Über Tiere und Pflanzen in Nordthüringen.

Volksanschauungen über Tiere und Pflanzen in Nordthüringen

von R. Relchhardt.

I. Tiere.

Kauft man in einem anderen Dorfe ein Haustier, so darf man es nicht durch das Eingangstor in den eigenen Stall führen, sondern es muss das durch das Hinterhaus über den Hof zum Stalle geschehen, damit es besser gedeiht. Verkauft man ein Stück Vieh, so darf man den Fleischer nicht zuerst in den Stall eintreten lassen, auch muss der Fleischer wenigstens einen Teil des Kaufpreises im Stall bezahlen, weil er sonst das Glück aus dem Stalle mit fortnimmt. Über den passendsten Termin zum Einkaufen des Viehes sagt die Bauernregel: Michael kauf am besten Vieh, Den Verkauf aber brich nicht übers Knie.

Wird ein Stück Vieh gekauft, so bekommt der Käufer einen sogenannten Traustrick als Zugabe mit. Derselbe soll bewirken, dass sich das Tier bald an den neuen Stall gewöhnt, seiner neuen Behausung „traut“. Beim Ankauf eines Tieres nimmt auch der Käufer etwas Stroh aus dem Stalle oder ein Stück Brot aus dem Hause des bisherigen Eigentümers mit. Das Stroh wird in den neuen Stall gelegt, und das Brot bildet die erste Nahrung darin.

Wird ein Stück Vieh verkauft, so wird ihm ein Büschel Haare ausgerissen und in eine Ritze des Stalles gesteckt. Dann sehnen sich die zurückbleibenden Tiere nicht danach. Beim Schlachten darf man das Tier nicht bedauern, sonst stirbt es schwer. In der Zeit der heiligen Zwölf können die Haustiere nachts von 11-12 sprechen. Sie erzählen sieh vornehmlich von den guten und bösen Erfahrungen, welche sie bei ihrer Herrschaft machten. Ein Mann hatte sich im Pferdestall versteckt und vernahm dort, wie seine Pferde über ihn bittere Klage führten. Ihm wurde angst und bange; doch er bekam einen Todesschrecken, als das eine Pferd sagte: „Der uns behorcht, den werden wir nach 6 Wochen tot hinausfahren.“ Und so geschah es: der Bauer erkrankte, starb und ward in der vom Pferde angegebenen Zeit zum Kirchhof gefahren.

Will man das Vieh vor Krankheit bewahren, so muss man einen angekohlten Pfahl vom Osterfeuer in das Tränkefass stellen. Überschreitet eine gekaufte Kuh die neue Türschwelle, so legt man vorher ein Messer darunter, damit das Tier darüber geht und spricht dazu: Im Namen u. s. w. Dann gedeiht und „traut“ es.

Geben Kühe blaue Milch, so gehe man, während es zur Kirche läutet, in den Keller, stelle sich vor das Kellerloch und ziehe dreimal in die Quer Kreuze über das Loch, indem man dazu spricht: „Im Namen des Vaters u.s.w. Oder man fülle ein Gefäss mit der blauen Milch und setze es um Mitternacht auf einen Kreuzweg. Wenn nun jemand über dieses Gefäss wegfährt oder wegschreitet, so verschwindet die blaue Milch bei den Kühen dessen, welche dieselbe hatten, und sie stellt sich bei den Kühen desjenigen ein, der über das Gefäss gegangen oder gefahren ist.

Wenn man einem neugeborenen Kalb die Stirn mit Wasser benetzt, so wird es später ein gutes Zugtier und verträgt Hitze und Kälte. – Wird ein Kalb verkauft, so ist es geraten, einen Stein an seinen Standort zu legen und den Strick des Kalbes daran zu binden. Die mütterliche Kuh beruhigt sich dann leichter. Soll ein Kalb abgesetzt werden, so muss es rückwärts an seinen Platz geschoben werden. – Ein Schwein darf nicht mit einem Besen geschlagen werden, sonst kommen Würmer in den Speck. Überhaupt soll man kein Haustier mit einem Besen schlagen. – Wählt man aus einem Stamm Ferkel eines aus, so darf man nur einmal zugreifen. Das zuerst ergriffene Tier muss man behalten. Behält man es nicht, sondern wählt ein anderes aus, so gedeiht es nicht. – Allgemein ist der Aberglaube, dass ein zu Vollmond geschlachtetes Schwein einige Pfund schwerer wiegt als sonst. – Ist eine Krankheit unter den Schafen ausgebrochen, so hängt man den Kopf eines Schafes über der Stalltür auf. – Trifft man auf einer Reise eine zur Linken weidende Schafherde, so wird man am Ankunftsort nicht gern gesehen.

