Kostüme der Antike, Mittelalter, 15. bis 19. Jahrhundert

Kostüme, Altertum, Antike, Pharao, Griechenland, Ägypten, Assyrien, Byzanz, Mittelalter, Modegeschichte, Kostümgeschichte

Kostüme der Antike und Mittelalter. Tafel I. Mayers Konversationslexikon.

Allgemeine Kostüm,-und Modegeschichte.

Kostüme der Antike und Mittelalter.

  • 1. Ägyptischer König (Pharao). Nach einem altägyptischen Wandgemälde. Lendenschurz und langes, durchsichtiges Obergewand. Brustpanzer und Leibschärpe. Kappe aus gesteiftem Zeug. (Nach H. Weiß, Kostümkunde, Bd. I.)
  • 2. Ägyptische Königin. Nach einem altägyptischen Wandgemälde. Stirnband mit Geierkopf, dem Symbol der Isis. In der Hand das mystische Henkelkreuz. (Nach Weiß.)
  • 3. Assyrer (1400 v. Chr.). Nach einem altägyptischen Wandgemälde. (Nach Weiß.)
  • 4. Grieche im Himation, einem Umwurf aus Wolle, der bis zu den Perserkriegen das einzige Kleidungsstück der Männer war. Nach einem Vasenbild.
  • 5. Griechin im doppelten Himation, mit Hut aus Geflecht und Fächer (3. Jahrhundert v. Chr.). Nach einer tanagräischen Terrakotte. (Nach Kekulé, Griechische Tonfiguren aus Tanagra.)
  • 6. Edler Römer der späteren Zeit in der Tunika (hemdartigem Unterkleid) und der Toga praetexta (mit Purpur umsäumtem, mantelartigem Oberkleid). Nach Weiß.
  • 7. Edle Römerin in der Stola (einem langen, bis auf die Füße reichenden Oberkleid) und der Palla (einem Mantel, der beim Ausgehen getragen wurde).
  • 8. Byzantinischer Kaiserornat (10. Jahrh.). Nach einem Bild aus dem 10. Jahrhundert n. Chr. Stola (Oberkleid) und Paludamentum (Mantel). Nach Weiß.
  • 9. Byzantinische Kaiserin: Theodora, Gemahlin Justinians, in weißem, mit Goldstickerei und farbigen Steinen besetztem Untergewand und purpurnem Schultermantel, der durch eine Agraffe zusammengehalten wird. Nach einem Mosaik aus dem 6. Jahrhundert n. Chr. in San Vitale in Ravenna.
  • 10. Fränkischer Edelmann aus derZeit Karls des Kahlen. Nach einer Miniatur des 9. Jahrhunderts. Die Tracht ist noch im wesentlichen die altrömische und erhielt sich bis zum 12. Jahrhundert.
  • 11. Französischer Ritter in vollständiger Kettenpanzerrüstung mit Tunika und Streitaxt. Nach einer Miniatur in einem französischen Manuskript des 13. Jahrhunderts (Pariser Nationalbibliothek).
  • 12. Ritter des 13. Jahrhunderts in vollständiger Kettenpanzerrüstung mit Topfhelm und Wappenrock. Das Schwert hängt an einem besondern Gurt. Nach einer Miniatur in der Pariser Nationalbibliothek.
  • 13. Ritter und Königin des 14. Jahrhunderts. Nach einer Miniatur in der Pariser Nationalbibliothek. Charakteristisch ist die eng anliegende Tracht, beim Mann: Wams und Strumpfhosen, bei der Frau: die Cotte hardie.
  • 14. Flandrische Frau. Nach einer Miniatur in einem französischen Manuskript aus dem Ende des 15. Jahrhunderts. (Pariser Nationalbibliothek.)

Kostüme, 15., 16. Jahrhundert, Modegeschichte, Renaissance

Kostüme vom 15. bis 16. Jahrhundert (Renaissance)

Kostüme II (15. bis 16. Jahrhundert).

  • 1. Zwei Florentiner Edelleute (15. Jahrh.).
  • 3. Johanna von Flandern (1341).
  • 4. Burgund. Edelfräulein (15. Jahrh.).
  • 5. Französ. Edelmann (1410).
  • 6. 7 Vornehmer deutscher Bürger und deutsche Frau (1480).
  • 8. Nürnberger Bürger (1500).
  • 9. Nürnbergerin, zum Tanz gehend (1500).
  • 10. Landsknecht (1530).
  • 11. Katharina von Medicis, Königin von Frankreich (1545).
  • 12. Don Juan d’Austria.
  • 13. Edle Venezianerin (Tizians ‚Bella‘).

