Die Morlaken, Maurowalachen. Trachten und Geschichte.

Morlaken

(auch Maurowlachen, Morlaken, Mavrowlachen, italienisch auch Morlacchi)

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Morlachische Trachten. Gründliche Beschreibung des Königreichs Dalmatien …, von Erhard Reusch, 1723.

Morlaken (Serbo-Kroatisch: Morlaci, Serbisch Kyrillisch: Морлаци) war ein Exonym für eine ländliche Gemeinde in Lika und dem Dalmatiner Hinterland. Der Begriff wurde ursprünglich für eine Vlach-Pastoralistengemeinschaft verwendet, die in den Bergen von Kroatien und der Republik Venedig in der zweiten Hälfte des 14. bis Anfang des 16. Jahrhunderts lebten. Später, als die Gemeinde die venezianisch-osmanische Grenze im 17. Jahrhundert überquerte, bezog sie sich auf slawisch sprachige, vorwiegend östlich-orthodoxe und in geringerem Maße römisch-katholischen Bevölkerung. Im 19. Jahrhundert stellte die Bevölkerung des dalmatinischen Hinterlandes entweder eine serbische oder kroatische Ethnie dar.

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Morlakisches Mädchen im Brautkleid um 1847.

Morlakisches Mädchen im Brautkleid aus Istrien um 1847 (Franz Lipperheide). Historisches Brautkleid. Maurowalachen.

Das Wort Morlaken stammt aus dem italienischen Morlacco und dem lateinischen Morlachus oder Murlachus, griechisch Μαυροβλάχοι Maurovlachoi, was „Schwarze Vlachs“ bedeutet (aus dem Griechischen μαύρο mauro bedeutet „dunkel“, „schwarz“).
Der serbokroatische Begriff ist Morlak; Seine Pluralform ist Morlaci [mor-latsi]. In der Doclean Chronik aus dem 16. Jahrhundert werden sie als „Morlachs oder Nigri Latini“ (Schwarze Lateiner) bezeichnet.

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Morlakische Frauen von Zadar (Jadera), Kroatien, Dalmatien um 1908.

Die direkte Übersetzung des Namens Morovlasi in Serbo-Kroatisch würde Schwarzer Vlachs bedeuten. Es wurde angenommen, dass „schwarz“ auf ihre Kleidung von braunem Tuch verwies.

Die Begriff Morlaken wird erstmals im Jahre 1344 erwähnt, als Morolacorum im Land um Knin und Krbava während des Konflikts zwischen den Grafen der KurjakoviÄ und den NelipiÄ Familien. Frühe Vlachs lebten wahrscheinlich schon vor dem 14. Jahrhundert auf kroatischem Territorium und waren die Nachkommen von romanisierten Illyrern und vorslawischen romanisch sprechenden Menschen.

Während der Zeit der Aufklärung und Romantik wurden Morlaken als das „Modell des primitiven Slawismus“ und die „Geister der pastoralen Arcadia Morlacchia“ gesehen. Sie zogen die Aufmerksamkeit der Reiseschriftsteller des 17. Jahrhunderts an, wie Jacob Spon und Sir George Wheler und dem 18. Jahrhundert mit Johann Gottfried Herder und Johann Wolfgang von Goethe, die ihre Gedichte als „Morlackisch“ bezeichneten.

Im Jahre 1793 wurde im Rahmen des Karneval in Venedig ein Spiel über die Morlacchi mit dem Titel „Gli Antichi Slavi “ (antike Slawen) gezeigt und ein paar Jahre später im Jahre 1802, diesmal als Ballett „Le Nozze dei Morlacchi“,  wiederholt aufgeführt.

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Verheiratete Morlaken auf dem Markt von Sinj. Quelle: Wien in der Kunsthandlung des H. F. Müller am Kohlmarkt.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, noch als Relikte aus der primitiven Vergangenheit und ein Synonym für barbarische Menschen gesehen, inspirierten sie Science-Fiction-Romanautor HG Wells (Morlock), während die bestickten Leggings der morlachischen Frauen den englischen Architekten Thomas Graham Jackson an die der amerikanischen Indianischen Squaws erinnerte.

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Morlaken, versammelt am Brunnen bei Dernit. Quelle: Wien in der Kunsthandlung des H. F. Müller am Kohlmarkt, um 1840.

