, später Tersky Gorodok genannt, errichtet.

Plan der Befestigung von Tercki (Tersky Gorod 1588-1722) am Fluss Terek (Tumenka).

Terki war eine Festung Russlands an der Tumenka (ein Seitenarm des Terek Deltas) gelegen. Terki blieb bis zu den persischen Eroberungen von großer Bedeutung, wonach es aufhörte eine Grenzfestung zu sein. Laut Gehaltsliste der Regierung lebten im Jahre 1623 bis zu 500 Kosaken auf Tercki. Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts soll es 20.000 Einwohner gehabt haben, meist Nicht-Russen. Im Jahre 1708 wurde es von den „Kuban-Tataren“ zerstört. 1653 erzwang Persien seine Aufgabe (der sogenannte Russisch-Persische Krieg (1651-1653) und im Frieden von 1763 die endgültige Zerstörung der Burg.

In der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts errichtete das Zarenreich, in Folge verschiedener Feldzüge, im Nordkaukasus mehrere Befestigungen. In dieser Zeit wurde die erste Ostrog * gebaut, die später von noch unabhängigen Kosaken übernommen wurde. Im Jahre 1577 siedelten sich Gruppen von Wolga-Kosaken im Tereker Becken an, die den Beginn der Terek-Kosaken markierte.

*Russische Bezeichnung für eine kleine Festung, typisch hölzern und oft nicht dauerhaft besetzt. Ostrogs wurden von 4-6 Meter hohen Palisadenwänden aus geschliffenen Stämmen umgeben. Der Name leitet sich vom russischen Wort strogat ab, „das Holz rasieren“. Ostrogs waren kleinere und ausschließlich militärische Festungen, verglichen mit den größeren Kremls, die die Kerne der russischen Städte bildeten. Ostrogs wurden oft in abgelegenen Gebieten oder innerhalb von Befestigungslinien, wie der Großen Abatis-Linie (Zasechnaya cherta), gebaut.

1556 wurde Astrachan erobert und gab Russland eine Basis am nördlichen Ende des Kaspischen Meeres. Sie schlossen bald ein Bündnis mit Kabardia und bauten eine Festung an der Mündung des Sunzha-Flusses. Im späten 16. Jahrhundert wurden mehrere Terek-Kosaken Angriffe gegen das Osmanische Reich durchgeführt, die den Sultan dazu brachten, sich bei Iwan dem Schrecklichen zu beschweren. Im Jahre 1589 wurde der erste Außenposten auf der Sunzha errichtet und auf dem unteren Terek eine permanente Terka, später Tersky Gorodok genannt.

Während des Russisch-Persischen Krieges (1651-53) kämpften persische Truppen gegen Kosaken am Sunzha-Fluss. 1688 überfiel Stenka Razin die kaspische Küste. Während des zweiten russisch-persischen Krieges (1722-23) eroberte Peter der Große das West- und Südufer des Kaspischen Meeres, doch das Land wurde bald wieder zurückgegeben, als sich Persisch wieder festigte. 1775, nachdem ein russischer Entdecker in Gefangenschaft gestorben war, schickte Katharina eine Strafexpedition. Während der persischen Expedition von 1796 eroberte Russland erneut die Westküste des Kaspischen Meeres, doch die Expedition wurde nach dem Tod Katharinas zurückgezogen. Der Grund dafür war das langsame und stetige Wachstum der russischen Bevölkerung südlich von ihrem ursprünglichen Kernland in Moskau. Um 1800 war Russland in der Lage, Soldaten und Kolonisten in den Kaukasus anzusiedeln.

Schamkhalat von Tarki

Shamkhalate von Tarki war eine feudale Domäne im nordöstlichen Teil von Dagestan mit seinem Zentrum in Tarki. Es erschien Ende des 15. Jahrhunderts auf dem Gebiet der ethnischen Kumyks und war ein Feudalstaat, der auch seine Vasallen in diesem Gebiet hatte und bis zu seiner Abschaffung 1867 der einflussreichste Feudalstaat im östlichen Teil des Nordkaukasus blieb. Die Shamkhals besaßen auch den Titel des Vali von Dagestan und hatten ihre Residenz im alten Khazar-Kumyk.

Shamkhal ist der Titel für die Herrscher von Kumukh in Dagestan während des 8. bis 17. Jahrhunderts. Im Jahre 1642 löste sich das Kasikumukh-Schamkhalat in mehrere unabhängige Staaten auf. Danach verlegte Shamkhal seine Hauptstadt von Kazi-Kumukh nach Tarki, in das Gebiet von Kumyk, wo er das Schamkhalat von Tarki gründete. Laut den Historikern V. V. Bartold und M. A. Polievktov stammt der Titel „shamkhal“ vom Namen des von den Arabern in Kumukh ernannten Herrschers Shakhbal ab. In der Geschichte hat Darbandnamah (der Moslem gennant), ein Bruder des Umayyaden Kalifen HischÄm ibn ʿAbd al-Malik, Kommandeur der muslimischen Streitkräfte in Kumukh, Dagestan, Shakhbal zum Gouverneur ernannt. Auch in Tarih-Dagistan im bergigen Dagestan, bezieht sich der Name Shamkhal auf den Namen des ersten Ernannten der Araber in Kumukh.

