Ungarn. Historische Volkstrachten um 1900.

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Ungarn Volkstrachten

UNGARN – VOLKSTRACHTEN

Tafel 339.

Die Kostüme sind hier in der Form gegeben, wie sie in den Anfängen des 19. Jahrhunderts tatsächlich getragen wurden, während sie in der Gegenwart im Großen und Ganzen, teilweise auch schon verschwunden sind oder man sie aus dem Getragenen noch gerade historisch heraus erkennen kann. — In Ungarn ist auch stets die ganz verschiedenartige Bevölkerung zu beachten, die das Land bewohnt.

Madjaren — die Nationalität finnisch-ugurischer Abkunft, die mit den Finnen und Türken, aber nicht mit den Indogermanen verwandt ist — bewohnen den Westen und die Mitte, die Gegenden um die Donau, wo sie von Norden nach Süden fließt, und um die Theiß (ungarisch Tisza, Nebenfluss der Donau); außerdem sind die Szekler in Siebenbürgen, Madjaren (Ungarn).

Slawische Kroaten bewohnen die Gegenden der Drau und Sau (Save), slawische Slowaken die nordwestlichen Gegenden gegen Mähren hin. Rumänen mit romanischer Sprache wohnen in Siebenbürgen, wo sie das zahlreichste Volk sind. Deutsche leben überall zerstreut, am zahlreichsten und kompaktesten wohnen sie als „Sachsen“ in Siebenbürgen, ferner im westlichsten Ungarn, dann in der Zips (Slowakei, slowakisch: Spiš. Gegend der hohen Tatra) und im Süden im Banat. Sonst leben im Lande noch Bruchteile von Ruthenen. Slowenen.

Serben, Bulgaren, die alle vier Slawen sind, von Albanesen, von Griechen und Armeniern, welche letzteren aber in den Städten leben, wie denn ja auch die vielen Juden und Zigeuner an bestimmte Gegenden nicht gebunden sind.

Obere Reihe.

1. Magd aus dem Pester Komitat (Budapest).

2. Madjarischer Bauer (Ungar) mit Lammfellmütze, verziertem Schafpelz bunda nebst einem darüber gehängten feineren Fell, und mit Stiefeln.

3. Knecht aus der Pressburger Gegend (Bratislava, Slowakei).

4. Slowakische Bäuerin.

5. Frau aus der Gegend von Eisenstadt, nächst der Österreichischen Grenze, westlich vom Neusiedler See, wo Slowenen unter die deutsche Hauptbevölkerung gemischt wohnen. Sie hält Zwiebeln und Knoblauch feil Kopftuch, verzierter Pelzschürze und Faltenrock über dem Hemd; die Füße, wie allgemein nackt in den großen Stiefeln, sofern diese überhaupt getragen werden.

Untere Reihe.

6. Madjarischer (ungarischer) Rinderhirt, Gulya, gesprochen guljasch. Leinenhemd und weite Leinenhosen „Gatya„, verzierter Mantel aus hellem Lodenwollstoff „Szur“, großer Rundhut, Peitsche. Er hält eine Flasche aus dem getrockneten Hodensack, der einem jungen Stier weggeschnitten ist, wie sie bei diesen Rinderhirten üblich waren oder sind.
Die eigentliche madjarische, bäuerliche Feldflasche ist seit alters aus Holz, gehöhlt, mit Malerei, Beschlägen und Riemen verziert.

7. und 8. Mädchen und Mann aus der Zips. Der Mann trägt Bundschuhe, den Urschuh der Menschheit, das um den Fuß herumgebogene und dann verschnürte dicke Naturleder. Man trifft sie heutzutage hauptsächlich in den slowakischen, aber auch in kroatischen, dalmatinischen und rumänischen Gegenden. Wo diese Schuhe getragen werden, wird der Fuss häufig oder meistens mit Lappen umwickelt.

8. Zigeuner, Tracht madjarisch. Hemd, mit Metallknöpfen besetztes Leibchen, kurzer Überwurf dolmany, enge verzierte Hosen von zweierlei Stoff, Sporenstiefel.

10. Zigeuner, gleichfalls in madjarischer Tracht. Leibchen mit Schnüren, längerer Mantel und Rundhut.

Quelle: Geschichte des Kostüms von Adolf Rosenberg. Text von Prof. Dr. Eduard Heyck. Erschienen bei Ernst Wasmuth, Berlin 1905.

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