Wenn ein Hund besonders kläglich heult, so bricht im Hause bald Feuer ans. – Wenn die Hunde Gras fressen, so wird Regen eintreten. Wenn der Hund mit den Füssen scharrt, so wird von den Hausbewohnern bald einer krank. – Maikatzen, also Katzen, welche im Mai geboren sind, muss man ersäufen, denn sie fangen keine Mäuse. – Wenn sich die Katze im Hause putzt, so gibt es Besuch. Putzt sie sich mit den Pfoten über die Ohren, so kommt vornehmer Besuch. – Eine schwarze Katze darf man nicht töten, denn sie bringt dem Hause Glück. – Sollen Katze oder Hund an das Haus gewöhnt werden, so lässt man sie in das Ofenloch oder in den Spiegel sehen und gibt ihnen ein unter der Achsel gewärmtes Stück Brot. – Läuft ein Hase durchs Dorf, so bricht ein Feuer aus. Läuft ein Hase über den Weg, so kehre man um. – Wenn der Vater über Land gewesen ist, so bringt er den Kindern die Reste des mitgenommenen Butterbrotes mit. Er sagt den Kindern, der Hase habe das Brot im Maule gehabt und ihm gegeben. Das „Hasenbrot“ schmeckt den Kindern besonders gut.

Wenn ein Huhn auf dem Hofe kräht, so zeigt das Unglück an. Am Peterstage (22. Februar) soll man die Hühner in einem Reifen füttern, damit sie nicht anderswohin legen. Wenn Küken am Gründonnerstag aus dem Ei gekrochen sind, so behalten sie die Farbe ihrer Federn nicht, sondern wechseln sie jedes Jahr. – Sind junge Gänse aus dem Ei gekrochen, so muss man ihnen, so viele ihrer vorhanden sind, je ein Federchen vom Schwanz abschneiden, dies in ein Papier tun und unter das Gänsenest legen. Hat man das getan, so bleiben die jungen Gänse („Billechen“ nennt sie der Nordthüringer) stets zusammen und zerstreuen sich nicht. – Aus dem Brustknochen der Martinsgans kann man ersehen, wie der kommende Winter sich gestalten wird. Ist der Knochen sehr rot, so steht ein harter Winter bevor, ist er mehr blass als rot, ein gelinder. –

Die Schwalbe ist ein heiliges Tier. Wer eine Schwalbe tötet, begeht nach der Volksanschauung einen grossen Frevel. Wirft eine Schwalbe, die an oder in einem Haus oder Stall ihr Nest hat, ein Junges aus dem Neste, so stirbt ein Glied der Familie des Hauses. Wenn Schwalben in einem Stall bauen, so stirbt darin kein Vieh.

Der Storch gilt als Wetterprophet. Zeigt er bei seiner Ankunft im Frühjahr ein weisses Gefieder, dann hat man auf einen trockenen Sommer zu rechnen, zeigt er aber ein graues und schmutziges, auf einen nassen. Ehe es aber ordentlicher Sommer wird, muss es erst noch siebenmal in das Storchnest schneien. – Die kommenden Kraniche bringen den Sommer, die Abziehenden den Winter. Man beobachtet sie, ob sie hoch oder tief fliegen. Danach will man die Temperatur der oberen Luftschichten bemessen. – Wenn die Wachteln sehr schreien, so wird alles sehr teuer. Der Wachtelruf im Getreidefeld gibt an, wie viel Thaler das Getreide gelten wird.

