Till Eulenspiegel in der Tracht des 15. Jahrhunderts.

Till Eulenspiegel

Till Eulenspiegel  (Dyl Ulenspegel, 1300-1350).

Till Eulenspiegel in der Tracht des 15. Jahrhunderts, nach einer kolorierten Zeichnung aus dem Reisebuch eines gewissen Friedrich Stadalmann, von Beruf Baumeister. Als Begleiter des Freiherrn Gotthard zu Herberstein, Neuburg und Guttenberg auf einer Reise im Zeitraum von 1607 bis 1610 durch mehrere Länder, führte er Buch über die Besonderheiten der besuchten Orte. Zu Mölln im Lauenburgischen Land fand er im Rathaus dieses hier abgebildete Bild von Till Eulenspiegel, dessen lustige und mitunter boshafte Streiche als Schelmen Erzählungen, ihre weite Verbreitung durch viele Volkssagen und Bücher gefunden hatten. Übersetzungen wurden damals in Dänemark, den Niederlanden, der Tschechischen Republik, Polen und Italien publiziert. In der englisch sprachigen Welt wurde er 1610 in der Komödie „Der Alchemist“ von Ben Johnson, einem breiteren Publikum bekannt. In dem Theaterstück von Henry Porter, „The Two Angry Women of Abington“ aus dem Jahre 1599, wurde er als „Owlglass“ erwähnt.

Da Till Eulenspiegel im Jahre 1350 starb, dieses Bild von ihm jedoch 100 Jahre später angefertigt wurde muss seine Tracht der Mitte oder zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zugeordnet werden. Obwohl man bei dem Gedanken an Eulenspiegel versucht ist, diese Aufmachung für die eines Gauklers oder Narren zu halten, so ist sie doch nichts anderes, als die ganz gewöhnliche Kleidung eines jungen Mannes des späten Mittelalters. Die eng anliegende Unterkleidung, darüber der sehr kurze Mantel, dazu Schnabelschuhe und das Mi-Parti, in Schnitt und Farbe, stellt die Mode des 15. Jahrhunderts dar. Was dieses Abbild als das von Eulenspiegel kennzeichnet sind die darauf abgebildeten Attribute. Korb und Becher mit Schalksnarren, der Hund mit Schellenkappe und das Wappen von Till Eulenspiegel; die Rückseite der Narrenhaube mit Spiegel und Eule.

Nach der Überlieferung wurde Eulenspiegel um 1300 in Kneitlingen bei Braunschweig geboren. Im späten Mittelalter reiste er durch das Heilige Römische Reich, vor allem Nord-Deutschland, aber auch die Niederlande, Böhmen und Italien. Seine Mobilität als Landfahrer („Landstreicher“) erlaubt es ihm, sich überall frei aufhalten zu können.
Seit Beginn des 19. Jahrhunderts haben Historiker immer wieder nach historischen Beweisen von Till Eulenspiegels Existenz gesucht. Der Historiker Bernd Ulrich Hucker erwähnt in seinem im Jahre 1980 erschienen Buch „Till Eulenspiegel“, dass nach einem zeitgenössischem Rechtsregister der Stadt Braunschweig des Jahres 1339, ein Till van Cletlinge („Till von Kneitlingen“) wegen Straßenraub, zusammen mit vier seiner Komplizen, inhaftiert wurde.
Der englische Reisende Fynes Moryson beschreibt im Jahre 1591 den Grabstein zu Mölln des vermutlich an der Pest verstorbenen Eulenspiegel. Die Inschrift lautete gemäß: „Lasset diesen Stein an seinem Platz, denn Eulenspiegel ruhet hier“.

Weiterführend:

Till Eulenspiegels lustige Streiche von Richard Strauss. (Karajan-Wien, ca. 1960)

 

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