Geschichte der Seuchen im Dreissigjährigen Krieg.

Dreissigjähriger Krieg.

1. Böhmisch-pfälzischer Krieg 1618-1625.

Beim Übertritt in das Jahr 1618 hatte das Volk kaum eine Ahnung von der aufziehenden Katastrophe; welche die betroffenen Länder zum Tummelplatz entmenschlichten Daseins heimischer und fremder Söldnerheere machte und das dem Tod entronnene Volk auf lange Zeit seiner nationalen Selbständigkeit in Charakter und Politik beraubte. Die folgenden Blätter bieten ein schwaches Bild der grausigen Drangsale, welche in diesem Zeitraume über das arme Volk durch Pest, Hunger und Krieg hereinbrachen.

Das Jahr 1618.

Einem kalten Winter folgte am 29. Januar grosse Wassernot an allen Flussgeländen. Auch Ende Mai war der Rhein so gross, dass er in Basel das Fundament des Rheintores erschütterte; der Juni brachte ungestüme Witterung mit Regen und Überschwemmungen; am 8. Juni fiel bei Basel Schnee; doch war das Jahr fruchtbar an Getreide, Küchengewächsen, Obst und Wein; letzterer war voll mittlerer Güte. Der in der letzten Woche des November erschienene grosse Komet galt als Verkünder von Krieg und Unglück; die schreckhaften Zeichen der Natur wusste man zu deuten, für die in der Menschenwelt hatte man weniger Verständniss.

Kaiser Matthias verbietet den Weiterbau der Kirche in Braunau und bestätigt die vom Erzbischof in Prag 1618 verfügte Sperrung der Kirche von Klostergrab. Aufstand in Prag unter Graf Matthias von Thurn. Die kaiserlichen Räte Martinitz und Slawata und ihr Sekretär Fabricius werden aus den Fenstern des Hradschin hinabgestürzt, kommen aber mit dem Leben davon.

In Neapel raffte eine Seuche (Diphtherie), welche sich durch plötzlich eintretende faulige Zersetzung im Rachen kund gab, gegen 60000 Menschen hinweg. Die Rachenhöhle bekam eine weisse Farbe, und diese ging allmählich ins Schwärzliche über, während auch äusserlich am Halse eine Geschwulst sich bildete, wodurch indes die Respiration bis zum Tode nicht gehindert war. Vorzugsweise wurde das Kindesalter von dieser Seuche befallen, doch auch Leute jeden Alters blieben nicht verschont j am 7. Tage nach dem Anfalle trat gewöhnlich das Ende ein. Die Krankheit suchte auch Sizilien, Malta, Kampanien und Kalabrien heim.

1618, 1619 Basel wurde von einer heftigen Blatternepidemie betroffen. „Die Pocken oder Kindsblattern waren dieses Jahr sehr giftig, viele Kinder starben daran; die, so das Leben behielten, waren übel zugerichtet und an den Gliedern gelähmt, der Geruch war unerträglich und einigen sind vor ihrem Tode die Backenknüffel abgefallen.“ „Manchen ist der Küfel (Kinn) vom Angesicht weggefallen,“ meldet die Chronik.

In Giessen starben sehr viele Kinder, wahrscheinlich bei einer herrschenden Blattern Epidemie. Oberursel (Nassau) wurde von der „Pest“ heimgesucht.
In Bergen (3 Mei1. n. w. v. Venloo, Provo Limburg) herrschte die Pest, weshalb viele nach Holland flüchteten, wo übrigens die Seuche noch nicht erloschen war.
In Friesach (Kärnthen) starben viele Menschen an der Pest.

Das Jahr 1619.

Nach einem kalten Winter folgte schädlicher Frühlingsfrost, im Sommer 7 Wochen andauernde Hitze; wegen nasser Ernte (in Franken) wuchs das Korn stark aus; doch war es ein ziemliches Fruchtjahr; bei vorherrschend rauher Witterung wuchs wenig Wein von mittlerer Güte.

Aus Böhmen, Mähren und Schlesien werden die kaiserlichen Truppen vertrieben. Nach dem Tode Matthias’ und der Wahl Ferdinands II. schwindet alle Hoffnung auf einen gütlichen Ausgleich. Die Böhmen wählen das Haupt der Union, den jungen Friedrich V. von der Pfalz, zum König. Ferdinand II. gelingt es, die Liga für sich zu gewinnen und die Union von einer Unterstützung Friedrichs abzuhalten, Kurfürst Johann Georg von Sachsen unterwirft sogar die Lausitz und Schlesien.

Pest, Paris, Mittelalter, ourdon de Genouillac, Histoire nationale

Die Pest wütet in Paris. Aus: Histoire nationale de Paris et des Parisiens depuis la fondation de Lutèce jusqu’à nos jours, par Gourdon de Genouillac.

Die Pest welche im Vorjahr in Konstantinopel gehaust hatte, fand am südlichen Litorale des Mittelmeeres Verbreitung; in Kairo sollen ihr 74500 Menschen erlegen sein. In Venedig herrschte eine unbekannte Krankheit, in welcher die Leute nicht wussten, was ihnen fehlte und so kraftlos und schwach wurden, dass viele jählings starben. Im Gebiet von Venedig fanden 13000 Menschen den Tod. Am Jahresende hielt man ein Dankfest 1). – In vielen Städten Frankreichs herrschte die Pest; so gleichzeitig in Paris, Rouen, Avignon. – In Deutschland fand der Scharlach nach Sennert (op. med. T. VI. LIV. c. 12) Verbreitung, wohl auch in Nürnberg, wo man bei 1885 Geburten 2265 Sterbefälle zählte. – Zu Leipzig nahmen die Blattern im Juli über 200 Kinder hinweg.

Die Pest fasste wieder festen Fuss in Deutschland. So herrschte sie in der Stadt Dommitsch 2), in Spandau, in Hamm (Westfalen); die benachbarte Stadt Unna verlor den grösseren Teil ihrer Einwohner.
Im Sommer überzog sie die dänischen Inseln, namentlich Kopenhagen und Helsingör, wo täglich 50 bis 60 und mehr, im Ganzen über 4000 Personen den Tod fanden. König Christian IV. hielt sich deshalb im Herzogtum Schleswig auf 3).

1) Contin. nuclei historici. Norimb. 1626. 2) Petri , Torgau 25. 3) Holst. Chr. 1674. 71.

Im Namen des Pommernherzogs Philipp Julius wurde am 30. Juni zunächst an die Stadt Wolgast das Gebot erlassen, sich jeden Verkehrs mit den infizierten Ortschaften zu enthalten. „Was massen etliche Bürger und Einwohner alhie zu Wolgast sich unterstanden in das Königreiche Dennemarcken nach Copenhagen von hinnen abzufahren unndt alda in der Stadt Copenhagen ungescheut ihren Kaufhandel zu treiben.“
Bei der Unmöglichkeit völliger Absperrung wurde die Seuche sehr schnell nach Pommern übertragen, so dass schon in der ersten Hälfte des August die vorpommerschen Hafenorte infiziert waren. Auch Greifswald wurde von der Seuche heimgesucht 1). – In Colberg stellte sich wieder ungewöhnliches Sterben ein, so dass der Rat damals eine besondere Pestordnung drucken liess.
Auch in Nieder-Österreich erhob sich die Pest von Neuem. Zu Wiener-Neustadt wütete die Pest 1619-21.

Das Jahr 1620.

Der Winter war kalt, der Frühling glimpflich bis zum 2. Juni, worauf 30tägiger Regen folgte; der Sommer brachte Hagel und viele Unwetter; die Getreideernte war gut; in Franken wuchs viel und schlechter Wein, in der Pfalz wenig Wein von mittlerer Güte.

