Deutsche Kriegstrachten des Dreißigjährigen Krieges.

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DEUTSCHE KRIEGSTRACHTEN 1600-1650.

Deutsche Kriegstrachten 1600-1650.

Fig. 1—3. Musketiere.
Fig. 4—5. Pikeniere.
Fig. 6. Dragoner.
Fig. 7. Artillerist.
Fig. 8. Deutscher Soldat.
Fig. 9. Kürassier.

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Fürstliche Tracht (1625-1640). Dreissigjähriger Krieg.

Das Soldatenwesen.

Der Soldatenstand und das Soldatenwesen des 17. Jahrhunderts werden uns in zahllosen Kupferstichen, Holzschnitten, militärischen Werken und auch in Gemälden veranschaulicht, die die Schlachten des Dreißigjährigen Krieges und das Leben im Feld, teils in bestellten Erinnerungs- und Historienbildern, teils in Genreszenen festgehalten haben.

Das heeresgeschichtlich Ausschlaggebende ist um diese Zeit das Schwinden der alten Lanzenbewaffnung zugunsten des nunmehr sich vollends durchsetzenden (Feuer) Gewehres der Fußtruppen. Man hat zwar noch die Pikeniere im Einsatz, jedoch in geringerer Zahl, und stellt sie als dünne Reihe vor die Front des Fußvolkes, damit sich die Reiterattacken an ihnen brechen sollen. Aber man bespöttelt sie, weil ihnen keine Angriffsfähigkeit mehr beikommt, und ihnen niemand den Gefallen tut, blindlings in ihre Spieße zu rennen, und noch während des dreissigjährigen Krieges werden sie immer entschlossener aufgegeben.

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Musketier und Pikenier im dreissigjährigen Krieg um 1640.

Die Muskete, die Musketiere.

Die Muskete ist eine schwere Hakenbüchse mit Luntenschloß oder auch Radschloß. Das gegenüber dem Luntenhaken jüngere und feiner konstruierte, 1517 von einem Nürnberger Uhrmacher erfundene Radschloß, das ein Stahlrad in schnelle Reibung an einem Stück Schwefelkies brachte, hatte doch den Fehler, daß der Schwefelkies leicht zerbröckelte und dann die Vorrichtung nutzlos war. Der bessere Ersatz lag erst im Schnapphahnschloß mit Feuerstein und Stahl, das zwar auch schon im 16. Jahrhundert zu München erfunden worden war, aber erst 1630 und 1648 in Frankreich vervollkommnet und nun allgemein in den Heeren eingesetzt wurde.

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Soldaten (1630-1650).

Die Muskete soll ihren Namen vom mittelalterlich -lateinischen Muscetus, Sperber, haben, nach der krummen Form des Hakens, der die Lunte zu halten hatte, so daß Hakenbüchse und Muskete nur dasselbe ausdrücken würde.

Unter Karl V. wurden die Musketiere als zeitweilig vortretende Schützen vor der Front, deren Kugeln durch die Reiterharnische schlugen, zuerst wichtig. Von da ab drehte sich das Verhältnis zwischen ihnen und den Pikenieren eigentlich in allen Dingen vollkommen um, erstere wurden die mehreren und die Pikeniere kamen zeitweilig vor die Front. Wichtig für die Musketiere war, daß im 17. Jahrhundert, durch Gustav Adolf zuerst, das Gewicht und Kaliber der Muskete verringert und damit die Gabel, das Zielgestell (Fig. 1), entbehrlich gemacht wurde. Nun konnte auch im Knien gefeuert werden und brauchte die Schützenreihe nicht durch Weg- und Vortreten gewechselt zu werden. Von jetzt ab wurden die Musketiere gewissermaßen die Infanterie.

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Edelleute (1625-1640).

Die Kürassiere.

Die Reduktion der schweren Muskete ist dabei wieder eine Folgerung aus dem allmählich eingetretenen Verzicht auf die schwere Reiterpanzerung, die seinerseits doch eine Resignation vor dem Durchschlag kräftigen Gewehr war. Hier ist also eine vollkommene Wechselwirkung eingetreten. — Noch bis in die Zeiten Kaiser Maximilians II. (1564—1576) hielt man daran fest, daß die Reiterei nur aus dem ehemaligen Ritterstand und turnierfähigen Kreisen entnommen wird. Aber nur ein Teil der Reiter hat noch die Lanze, sonst führten diese gepanzerten Reiter (Kürassiere) Schwert und Faustrohr, also Feuerwaffen. (Die Bezeichnung Kürassier „Schwere Reiter“ taucht schon unter Maximilian I. auf. Zu den bekanntesten Kürassierregimentern des Dreißigjährigen Krieges gehörte das des Grafen zu Pappenheim.)

