Trachten aus Preußen. Der Spreewald.

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Preussen, Spreewald. Spreewälderinnen.

Trachten der Wenden oder Sorben.

Von dem einst so großen Wendenvolk finden sich in Norddeutschland noch viele, aber verstreut lebende Überreste; so an der Ostsee, an der Elbmündung, namentlich aber in der Lausitz. Nicht alle von diesen haben alte Sitten, Sprache und Trachten so treu bewahrt, wie gerade diejenigen, welche den teil der Niederlausitz bewohnen, der unter dem Namen Spreewald, ein von unzähligen Flussarmen und Kanälen der Spree, durchzogenes Gebiet bildet.

So eigentümlich wie dies etwa 3 Meilen umfassende wasserreiche Terrain ist auch die Tracht seiner Bewohner und Bewohnerinnen, die hier wie überall das Volkstümliche in der Kleidung am längsten bewahren; denn die männliche Bevölkerung der Wenden oder Sorben hat sich auch schon im Äusseren gewandelt, nur ganz alte Männer sieht man wohl noch in dem weißen Drillichrock, der mit bunter Naht geziert ist und in dieser Farbenzusammenstellung an wendische Tracht erinnert.

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Sachsen, Wende im 13. Jahrhundert

Bei der Frauentracht ist das Kopftuch besonders originell, es nimmt in seiner Wickelung über mannigfach gestaltete Pappgestelle ganz verschiedene Formen an, die teilweise die Bewohnerinnen der verschiedenen Ortschaften kennzeichnen. Das im Spreewald allgemein verbreitete Kopftuch ist von hellem Kattun oder von bedruckter Wolle, und etwa 4 Fuß im Quadrat groß; dreiseitig zusammengelegt fallen zwei über einander treffende Zipfel von der Höhe des Kopfes am Nacken herab, während die andren beiden unter diesen durchgezogen, über dem Scheitel in Schleifen geknüpft werden. Diese einfache Tracht, zu welcher die Spreewälderinnen bei der Wahl vieler Farben gern einem leuchtenden Rot mit bunter Blumenborte der Vorzug geben, ist überaus kleidsam.

In Burg (Sachsen-Anhalt) ist eine komplizierte Form als Festtracht sehr beliebt, es bildet das farbige oder weiße Kopftuch durch Wicklung über ein breites Pappgestell eine Art Hörnermütze, welche durch eine breite Fraise von Gekreppten Mull vervollständigt wird, die im Nacken hoch empor stehend wie der altenglische Kragen des 16. Jahrhunderts den Kopf mir seiner breiten Mütze einrahmt.

Die gestickten, weißen Kopftücher, deren Zipfel im Dreieck am Nacken herabfallen, gehören ebenfalls der Festtracht an. Einer dem ähnlichen Form, welche nur in dem seitwärts und über den Nacken herabhängenden Zipfeln eine kleine Verschiedenheit zeigt, und bei der Abendmahltracht aus weißem, feinen und reich gestickten Leinenstoff gebildet wird, sei noch hierbei erwähnt.

Im Winter legt man das Kopftuch zum Schutz gegen das Wetter so, daß es einem Bashlik 1) ähnlich ist und nur Augen, Nase und Mund frei bleiben, und endlich werden auf dem Feld die Kopftücher in der Weise dreizipfelig gelegt, dass zwei Zipfel einander deckend am Nacken herabhängen und die anderen beiden unter dem Kinn geknüpft werden.

1) Ein Bashlik, auch Bashlyk genannt, ist eine traditionelle kaukasische, türkische und kosakische kegelförmige Kopfbedeckung, meist aus Leder, Filz oder Wolle, eine urtümliche, rund gewölbte Filzhaube mit Laschen zum Umhüllen des Halses. Lokale Versionen bestimmen die Verzierung, die aus dekorativen Schnüren, Stickereien, metallisierten Schnüren, Pelzbällen oder Quasten bestehen kann. Bashlyks werden als traditionelles Volkskleidungsstück und als einheitlicher Kopfschmuck verwendet. In der Neuzeit wurden Bashlyks in Russland 1830-1840, nach dem Napoleonischen Krieg mit bedeutender Beteiligung der baschkirischen Kavallerie, in Mode gebracht. Bis 1862 wurden Bashlyken zu einem einheitlichen Kopfschmuck in den Kosakenarmeen und später in anderen Truppenteilen der russischen Armee gemacht. Der militärische Bashlyk bestand aus hellgelber Kamelwolle mit einem gelben Band. Offizier Bashlyks hatten ein Gold- oder Silberband. In der russischen Armee währten die Bashlyks bis 1917, dann wurden sie zum Markenzeichen der Uniform der Weißen Armee, und einige Truppen der Weißen Armee haben die Laschen in den Gürtel auf der Vorderseite gesteckt, anstatt sie um den Hals zu legen.