Zwei Züge Thums gegen Wien bleiben erfolglos, das Heer von Friedrich V. von der Pfalz (sog. Winterkönig) erliegt in der Schlacht am Weißen Berge bei Prag am 8. Nov. dem von Tilly geführten kaiserlich ligistischen Heer. Ferdinand läßt die Häupter des Aufstandes hinrichten, den Protestantismus in Böhmen ausrotten, ächtet Friedrich V. und beraubt ihn der Kur.

Die bereits bestehende Teuerung erreichte 1620-23 dadurch eine ausserordentliche Höhe, dass man die guten Münzen einschmolz und dafür äusserst geringfügiges, meistens Kupfergeld, Hilpertlein genannt, prägen liess. Dies kam besonders den Juden zu statten, welche Gold und Silbergeschirre, Geschmeide und wertvolle Dinge anderer Art kauften und mit schlechter Münze bezahlten.

Diesem Beispiele folgend, sahen sich die Fürsten, durch Soldnot gepeinigt, der Versuchung ausgesetzt, nach erfolglos probiertem Hinaufschrauben des Münzwertes das entsetzliche Treiben des Kipper- und Wippertums selbst in die Hand zu nehmen. Die Reichsfürsten , Braunschweig voran, fingen das gemeine Handwerk der Heckenmünzer an. Solche schlechte Münzstätten waren in Bayreuth, Kulmbach, Wunsiedel, Hof, Erlangen, Schauenstein, Neustadt a. A., Weimar, Coburg, wie in den Reichsstädten. Das Volk hatte eine Weile seine helle Freude an der trefflichen Industrie; die Welt hing voller Geld und keine Zunft war stärker als die der Wechsler. Die Leute rissen die kupfernen Töpfe aus den Öfen, die Waschkesseln aus den Mauern und die Gefässe aus den Kästen heraus, trugen sie in die Münze und liessen sich Geld prägen.

1) Gesterding, Beitr. z. Gesch. v. Greifsw. Nr. 719.

Aber die Freude währte nur kurze Zeit: gar zu bald zeigte, zu ernüchterndem Entsetzen, nach wenigen Tagen die Silbertünche das blanke Kupfer. Da war der Teufel los; von den Kanzeln predigten die geistlichen Herren gegen diese „letzte Brut und Frucht des Teufels“; man versagte den Kippern und Wippern, denen die Buben auf den Gassen ihr „Kippedewipp“ nachkreischten, das ehrliche Begräbnis. (Hanser.)

Trotz aller Verbote und Strafen nahm der schändliche Missbrauch, gutes Geld aufzuwechseln, zu kippen und wippen so überhand, dass die alten guten gültigen Münzsorten im Jahre 1620 im Wert sehr hoch stiegen und der Reichstaler von 5 fl. auf 8 und 10 fl. stieg und hiermit der Preis der Viktualien gleichen Schritt hielt, so dass man einen Scheffel Korn um 12 fl. und höher bezahlen musste.

Im Januar 1621 befahl Herzog Georg zu Sachsen unter Erneuerung des Münzedikts, nach jenen, welche das gute Geld einwechseln und in die Münzen oder aus dem Lande bringen und dagegen geringe ausgewippte Sorten einschieben, zu forschen und Betroffene zu verhaften. – In Folge dessen wurde zu Freiberg am 24. Juni 1621 bei einigen Juden Haussuchung gehalten; das Ergebniss derselben war, dass die Elenden viel eingewechseltes Geld in Fässern unter die Waren verpackt, in heimlichen Fächern und Kästen mit doppeltem Boden geborgen, in ihre Kleider und Matratzen vernäht, auch in Futterkästen, Sattel, Kummete und Pferdegurte gesteckt hatten. Weil dieser Fund verleugnet und hintangehalten, wurde es sowie auch das aufgekaufte alte Kupfer, welches fast 200 Zentner wog, weggenommen und auf kurfürstlichen Befehl nach Dresden gebracht 1).

Der Markgraf von Bayreuth und Kulmbach liess, um dem Übelstande abzuhelfen, 1622 wieder gute Groschen prägen mit der Umschrift: „Nach altem Schrot und Korn 1622“. Zugleich liess er alle öffentlichen Lustbarkeiten verbieten und eine Polizei- und Taxordnung bekannt machen, wodurch die Preise der Lebensmittel mit dem Lohne der Arbeiter in ein richtigeres Verhältnis gebracht und die drückende Not um vieles gemildert wurde 2).

Auch in Sachsen wurde 1623 durch kurfürstliches Mandat zu Jedermanns Freude die leichteren Münzsorten fremden Gepräges als ungültig erklärt und der Wert der guten alten Silber- und Goldmünzen nach der Norm der von den Reichsständen zu Augsburg 1559 errichteten Münzordnung geregelt.

Aus Afrika wurde die Pest durch ein Schiff in die sizilianische Hafenstadt Trapani eingeschleppt; bald wurden auch Palermo und Messina durchseucht; daneben herrschten Ruhr und Brandbräune.

1) Möller’s Ann. 440. 2) Oberfr. Arch, IV.

Ein grosser Teil von Frankreich, vorzugsweise die südlichen Provinzen, wurden von 1620-1630 von typhösen Seuchen heimgesucht.

Mit Ausbruch des dreissigjährigen Krieges gewann der Petechialtyphus (Fleckfieber) neue Kraft. Was Wunder, wenn er während dieses unheilvollen Kampfes die Geisel der Söldnerheere und der von ihnen niedergetretenen und ausgeraubten Landschaften geblieben ist?

Schon izu Beginn des Jahres 1620 griff der Typhus unter den bayerischen Truppen in verheerender Weise um sich. So sollen auf dem Mitte Juli unternommenen Zuge des Heeres der Liga nach Oberösterreich und Böhmen nach dem Zeugnisse des Feldarztes Tobias Geiger, welcher die Armee bis Prag begleitete, gegen 20000 Mann von der bayerischen Armee den Krankheiten erlegen sein 1). Der Leibmedicus Raymund Minderer, welcher ein „Consilium oder Räthliches Gutachten, die jetzt schwebende und unter den Soldaten mehrertheils grassirende Sucht betreffend, Getruckt im J. 1620.“ bekannt machte, sucht die Entstehungsweise des Fiebers in der feuchten Witterung des Sommers 1620, bei welcher die Soldaten täglich, von Regen durchnässt, die kalten Nächte unter freiem Himmel zubringen mussten. Hierzu kam, dass auf dem Zuge nach Böhmen der grösste Mangel an Lebensmitteln unter den verbündeten Truppen sich einstellte; dem abzuhelfen, wollte der kaiserliche General Boucquoi das Heer nach Mähren führen, allein der Bayernherzog Maximilian und sein Feldherr Tilly widersetzten sich diesem Vorhaben, indem sie auf Prag, als das Herz des Landes, hinwiesen. Denn dort herrschte seit dem Einzuge Friedrichs, des Usurpators der böhmischen Krone, Überfluss, während der Soldat darbte und den Seuchen zum Opfer fiel, der Landmann aber in den von der Soldateska besetzten Gegenden Böhmens schrecklich bedrängt wurde.

Durch sorgfältige Absonderung der im Jahre 1620 und 1621 von Böhmen zurück gelieferten kranken Soldaten soll München verschont geblieben sein. Dort hatte man bereits 1618 durch Errichtung eigener Kontumazhäuser (Quarantäne) vor den Toren, strenge Beaufsichtigung der ankommenden Fremden, durch verstärkte Wachen, Desinfektion verdächtiger Effekten und der eingehenden Briefe durch Räucherungen, sowie des von infizierten Orten hergeschickten Geldes durch Essigwaschungen gegen die Einschleppung Vorsorge getroffen. Ähnliche Massregeln blieben lange Zeit in Übung. Nach dem Berichte eines Benediktiners von Wessobrunn (Reichsarchiv) fand unzweifelhaft die Seuche in Oberbayern Verbreitung.

1) Westenrieder, Beitr. IV, 106.

