SPANIEN. VOLKSTRACHTEN AUS MALLORCA, IBIZA UND VALENCIA.

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VOLKSTRACHTEN AUS MALLORCA, IBIZA UND VALENCIA.

SPANIEN BALEAREN UND PITYUSEN.

VOLKSTRACHTEN AUS MALLORCA, IBIZA UND VALENCIA.

(Die Nr. 1 Bauer, 2 Bürgerfrau, 7 Magd, 9 Hirte, 10, 11 und 14 stammen aus Mallorca, die Nr. 5 Bürgerfrau und 6 Schiffer aus Minorca, die Nr. 3 und 4 Bauer und Bäuerin und 8 Gärtner aus Iviza, die Nr. 12 und 13 aus Valencia. Die fünf gossen Figuren nach Lante.)

Abbildungen:
1 2 3 4 5 6 7 8 9
10 11 12 13 14

Die hier dargestellten Trachten, welche teils aus den Balearen (Mallorca, Minorca und Cabrera), teils aus den Pityusen 1) (Inselgruppe der Balearen), deren bedeutendste Jviza (Ibiza) ist, teils aus der Provinz Valencia stammen, sind von Reisenden aus dem Ende des vorigen und von Künstlern aus dem Anfange dieses Jahrhunderts mitgeteilt worden und daher nicht frei von den Fehlern, welche den Kunstprodukten dieser Zeit gemeinsam sind, dem Mangel au Naivität und der Vernachlässigung der wirklichen Grössenverhältnisse der dargestellten Figuren. Indessen sind sie wertvoll, weil die Trachten jetzt fast ganz verschwunden sind.

Georges Sand 2), deren Werk „Un Hiver à Majorque“ (1837) die Schlaffheit und Lässigkeit der schwächlichen Bevölkerung dieser von der Natur so sehr begünstigten Inseln trefflich schildert, sagt, dass die auf Majorca von den Vornehmen und den Bürgern getragenen Kostüme ihre ganze originelle Ursprünglichkeit verloren haben, und dass man Spuren der alten Überlieferung nur noch in der Bekleidung der Frauen und der Bauern findet.

Nach Alexandre de Laberde (Itinéraire deskriptiv de l’Espagne) unterscheidet nur der Reichtum der Stoffe und der Verzierungen die vornehmen Damen von den Mägden und den Bäuerinnen. Die Kopfbedeckung, Rebozillo genannt, welche eine Art Kapuze ist, wird aus einem doppelten Brustschleier gebildet. Der obere Teil bedeckt den Kopf und geht um das Kinn herum, so dass das Gesicht allein frei bleibt. Dann legt er sich über die Schultern und fällt bis auf die Mitte des Rückens herab, von wo die beiden Spitzen nach vorn genommen und kreuzweise über einander geschlagen werden. Die Nr. 2, 5, 7, 10 und 13 zeigen dieses Arrangement mehr oder minder übereinstimmend mit unserer Beschreibung.

Der Rock ist mit Fischbein gesteift; die sehr engen Ärmel reichen nur wenig über die Ellbogen herab (Nr. 10 u. 14). Das Mieder ist mit silbernen Schnallen oder Knöpfen besetzt. Die Frauen tragen Halsbänder, Ringe, Uhren und andere Schmucksachen. Wenn sie ausgehen, tragen sie die Mantille (Nr. 11), wie im übrigen Spanien, und in der Hand ausser dem Fächer einen sehr grossen Rosenkranz, welcher mit goldenen Quasten und einem Kreuz von demselben Metall versehen ist.

Wie die anderen Spanierinnen, sehen auch die Frauen von Mallorca auf eine gute Fussbekleidung. Die Schuhe sind mit Hacken versehen, laufen gegen den grossen Zeh breit aus und sind von kleinen Löchern durchbohrt, wodurch der Fuss geschmeidig erhalten und das Gehen erleichtert wird.

Der Rock ist kurz und reicht kaum bis zur Wade herab. An den Hüften wird derselbe in Falten gelegt. Die Strümpfe, blau, rot oder grün, haben Zwickel von anderer Farbe. Die Mägde und die Bäuerinnen tragen Schürzen. Nr. 11 und 14 sind bürgerliche Trachten, etwa um 1820, welche einen Kompromiss zwischen der Tradition und der Mode des Tages darstellen. Die Nr. 2, 4, 5 und 7 sind nicht nur älter, sondern auch trotz ihrer Ärmlichkeit ursprünglicher.
Zwischen den Trachten auf Mallorca und Minorca ist wenig Unterschied. Nur ist auf Minorca die gelbe Farbe für den Rebozillo gewöhnlich.

In den männlichen Trachten findet man viele Reminiszenzen an die Mauren: den breiten Gürtel, die weiten Hosen, das Hemd, dessen Schösse zum Vorschein kommen und das, wenn es mit den Hosen allein getragen wird, den afrikanischen Charakter besonders deutlich macht (Nr. 1, 8 u. 9). Die übrigen Kleidungsstücke stimmen mit den an der Küste des Festlandes üblichen überein. Die Jacke, die Weste, das bis auf den Knöchel herab reichende Beinkleid, die groben Strümpfe aus weisser, schwarzer oder rehbrauner Wolle, die Schuhe aus ungegerbtem und ungefärbtem Kalbleder und ohne Hacken, der gestrickte oder lederne Gürtel, die langen Gamaschen und als Kopfbedeckung der breitkrempige Hut, aus den Haaren der wilden Katzen gefertigt, mit Schnüren und Quasten aus schwarzer Seide oder Goldfäden.

Im Hause wickeln die Einwohner von Mallorca ein Tuch um ihren Kopf. Im Winter tragen sie oft eine schwarze Kappe, welche ihre Tonsur bedeckt. Denn sie rasieren sich den Scheitel wie die Priester, entweder aus Gründen der Reinlichkeit oder aus religiösen Rücksichten. Sonst lassen sie ihre Haare wachsen und schneiden sie nur über der Stirn gerade ab, wie es im Mittelalter Sitte war. Im Winter ziehen sie noch eine graue Kapuze oder das Fell der afrikanischen Ziege mit den Haaren nach aussen über dem Kopf.

1) Pityusen: Ibiza, Formentera, Espalmador, Espardell, Es Vedrà, Es Vedranell, Tagomago, Es Frare, Espartar, Illa des Bosc, Illa Sa Conillera, Ses Bledes.

2) Ein Winter auf Mallorca beschreibt die Zeit, die sie und Chopin von 1838 bis 1839 auf dieser Insel verbrachten. Georges Sand geboren als Amantine Lucile Aurore Dupin, 1. Juli 1804 – 8. Juni 1876, am besten bekannt unter ihrem Pseudonym George Sand, war eine französische Schriftstellerin und Memoiristin. Das meist verwendete Zitat von ihr ist: „Es gibt nur ein Glück im Leben, zu lieben und geliebt zu werden.“

Quelle: Geschichte des Kostüms in chronologischer Entwicklung von Albert Charles Auguste Racinet. Bearbeitet von Adolf Rosenberg. Berlin 1888.

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