Tote Eulen nagelt der Landmann an das Scheunentor, um Haus und Hof vor Feuersgefahr und Hexen zu schützen. – Im Monat Juni können die Raben nicht saufen. Sie laufen ängstlich trippelnd au den Rändern von Bächen und Teichen umher, aber Wasser zu sich nehmen dürfen sie nicht. Es soll das die Strafe dafür sein, dass der von Noah zur Zeit der Sintflut ausgesandte Rabe nicht wieder zur Arche zurückkehrte. – Eine im Mai geschossene und im Stall aufgehängte Elster wehrt ansteckenden Krankheiten. – So oft man den Kuckuck hintereinander schreien hört, soviel Jahre lebt man noch. Wenn der Kuckuck ruft, muss der Speck und Schinken angeschnitten werden. Wenn der Kuckuck die ersten Kornmandel auf dem Felde stehen sieht, hört er auf zu schreien. – Der Brachvogel ruft zur Zeit der Kornreife: „Korn riep, Korn riep.“ – Tun sich die Sperlinge zu einem Knäuel zusammen und zanken sich, so sagt man: Sie wählen sich einen Schulzen. – Der grosse Würger (Lanius excubitor) heisst der Neuntöter, weil er die Singvögel tötet. Um die Vögel besser anlocken zu können, ahmt er deren Stimmen nach. Er soll neun verschiedene Stimmen können, weshalb er Neuntöter heisst. Die Köpfe der getöteten Vögel spiesst er vor seinem Nest auf. – Der Fink ist der rechte Wetterprophet. Wenn er singt: „’s trieft, ’s trieft“, dann gibt es Regen. – Der Wiedehopf ist durch seinen Geruch berüchtigt.

Diee Bezeichnung des Wiedehopfes als „Küster des Kuckucks“ ist auch in Nordthüringen bekannt. — Das Käuzchen ist der Totenvogel. Es ruft: „Komm mit, komm mit.“
Das Sonnenkälbchen, Marien- oder Herrgottskäferchen (coccinella septempunctata) heisst „Mukuh“. Man darf es nicht töten, denn es bringt Glück. Die Kinder singen das bekannte Käferliedchen „Mukuh von Halberstadt“, indem sie das Tierchen auf die Hand setzen und fliegen lassen.

Man muss eine Stubenfliege im Winter überwintern, das bringt Glück. Giebt es im Sommer viel Fliegen, so giebt es im Winter viel Schnee. — Spinne am Morgen bringt Kummer und Sorgen, Spinne am Abend ist tröstend und labend. Die kleinen Spinnen bedeuten Glück, wenn sie sich von oben auf Hand oder Gesicht niederlassen. Sitzt die Spinne in der Mitte ihres Netzes, dann erfolgt schönes, sitzt sie aber am Rande desselben, stürmisches Wetter. — Bienen verkünden Regen, wenn sie sich massenweise, ohne beladen zu sein, nach ihrem Stocke zurückziehen oder wenn sie sich nur wenig von ihm entfernen. — Eine Unke im Keller hilft Reichtümer sammeln, ein Maulwurf im Keller bedeutet Unglück. Wollen sich die Kleinen das Haar nicht kämmen lassen, so schreckt sie die Mutter damit, dass dann die „böse Unke“ sich in dieses einnistet und verwirrt. — Wenn es in der Wand klopft, so sagt man, dass das Klopfen einen Todesfall im Hause ankündet. Das Klopfen rührt vom Holzwurm oder Holzbock (annobium pertinax) her.

II. Pflanzen.

Wenn ein junger Baum im Garten zum erstenmal Früchte trägt, so holt man sie in einem grossen Korb herein. Manche lassen sie auch von einem Kind abnehmen, dann trägt der Baum besser. Wenn man von einem Baume die Früchte abnimmt, so lässt man eine Frucht auf demselben. Wünscht man von Bäumchen, welche noch nicht getragen haben, dass sie später viel Früchte haben, so muss man sie kräftig schütteln, wenn die Glocken geläutet werden und ein Brautpaar zur Kirche rufen.