Kostüme, Bekleidung, 17., 19., Jahrhundert, Modegeschichte, Barock, Rococo, Empire,

Kostüme vom 17. bis 19. Jahrhundert (Barock, Rococo, Empire )

Kostüme III (17. bis 19. Jahrhundert).

  • 1. Karl I. von England (1624).
  • 2. Französische Edeldame 1650.
  • 3. Holländisches Bürgerpaar (1640).
  • 4. Englische Edeldame (1640).
  • 5. Edelmann (Zeit des Dreißigjährigen Kriegs).
  • 6. Kölnische Bürgerin (1633).
  • 7. Ludwig XIV. von Frankreich (1680).
  • 8. Franz. Edeldame mit der ‚Fontange’* (1680-1700).
  • 9. Frauentracht (1730-40).
  • 10. Herrentracht (1730-40).
  • 11. Französin (1794).
  • 12. Franz. Stutzer (‚Incroyable‘) (1795-99).
  • 13. Franz. Stutzer, Reitkostüm (1802).
  • 14. Franz. Dame in griech. Tracht (1803).

Fontange, oder Frelange

* Eine Fontange, oder Frelange, ist ein hoher Kopfschmuck, der während der Wende des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts in Europa beliebt war. Technisch gesehen sind Fontanges nur ein Teil der Gesamtheit und beziehen sich auf die Bänder, die die Frelange stützen. Die Frelange wurde von einem Drahtgerüst, einer sog. Kommode (Fr: commode=comfortable), unterstützt.

Ein erhaltenes Exemplar eines Frelange-Kopfschmucks mit Fontanges und „commode in situ“ ist das der 1690er Jahre Modepuppe von Lady Clapham

In England war der Stil im Volksmund als „Top-Knoten“ bekannt, dessen Versionen von Damen aller Ränge getragen wurden, von der Königin abwärts bis zum Küchenmädchen, was ihn zu einem leichten Ziel für Satire und Kritik machte.

Die Fontange soll nach der Marquise de Fontange benannt sein, einer Geliebten von König Ludwig XIV. von Frankreich. Eine Version der Geschichte ist, dass die Marquise, nachdem sie bei der Jagd mit dem König ihre Mütze verloren hatte, ihr Haar mit einem Band auf eine ihm gefallene Art und Weise zusammengebunden hatte, was von den anderen Damen am Hof nachgeahmt wurde und sich dann in ganz Europa ausbreitete.

Was in den 1680er Jahren als einfacher Kopfschmuck aus gefaltetem Band begann, wurde mit zusätzlichen Stoffen, Spitzen und Besätzen, höher und komplexer und somit immer schwieriger zu gestalten und zu tragen.

Trotz ihrer höfischen Herkunft war es verboten, Fontanges bei französischen Staatsanlässen zu tragen, obwohl der englische Hof sie akzeptierte, und Queen Mary ihr Porträt mit einem solchen malen ließ.

Der Begriff „Fontange“ wird auch von einigen Schriftstellern verwendet, um auf die dazugehörige Frisur oder die Kombination von Kopfschmuck und Frisur zu verweisen.

Die“fontange coiffure“ war eine Frisur, bei der die Vorderseite des Haares gelockt und hoch über der Stirn vor der Frelange, die immer höher als das Haar war, gestapelt wurde. Manchmal wurde die Frisur durch ein Drahtgerüst unterstützt, das als Pallisade bezeichnet wird.

Kostümgeschichte

Kostüm (ital. costume, franz. costume, hierzu die Tafeln „Kostüme I-III“, mit Textblatt), in allgemeinster Bedeutung das den verschiedenen Geschichtsepochen, Ländern, Ständen etc. Eigentümliche und Allgemeinübliche in Tracht, Sitten und Gebräuchen; insbesondere die Art und Weise, sich zu bekleiden, die Wahl der Bekleidung und Schmückung des Körpers nach Form, Farbe und Stoff, einschließlich des eigentümlichen Schnittes oder Arrangements der Haare und des Bartes, der Färbung oder Bemalung der Haut, der Fingernägel etc.