Nach dieser Mitteilung überzogen den Körper rote Flecken, dann trat Raserei ein, in Folge deren sich die Unglücklichen den Kopf an der Wand zerschellten. Viele starben plötzlich und so fand man in den Strassen der Stadt wie auf dem Lande zahlreiche Leichen; man hob grosse Gruben aus und warf sie hinein 1).

Auch Franken wurde von typhösen Seuchen, „Kopfkrankheit“, welche die Mansfeldischen Soldaten mitbrachten, heimgesucht; in Burgbernheim erlagen ihr viele Leute, 6 Soldaten wie auch der Pfarrer 2). In gleicher Weise wurde von drei Soldaten aus dem Lager der Unirten die ungarische Krankheit oder das „Hirntoben“ nach Württemberg eingeschleppt. So kam es oft vor, dass die krank heimgekommenen Soldaten durch gute Wart und Pflege der Ihrigen wieder genasen, hingegen die Hausgenossen erkrankten und starben. Auch Tübingen brachte der Krankheit viele Opfer 3).
Ebenso herrschte unter dem spanischen Kriegsvolke, welches unter des General Spinclas Befehl in der Rheinpfalz stand, ein bösartiges Lagerfieber, Typhus exanthem. Der Leib- und Feldmedicus desselben, der Portugiese Anton Fonseca, nannte die Krankheit Febris maligna, gegen die er, den Krankheitsstoff im Blut suchend, selbst nach Erscheinung der Petechien noch den Aderlass als ein notwendiges Mittel empfahl.

Ende Juli erschienen auf dem Marsche nach Böhmen gegen 2000 Mann englischer Hilfstruppen, welche König Jakob dem neugewählten Gegenkönig von Böhmen, Kurfürsten Friedrich von der Pfalz, seinem Schwiegersohn, sandte, in der Oberlausitz. Sie brachten den Typhus, englische Krankheit genannt, nach Zittau, wo viele Einwohner, besonders Leute in den mittleren Jahren, worunter 15 Ehepaare, starben.

Schwerer litt das nahe Olbersdorf, wo die Truppen vom 28. Juli bis 2. August einquartiert waren. Viele Ortseinwohner wurden ein Opfer der Krankheit; in manchem Hause lagen drei und mehr Personen krank. Die Epidemie dauerte bis zur Fastenzeit des nächsten Jahres 4). Ebenso verbreitete sich die Krankheit in der Stadt Luckau. – In Orlamünde (Altenburg) traten im April die Blattern auf 5).

Die Pest trat in Südschweden und Finnland von 1620 bis 1622 verheerend und überaus ansteckenden Charakters auf 6). Ebenso machte sie sich in Pommern und Ostpreussen in intensiver Weise geltend. Zu Barth (w. v. Stralsund) starben vom 2. April bis 7. Oktober 240 Personen, hiervon 223 an der Pest, im ganzen Jahre 500 Menschen 7).

1) Oberb. Arch. X, 15. 2) Mittelfr. Arch, XI, 108. 3) Vgl. Ludw. Moegling, Dissertatio de febre epid. ab anno passim saeviente. Tubing. 1621. 4) N. Laus. Magaz. B. 44. 5) Mitth. d. V. f. Geschichtsk. in Kahla 1885. 6) Geijer-Leffler, Gesch. v. Schweden 2. 80. 7) Katalog im Wolgaster Arch.

Über die Zeichen der in Vorpommern herrschenden Seuche berichtet David Herlicius (Herlitz), damals Stadtphysikus in Stargard, in seiner „Pestilenzordnung“, welcher er im Dez. 1620 ein Consilium politico-physicum de peste folgen liess. Hiernach spürte der Patient zuerst grosse körperliche Mattigkeit und Abspannung des Geistes, war „trawrig und faul am gantzen Leibe“; hernach trat Fieberhitze ein mit Irrereden. Der Atem wurde kurz und ungleich; in einzelnen Fällen bildeten sich schon jetzt auf den Lippen, in der Mundhöhle und hin und wieder am Körper kleine Bläschen.

Manche Kranken konnten nicht schlafen, andere waren nicht wach zu erhalten, kalter Schweiss und Seitenstechen waren von Appetitlosigkeit und Erbrechen begleitet. Dann bedeckte sich der ganze Leib mit Pestbeulen, besonders unter den Armen, hinter den Ohren und an den Geschlechtsteilen. Als ganz unfehlbares Kennzeichen der wirklichen Bubonenpest (Beulenpest) galt bei Herlitz und dem von ihm zitierten Hamburger jüdischen Arzte Roderich a Castro aus Lissabon 1) die Wahrnehmung, dass in diesem Stadium der Krankheit der Patient beim Befühlen des Pulses durch den Arzt mit der Hand zuckte oder zitterte. Je besser sich die Pestbeulen entwickelten, desto grösser war die Aussicht auf Genesung. Der Beschaffenheit des Urins schenkte Herlitz Aufmerksamkeit, aber dem damals allgemeinen Glauben, im Urin nicht nur den Charakter der Krankheit, sondern auch alle möglichen Eigenschaften des Patienten klar lesen zu können, huldigt er, wo es sich um die Pest handelt, nicht, sondern gibt zu, dass gerade hier diese Praxis leicht irre führe.

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In Danzig kehrte die Pest ein und raffte bisweilen wöchentlich über 900, das Jahr hindurch 11936 Menschen hinweg; getauft wurden 2323 Kinder 2). Elbing verlor 1336 Einwohner. – Ebenso mussten die Städte Preussisch-Holland (Regierungsbezirk Königsberg der Provinz Ostpreußen) und Wehlau die Geisel der Pest fühlen 3).

In Königsberg (Ostpreussen) wütete die Pest und raffte 700 bis 800, auf ihrer Höhe 1048 Menschen in der Woche, hin, im „Kahr“ erlagen von Pfingsten (7. Juni) bis 3. Januar 11425 Menschen; der Bürgermeister Peter Michel starb im Kneiphofe an der Pest und wurde am 27. August begraben 4).

1) Roderico a Castro, geb. 1550 in Lissabon, studierte in Salamanca, u. war seit 1594 in Harnburg als Pest- und Frauenarzt geschätzt. 2) Danziger Erfahrg. 1739. 3. Stück. 3) Erleut. Preussen IV, 510. 701. 4) Acta Boruss. II, 355. Erleut. Preussen 1726, III, 220.

Die folgende Verlustliste gewährt einen belehrenden Einblick in die Bewegung der Seuche. Innerhalb 30 Wochen starben vom 7.-14. Juni 97, 14.-21. Juni 184, 21.-28. Juni 216, 28. Juni bis 5. Juli 241, 5.-12. Juli 345, 12.-19. Juli 449, 19.-26. Juli 545, 26. Juli bis 2. August 606, 2.-9. August 695, 9.-16. August 892, 16.-23. August 940, 23.-30. August 1048, 30. August bis 6. September 983, 6.-13. Sept. 791, 13.-20. Sept. 794, 20.-27. Sept. 543, 27. Sept. bis 4. Oktober 420, 4.-11. Oktober 366, 11.-18. Okt. 303, 18.-25. Okt. 218, 25.0kt. bis 1. Nov. 133, 1.-8. Nov. 132, 8-15. Nov. 122, 15.-22. Nov. 79, 22.-29. Nov. 62, 29. Nov. bis 6. Dezember 80, 6.-13. Dez. 57, 13.-20. Dez. 37, 20.-27. Dez. 20, 27. Dez. bis 3. Januar 27 Menschen.

