WEIBLICHE MODEN. FRANKREICH 17. JAHRHUNDERT. 

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WEIBLICHE MODEN. DIE KAPOTTE, DER MUFF, DIE BASKINE, DIE HAUSKLEIDER

FRANKREICH 17. JAHRHUNDERT. WEIBLICHE MODEN.

ZWEITE HÄLFTE DER REGIERUNG LUDWIGS XIV.

DIE KAPOTTE, DER MUFF, DIE BASKINE, DIE HAUSKLEIDER U. S. W.

(Von oben links nach rechts)

Nr. 1. Die Cope oder der Kopfschal; der Muff.

Die cope diente als Kopfbedeckung bei schlechtem Wetter oder wurde um die Schulter gelegt, wenn man im Morgenkostüm ausging. Man garnierte sie mit Falbeln. – Der Muff war meist mit einer breiten Schleife geschmückt. Madame de Maintenon ist im Strassenkostüm; Fontange mit vergoldetem, perlenbesetztem Gestell; auf der Stirn zwei Löckchen, cruches genannt , Perlenhalsband (esclavage) und Diamantkreuz; am Rande des Mieders der tâtez-y; rote Baskine mit Schleifen auf den Seiten; Handschuhe; Muff mit Schleife.

Nr. 2. Halstuch à la Steinkerque.

Das Halstuch à la Steinkerque kam nach der Schlacht bei Steenkerke* in Mode. Vom Kampf überrascht hatten die Prinzen nur eben Zeit gehabt, ihr Halstuch lose umzuschlingen.
Die Prinzessin Conti trägt die Fontange mit Sternenkranz; lange Taille mit Bandpuffen; blaugestreiftes Mieder mit lila Aufschlägen; Muff mit Schleife; Handschuhe; Fächer.

*Schlacht am 3. August 1692. Pfälzischer Erbfolgekrieg. Beginn der Mode des Steenkirk.

Nr. 3. Toilette einer Dame vom Stande.

Die Gräfin de Mailly trägt die Fontanga à cornettes mit vergoldetem Gestell; Perlen im Haar; Ohrgehänge; Perlenhalsband; Armband in Form einer Schleife; gourgandine, geschnürtes vorne offenes Korsett; Taille mit Halbärmeln, mit Linon (Baumwollstoff) verziert; am Mieder grosse, mit Hilfe einer Art Tournüre (griarde) gebauschte Schösse, welche die Befestigung der Schleppe verdecken.

Nr. 4. Die Palatine und der Casaquin.

Die Palatine verdankt ihren Namen der zweiten Frau des Herzogs von Orleans, Elisabeth Charlotte von der Pfalz. Sie bedeckte den Hals im Sommer aus Spitzen, im Winter aus Marderfell. Der Casaquin, eine Jacke mit gebauschten Schössen, wurde über dem Mieder getragen.
Frau Prinzessin Conti im Winterkostüm trägt die Fontange aus Spitzen und rotem Stoff, Perlagraffan im Haar, Perlhalsband, Marderfellpalatine, geschlossenes Mieder, Casaquin mit Spitzen, Muff mit Schleife, Handschuhe.

Nr. 5. Gesellschaftstoilette.

Die hohe Haartracht der Prinzessin von Chartres* ist der monte-au-ciel; ausgeschnittenes Mieder; weite, mit einer Diamantagraffe geraffte Ärmel; golddurchwirkter Rock; Schleppe, mit Hermelin gefüttert, an der Schulter befestigt.
*Françoise Marie de Bourbon 1677-1749 (Mademoiselle de Blois), Tochter von Louis XIV.

Nr. 6. Hauskostüm im Winter.

Die Gräfin von Montfort trägt eine niedrige Fontange mit einem das Haar verschliessenden Häubchen, Perlenhalsband, Kravatte à la Steinkerque, gourgandine, verbrämtes, vorn offenes und geschnürtes Mieder, blauen, silber- und goldgestickten Rock, langen Schlafrock mit lila Aufschlägen.

Nr. 7. Hauskostüm im Sommer.

Haartracht wie Nr. 6. Kravatte à la Steinkerque; rosa Rock mit Silberstickerei; Schlafrock mit Goldbesatz.

Nr. 8. Der Spazierstock der Damen mit Handschleife.

Die Gräfin Egmont, geb. Prinzessin von Aremberg, im Promenadenkostüm; Fontange, Diamantknopf im Haar, Perlenhalsband, geschlossenes Korsett, blaues, mit Silber gesticktes Schossmieder; doppelte Manschetten; geschürzte Schleppe; roter Rock mit Stickereistreifen; lange, grüne Handschuhe.

Nr. 9. Die Spitzenschürze.

Sie wurde aus von Metallfäden durchzogener Seide hergestellt und im Hause und Garten getragen.
Die Herzogin von Aiguillon trägt Perlen in der Fontange und im Haar, spitz zulaufende Taille mit Goldbrokat; blaue Robe mit Silberstickerei; Spitzenschürze; oben am Mieder ein Bouquet.

Abbildungen nach Stichen von Bonnart, Mariette, Trouvain u. s. w. Die kolorierten Originale befinden sich im Besitz des Herrn Ovigneur in Lille.

Vgl. Quicherat, Histoire du costume en France. – Paul Lacroix, Dix-eeptième siècle, Institutions, Usages et Costumes.

Quelle: Geschichte des Kostüms in chronologischer Entwicklung von Albert Charles Auguste Racinet. Bearbeitet von Adolf Rosenberg. Berlin 1888.

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