Liturgisches Gewand eines armenischen Priesters.

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Liturgisches Gewand eines armenisches Priesters.

Liturgisches Gewand eines armenischen Priesters.

ARMENISCHER PRIESTER. Von Ernst RIETSCHEL

Die armenische Kirche, deren Gründung durch Gregorius Lusaworitsch (d. i. der Erleuchter) in den Anfang des vierten Jahrhunderts fällt, löste sich im sechsten Jahrhundert in Folge des allgemeinen Konzils von Chalcedon (451) von der katholischen Kirche ab und konstituierte sich als nationales Kirchenwesen unter einem eigenen Patriarchen. Die Annahme des Christentums durch das armenische Volk hat den Grund zum Untergange des armenischen Staates gelegt, insofern die langwierigen Kämpfe zwischen den Christen und den Anhängern der alten Religion es den persischen Eroberern im fünften Jahrhundert erleichterten, sich in den Besitz des Landes zu setzen. Auf die Perser Herrschaft folgte das Türken Regiment. Den Türken wiederum haben die Russen den grössten Teil des alten Armenien abgenommen Seitdem hat die armenische Kirche ihren Schwerpunkt in Russland; aber ein grosser Teil ihrer Anhänger, ausschliesslich nationale Armenier, leben, ähnlich den Juden, in weiter Zerstreuung, in Indien, Persien, in allen grösseren Städten der asiatischen und europäischen Türkei.

Ihre Hauptbeschäftigung, der Handel, hat ihrer viele auch bereits nach den grossen europäischen Handelsplätzen, z.B. Venedig, London etc., geführt.

Die armenische Kirche ist in zwei Hälften gespalten, welche, obgleich an sich wenig verschieden, sich doch schroff gegenüber stehen. Ein Teil der Armenier hat sich nämlich der römischen Kirche angeschlossen und erkennt den Papst als Oberhaupt der Christenheit an, während die übrigen an der Sonderstellung ihrer Kirche festhalten und den Papst mit gleicher Energie verwerfen, wie die Griechen.

Die Vereinigungs-Versuche zwischen der armenischen und der römischen Kirche, welche schon bald nach der eingetretenen Lostrennung der Armenier von der allgemeinen Kirche gemacht wurden, sind besonders mit Erfolg durch die zu Anfang des 18. Jahrhunderts von Mechitar gestiftete Kongregation der Mechitaristen (armenisch: Մխիթարեան, italienisch: Congregazione Armena Mechitarista) betrieben worden. Von grosser Bedeutung- fur die unirten Armenier ist das Kloster San Lazzaro bei Venedig-, eine Gründung der Mechitaristen, aus deren Druckerei die meisten religiösen Bücher in armenischer Sprache hervorgegangen sind.

An der Spitze der nicht unirten armenischen Kirche * steht ein sogenannter Katholikos, der in dem Kloster Etschmiazin bei Eriwan, nicht weit vom Berg Ararat, residiert und aus der Zahl der Erzbischöfe, welche den nächst höchsten Rang einnehmen, auf Vorschlag der angesehensten unter ihnen vom russischen Kaiser ernannt wird. Den Erzbischöfen, welche auch Patriarchen oder Metropoliten genannt werden, stehen an Würde fast gleich die Wartabets, eine höhere Klasse von Mönchen, welche besonders der theologischen Wissenschaft obliege sollen lind predigend im Volke umherziehen. Die niedrigen Priester werden meist von den Gemeinden gewählt und müssen verheiratet sein, dürfen jedoch eine zweite Ehe nicht eingehen, wenn sie die Priesterwürde nicht verlieren wollen.

Einen Priester der letzteren Klasse bringt unser Bild. Das Kostüm ist dasjenige, in welchem der Priester in der Öffentlichkeit erscheint, während er bei dem Gottesdienste ein besonderes Messgewand trägt. Die Tracht ist wenig verschieden von der der griechischen Priester, nur hält sie den orientalischen Charakter noch strenger fest.

Über dem Hemd trägt der Mann ein bis auf die Füsse herab wallendes, den Leib eng umschliessendes Untergewand aus bräunlich-roten Wollstoff. Um die Hüften ist eine breite, schwarzseidene Schärpe geschlungen. Das Obergewand, ein faltiger Mantel mit sehr weiten Ärmeln, besteht aus schwarzem wollenen, bei den höheren Geistlichen aus seidenem Stoffe, ist vorn offen und mit Pelzwerk verbrämt.

Die Fussbekleidung zeigt keine besondere Eigentümlichkeit, wohl aber die Kopfbedeckung, welche der Mütze der griechischen Priester gleicht, nur dass sie oben nicht rund, sondern viereckig und noch mehr ausgeschweift ist. Den schwarzen Schleier, welcher bis auf die Mitte des Rückens fällt, trägt der Priester nicht für gewöhnlich, sondern nur bei besonders feierlichen Gelegenheiten. z.B. bei einer Leichenbegleitung. Der stattliche Vollbart gehört zu den notwendigen Requisiten der priesterlichen Würde.

Das Kostüm der unirten armenischen Geistlichen ist dem der römischen Priester fast gleich.

Gegen die Protestanten sind die Armenier weit duldsamer, als die Katholiken; auch hat die protestantische Mission unter ihnen in Erzerum, Trapezunt, Brussa, Konstantinopel u.s.w. nicht unbedeutende Erfolge gehabt. Die protestantische armenische Gemeinde in Brussa am bithynischen Olymp zählt über zweitausend Seelen. An ihrer Spitze steht ein in Basel gebildeter Armenier, welcher seinen Landsleuten und den dort wohnenden Deutschen das Evangelium in türkischer Sprache verkündigt.

Dr. W. Zimmer

  • Diejenigen Armenier, welche sich der Kirchengemeinschaft wieder zugewandt haben, heißen unirte Armenier; sie haben ihre eigenen Bischöfe, ihre Kirchensprache und Liturgie.

Quelle: Blätter für Kostümkunde. Historische und Volkstrachten. Dritter Band. Beschreibender Teil. Herausgegeben von A. von Heyden. Berlin, Franz Lipperheide 1887.

Quelle: Blätter für Kostümkunde: historische und Volkstrachten von Franz Lipperheide.

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