Die Pest breitete sich im ganzen Lande aus. Trotz aller Bemühungen, sie fern zu halten, zog sie auch in Schippenbeil und Rastenburg ein und forderte zahlreiche Opfer. – Wegen der drohenden Gefahr stellte Thorn am 28. September einen Pestbarbier auf; um die Ansteckung zu verhüten, wurde verboten, Leichen aus den Vorstädten in der Stadt zu begraben.
Breslau erfuhr von 1620-1630 grosse Einbusse durch Ruhr, Blattern und typhöse Fieber.
In Niederösterreich fand eine Seuche Verbreitung. In Tuln (bei Klosterneuburg) trat eine epidemische Krankheit („Pest“) auf. Ob des damaligen Krieges in Böhmen flüchteten viele aus den offenen Dorfschaften jenseits der Donau dahin, wo mit Einschluss der Fremden vom Januar bis Dezember 672 Personen starben; hiervon im Oktober 114, Nov. 142, Dez. 75.

Das Jahr 1621.

Sehr kalter Winter; vom 19. Januar an heftige Kälte 4 Wochen lang, im Juni schädliches Hagelwetter, ziemlich fruchtbares Jahr, Wein wenig und sauer; ein Scheffel Korn galt 12-13 fl. und stieg täglich höher wegen des schlechten Geldes: der Reichsthaler galt 8 bis 10 fi.

In der Oberpfalz hausten die Truppen des Grafen von Mansfeld in scheusslicher Weise. Der Landgraf Wilhelm von Leuchtenberg (1586-1634), der in Pfreimd anwesend war, berichtete an die Regierung in Amberg: „Rauben, Abbrennen, Raidlen (Zusammenpressen des Schädels mit Schnüren und einem Drehholze oder Gewehrschlosse), Kopfanbindung, Daumenschrauben, und Aufhenkung der armen Leut an Torsäulen und Bäumen, Verwüstung, Wegtreiben des Viehes, dass es ein Stein möcht erbarmen“, war die auch später den Schweden beliebte Beschäftigung dieser Horden.

Mit den Truppenansammlungen entwickelte sich der Petechialtyphus (Fleckfieber) in Bayern, namentlich in der Oberpfalz, einem an Wäldern, Bergen und stehenden Gewässern reichen Gebiete. Die Krankheit brach bei grosser Sommerhitze im Lager bei Beidhaus aus, fand im Herbste durch die herumziehenden Soldaten weitere Verbreitung und wütete noch im folgenden Frühling unter den Bewohnern im weiteren Umkreise bis ins Gebiet des Fürstbischofs von Eichstädt. Dr. Joh. Conr. Rhumelius (Rummel), Physicus ordin. in Neumarkt, bezeichnet in seiner Schrift „Historia morbi qui ex castris ad rastra, a rastris ad rostra, ab his ad aras et focos in Palatinatu superioris Bavariae se penetravit anno 1621 et permansit a. 1622 et 1623, Norimb. 1625“ im Sinne des Paracelsus als merkurialische Symptome: Melancholie, Manie, krampfhaftes Lachen, Gangrän der Zunge, Schmerz in der Wirbelsäule, im Rücken, in den Zähnen, Pusteln in den Augen, Blindheit; als merkurialisch-schwefliche Zeichen: Blutspeien, Brustbeklemmung, Geschwulst auf der Brust; als merkurialisch-salzige: Cardialgie, Singultus, Heisshunger, Kolik, Würmer, Eintritt der Menstruation, Abortus, Harnbeschwerden, Ödem der unteren Extremitäten, Petechien, papulöse Exautheme, welche sich bis zur Grösse einer Linse oder halben Erbse erheben und zwei Arten von Krätze, die zu Ende der Krankheit zum Vorschein kommen, eine feuchte und eine trockene.

Während der Krankheit betrachtet er anhaltenden Sopor, wie sein Gegenteil, dauernde Aufregung, häufige Ohnmachten, ohne Gefühl abgehende Stühle für schlimme, Nasenbluten, mässige Diarrhöen und Schwerhörigkeit dagegen für erfreuliche Zeichen.

In Weiden herrschte grosse Sterblichkeit; im Register sind 255 Verstorbene verzeichnet, während die gewöhnliche Sterbeziffer sich zwischen 50-100 bewegte; im Markt Kohlberg grassierte die Seuche so, dass in 14 Wochen über 40 Personen starben; die Krankheit forderte auch noch später ihre Opfer, wie 1625, wo der Pfarrer Lautensack erlag.

Um den Krieg ungehindert fortführen zu können, zog Mansfeld mit 20000 Mann, 500 Bagagewagen und einem starken Tross gegen die Unterpfalz. Am 23. Oktober zog er in Mannheim und bald in der Pfalz ein. Raub, Mord, Schändung der Weiber, Rauchsäulen der brennenden Dörfer bezeichneten den Weg. In Viernheim, dann in Ladenburg am Neckar wüteten die Soldaten schrecklich und liessen beim Abzug eine schwere Krankheit zurück, welcher von Martini bis zum Frühjahr 1622 viele Menschen erlagen. Zur gleichen Zeit erfuhren Marbach, Lorbach, Neckarelz, Eberbach, Boxberg u. a. O. ein ähnliches Schicksal. Auch im Elsass breiteten sich nach dem kriegerischen Einfall typhöse Seuchen aus.
Die Blattern machten sich in Nassau bemerkbar; so starb am 23. März in Weilburg ein 24jähriger Sohn des Grafen Ludwig von Saarbrücken. Köln wurde von einer Epidemie heimgesucht (Ennen).

In Sachsen herrschte die Ruhr, welcher in Sebnitz viele Leute erlagen; ebenso wurde die Stadt Stolpen (Meissen) von einer Krankheit heimgesucht.- Zu Bischofswerda erlagen 127 Personen der „Pest“, ohne die in den eingepfarrten Ortschaften Gestorbenen. Ebenso litt die Stadt Insterburg (Prov. Sachsen) durch eine Epidemie.

Das Jahr 1622.

Der Winter stellte sich frühzeitig mit grosser Kälte ein, die sich im Januar ausserordentlich steigerte; haushoher Schnee, der nach dem Schmelzen unberechenbaren Schaden brachte. Der Weinstock erfror um Lichtmess, die Blüte litt um Johanni durch Regen, das Getreide durch Mehltau, Wein wenig und sauer. In ganz Deutschland herrschte in Folge des schlechten Münzwesens und der Truppenzüge furchtbare Teuerung und in vielen Gegenden, so in Dingolfing, grosse Hungersnot, Die Lebensmittelpreise erreichten die vierfache Höhe.

Ligistische Truppen unter Tilly und spanische unter Spinola besetzen die Pfalz, die Union löst sich auf, nur Markgraf Georg Friedrich von Baden-Durlach, Ernst von Mansfeld und Herzog Christian von Braunschweig treten für den geflüchteten Friedrich ein.

Die Schweiz erlitt grosse Verluste durch typhöse Seuchen; so in der Herrschaft Mayenfeld und in Chur, wo der Typhus in kurzer Zeit 3000 Soldaten wegraffte.
Elsass wie die Pfalz wurden von Mansfeld verwüstet und ausgeplündert. Strassburg war von etwa 23000 flüchtigen Landleuten so überfüllt, dass bald in Folge von Menschenanhäufung und allgemeiner Not Seuchen ausbrachen, unter deren Herrschaft man bis Jahresschluss 4380 Tote zählte. Die meisten wurden ein Opfer der Ruhr, welcher allein vom 21. bis 27. Juli 224 Personen erlagen (Dr. J. Krieger.)

Auch Frankreich war im Jahre 1622 und 1624 der Schauplatz einer verheerenden Pestepidemie.
Württemberg wurde von Neuem von Seuchen betroffen; ihnen erlagen in Calw 233, in Bönnigheim 107 Personen. In Heilbronn am Neckar wütete neben Teuerung und Hungersnot die Pest von 1622 bis 1628 mehrmals.