Im 20. Jahrhundert betonte Alice Moque, wie viele andere Frauenreisende, in ihrem 1914 erschienenen Reisebericht „Delightful Dalmatia“ den malerisch, pittoresken Anblick von Morlach Frauen und Männern in ihren Volkskostümen, die „Zara’s Plazza aussehen lassen wie ein Bühnenbild“ und bedauerte das Kommen der neuen Zivilisation.

Auf dem Balkan wurde der Begriff abfällig für Menschen aus den Bergen gebraucht, die als rückständige Menschen (Kroaten und Serben) galten und nicht sehr beliebt waren.

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Tracht eines Morlaken, Kroatien um 1815.

„Morlacchi“ bleibt als italienischer Familienname bis in die Gegenwart bezeugt. Menschen mit dem Nachnamen stammen offensichtlich von Morlaken (Maurowlachen) ab, die in der italienischen Gesellschaft assimiliert wurden.


Folklore

… Amulette die den Morlachen als Schutz gegen Zauberei bewahren sollen werden gemeinhin teuer gehandelt.

Wenn die Morlaken sich vor den Hexen schützen wollen, dann lassen sie einen Geistlichen kommen, der geweihte Kerzen anzündet, Weihrauch auf glühende Kohlen wirft und die sog. „Zapis’* unter die Familienmitglieder verteilt. Die Zapis (gesprochen als Sapis das heißt Geschriebenes) sind ungefähr zwei Quadrate große Zettel, worauf ein Bibelspruch oder ein kurzes Gebet gedruckt oder geschrieben steht, etwa wie folgt: „Zapis od Stra, i placa Dieze. O bone Jesus, fae servum tuum quiche dormire, sine fletu, exclamatione, timore et inquietudine et libera eum ab omni maleficio daemonum et ab omnibus tentationibus et insidiis inimicorum visibilium et invisibilium ejus. In nomine . . Amen. Cesset vox tua a fletu et oculi tui a lacrimis. Dicit Dominus Angelis suis: Deus mandavit de te ut custodiat te in Omnibus viis tuis.“  Die Morlachen tragen sie in ihre Mützen eingenäht und hängen sie selbst dem Vieh an die Hörner.

Selbst die Türken kaufen sie von den Morlaken und die Ausfuhr der Talismane ist für das Land ein nicht unbedeutender Handel. Auch verschiedene, mittelalterliche Münzen die im Deutsch-Römischen Reich, Ungarn oder in Venedig geprägt wurden, werden wundertätige Eigenschaften zugesprochen. Sie werden als die Münzen der heiligen Helena bezeichnet. Auch hat man die höchste Ehrfurcht vor den ungarischen Münzen auf denen die Gestalt der heiligen Jungfrau abgebildet ist.

Die Morlaken schreiben den kupfernen und silbernen byzantinischen und den alten venetianischen Münzen und den Denkmünzen von St. Helena große Kräfte zu. Die ungarischen sog. „petizze“, mit dem Bilde der Jungfrau und des Jesuskindes dienen gleichermaßen als Schutzmittel; ebenso alte wie silberne Kopeken an der Wolga, bei den tschuwaschischen, tatarischen und Kirgisenfrauen.  Sie werden als die Münzen der heiligen Helena bezeichnet. Auch hat man die höchste Ehrfurcht vor den ungarischen Münzen (Georgentaler (1690) und Rabendukaten (1457-85)) auf denen die Gestalt der heiligen Jungfrau abgebildet ist.

Kaum gibt es jemanden unter ihnen der nicht an die Wirklichkeit von Gespenstern, Geistern der Gestorbenen und an alle Blendwerke der Hexerei glaubt. Sie glauben auch an die sogenannten Vampire hier Vakodlat genannt denen es eine Lust sein soll den Kindern das Blut auszusaugen. Wenn einer dieser Menschen, der Schrecken eines ganzen Bezirkes, hinscheidet so schneidet man ihm die Sehnen der Kniekehlen durch und zersticht ihm alle Teile des Körpern mit Stecknadeln, alles in der Absicht daß der Vampir gehindert werden soll, unter die Lebenden zurückzukehren. Manche Morlaken, die in ihren letzten Stunden wünschen zu Vampiren zu werden, werden von ihren Verwandten so behandelt.

