HOF- UND STAATSTRACHTEN. FRANKREICH 17. JAHRHUNDERT.

Ludwig XIV., Staatstrachten, Hoftrachten, Kostüme, Frankreich, Barock, Gobelin, Auguste Racinet, Lebrun

ZIMMERANSICHT. HOF- UND STAATSTRACHTEN (DOPPELBLATT).

ZIMMERANSICHT. HOF- UND STAATSTRACHTEN (DOPPELBLATT).

FRANKREICH 17. JAHRHUNDERT.

Die Darstellung ist einem Wandteppich entnommen, welcher in der Gobelinmanufaktur nach einer Zeichnung Lebruns angefertigt worden ist (siehe dazu: Die Wiener Gobelinsammlung). Es ist die feierliche Audienz, welche Ludwig XIV. am 29. Juli 1664 dem Cardinal Chigi, dem Neffen und Gesandten des Papstes Alexander VII., im Schlosse zu Fontainebleau erteilte. Derselbe war gekommen, um den Zwiespalt zu beendigen, welcher seit 1661 zwischen dem Papst und Frankreich in Folge von Beleidigungen geherrscht hatte, die den Leuten des Herzogs von Créqui in Rom widerfahren waren.

Der päpstliche Legat wurde in Paris mit um so grösseren Ehren empfangen, als man die Entschuldigung des Papstes, deren Träger Cardinal Chigi war, recht auffällig machen wollte. „Er empfing unter einem Baldachin die Huldigungen der obersten Gerichtshöfe, der städtischen Behörden und der Geistlichkeit; er zog in Paris unter Kanonendonner ein, während der grosse Condé zu seiner Rechten ging und der Sohn dieses Prinzen zu seiner Linken, und unter solchem Pompe kam er …. “ (Voltaire, Siècle de Louis XIV., Anectodes et Particularités.)

Diese aussergewöhnliche Audienz fand im Schlafzimmer des Königs statt. Unter Karl IX. erbaut, war dasselbe bis zur Regierung Ludwig XIII., welcher es um 1642 ausstatten liess, ohne Schmuck geblieben. Das Mobiliar, die Wanddekorationen, die man hier sieht, sind aus dieser Zeit. Erst im Jahre 1713 liess Ludwig XIV. das Zimmer um ein Drittel vergrössern und gänzlich renovieren und umgestalten. (Jamin, Foruainebleau,1838.)

Im Jahre 1664 war der König von Frankreich sechsundzwanzig Jahre alt. „Es war die gute Zeit, sagt Quicherat, wo der König, indem er sich recht gut amüsierte, dafür galt, sein Königreich zum glücklichsten der Welt gemacht zu haben.“ Mazarin war tot und das Edikt, welches befahl, die Streifen und feinen Spitzen von den Röcken und Roben abzutrennen, längst vergessen. Man unterstützte nicht nur die französischen Spitzenarbeiter, sondern liess auch hunderte von Spitzenarbeiterinnen aus Flandern und Venedig nach Paris kommen. Aus dem Jahre 1664 datiert auch die Institution der „Justaucorps à brevet“ (der privilegierten Leibröcke), die nicht den Zweck hatte, dem Kleiderluxus zu steuern, sondern ihn nur zum Vorrecht gewisser Klassen zu machen. Man durfte einen Justaucorps nur Kraft eines vom Könige unterzeichneten Patentes tragen.

Der junge, prachtliebende Fürst hatte natürlich einen grossen Einfluss auf die Veränderungen der Tracht. Sie bestanden ursprünglich in leichten Modifikationen, welche sich der weiblichen Tracht zuneigten. Da die Taille des Überrockes und die Ärmel sehr kurz geworden waren, kam das Hemd immer mehr zum Vorschein. Die Hose Ludwig XIII. wurde durch ein weites, unterrockartiges Beinkleid ersetzt, welches man über den Knien mit Bändern zusammenknüpfte. Dasselbe hiess „rheingrave“, angeblich nach einem Deutschen, Herrn von Rheingraf, der es als Gouverneur von Mastricht eingeführt haben soll.

Diese Tracht mit ihrem grossen Aufwand von Spitzen aller Art und Bändern, die in Form von Schleifen, Büscheln und Rüschen von den Schultern bis zu den Schuhen zu finden waren, mit dem vorn gerade abgeschnittenen Halskragen ist für die Zeit charakteristisch, als der König noch nicht ins Feld gezogen war, also für die erste Periode seiner Selbstregierung. Damals trug Ludwig XIV. noch keine Perücke; sein üppiger Haarwuchs war natürlich. Indessen begann die Staatsperücke, die „Löwenmähne“, schon in Gebrauch zu kommen. Der Hut war mit zwei Reihen von Federn geschmückt. Über das Wams wurde noch ein Überrock gezogen, und über demselben trug man das Wehrgehänge, dasselbe, welches noch heute in Frankreich die Kirchenschweizer tragen. „Diese Mode, sagt Voltaire, wurde die ganz Europas, mit Ausnahme von Spanien und Polen. Man versetzte sich überall darauf, dem Hof Ludwigs XIV. nachzuahmen.“

Man sieht an der Wand einen reich mit Lapis lazuli ausgelegten Schrank und einen Marmorkamin, welcher bei der Restauration des Saales durch einen hölzernen ersetzt wurde. Der Kandelaber ist von Silber. Das Bett mit seinem Baldachin gleicht demjenigen aus dem Zimmer des Marschalls von Effiat, welches sich im Museum Cluny befindet und bei welchem Vorhänge, Gardinen· und der Kranz am Betthimmel teils aus gepresstem genuesischen Samt, teils aus Seide mit Reliefstickereien bestehen.

(Gobelin in Hautelisse Weberei aus Wolle, Seide und Silberfäden. Er gehört zu einer Folge von vierzehn Stücken, welche die Geschichte des Königs darstellen. Im Dépôt du mobilier national)

Quelle: Geschichte des Kostüms in chronologischer Entwicklung von Albert Charles Auguste Racinet. Bearbeitet von Adolf Rosenberg. Berlin 1888.

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