Wenn in der Christnacht die Bäume sich „rammeln“, dann tragen sie im nächsten Jahre viel. Trägt ein Baum nicht, so legt man Steine auf seine Zweige und markiert damit die Früchte. Der Baum wird sich ihrer schämen und im nächsten Jahr reichlich tragen. Stehen die Obstbäume in der Blüte („Blut“, wie das Volk sagt) und es blitzt „hinein“, so missrät die Obsternte. Die Blüte einer Blume oder eines Baumes darf man nicht zählen, sonst fallen sie ab.

Ein Span, am Allerheiligentage aus einer Buche gehauen, zeigt die Natur des folgenden Winters an. Die Regel lautet:
Ob der Winter kalt oder warm soll sein,
So geh‘ am Allerheiligentage so fein
In das Gehölz zu einer Buchen.
Allda magst du folgendes Zeichen suchen:
Hau‘ einen Span davon, und ist er trocken,
So wird ein warmer Winter herrucken.
Ist aber nass der abgehauene Span,
So kommt ein kalter Winter auf den Plan.

Die zum Veredeln der Bäume erforderlichen Pfropfreiser (Botzinken in Nordthüringen genannt) bricht man vom Baume, wirft sie aber nicht von oben auf die Erde, sondern trägt sie herunter, damit das künftige Obst nicht vom Baume falle. — Gerste muss man säen, wenn die Bäume grün werden; Bohnen legt man in den Garten, wenn die Apfelbäume blühen. Hülsenfrüchte dürfen nicht an den Wochentagen gesät werden, die mit „Tag“ endigen, also nur am Mittwoch und Sonnabend. Erbsen muss man vor Sonnenaufgang, Roggen vor Kreuzerhöhung (14. September) säen. Als allgemeine Regel gilt: Was unter der Erde wächst, muss bei abnehmenden, was darüber wächst, bei zunehmendem Monde gesät werden. Wenn man säen ging, so nahm man früher einige Ähren oder Samenkörner in den Mund und warf sie nach dem Säen den Sperlingen hin mit den Worten: „Das für dich und das für mich.“

Wollte man die Ähren vor Brand bewahren, so nahm man bei dem Bestellen des Ackers eine dampfende Pfeife in den Mund. Hülsenfrüchte muss man stillschweigend säen, sonst missraten sie. Hülsenfrüchte, welche man bei Neumond säet, geben viel Blüten, aber wenig Schoten. Damit der Weizen den Brand nicht bekommt, wird er gekälkt. Zu dieser Arbeit muss man einen neuen Besen nehmen und den Samen nur nach einer Seite umarbeiten. Dann muss man drei Kreuze in den Weizen eindrücken. Die ganze Arbeit muss schweigend verrichtet werden. Die Petersilie muss, wenn sie gesät ist, erst nach Rom reisen und sich vom heiligen Petrus die Erlaubnis zum Aufgehen holen. In sechs Wochen ist sie wieder zurück.

Beim Aussäen des Leinsamens schüttet derjenige, welcher zu säen hat, den Leinsamen aus dem Sack in das Säetuch. Danach wirft er den leeren Sack in die Höhe und wünscht dabei laut, dass der Flachs so hoch werden möge wie der Sack fliegt. Diejenigen, welche dabei stehen, rufen denselben Wunsch laut aus und springen dazu in die Höhe. Je grössere Schritte man bei dem Leinsäen macht, um so grösser werden die Pflanzen. — Kohl, der von Raupen befallen ist, muss mit Birkenruten geschlagen werden, dann sterben sie, gleichviel ob man sie beim Schlagen trifft oder nicht.

Wenn man die Hasen vom Kohl fernhalten will, ho musa man auf die Ecken des Planes vier Hölzer stecken, an welchen die Würste im Rauche gehangen haben. Am Abdontage (31. Juli) stellt man Erlenzweige in jede Ecke der Scheune und bewahrt dieselbe dadurch vor Mäusen. Mäuse gehen nach nicht an das Getreide, welches durch einen Kranz gesät worden ist. — Doppelähren schützen vor Feuer und Blitz. Darum hängt sie der Landmann in der Stube auf. Wer den ersten Roggen blühen sieht, muss, um sich vor Fieber zu schützen, eine blühende Ähre durch den Mund ziehen. — Am „Walpertage“ (1. Mai) muss die Saat schon so weit gediehen sein, dass sich ein Rabe in ihr verstecken kann. Zur Blütezeit betrachtet der Landmann die Roggenähren. Sitzen die Staubgefässe am Ende derselben, so blüht das Korn „von oben“: die Getreidepreise werden steigen; blüht es von unten, so fallen sie; blüht es in der Mitte, so wird ein Wechsel des Preises vorläufig nicht zu erwarten sein.