Die Schlacht zwischen der kaiserlichen Armee unter Tilly und dem badischen Heere unter Markgraf Georg Friedrich (6. Mai) brachte grosses Elend über die Stadt Wimpfen am Neckar. Durch Aufnahme von (über 900) verwundeten und kranken Soldaten entstand unter den Bürgern eine verheerende Infektion („Kopfkrankheit“, Typhus), welche 1/4-1/3 derselben hinraffte. Im folgenden Jahre wurden nur 43 Kinder geboren gegen die frühere Normalzahl 75. Zur Krankheit gesellte sich grosse Teuerung. – Nachdem Mansfeld den Erzherzog Leopold bei Hagenau in die Flucht gejagt, rückte er im April mit seiner Armee in die Pfalz am Rhein ein und verhiess seinen Söldnern, sie auf eine gute Weide zu führen. Das liessen sie sich nicht zweimal sagen, sie zogen acht Tage lang durch das Land, raubten, plünderten, trieben das Vieh herdenweise weg, bis sie von den Spaniern und Bayern gegen Mannheim zurückgetrieben, von diesen aber die Greuel der Verheerung fortgesetzt wurden.

In der schwergeprüften Pfalz grassierten Ruhr und andere Seuchen, um in Städten und Dörfern eine reiche Ernte zu halten. Armweiler wurde von den Spaniern besetzt; diese hausten in schrecklicher Weise. Dazu kamen Krankheiten. Die Bewohner des flachen Landes waren nach dem Trifels geflüchtet. Hunger, Not und die Pest brachen hier unter den zusammengedrängten Massen aus und verbreiteten sich von da über Annweiler. Mörderisch wütete die „Pest“ in der Stadt und raffte dahin, was die Wut der Feinde übrig gelassen hatte. – Im August wurde Saarbrücken von bösartigen, ansteckenden Krankheiten und der Ruhr heimgesucht, welchen viele Leute erlagen. – Im Herbste machte grosse Teuerung das Mass des Elendes voll.

In Frankfurt a. M. kehrte Typhus und Ruhr ein. Es starben 1785 Menschen (gegen die Normalzahl von 600-700). Der Frankfurter Arzt Ludwig von Hörnigk nennt (in seinem „Würgengel: Von der Pestilenz, Namen, Eigenschaft, Ursachen, Zeichen u. s. w. Frankfurt a. M. 1644“) die damalige 1622 von ihm selbst erlebte Krankheit „die pestilenzische Ruhr, Durchlauf oder Hoff- und Blutgang, welche unmittelbar aus dem Kriege hervorgegangen ist.“ Hörnigk bemerkt S. 82 richtig; „Eine der Ursachen der Pest sind die Garnisonen oder Lagerstätten der Soldaten, bevorab der Kranken, die sich genau behelfen müssen und derowegen allerlei Unrath umb und neben sich samblen, inmassen wir allhie zu Frankfurt a. M. nach der Schlacht bei Höchst (6. Juni) genugsam erfahren, da der verwundeten und kranken Soldaten so viel waren, dass sie auch hin und wieder in den Gassen, vor den Häusern auf dem Stroh lagen, dannenhero dann, bevorab weil es um Pfingsten und heiss Wetter, ein grosser Gestank und darauf eine Pest entstand.“

In Babenhausen (Hessen) zählte man 239 Tote und 48 Geburten, in Schaafheim und Schlierbach 146 Tote und 31 Geburten.
In Miltenberg a. M. grassierte nach dem dortigen Ratsbuche die „Pestilenz“ (Typhus). Die herrschende „Pest“ forderte auch in Burgbernheim (Mittelfr.) viele Opfer. – In Schwabach starben alle kleinen Kinder.
In Koburg hausten die „Hauptkrankheit“ und Febres malignae.
Viele Personen, namentlich in Stenzenbach, fanden den Tod 1). – Zu Weimar soll die Pest aufgetreten sein.
Das sächsische Dorf Plenschitz wurde wieder von der Seuche betroffen.
Zu Bromberg (Posen) wütete 1622-23 die Pest und richtete bei dem Mangel der nötigen Schutzmittel grosse Verheerungen an. 2)
Die in Südschweden hausende Seuche erreichte Stockholm , wo angeblich von 1622-23 20000 Leute gestorben sind.

1) J. G. Gruner. 2) Bernhardiner Chron.

Die Pest, welche im Vorjahre an der ungarischen Grenze grassierte, tauchte am 20. November in Vorau (Steiermark) auf und forderte bis 24. Januar 1623, wo sie erloschen ist, 55 Opfer. (Matr.)

In Mähren wütete die Pest von 1622-25, insbesondere zu Olmütz, wo 4236 Menschen gestorben sein sollen, dann in Brünn, Kromau, Weisskirchen, Zwittau u. a. 0. 1).
Um diese Zeit wurden die Hunde, welche hin und wieder von erschlagenen Körpern gefressen hatten, rasend und richteten im Rheintal um Appenzell, in Sachsen und anderwärts am Vieh grossen Schaden an. Dieses Elend kam auch in Siebenbürgen vor, wo man viele von rasenden Hunden gebissene und wütend gewordene Menschen erschlagen oder niederschiessen musste 2).

Das Jahr 1623.

Das Jahr war reich an verderblichem Hagelwetter; so zog am 23. Mai ein schweres Wetter über Buxtehude (Hannover), wobei 21 Ochsen, durch taubeneigrosse Eisstücke niedergeschlagen, in dem einige Fuss hohen Hagel umkamen; ein gleich unheilvolles Hagelwetter stellte sich in jener Gegend am 21. Juli ein. Das Korn litt in der Blüte durch Mehltau. Mitte Juni trat ausserordentliche Hitze und Dürre ein, so dass der Graswuchs verdarb, viel Obst abfiel und grosser Schaden entstand; Wein wenig und mittelmässig. In allen Teilen Deutschlands, in Schlesien, Böhmen, Oberösterreich und Mähren kam zur Kriegsnot grosse Teuerung.

Tilly wird am 27. April bei Wiesloch geschlagen, siegt aber am 6. Mai bei Wimpfen und am 20. Juni bei Höchst und verwüstet die Pfalz aufs ärgste. Christian wird von Tilly am 6. Aug. nochmals bei Stadtlohn in Westfalen geschlagen und die pfälzische Kurwürde, trotz des Protestes von Sachsen und Brandenburg, Maximilian von Bayern zugesprochen.

In Basel griff im August und September eine schmerzliche und tödliche Ruhrepidemie um sich, die vielen Leuten den Tod brachte. Als Ursache dürfte Genuss schlechter Nahrung zu bezeichnen sein, „da sich in dem Drangsal vollen, teueren Jahre viele mit Krüschbrot (Grützenbrot) und Wasser nähren mussten.“

Im Elsass herrschte auch in diesem Jahre grosse Teuerung und Not; um dem Elend zu steuern, verbot am 23. Januar Erzherzog Leopold von Österreich die Ausfuhr der Früchte. Zu grosser Trockenheit gesellten sich eine verderbliche Viehseuche und fühlbare Steigerung der Fleischpreise. – So ward auch in Strassburg Teuerung, Not und Sterblichkeit in hohem Grade fühlbar; der Magistrat suchte die Not der Armen zu lindern.

1) Brünner Wochenbl. 1824. 2) Extremi seculi Furores. Frankf. 1632. 39. (Kriegsbericht.)

Die ganze Pfalz dagegen seufzte unter fortwährenden Plünderungen der Tilly’schen Horden; in dem ausgesaugten Lande steigerte sich das Elend dermassen, dass die noch übrigen Landbewohner mit Wurzeln und Kräutern ihr Leben zu fristen suchten 1). Hierotheus schildert diese traurige Zeit, welche 1623 und 1626 über die schwerbedrängte Pfalz hereinbrach, in der Provincia Rhenana Capuc. p. 227-230 in schrecklichen Farben.