Das Kostüm eines jeden Volkes wurde bestimmt durch die Beschaffenheit des Klimas, Charakter und Lebensweise, Bodenproduktion, Viehzucht etc.: Tättowieren der Polynesier, Federtracht der Indianer, Tierfelle der Germanen, Leinen- und Baumwollstoffe der Ägypter, starre Seiden- und Wollstoffe der Orientalen, weiche Wollstoffe der Griechen, die römische Toga, entsprechend dem Streben des Volkes nach würdevoller Erscheinung. Das Kostüm war daher ursprünglich Nationaltracht, welche bei den Völkern der Alten Welt so lange für den strengen Unterschied der Rassen und Nationalitäten charakteristisch war, bis die römische Weltherrschaft die ganze antike Welt umspannte und Rom tonangebend für das Kostüm der zivilisierten, unter römischer Oberhoheit stehenden Bevölkerung des Morgen- und Abendlandes wurde. Die römische Tracht wurde die modische, und damit erschien zum ersten mal der Begriff der Mode.

Die Fig. 1-7 auf der Tafel „Kostüme I“ veranschaulichen die Haupttypen der antiken Tracht. Mit dem Sturz des weströmischen Reichs gewann Byzanz die herrschende Stellung, welche auch auf das Kostüm ihren Einfluß übte (Fig. 8 u. 9).

Das antike Kostüm verfiel hier orientalischen Einflüssen, während in Germanien und Gallien, besonders bei den Franken, nationale Überlieferungen bestimmend einwirkten (Fig. 10).

Als das Zeitalter der Kreuzzüge einen ununterbrochenen Verkehr der Völker des Abend- und Morgenlandes begründete, wurden die nationalen Verschiedenheiten im Kostüm mehr und mehr beseitigt, und es bildete sich seit dem 11. Jahrh. eine Modetracht, welche meist von Frankreich, zeitweilig (16. und 17. Jahrh.) auch von Spanien bestimmt wurde. Nur Deutschland (16. Jahrh.) und Holland (17. Jahrh.) behaupteten in einzelnen Perioden eine gewisse Selbständigkeit (s. Tafel II, Fig. 6-10, und Tafel III, Fig. 3 u. 6).

Das französische Kostüm entwickelte sich im 15. und 16. Jahrh. wieder unter dem Einfluß des italienischen, welches seine Selbständigkeit bis zum Anfang des 17. Jahrh. behielt (s. Tafel II, Fig. 1, 2, 11 u. 13).

Besondere Kostümtypen des Mittelalters bilden die flandrische und burgundische Tracht (s. Tafel II, Fig. 3 u. 4), welche das Modekostüm des 14. und 15. Jahrh. waren.

Das 15. Jahrh. ist das Zeitalter der Ausschreitungen und Übertreibungen der Mode, wofür Fig. 5, Tafel II, ein bezeichnendes Beispiel liefert (Zattel- und Schellentracht).

Seit der Mitte des 16. Jahrh. beginnt die Herrschaft der spanischen Tracht (s. Tafel II, Fig. 12, und Tafel III, Fig. 1), welche in England (s. Tafel III, Fig. 4) und Frankreich (s. Tafel III, Fig. 2) eine freiere Umbildung erfuhr, bis das Zeitalter Ludwigs XIV. eine neue Ära der Kostümgeschichte herbeiführte (s. Tafel III, Fig. 7 u. 8).

Die französischen Trachten sind seitdem in allen ihren Phasen, welche bis zum Beginn des 19. Jahrh. durch die Fig. 8-14 auf Tafel III veranschaulicht werden, für die ganze zivilisierte Welt tonangebend gewesen.

Erst der Sturz Napoleons III. (1870) hat eine gewisse Unabhängigkeit von Frankreich herbeigeführt. Gleichwohl hat das Kostüm seine nationalen Eigentümlichkeiten verloren und ist zur Modetracht geworden. Das historisch begründete Kostüm hat sich unter dem Namen Nationaltracht nur noch in der Landbevölkerung (auch bei Fischern, Jägern, Bergleuten) Europas und bei den orientalischen und ostasiatischen Völkerschaften erhalten. Doch geht die Nationaltracht der europäischen Landbewohner unter dem Andrang der Mode und dem nivellierenden Einfluß der Städte ihrem Untergang entgegen.

Ein besonderes Kapitel der Kostümgeschichte bildet die Tracht der Krieger, Ritter und Militärpersonen. Mit der Ausbildung des geschichtlichen Sinnes in unserer Zeit ist das Interesse für das Kostüm außerordentlich gewachsen und spielt namentlich in der Malerei und in der Schauspielkunst eine große Rolle.

