Siegmund. Kostümentwurf für Der Ring des Nibelungen. Das Rheingold.

Siegmund

Siegmund. Kostümentwurf für Der Ring des Nibelungen.

Das Rheingold.

SlEGMUND. Der Wälsenspross Siegmund tritt, ein heimatloser Flüchtling, Obdach suchend in Hundings Haus. An dem Blau seines Kleides, über das helles Pelzwerk fällt, am blonden Haar und dem strahlenden Augenpaar erkennt man das Wotanskind. Im Eschenstamme, der dem Saal Hundings als Mittelpunkt dient, haftet das Schwert Nothung, das Wotan am Tage der Vermählung Sieglindes mit Hunding unter der Verheissung bis an’s Heft hineinstiess, dass es nur dessen Eigenthum sein solle, der im Stande sei, es herauszuziehen. Auch Siegmund war von Wälse (Wotan] verheissen worden, dass er in höchster Noth dies Schwert finden werde. Sieglinde macht ihn auf die Stelle im Eschenstamm aufmerksam, in welcher der Schwertgriff haftet, triumphierend zieht Siegmund die Waffe heraus und fühlt nun die wüthende Gluth Wotans auch in seinen Adern brennen. Trotzdem ihn Sieglinde nach seinen Erzählungen als ihren Zwillingsbruder erkennt, zieht er sie feurig in seine Umarmung, macht jedes andere Gesetz seiner Leidenschaft unterthan:
„Braut und Schwester
bist Du dem Bruder –
so blühe denn Wälsungen-Blut!“
Und der Erwählten bleibt er treu. Als Brünnhilde erscheint, ihm den Tod zu verkünden und ihm die Freuden schildert, die ihn in Walhall erwarten, fragt er, ob er Sieglinde dort finden wird und will auf die Verneinung der Walküre „von Walhalls spröden Wonnen“ nichts mehr hören. Seine Liebe für das arme Weib, das erschöpft auf seinem Schosse ruht, erschüttert Brünnhilde dergestalt, dass sie Wotans ausdrücklichem Befehl entgegen-sich entschliesst, nicht für Hunding, sondern für Siegmund das Schlachtloos zu wenden.

Original Text aus: Das Rheingold aus der Oper Der Ring des Nibelungen von Richard Wagner. Kostümentwürfe für den ersten Ring-Zyklus von Prof. Carl Emil Doepler, 1876. Uraufführung am 22. September 1869 im Königlichen Hof- und Nationaltheater München.

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