Im Jahre 1239 rückten Mongolen vor, um Kumukh, die Hochlandhauptstadt von Laks, zu erobern. Die Belagerung der Festung Kumukh mit Maschinen und Katapulten dauerte etwa sechs Monate. Am 8. April 1240 wurde Kumukh erobert und zerstört. Ismey-Haji Guseinov schrieb: „Im Frühjahr 1240 nähert sich Bugdei, einer der Kriegsherren von Batu Khan, Kumukh und nach einem erbitterten Widerstand der Verteidiger der Festung nahm er die Hauptstadtvon Shamkhalate ein. Die Mongolen hatten es damals jedoch nicht geschafft, sich in Lakia sowie in anderen Regionen in den Bergen von Dagestan niederzulassen“.

In Mitte des 13. Jahrhunderts konvertierten die Herrscher von Kumukh zum Islam und wurden zu einem einflussreichen islamischen Staat. Im Jahre 1302 war der Herrscher des Iran, der Geschenke an Badr-shamkhal von Kumukh schickte, kein anderer als der Nachkomme von Dschingis Khan, Ghazan Khan (1295-1304). Laut Lavrov führte Badr-shamkhal einen Überfall auf Zirikh-Geran (Kubachi, auch als Stadt der Waffenschmiede bekannt) durch und baute dort eine Moschee.
1395 zog Tamerlane nach Kaitag. Shamkhal von Gazi-Kumukh griff mit einer Armee von 3.000 Personen Tamerlane in der Nähe von Akusha-Dargo an. Nizameddin Shami berichtete, dass „Gazi-Kumuk“ ein Verbündeter der Goldenen Horde war und dass „Shamkhal von Gazi-Kumuk die Sitte hatte, die Ungläubigen zu bekämpfen, die Tamerlane ihm zur Verfügung stellen wollte.“ Trotzdem marschierte Tamerlane gegen den Schamkhal von Gazi-Kumukh und eroberte nach einigen Monaten der Belagerung und Kämpfe die Festung Kuli und Tayus. Sharafuddin Yezdi, der Hofhistoriker von Tamerlane, schrieb über die Gefangennahme von Gazi-Kumukh: „Schwerer Widerstand wird überwunden, Festungen erobert, Bewohner besiegt, Schamhal hat sich selbst umgebracht„.

Im 15. Jahrhundert wurde Gazi-Kumukh das größte politische und islamische Zentrum des südlichen Dagestan und in diesem Zusammenhang übernahm Schamkhal von Gazi-Kumukh die Funktionen des Herrschers von ganz Dagestan und wurde als „padishah“, „wali“ und „zar“ bezeichnet. Der Akademiker M. Hasanov schrieb: „Schamkhalat erreichte seinen Höhepunkt im 15.Jahrhundert. Quellen nennen Shamkhals „walis“, d.h. die Herrscher von ganz Dagestan. Der Titel entsprach nicht der Realität. Shamkhal hat es nie geschafft, der Herrscher von ganz Dagestan zu sein. Die Entstehung des Begriffs spricht von der Stärkung des Shamkhalats“.
Im Jahre 1556 wurden diplomatische Beziehungen mit dem Moskauer Staat aufgenommen. Die Gesandtschaft von Shamkhal brachte Ivan dem Schrecklichen eine Reihe von reichen Geschenken, von denen eines außergewöhnlich war: ein Elefant, der bis dahin in Moskau nicht gesehen wurde.
1557 bat Prinz Temruk Idarow von Kabardia Iwan den Schrecklichen, ihm gegen die Überfälle des Schewkalski-Zaren (Schamhal), des Krim-Khan und der Türken zu helfen. Iwan der Schreckliche schickte seinen General Cheremisov, der Tarki übernahm, danach aber wieder abzog.
1566 bat Fürst Matlov von Kabarda den Moskauer Zaren, eine Festung am Zusammenfluss von Sunzha und Terek zu errichten. Für den Bau der Festung „kamen die Fürsten Andrew Babichev und Peter Protasiev mit vielen Menschen, Gewehren und Musketen„.
Im Jahre 1567 wurden Budai-shamkhal und sein Sohn Surkhay auf dem Schlachtfeld getötet, wie ihre Grabsteine auf dem Friedhof von Shamkhals in Gazi-Kumukh ergaben.

Im Jahre 1569 wurde Prinz Chopan, Sohn von Budai-shamkhal, in Gazi-Kumukh zum Shamkhal gewählt. Das Gebiet von Chopan-shamkhal im Norden erstreckte sich über den Terek-Fluss hinaus und grenzte an das Khanat von Astrachan. Im Westen umfasste sein Gebiet einen Teil Tschetscheniens bis nach Kabarda. Im Süden erstreckten sich die Gebiete von Chopan-shamkhal „bis nach Shemakha selbst“, so I. Gerber.