Während man heute auf äußerste Strenge und historische Treue im Kostüm sieht, waren noch im letzten Viertel des 18. Jahrh. die gröbsten Verstöße gegen die Richtigkeit des Kostüms auf der Bühne herrschend. Fremde Völker und vergangene Zeiten suchte man annähernd durch einzelne Kleidungsstücke anzudeuten. Garrick spielte den Hamlet und Macbeth in einem galonierten schwarzen Samtkleid, Baron, der Schüler Molières, die Helden des Altertums in Allonge Perücke, kurzen Beinkleidern, seidenen Strümpfen und Schnallenschuhen. Der Puder und die Frisur mit Haarbeutel oder Zopf galten für alle Zeiten und Völker, und die Mexikanerin wie die Phädra oder Kleopatra wagten es nicht, anders als mit gepudertem Kopf zu erscheinen.

Talma (1763-1826) führte im französischen Theater zuerst ein annähernd richtiges Kostüm ein, und die von ihm gegebene Anregung trug die besten Früchte. Früher als Talma hatte sich in Deutschland die Schauspielerin Karoline Neuber in Leipzig (1727-1739) bemüht, das Kostüm, dessen Typus sich ganz unter französischem Einfluß entwickelt hatte, zu reformieren und es der jeweiligen Zeit anzupassen, in welcher das Stück spielte. Der erste, welcher das historisch-richtige Kostüm vom wissenschaftlichem Standpunkt aus auffaßte, war Graf Brühl, der in dieser Hinsicht die Berliner Bühne zur Musteranstalt erhob.

Das Ausgezeichnetste auf diesem Feld hat früher Dupenchel in seiner Stellung als Kostümier der französischen Großen Oper geleistet. Eine durchgreifende Reform des Theaterkostüms, welche sich vornehmlich auf die Forschungen und wissenschaftlichen Darlegungen von H. Weiß stützte, hat jedoch erst die Meininger Hofbühne seit 1870 herbeigeführt. Der Einfluß derselben hat nicht nur alle hervorragenden deutschen Theater zu strengerer Beobachtung der geschichtlichen Erscheinungsformen genötigt, sondern er ist auch ins Ausland gedrungen.

In der Malerei hat sich die Darstellung historisch treuer Kostüme schnell zu einer Spezialität, der Kostümmalerei, entwickelt, die ihren Schwerpunkt in der sorgsamen Wiedergabe der Stoffe gefunden hat. Meissonier, Willems, Ehrentraut, Volkhart, Klaus Meyer, Buchbinder, Probst u. a. waren die Hauptrepräsentanten dieser Gattung der Malerei.

Quellen für die Kenntnis der Kostüme sind im Altertum vorzugsweise die Denkmäler der Skulptur (bemalte Terrakotten) und der Malerei, für das Mittelalter zunächst die Bilderhandschriften, später auch die Grabsteine sowie die Wandmalereien und die Ölbilder seit der Zeit der Brüder van Eyck und ihrer Schüler, weil diese ihre Gestalten stets im Zeitkostüm des betreffenden Malers erscheinen lassen.

Erst seit dem 16. Jahrhundert gibt es Trachtenbücher von J. [Jost] Amman, Vecellio, de Bruyn, Hollar, Weigel u. a. Eine wissenschaftliche Behandlung der Kostümgeschichte hat Hermann Weiß in seiner „Kostümkunde“ (Stuttg. 1856 bis 1872, 2 Bde.; 2. Aufl. 1881 ff.) begründet. Vgl. außerdem Herbé, Costumes français, civils, militaires et religieux (Par. 1834); Pauquet, Modes et costumes historiques (das. 1862-64); Jacquemin, Iconographie générale et méthodique du costume (das. 1863-68, Suppl. 1887); Kretschmer und Rohrbach, Die Trachten der Völker (2. Aufl., Leipz. 1880-82); Falke, Die deutsche Trachten- und Modenwelt (das. 1858); Planché, Cyclopedia of costume (Lond. 1879, 2 Bde.); Hottenroth, Trachten etc. der Völker alter und neuer Zeit (2. Aufl., Stuttg. 1882-85); Racinet, Le costume historique (Par. 1876-86; deutsch von A. Rosenberg, Berl. 1883-87); Falke, Kostümgeschichte der Kulturvölker (Stuttg. 1880); Hefner-Alteneck, Trachten, Kunstwerke und Gerätschaften vom frühsten Mittelalter bis Ende des 18. Jahrhunderts (2. Aufl., Frankf. 1879 ff.); A. v. Heyden, Blätter für Kostümkunde (Berl. 1876 ff.)

Quelle: Mayers Konversationslexikon. Verlag des Bibliographischen Instituts Leipzig und Wien. Vierte Auflage 1888.

 

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