In Lothringen wütete die Pest äusserst heftig; in Metz allein starben gegen 3000 Personen; der Rat ergriff alle erdenklichen Massregeln, um der Krankheit Einhalt zu tun. An allen Toren wurden ärztliche Stationen errichtet, auf welchen jeder in die Stadt Einlass Begehrende untersucht ward. Alle der Krankheit Verdächtigen oder davon Befallenen wurden nach dem auf der Insel Chambière erbauten Pesthaus „la Cornue Géline“ geschafft. Die Pest liess zwar allmählich an Heftigkeit nach, verschwand aber erst 1625 gänzlich aus der Stadt 2).

Auch in Württemberg und Baden fand die Pest in einigen Orten Eingang. So herrschte sie im September in Dietenhofen (0.-A. Ehingen) 3). Zu Grötzingen (Durlach) blieben nur 5 Haushaltungen von der Pest verschont.

Hanau und die Wetterau wurden wieder von der Pest schwer heimgesucht 4). – Nachdem die Pest in der Umgegend von Seligenstadt schon sehr gewütet hatte, dass Alles, was noch auf den Beinen sein konnte, die Flucht ergriff und in den Städten Zuflucht suchte, war Seligenstadt von der Seuche noch einigermassen verschont geblieben. Obgleich man den unglücklichen Flüchtlingen allen und jeden Zutritt dahin versagte, fruchtete dies doch wenig, vielmehr raffte während der Jahre 1623-1625 der Tod in verschiedenen Zeitperioden unzählige Menschen hinweg.

In den letzten Monaten des Jahres kam auch über Nassau eine heftige Seuche, spanische Schwachheit (Typhus) genannt, die über den Winter andauerte. Sie raffte in der Herrschaft Wiesbaden, dann in Haiger bei Dillenburg, sowie in Walsdorf an der Ems viele Leute hinweg, worunter in Walsdorf viele Kinder 5).

In der Stadt Mayen an der Nette (Bez. Coblenz) richtete die Pest arge Verheerungen an 6). – Im Juli und August brachte in Saarbrücken eine bösartige Viehseuche eine Masse Vieh zu Fall. Zu dieser Zeit trieben in den benachbarten Ländern ansteckende oder pestartige Krankheiten ihr Wesen als die gewöhnlichen Folgen von Kriegsverheerungen, Mangel und Hungersnot. Man verbot den Verkehr mit den infizierten Orten.
Auch Köln wurde von 1622 bis 1623 von der Seuche heimgesucht 7).

1) Vgl. Walther, Strassb. im 30j. Krieg. 2) Westphal II, 181, 3) Gg. Gaisser’s Tagbuch, Mone Qu. S. II, 163. 4.) Wille. 5) Keller 1. c. 6) Rhein. Antiq. 1865. 7) Ennen.

In Aachen riss eine Seuche innerhalb 14 Wochen eine beträchtliche Anzahl Menschen ins Grab.
In Bayern herrschte grosse Not, welche besonders im Südosten einen bedenklichen Grad erreichte, so in Burghausen an der Salzach, sowie in der Grafschaft Werdenfels; zur Linderung der Hungersnot schickte der Bischof von Freising Getreide dahin 1). Seuchen kamen nur vereinzelt zur Erscheinung. In Burgbernheim (Mittelfranken) raffte die Ruhr viele Leute hinweg. Am 5. Juni kamen 500 kranke Soldaten auf dem Wege von der Pfalz nach Böhmen durch diese Ortschaft.

Mit diesem Jahre brach die Leidenszeit auch für Hessen und die Werragegend an. Die evangelische Union war aufgelöst, siegreich standen überall die ligistischen Heere und nun galt es eine Invasion Hessens. Anfangs Juni wurden bereits die Werrastädte von den ligistischen Truppen vom Eichsfeld her bedrängt. Witzenhausen, Hersfeld und Eschwege besetzte Tilly. Beim Abzug seines Heeres brach die Ruhr aus, welche im Juli und August täglich durchschnittlich 12 Menschen in den einzelnen Städten an der Werra, wegraffte 2).

In Koburg herrschte im August und September die rote Ruhr, besonders in den Vorstädten, so dass viele Leute, zumal Kinder, daran starben. – Borna bei Leipzig hatte 70 Pestopfer zu beklagen.
Zu Hannover starben vom Jahre 1623 bis 1626 viele Personen an der Pest. Vom Juni bis zum Ende des Jahres 1623 erlagen ihr über 1400 Menschen, unter diesen 92 Ehemänner und 60 Ehefrauen der Marktkirchengemeinde.

In Hamburg herrschte eine heftige Seuche mit grosser Teuerung; da kostete ein Scheffel Roggen 12 und im nächsten Jahre 13 Mark.
Über Pommern brach wiederholt die Pest herein, um bis 1625 im ganzen Lande verheerend zu wüten und auf Handel und Gewerbtätigkeit den nachtheiligsten Einfluss auszuüben. In Stargard zog sie ein und forderte nach der zuverlässigen Angabe des Marienkastenschreibers Martin Schulze 1338 Menschenleben zum Opfer. (Nach Kratz, „Die Städte der Provinz Pommern“ S. 367, dagegen starben 3381 Personen, wohl die Gesamtsumme der Gestorbenen.)

1) Bader, Mittenwald. 2) Rommel, Hess. Gesch. VII, 548.

In Bunzlau (Niederschlesien) wurde am 27. Juli die Pest durch Soldaten eingeschleppt; sie trat zuerst im Schloss Obertore und in einigen Basteien auf. Wöchentlich starben durchschnittlich 30 Menschen und unter den 760 Gestorbenen dieses Jahres waren es allein 640, welche der Seuche zum Opfer fielen; 75 Infizierte genasen wieder. Viele Einwohner flüchteten in die Dörfer, wo ihrer dennoch manche starben. Vor dem Christfest zogen die Bürger wieder in die verlassene Stadt zurück. Die umliegenden Ortschaften schickten der schwergeprüften Stadt freiwillige Unterstützungen 1). -In Breslau wurde am 28. Oktober der Elisabeth Markt abgestellt, weil sich die Pest hin und wieder bedenklich gezeigt hatte 2). In Brieg wurde wegen Wiederauftretens der Seuche das Gymnasium geschlossen.
Die Kriegsdrangsale hatten auch in Teschen an der Olsa (österr. Schlesien) die Pest, welche 1500 Menschen hinraffte, und eine Teuerung im Gefolge.

Das Jahr 1624.

Während der Norden Europa’s mit einem gemässigten, war der mittlere und südliche Teil mit einem sehr strengen Winter bedacht, namentlich trat dieser Charakter im Januar und bis zur Mitte Februar auf; es folgte starker, grossen Schaden anrichtender Eisgang; sehr warmer und trockener Sommer; strichweise hatten die Früchte und das Obst darunter zu leiden; ausserdem gerieten Winter- und Sommerfrüchte, wie Küchengewächse und Wein sehr gut. Wegen Regenmangel stiegen die Getreidepreise bis zur Ernte. (In Württemberg galt der Scheffel Korn 12 fI., in Zwickau am 11. Juni 10-11 Reichsthaler.)

Im Sommer herrschte die Pest in Italien, Spanien, Sicilien u. a. O. An der Mündung des Tiber liess der Papst durch Truppen die Landung der Schiffe aus Sizilien verhindern. Zu Trepano und Palermo hauste die Pest heftig; es erkrankten zu Palermo im August über 10000 Personen, die mehrenteils starben. – In Rom fand im Februar 1625 die Pest Eingang; täglich erlagen ihr 8 Personen 3).

In Augsburg wurde die typhöse Pneumonie epidemisch 4). Als Folge der teueren Zeit trat in Riedheim an der Donau eine Seuche auf; der Pfarrer Beckelhaub nennt sie „lues grassans“ 5). Noch ist einer heftigen über Brenz bei Gundelfingen hereingebrochenen Viehseuche zu erwähnen. – Zu Nürnberg starben im August viele alte und junge Leute an der Ruhr. Binnen 8 Tagen wurden 50 Kinder begraben. Im Oktober zeigte sich die Pest, da starben aus einem Hause beim Wöhrder Thürlein 6 Personen; durch gute Maseregeln wurde indes die Krankheit beschränkt. Im ganzen Jahre starben 2487 und wurden geboren 1868.