Der unerschrockenste Haiduck ergreift beim ersten Anblick eines Gegenstandes den er für ein Gespenst oder einen Poltergeist hält, die Flucht. Ein illirisches Sprichwort besagt, Gespensterfurcht bringt selbst Göttersöhne zum fliehen.

Die morlakischen Frauen sind dem Aberglauben mehr noch als ihre Männer unterworfen und glauben sogar daß sie selbst Hexen sind. Den alten Hexen schreibt man Taten zu, wie, daß sie die Gewalt hätten den Kühen ihrer Nachbarn die Milch zu nehmen um sie zur Vermehrung derselben bei den ihrigen zu verwenden. Fortis erzählt eine hierher gehörige Wundergeschichte die ihm auf seiner Reise ein Franziskaner mit Bekräftigung der Wahrheit durch einen Eidschwur mitteilte. Der Franziskaner schlief mit einem jungen Morlaken in einem Zimmer. Er lag wach als er zwei Männer ins Zimmer treten sah und den Körper des jungen Mannes öffneten um sodann sein Herz herausnahmen, es brieten um es zu essen. Beim Erwachen fühlte der junge Mann die Stelle seines Herzens leer. In diesem Augenblick war der Zauber gelöst, die Männer flohen und ließen das halbgebratene Herz auf der Glut liegen.

Der Franziskaner der sich bisher nicht gerührt hatte weil auch er dem Zauber unterlag, hatte nun erst die Kraft aus den Bett zu steigen. Er beeilte sich das Herz des jungen Morlaken zu retten und ließ ihn sein eigenes, angebratene verzehren. Bald darauf fühlte dieser wie es auf seine alte Stelle zurückkehrte.

Carl Nodier erzählt im Journal des Debats 1814; … es gibt zwei Arten von Hexen die schlimmen, Ujeztize genannt, suchen nur Unheil herbei zu führen aber die guttätigen, die Bahornitze, wirken ihnen dagegen. Aber obgleich diese Frauen so entgegengesetztes Streben ausüben so sind sie doch in einem wesentlichen Punkt eines Sinnes, beider Anstrengungen zielen nämlich dahin, die Leute zu betrügen und zu narren. Dieses geht so weit daß es unklug wäre vor einer Bahornitze über die Betrügereien der Ujeztize zu schimpfen, denn dadurch griffe man die ganze Zunft an und beleidigte auch die wohltätigen. Je mehr Missetaten geschehen desto größer ist auch die Notwendigkeit seine Zuflucht zu Zauberei zu nehmen um die Wirkung der ersteren aufzuheben.

Quellen:

Blätter für Kostümkunde der Verlagshandlung Franz Lipperheide, Berlin.

  • Le Tour du monde, nouveau journal des voyages. Französisches Reisemagazin (1895–1914).
  • Women of all nations; a record of their characteristics, habits, manners, customs and influence by Thomas Athol Joyce and Thomas Northcote Whitridge. London, Cassell 1908.
  • La Nouvelle Géographie universelle, la terre et les hommes et Elisee Reclus.
  • L’Illyrie et la Dalmatie, ou, Mœurs, usages et costumes de leurs habitans et de ceux des contrées voisines et Belsazar Hacquet, Jean Baptiste Joseph Breton. Paris: Nepveu 1815.
  • Gründliche Beschreibung des Königreichs Dalmatien …, von Erhard Reusch, 1723.
  • Der böse Blick und Verwandtes: ein Beitrag zur Geschichte des Aberglaubens aller Zeiten und Völker von Siegfried Seligmann. Berlin: H. Barsdorf, 1909.

Literatur:

Aus halbvergessenem Lande von Theodor Schiff. Kulturbilder aus Dalmatien, 1875. Download (PDF 10,2 Mb)

Delightful Dalmatia von by Alice Lee Hornor Moqué. New York, London, Funk & Wagnalls company 1914. Download (PDF 18,5 Mb)

In Spuren reisen: Vor-Bilder und Vor-Schriften in der Reiseliteratur (Reiseliteratur und Kulturanthropologie) Gebundenes Buch – 4. Juli 2006. Herausgegeben von Gisela Ecker und Susanne Röhl.

Ähnlich:

Doroban, Dorobantz. Walachei Rumänien.

Goralen. Hochländer der nördlichen Karpaten.

Arad, Walachei Rumänien. Historisches Kostüm.

Kostümkunde von Franz Lipperheide, Berlin.

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