Die Bewohnerinnen von Leede und Leipe (niedersorbisch Lipje) tragen zu sonntäglichem Putz eine zierliche Haube von weißem durchzogenen Mull und mit Kanten besetzt; vom Nacken bis zum Kinn geht eine breite, doppelt gelegte Fraise, welche unter dem Kinn durch eine buntseidene Schleife zusammen gehalten wird.

Den Oberkörper umschließt ein Mieder von schwarzen Samt, aus welchem die weißen, kurzen Hemdärmel heraus treten, deren mit Kanten besetzter Rand immer umgeschlagen ist. Das gewöhnliche Brusttuch ist von hellfarbigen Katun oder auch von bedruckter Wolle, jedoch an Festtagen und namentlich bei gewissen Festlichkeiten, wie Hochzeiten, Taufen oder Abendmahlsfeierlichkeit, von feinstem weißen Gewebe und mit Kanten besetzt.
Das Brusttuch wird immer in drei Zipfel zusammengelegt, deren einer am Rücken herabfällt, während die anderen beiden, durch eine am Mieder befestigte Spange gehalten, unter dem Bund der breiten Schürze verschwinden. Diese ist in Stoff und Farbe dem gleichen Wechsel unterworfen wie das Brusttuch, auch sie ist als ein Stück der Festtracht bei Taufen und Hochzeiten von gesticktem Mull; breit und faltenreich, erreicht sie beinahe den Saum des Rockes.

Der wollene Rock, von verschiedener Länge, ist zunächst des Bundes in enge Falten genäht, fällt dann in breiterer Faltenlage herab. Hiebei ist fast jede Farbe beliebt, doch ist der nationale Rock immer von hochroten dicken Wollstoff, zuweilen auch noch mit schmalen grünen oder schwarzen Längsstreifen durchwebt; der rand ist mit blauer oder grüner Seide besetzt, auch werden schottische Muster zu diesem Besatz gewählt; darin hat fast jede Dorfschaft ihren eigenen Geschmack.

Der Spenzer mit umgeschlagenem Kragen und langen Ärmeln ist immer von schwarzem Stoff, gewöhnlich von Tuck oder Kamelot und vervollständigt die Kirchentracht. Die Schuhe von Lackleder sind weit ausgeschnitten und ohne jede Verzierung. Die Strümpfe ebenso einfach weiß.

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Preussen, Spreewald.

Sehr originell ist der Trachtengebrauch der Frauen im Spreewald bei der Trauer und besonders bei der Beerdigungsfeierlichkeit. Sie haben zwei Arten, die schwarze und die weiße Trauer; die erste besteht darin, daß mit Ausnahme des weißen Brust- und Kopftuches sowie auch der Strümpfe alles übrige in schwarzer Farbe ist, und so beschaffen ist auch die Abendmahlstracht und die bei großen kirchlichen Festen, zum Unterschied gegen die gewöhnliche sonntägliche Kirchentracht, wo Schürze, Tücher, Bänder und Rock farbig sind.

Die weiße Trauer aber, ein alter Wendenbrauch, besteht ausser der vorhin beschriebenen schwarzen Tracht in der Einwickelung in ein etwa 6 Fuß langes und 5 Fuß breites Leinentuch, welches dergestalt die Figur einhüllt, daß nur Gesicht und Hände frei bleiben.

In der Brauttracht hat sich gegen früher vieles geändert; wie sie heute zur Anschauung kam, ist ein haubenähnlicher Aufsatz von schwarzseidenem Band, welches flach gelegt den Scheitel bedeckt, und nach hinten in Schleifen gesteckt ist, an die Stelle der Brautkrone getreten. Das Halstuch ist von weißem gestickten Mull, der Spenzer von schwarzem Tuch, und an dem Abschluss der Ärmel mit weißem Pelz besetzt. Der Rock ist schwarz, die Schürze weiß und nur die verschiedenen Schleifen und Bänder, welche sich hier, sowie an dem Zusammenschluß der breiten Fraise am Kinn befinden, sind bunt.

Die Brautjungfern tragen farbige Röcke und gestickte Tücher, während die Taufpatin dunkle Stoffe dazu wählt.

Quelle: Volkstrachten. Original-Zeichnungen mit erklärendem Text von Albert Kretschmer. Maler und Professor am Königl. Hoftheatr Berlin. Leipzig J. G. Bach`s Verlag (Fr. Eugen Köhler) 1887. Deutsche Volkstrachten von 1864-1870.

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