1) Wernicke 312, Dewitz 60. 2) Pol. Hemerolog. Siles. Wratislaw. Leipzig 1612; Zeitschr. f. Schles. Gesch. XIII. 3) Predigt notiz, Nürnb, 1626. 4) Cfr. Höchstätter, Rararum observat, med, pars posth. Francof. 1674. 89. 5) Schwäb. Arch, IV.

Über die Pest erbat sich am 24. August Dr. J. C. Rhumelius, zu Neumarkt, vom Nürnberger Collegium medicum Auskunft. Er empfing die Antwort, dass die Pest vor 11 Monaten von Fremden eingeschleppt worden sei, dass sie sich von da ab immer weiter verbreitet habe, doch meistens bei Leuten aus niederen Ständen und solchen, die eine unpassende Lebensweise geführt, zum Ausbruch gekommen sei. Über die Krankheit selbst geben die beiden Pestilentiarii Dr. Heinr. Kirchberger und Dr. Joh. Leopold folgenden Bericht: 1. Das pestilenzialische Contagium dieser Stadt ist teils ein unmittelbares, teils ein mittelbares. Übrigens weil bei den praktischen Ärzten das durch Gegenstände verbreitete Kontagium wie das in Distanz wirkende gleichmässig Kontagium genannt wird (denn man gebraucht es sowohl zur Bezeichnung eines Ansteckungsstoffes als auch der infizierten Luft), so ist zu bemerken, dass wir unter demselben nichts anderes verstehen, als einen Krankheitsherd (Fomes). Das Pest „Miasma“ ist Gott Lob bei uns zur Zeit nicht durch die Luft verbreitet worden.

Daher ergreift die Pest die Menschen bei uns entweder durch einen besonderen Zunder (Fomes) oder durch unmittelbare Berührung. Auf die erste Weise nahm die Krankheit ihren Anfang, auf die zweite gewann sie Verbreitung. Was die Kranken selbst betrifft, so werden diese meist gleich vom Anfang an von einer bedeutenden Hinfälligkeit ergriffen mit Gefühl von Frost oder Hitze, Brechreiz, wirklichem Erbrechen und zuweilen von Bewusstlosigkeit, worauf sich in Kürze Anthraces und Bubonen, teils von verschiedener Farbe, teils von der Farbe der Haut selbst bilden. Doch sind diese Symptome nicht bei allen gleich, sondern verschieden, je nachdem diese oder jene Teile zuerst mit dem Ansteckungsstoff in Berührung kommen. Denn einige werden mit Kopfschmerz, Hinfälligkeit, Ohnmacht befallen, andere klagen über unstillbaren Durst, Fieberhitze und Schlaflosigkeit, auf welche bald Delirien folgen, wieder bei anderen erscheinen sogleich die charakteristischen Zeichen der Pest und zwar oft ohne die den Pestbeulen gewöhnlich vorhergehenden heftigen Schmerzen. Bei einigen Pestkranken entstanden unter den Erscheinungen der Euphorie Abszesse, bei anderen war damit heftige Ohnmacht verbunden. Bei einigen beobachtete man bloss Anthraces, bei anderen traten Anthraces und Bubonen zugleich auf. Diejenigen, bei welchen in entfernteren Teilen, z. B. der Leistengegend, Bubonen ausbrachen, wurden fast alle geheilt, während die, bei denen sie auf der Schulter oder der Brust ausbrachen, fast alle starben.

Nicht selten trat übrigens der Tod plötzlich, unter scheinbar günstigen Symptomen ein, aber eben so oft sah man auch solche, welche durch die Heftigkeit der Erscheinungen in der äussersten Lebensgefahr zu schweben schienen, gegen alle Erwartung der Gefahr entrinnen und genesen. So gross ist die Täuschung und Bösartigkeit dieser Krankheit. 2. Die Zahl der Gestorbenen betrügt nicht mehr als 193. 3. Was endlich in sanitätspolizeilicher Hinsicht von uns angeordnet wurde, könne in dem deutsch geschriebenen Traktat unter dem Titel: „Kurzer Bericht, was man sich zur Zeit der Sterbläufften zu verhalten, die schwere Seuch der Pestilenz durch Gottes Gnad‘ zu verhüten, hergestellt durch die verordneten Doktores der Arznei dieser Stadt, Nürnberg Anno 1600„, nachgelesen werden.

In Aschaffenburg forderte die Pest während der Jahre 1624 bis 1626 viele Opfer; in dem nah gelegenen Dorfe Wenighösbach, wo diese Landplage vom August bis Oktober grassierte, überlebten nur drei Personen die „Schwedenpest“ 1632-35 (Link).

In Mainz, wie in den umliegenden Städten und Märkten, tobten Pestseuchen (pestilentiae), welche allmählich zu Mainz heftig um sich griffen und sehr vielen den Tod brachten. Man sah sich genötigt, die Schulen, sowie die Universität zu schliessen, welche wegen Fortdauer der Seuche erst im Mai 1625 wieder eröffnet werden konnten. – In Lorch am Rhein erlagen der „Pest“ (Dysenterie) vom 11. August 1624 bis 11. August 1625 nicht weniger als 204 Menschen (Ungedr. Quelle)1). – Das Dorf Planig in Rheinhessen wurde von der Pest heimgesucht 2).

Als Folge des Krieges stellte sich in Fritzlar die Pest ein, um, von einem nasskalten, lange anhaltenden Winter unterstützt, immer weiter um sich zu greifen und jeden, der anderswo eine Zufluchtsstätte finden konnte, zur Auswanderung zu treiben; sie erlosch erst 1626. – In Hersfeld (4 M. n. v. Fulda) gesellte sich zu den Kriegsdrangsalen die Pest, wohl durch die öfter wechselnde Einquartierung eingeschleppt. Unterm 3. Juni bemerkt das Kirchenbuch: „Umb diesse Zeit hat die Pest allhier angefangen“. Es starben vom Oktober bis Januar 1625: 316 Menschen, wovon nur sehr wenige auf die zum Kirchspiel gehörigen Dörfer Kalkobes, Allmershausen und Heenes kommen; diese Orte wurden erst später, besonders seit Juni 1625 von der Seuche heimgesucht. – In Rotenburg an der Fulda gesellte sich zu den Kriegsdrangsalen eine epidemische Seuche, weshalb die daselbst liegenden bayerischen Offiziere im Dezember die Stadt verliessen 3).

Sachsen blieb in diesem Jahre ziemlich verschont. In Neustädtel bei Schneeberg grassierte die Pest. Auf und an dem Harze forderte die Pest 1624 – 26 zahlreiche Opfer; in Klaustal raffte sie in einer Woche 190, im Ganzen gegen 1200 Menschen hin 4).

1) Rhein. Antiq. 1861. 2) Hess. Arch. XV. 3) Zeitschr. f. hess. Gesch. Kassel 1865. 4) Honemann, Alterth. III.

Hannover wurde von der Pest schwer heimgesucht; sie raffte in Gronau (bei Hildesheim) von 1624 bis 1626 über 700 Menschen, ohne Zweifel mehr als zwei Drittel der damaligen Bevölkerung, hinweg; am 3. September erlag ihr der Prediger Stahl (Matr.) – Im Juli erhob sich in Hoya an der Weser die Pest; diese und „Blutgang“ (Ruhr) nahmen im September noch zu und währten bis in den November. – Zu Lüneburg herrschte die rote Ruhr 1).

In den Mansfeld’schen Lagern in Ostfriesland wüteten während des Sommers 1623, unter den niederländischen Truppen sich bald beutelüstern ausbreitend, Hungersnot und Seuchen (Lagerpest); Antwerpen, Brüssel und Ypern hatten darunter viel zu leiden 2).

