Geschichte der Waffe. Schlagwaffen.

A. Trutzwaffen

Kapitel I.

I. Schlagwaffen

Die Keule (franz. masse oder mace, italien. mazza, clava, engl. club, maze, span. maza, clava) steht, als die einfache Verlängerung oder Verstärkung des mit der Faust geführten Schlages (Organprojektion) an der Spitze der primitiven Angriffswaffen. Ein derber Stock, oft wohl ein Ast mit dem verstärkten Ende (Stammansatz), das durch eingeschlagene Nägel oder Eisenbeschlag beschwert wurde, finden wir sie in der Hand des Urmenschen aller Zonen.

In historischer Zeit rückte die Keule einerseits zur Auszeichnungswaffe (Feldherrnstab) auf, wie die Darstellungen des Teppichs von Bayeux, der berühmten Bildquelle für die Kostüm- und Waffengeschichte des frühen Mittelalters, einer normannischen Arbeit aus dem Ende des 11. Jahrhunderts, zeigen, andererseits wird sie die Waffe der ärmeren Kämpfer, der Bauern, und ihrer einfachen Verwendbarkeit auch in schwierigen Kampflagen halber, der Reiter. Eine mit Stacheln besetzte, meist zylindrische Keule, deren Schlagteil auch an einer kurzen Kette hängen konnte, nennt man Morgenstern (14. und 15. Jahrhundert). Um das Gewicht zu vermindern, ohne der Schlagkraft Eintrag zu tun, teilte man den Kopf in radiale Blätter, in dieser Form, als Streitkolben, (Faustkolben, als gemeine Waffe: Kürißbengel), wird sie bis ins 16. Jahrhundert allgemein gebraucht, und oft, wenn ganz aus Eisen (seit dem 15. Jahrhundert), im Stil der Zeit (Spätgotik) reich durchgebildet, mit Tausia u. dgl. verziert.

Morgenstern. Mitte 15. Jahrh. Berlin, Zeughaus. Geschichte der Waffen.
Fig. 1. Morgenstern. Mitte 15. Jahrh. Berlin, Zeughaus.

Eine besondere Form zeigt durchbrochene und zugespitzte Schlagblätter. – Der türkische Streitkolben mit ei- oder birnenförmigem, selten durchbrochenem Kopf heißt Topuz, wird aber, als er durch Ungarn und Kroatien nach Westeuropa dringt, in Verwechslung mit dem ungarischen buzoghany (= Streitaxt an langem Schaft) meist Pusikan genannt. Als Trabantenwaffe kommt der Streitkolben noch heute vor (England, Rom).

Kriegsflegel, Streitkolben, Waffen, Schlagwaffe, Erich Haenel, Mittelalter
Fig. 2. Kriegsflegel, Ende 15. Jahrh. Fig. 3. Streitkolben. Mitte 15. Jahrh. Fig. 4. Streitkolben. Ende 15. Jahrh.

Der Hammer (franz. marteau d’armes, italien. martello, engl. polehammer), wie manche Angriffswaffen aus dem Werkzeug entstanden, anfangs ein an den Stock gebundenes Stück Stein oder Blei (als „Hubhammer“ mit zwei Schlagteilen Wurfwaffe), erhält seit dem 14.Jahrhundert eine Spitze. Als Streit- oder Fausthammer beliebte Fußknechtswaffe, aber auch mit kürzerem Stiel von den Berittenen im Gürtel geführt. (Luzerner Hammer, Falken-, Papageien- oder Rabenschnabel, um 1400). Die Rottmeister führten ihn mit besonders langem, leichtgekrümmtem Stachel und oft sehr langem, kostbar ausgestattetem Schaft. Der letztere ist auch das Kennzeichen des ungarischen Czakan (Stockhammer, Hakenhammer), der wie die meisten östlichen Waffentypen, im 16. Jahrhundert in Deutschland auch als Gehstütze Verbreitung findet.

Streithammer, Reiterhammer, Luzerner Hammer, Waffen, Schlagwaffe, Mittelalter, Erich Haenel
Fig. 5. Streithammer. (Luzerner Hammer) des Herzogs Sigmund von Bayern (1403-1501). München, Nationalmuseum. Fig. 6. Reiterhammer. 16. Jahrhundert. Berlin, Zeughaus.

Die Axt (als Werkzeug mit doppelseitig geschärfter Klinge zum Spalten ursprünglich von dem Beil, mit einseitiger, meißelartiger Klinge zum Behauen, verschieden (Jähns),gehört den ältesten Zeiten vorgeschichtlicher und geschichtlicher Bewaffnung an. Die griechische Doppelaxt später nur bei den Orientalen und als Inventionswaffe (Phantasiewaffe). Als Wurfwaffe (Franciska) ist die Axt mit kurzem Stiel Hauptwaffe der germanischen Völker bis zum 11.Jahrhundert, besonders in der fränkischen Zeit.

Wurfhacke, Waffe, Schlagwaffe, Militär, Rüstung, Erich Haenel
Fig. 8. Wurfhacke, 1578. Wien, Heeresmuseum. Marke.

Seit dem 14. Jahrhundert taucht sie als knechtische Waffe des gemeinen Kriegers wieder auf (mit lang ausgezogener Schneide und einem Haken an der Spitze, Lochaberaxt in Schottland, Berdiche in Rußland, besonders Trabantenwaffe), und zwar oft mit einem zugespitzten Hammer oder Stachel am Rücken. Die schwere Axt am kurzen Stiel, deren Klinge an kurzem, dünnem Halse sitzt und nach unten scharf zugespitzt ist, heißt Streithacke, und wird, weil gleichfalls aus dem Osten kommend, auch türkische oder polnische Hacke genannt.

Streithacke mit Schießvorrichtung. 16. Jahrh.
Fig. 7. Streithacke mit Schießvorrichtung. 16. Jahrh.

Griesbeil oder gereisiges Beil ist die schwere Streitaxt, die meist vom Reiter am Sattel geführt wird; oft zeigt ihr Schaft unten eine kleine Parierscheibe, bei reicher Ausstattung (Samtbelag, Umwickelung mit Silberdraht u. ähnl.). In Italien ist auch der Schaft meist aus Eisen und besitzt einen Gürtelhaken am Mittelschaft. Daneben erhält sich die Wurfhacke, eine schmale Axt an verhältnismäßig langem Stiel (Böhmen, Ungarn). Der magyarische Fokos ist eine langstielige Axt mit Hammereisen (galizisch: topor), das türkische Teberzèn eine Axt mit halbmondförmiger Schneide, die oft durchbrochen ist, und deren unteres Ende in eine längere, dem Schaft folgende Spitze verläuft (wie bei der Berdiche).

Streitaxt, Teberzèn, Waffe, Schlagwaffe, Barock, Erich Haenel
Fig. 9. Türkische Streitaxt (Teberzèn). 17. Jahrh. Dresden, Hist. Museum.

Doppelbeile, im Kampfe fast unbrauchbar, sind Befehlshaberabzeichen. – Die Bergbarte (Barte = Blatt von Beil oder Axt) ist nur Werkzeug oder Paradewaffe, als solche im 16. und 17. Jahrhundert meist künstlerisch sehr reich ausgestattet. Die Axt erscheint im 16. Jahrhundert häufig mit Schießvorrichtung (Radschloßpistole) verbunden, als Kombinationswaffe.

Quelle: Alte Waffen von Erich Haenel (1875-1940). Berlin, R. C. Schmidt & co., 1920.

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