Da nun aber traditionell seit alters die Ritter von berittenen Knechten, auch im Gefecht, begleitet wurden, begann man, hieran anknüpfend, in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts eine nichtritterliche, leichte Kavallerie aufzubauen. Dieser glichen sich dann im 17. Jahrhundert die Kürassiere durch Einschränkung der Panzerung an, indem allmählich und in Übergängen das Visier am Helm, der eiserne Hüftschurz und die Schenkelstücke fortfielen. Den Brustpanzer aber, der somit (und zwar parademäßig bis heute) den Kürassieren blieb, trugen auch andere Truppengattungen. — Wenn noch durch das ganze 17. Jahrhundert und bis ins 18. hinein Fürsten und dergleichen sich mit Schenkelpanzer u.s.w. haben porträtieren lassen, so hat das die alten Standesmerkmale des mittelalterlichen Rittertums zur Ursache, welche inzwischen durch die militärische Praxis überholt waren.

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Schwere und leichte Reiterei Anfang des 17. Jh. in Deutschland.
Fig. 1. Kürassier. Fig. 2. Leichter Reiter, Arkebusier.
Fig. 3. Lanzenreiter mit Federhut. Fig. 4. Lanzenreiter mit Eisenhaube u. Wangenschutz..

Die Dragoner.

Die Dragoner, in deren Namen irgendein vergessener und unsicherer Bezug auf ein Drachen-Abzeichen steckt (Die Draconarii, Drachensoldaten, des Papstes bei Umzügen), waren zunächst Fußsoldaten, die man lediglich der Schnelligkeit wegen, nicht für das Gefecht, beritten machte. Als solche kommen sie gegen 1560 bei den Franzosen und 1582 bei dem gegen die freiheitskämpfenden, nördlichen Niederländer kriegführenden Statthalter Alexander Farnese von Parma vor. Spätestens gegen 1617 ist der Ausdruck in Deutschland bekannt. Im 17. Jahrhundert wurden die Dragoner zur ständigen Reiterei, wozu viel beitrug, daß Gustav Adolf ihre Ausrüstung erleichterte; er ist es andererseits, der bei der gesamten Kavallerie das Hauptgewicht auf das Schwert oder den Degen legte.

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La vedette des dragons sous Louis XV. 1863. Jean Louis Ernest Meissonier (1815-1891)

Die Artillerie.

Die Artillerie hat sich zuerst in den Städten entwickelt, nicht bei den Truppen der fürstlichen Territorialherren. Daher stehen ihre Anfänge und Frühzeiten im Zeichen des Zunftwesens, was lange nachwirkte; von den Kriegsherren des 16. Jahrhunderts wurden noch allgemein erst für den Kriegsfall kundige Büchsenmeister aus den Städten angeworben, denen dann Geschütze und Hilfsmannschaften zugewiesen wurden. Auch in der Entwicklung einer feldmäßigen, d. i. leichteren Artillerie bedeuten der Dreißigjährige Krieg und wiederum Umformungen und Neuerungen Gustav Adolfs eine wichtige Epoche. Den Ruf nach gleichmäßiger Uniform zusammengehöriger Truppen haben schon mittelalterliche Stimmen um 1300 erhoben. Indessen blieb ein beständiges Hemmnis die Selbstausrüstung der fluktuierenden Söldner-Mannschaften in den fürstlichen Kriegsheeren.

Leichter dagegen ließ sich eine einheitliche Ausrüstung der städtischen Bürgermannschaften herbeiführen. So tritt die Uniform seit dem 15. Jahrhundert von den Städten her auf und setzt sich, einmal vorhanden, im 16. Jahrhundert mehr und mehr auch bei den größeren Heeren durch. Der Dreißigjährige Krieg in seinem weiteren Verlauf hat dann hierin, aus rein praktischen Gründen, eher wieder Unordnung einreißen lassen. Wirkliche Uniformierung führten erst die stehenden Heere durch. (Die erste gleichmäßige Uniform haben die fürstlichen Herren durchweg ihren ständigen Leibwachen gegeben.) Worauf der Berufssoldat zur Zeit unserer Tafel Wert legte, war vor allen Dingen die breite Feldbinde aus feinem Stoff, die ursprünglich den Rittern entlehnt oder nachgebildet war. Eben deswegen, weil sie für die Allermeisten eine Art soziale Anmaßung war, wurden die angeworbenen Söldner oder auch Werbesoldaten geheißen, wegen ihres Wichtigtuns mit der Binde anfänglich auch viel verspottet. Sie aber wird und ist recht eigentlich das Uniformabzeichen während des großen Krieges; bei den Kaiserlichen hat Wallenstein die herkömmlich bevorzugte rote Farbe der Binde durchgeführt, während auf evangelischer und schwedischer Seite gelbe und grüne Feldbinden erscheinen.

Quelle: Geschichte des Kostüms von Adolf Rosenberg. Text von Prof. Dr. Eduard Heyck. Erschienen bei Ernst Wasmuth, Berlin 1905.

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