Im Jahre 1578 wurde der Kaukasus von 200.000 Soldaten des Mustafa-Pascha überfallen. Im Jahre 1582, nach der Eroberung Schirwans, zogen türkische Truppen in die Hauptstadt von Schamkhalat. „Gazi-Kumukh wurde von den Türken gänzlich zerstört.“ Dieser Überfall brachte die Bevölkerung der Dagestani-Dörfer in Aufruhr gegen die türkischen Janitscharen. Im Jahre 1588 berichteten die georgischen Botschafter Kaplan und Hursh, dass Shamkhalate in Aufruhr war und baten den russischen Zaren, Truppen als Maßnahme einer militärischen Aktion gegen die Raubüberfälle Shamkhals auf Georgien zu schicken. Die Russen eroberten daraufhin das Fürstentum Tumen im Norden Dagestans.

Die Shamkhalate Herrscher, nicht imstande sich gegen die Perser zu vereinen, beschlossen ein militärisches und politisches Bündnis mit Russland. Gazi-Kumukh wurde von Prinz Alibek I., Sohn von Budai-shamkhan I. regiert. 1614 leisteten Giray von Tarki und Tuchelav von Gazi-Kumukh (Andi-shamkhal), Sohn Alibek I., dem russischen Zaren einen Treueid.
Im Jahre 1623 wurde Eldar von Tarki zum Schamkhal gewählt. Krönung und großes Bankett fanden in Gazi-Kumukh statt. 1635 wurde Aidemir von Andirey, Sohn von Sultan-Mahmud, zum Schamkhal. Aidemir reiste nach Gazi-Kumukh, „wo nach ihren Bräuchen der Shamkhal gekrönt wird„. Im Jahre 1640 wurde Surkhay von Tarki zum Schamkhal gewählt. Ali Kayaev berichtete, dass in der Mitte des 17. Jahrhunderts ein Kampf um den Thron des Shamkhalats zwischen den Söhnen von Chopan-shamkhal „30 Jahre dauerte. Eine große Zahl von Menschen ist dort gestorben“. Feudale Auseinandersetzungen führten schließlich zur Bildung unabhängiger Staaten. 1642 verlegte Surkhay-shamkhal (1640-1667) seine Hauptstadt von Gazi-Kumukh nach Tarki.

In Gazi-Kumukh wurde Alibek II. zum Herrscher gewählt, der ein unabhängiges Gazikumukh Khanate gründete. Schließlich ging der Titel „shamkhal“ an die Adligen der shamkhal Familie in Tarki über, wo ein unabhängiges Shamkhalate von Tarki gebildet wurde.

Bekannte Shamkhals: Shakhbal ibn Abdullah (740), Badr I. (1295-1304), Akhsuvar I. (14. Jahrhundert), Surkhay I. (16. Jahrhundert), Umal-Muhammad I. (1551), Budai I. ibn Umal-Muhammad (1566-1567), Surkhay I. Ibn Umal-Muhammad (1567-1569).

Gazikumukh Shamkhalate ist ein Begriff, der in der russischen Geschichtsschreibung ab den 1950er-60er Jahren eingeführt wurde, um den Kumyk-Lak-Staat zu bezeichnen, der vermutlich auf dem Gebiet des heutigen Dagestan in der Zeit vom 8. bis zum 17. Jahrhundert existierte. Die Hauptstadt des Schamkhalats im 8. Jahrhundert war Kumukh. Im 16. Jahrhundert wird die Hauptstadt als Tarki und Kazi-Kumuk als Residenz bezeichnet. Im 15. Jahrhundert waren Bujnak, Tarki, Andirey und einige andere Städte weitere politische Zentren des Shamkhalats.

Kumyks

Kumyks (Kumyk: къумукълар, qumuqlar, russisch: кумыки) sind ein türkisches Volk, das im Kumyk-Plateau (im Norden Dagestans, südlich des Terek-Flusses), in den an das Kaspische Meer, Nordossetien, Tschetschenien und die Ufer des Terek-Flusses, angrenzenden Gebieten lebt. Sie sprechen die Kumyk-Sprache, die bis in die 1930er Jahre die Lingua-Franca des Nordkaukasus war. Kumyks stellen die zweitgrößte türkischsprachige Volksgruppe nach Aserbaidschanis im Kausasus dar, das größte türkische Volk des Nordkaukasus und die drittgrößte Nation Dagestans.

In den russischen, europäischen, osmanischen und persischen Quellen waren Kumyks auch als Dagestan-Tataren, Kaukasus-Tataren, Tscherkessen (obwohl es heute der Name des Volkes der Adyghe ist, war es bis Anfang des 19. Jahrhunderts der Name der kaukasischen Turkvölker) und Terek-Tataren bekannt.