Der Wind fegt durch die Felder, und ihr Auf- und Abwogen erklärt der Landmann damit, dass er sagt: „Es sind wilde Schweine im Korn.“ Die Halme werden bleich und reif zur Ernte — „Peter und Paul (29. Juni) brechen dem Korn die Wurzel“ und um Jakobi (25. Juli) beginnt zumeist in Nordthüringen der Anschnitt des Roggens.

Liegt ein Strohhalm vor der Tür, so kommt Besuch. Trägt er eine Ähre, so bedeutet er Damenbesuch, wenn nicht, Herrenbesuch. — Die Zweige der Saalweide (salix caprea) stellte man früher als „Palmzweige“ am Sonntage Palmarum in den Kirchen auf. Auch hing man Mistelkronen über die Kirchentüren. — Wenn man Dost (origanum vulgare) in der Walpurgisnacht pflückt und im Hause aufhängt, so wird es vor Hexerei geschützt. — Krankes Vieh kann man mit der Alprute heilen. Eine Alprute stellt man sich her, indem man aus der Saalweide einen Stock schneidet, an welchem man oben an der Spitze drei Ästchen hat stehen lassen, die also eine Gabel bildete. Mit der Alprute hat man das kranke Vieh zu berühren und dazu zu sprechen: Im Namen des Vaters u. s. w. Wenn man das dreimal getan hat, wird das Vieh wieder gesund.

Als der Herr am Kreuze hing, fiel sein Blut auf dio Blätter des Knabenkrautes (orchis maculata), davon haben die Blätter der Pflanze noch heute die dunkelroten Flecke. Das Knabenkraut heisst auch Kuckuckskraut, weil es blüht, wenn der Kuckuck ruft. Es heisst auch Gotteshand, weil seine knollenförmige Wurzel einer Hand ähnlich sieht. — Der Hauslauch (sempervivum tectorum), welcher auf den Dächern, zwischen den Ziegeln wächst, schützt das Haus bei Gewittern vor Blitz. Die Blätter kühlen Wunden. — Wenn man stets eine Kastanie bei sich in der Tasche trägt, wird man von der Gicht nicht heimgesucht. — Die gelbe Ringelblume (Calendula) heisst im Volke Totenblume. Sie darf nur auf dem Friedhof wachsen und gehört nicht in den Blumengarten.

Wenn man einen Apfel wagerecht zwischen Narbe und Stiel quer durchschneidet, so zeigen sich auf jeder Hälfte, rings um das Kerngehäuse, zehn Punkte. Diese bedeuten die heiligen zehn Gebote, an welche jeder Apfel den Menschen erinnern soll. — Das Stiefmütterchen hat fünf Blütenblätter. Das oberste, die Stiefmutter, sitzt auf zwei Blütenstielen, welche man Stuhle nennt; die beiden nächsten, ihre eigenen Kinder, sitzen je auf einem Stuhle; die beiden letzteren, ihre Stiefkinder, müssen sich dagegen beide mit einem Stuhle begnügen. — Wer am Flieder (Citrenchen in Nordthüringen genannt) ein fünfteiliges Blütenblatt findet, hat Glück, wenn er dies Blütenblatt isst. — Efeu darf man nicht un menschliche Wohnungen pflanzen, denn es bringt dem Hause Unglück, da seine Stätte an Gräbern und Ruinen ist.

Rotta bei Remberg, Prov. Sachsen.

Quelle: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde.
Neue Folge der Zeitschrift für Völkerpsychologie und Sprachwissenschaft, begründet von M. Lazarus und H. Steinthal. Herausgegeben von Karl Weinhold. 10. Jahrgang. 1900. BERLIN. Verlag von A. Asher & Co.

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