Auch in Holland gewann die Pest verheerende Ausdehnung, so in Delft, in Leyden, wo vom August bis Oktober des nächsten Jahres 9897 Menschen starben (P. Paaw, Tract. de peste c. H. Florentii additamentis. Lugd. Bat. 1636); dann in Amsterdam, wo von 32532 Gestorbenen 11795 der Pest erlagen.

Die Ruhr fand in der zweiten Jahreshälfte besonders günstigen Boden, so in der Stadt Kalbe (s. w. von Magdeburg); in Rathenow (Mark) starben im August und September 83 Personen an dieser Krankheit. – In Landsberg wurde noch durch eine gewaltige Überschwemmung der Warte eine pestartige Krankheit (Typhus) erzeugt. – In Stendal herrschte die Pest, so dass die Zahl der Toten jene der Geborenen in diesem Jahre um 205, im folgenden um 45 überstieg.

Stettin wurde von der Pest heimgesucht; vom August bis ins nächste Jahr legte sie über 2000 Menschen ins Grab. Beim Ausbruch der Pest weigerten sich sämtliche Balbirer (Barbier), die Stelle eines Pestchirurgen zu übernehmen, so dass ihnen unter Androhung ernstlicher Strafe befohlen werden musste, einen solchen aus ihrer Mitte zu bestellen. Ebenso wütete die Pest in den bei den Nachbarstädten Stargard und Gollnow 3).

Rostock, welches schon längere Zeit unter der herrschenden Teuerung litt, wurde noch von der Pest von Ende Juni bis Dezember schwer geprüft. Während dieser Zeit starben 722 Menschen an der Pest, 305 an anderen Krankheiten. Der Verkehr mit den Nachbarn ward aufgehoben, wodurch sich die Not nur steigerte. Die Armen bucken hier wie in Plau Brot aus Leinsamen, Lindenknoppen, Eicheln und „Haselteig“ 4). In Pommern raffte die Pest viele Menschen hinweg, darunter den Hof-Marschall Hans von Nyenkerken zu Wolgast 5).

1) Dornkreilii Sendebrief, Hamburg 1624. 2) Meterani novi Cont. 460. 3) Mikrälius III. Buch. IV, 158. Balt. Studien 1845. 4) Jahrb. f. Meckl. Gesch. 1852. Pentz, Meckl. 72. 5) Chr. v. Usedom.

Nach Colberg wurde die Pest durch eine Dienstmagd mit einer Samtjoppe aus Danzig, in der sie am grossen Jahrmarkt prangen wollte, eingeschleppt. Es starben daran etwa 400 Menschen. Der für 25 Taler monatlich angestellte „Pestbalbier“ erlag mit seinen Gesellen in wenig Wochen. Auch die Hunde wurden von der Pest befallen und der Scharfrichter musste vom 7. – 23. Oktober 119 solcher erkrankter Hunde erschiessen. Gegen den Winter hörte die Krankheit auf. Im folgenden Jahre wurde der Krankheitsstoff wieder durch ein dänisches Schiff während des Jahrmarktes eingeschleppt. Abermals fielen gegen 400 Opfer. Die Seuche stellte sich bis 1630 Jahr für Jahr ein.

In Danzig wütete abermals die Pest; wöchentlich starben oft über 600, in diesem Jahre aber 10536 Personen. Getauft wurden 2156 Kinder. – In Thorn kehrte die Pest im August ein, um ihre Verheerung bis ins nächste Jahr fortzusetzen.
Auch in Schlesien fand die Pest grosse Verbreitung. In Bunzlau steigerte sich die bereits im Vorjahre eingeschleppte Pest. Eine Zeitlang wurde die Zufuhr in die Stadt, der Pestgefahr halber, gesperrt. Im Jahre 1625 starben „durch Gottes Gnade“ nicht mehr als 130 Personen 1). – In der Stadt Friedeberg schlich sich die Pest im Juli in ein Haus ein und bald erlagen ihr an 51 Personen. – Trotz aller Vorsicht fand sie auch zu Löwenberg am 5. September Eingang und es starben bis Neujahr 200 Menschen; die Bürger verliessen die Stadt und bauten sich Hütten und Zelte auf dem Felde. Dessen ungeachtet zählte man an manchem Tage 40-50 Leichen. Die Stadt verödete; ihren und des Kirchspiels Verlust schätzte man auf 3000 Personen.

Der Kanonkius Dr. Valentin Caulomius in Oberglogau (in Oberschlesien) und Pfarrer in Altendorf starb im August in letztgenanntem Orte an der Pest 2). In Odrau an der Oder (österr. Schlesien) und den umliegenden Dörfern wütete eine von dem Kriegsvolke zurückgelassene Krankheit 3). – Auch in Mähren entfaltete die Pest seit dem Vorjahr eine erhöhte Tätigkeit. Zu der in Olmütz herrschenden, durch Kriegs- und Einquartierungslasten gesteigerten Not gesellte sich die Pest, welche ihre Opfer nach Tausenden forderte. Die Angaben der Chroniken erreichen die Höhe von 14236 Toten. Die Pest hörte im nächsten Jahre auf. – In der Stadt Müglitz, welche von der infizierten Stadt Olmütz Waren an sich gebracht hatte, wurde der grösste Teil der Einwohner von der Pest hinweggerafft. – Auch Neutitschein wurde von der Pest heimgesucht.

1) Acta publica, herausg. v. Alterthumsver. Schlesiens, 1880. 2) Weltzel, Ratihor. 3) Zeitschr. f. schles. Gesch. X.

Ebenso fand die Pest bei andauernder Hungersnot in Iglau Eingang. Die Stadt, welche im Anfange des 17. Jahrhunderts gegen 13000 Einwohner zählte, verlor von Ostern bis Johannis 1624 nach der Iglauer Chronik 11000 Menschen; nach Anderen 1) starben dagegen im Jahre 1625 gegen 9000 Personen an der Pest, darunter 9 Ratsmitglieder. Von den Seelauer Prämonstratensern, welche sich durch aufopfernde Treue auszeichneten: fanden drei den Tod in ihrer Pflichterfüllung.

Nach einem zwischen dem Schwedenkänige Gustav Adolf und dem Polenkönige Sigismund 1622 abgeschlossenen Waffenstillstand ruhten zwar in Livland die Waffen, dagegen wüteten Hunger und Pest 2). Auch einen grossen Teil der Einwohner von Dorpat raffte die Pest hinweg.

1) Zeiler, Topogr. v. Böhmen, Mähren u. Schles. 1650, S. 100. 2) Hansen Narva 83, Lenz, Dorpat 24.

Überall, wo kaiserliche Truppen die Gewalt haben, beginnt eine erzwungene Katholisierung , zahlreiche Klöster werden wieder hergestellt und von Jesuiten in Besitz genommen. Die niedersächsischen Fürsten, England, Holland, Dänemark und Schweden verbünden sich. König Christian IV. von Dänemark führt das Heer, wird aber vom übrigen Ausland nur wenig unterstützt. Um sich von der Liga unabhängig zu machen, stellt der Kaiser ein eigenes Heer unter Wallenstein auf, das durch ein Raubsystem unterhalten wird.

Quelle:

  • Geschichte der Seuchen, Hungers- und Kriegsnot zur Zeit des dreissigjährigen Krieges von Gottfried Lammert. Erschienen bei J. F. Bergmann Verlag, Wiesbaden 1890.
  • Meyers historischer Handatlas. Bibliographisches Institut Leipzig, 1911.
  • Deutsche Volkstrachten von Friedrich Hottenroth, 1898.
  • Die Rekonstruktion der Gimbel`schen Waffensammlung. Entworfen und zusammengestellt von Karl Gimbel. Königlich Württembergischer Leutnant a.D.. Berlin 1902 … .
  • Histoire nationale de Paris et des Parisiens depuis la fondation de Lutèce jusqu’à nos jours, par Gourdon de Genouillac.

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