Ansicht der Akropolis von Athen zur Zeit des Perikles im 5. Jh.

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Tafel 2. Die Akropolis von Athen zur Zeit des Perikles im 5. Jahrhundert v. Chr.

Die Akropolis zur Zeit des Perikles (restauriert).

Tafel 2.

Mit der Akropolis sind die ältesten Erinnerungen an die legendäre Geschichte von Athen verbunden. Mitten in der Athenischen Ebene erhebt sich ein 49 Meter hoher steiler Felshügel, auf dem schon die ältesten Bewohner Attika’s, die Pelasger, eine Burg angelegt hatten, die sie mit einer (Zyklopischen) Mauer umgaben. Als die Stadt sich vergrösserte und die Bedeutung der Akropolis als des die Stadt dominierenden Ortes mehr und mehr hervortrat, wurde sie ringsum mit neuen Mauern umgeben, von denen später die durch Kimon aufgeführte südliche Mauer speziell die Kimonische hiess. Auf der Westseite der Burg führte der einzige Zugang zu derselben durch die unter Perikles erbauten Propyläen.

Akropolis, Architektur, Antike, Griechenland
Westseite der Akropolis restauriert nach Marcel Lambert.

Der Felsen, der auf allen Seiten steil ist, außer nach Westen, war gleichzeitig eine heilige Anlage sowie eine Festung.

Xerxes setzte sie 480 v. Chr. in Brand und riss die Mauern ein. In den Jahren nach dem Rückzug der persischen Invasoren wurden dank der Initiative von Kimon und dann Perikles die Mauern wieder aufgebaut und neue Gebäude, prächtiger als die ersten, auf der Akropolis errichtet: die Propyläen, das Parthenon, das Erechtheion und der Tempel der Athena Nike.

Nach der römischen Eroberung wurde dort ein rundes Heiligtum errichtet, das Rom und Augustus gewidmet war, und vor den Propyläen stand das Bildnis des Agrippa. Mit der Herrschaft von Nero begann die Plünderung der Statuen. Dann diente die Akropolis als Festung für die verschiedenen Invasoren von Attika während des Mittelalters und der Neuzeit. Die Venezianer bombardierten es im 15. Jahrhundert und die Türken im 19. Jahrhundert, während des Griechischen Unabhängigkeitskrieges. Schließlich wurden viele der verbliebenen Kunstwerke abtransportiert und den Museen zugeführt.

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Standbild der Athena Promachos. Akropolis von Athen. 5. Jahrhundert v. Chr.

Das Burgfeld war bedeckt mit Statuen von Erz und Marmor, unter denen die von Phidias verfertigte kolossale Statue der Athene besonders hervortrat, deren Helm und Lanze den zur See Kommenden schon beim Umschiffen des Vorgebirges Sunium als sichtbares Wahrzeichen der attischen Burg entgegen glänzten. Ferner standen dort Weihgeschenke, kostbare Geräte und Tempel, unter welch letzteren neben dem Erechtheum besonders der Parthenon (der Tempel der Jungfrau Athene) zu erwähnen ist.

Der Bau dieses noch in zwei zertrümmerten Hälften vorhandenen Tempels der jungfräulichen Stadt-Göttin von Athen fällt in die Zeit, in der Perikles an der Spitze der Athenischen Staatsverwaltung stand, und zwar wurde derselbe innerhalb 8 Jahren (von Olymp. 83, — Olymp. 85,3 = 446 — 438 v. Chr.), nach andern innerhalb 16 Jahren durch die Architekten Iktinos und Kallikrates auf derselben Stelle der Akropolis errichtet, wo das durch die Perser zerstörte Hekatompedon gestanden hatte.

Die Oberleitung des Baues führte der kunstsinnige Perikles selbst in Verbindung mit dem Bildhauer Phidias, der mit seinen Schülern den Tempel reich mit Skulpturen schmückte, hauptsächlich aber die kolossale Statue der Göttin um einen Holzkern her aus Gold und Elfenbein fertigte. Der Parthenon lag so hoch, dass man ihn von wo aus man sich auch der Stadt näherte, erblickte. Er war ein sogen. Peripteral-Tempel von 19 Meter, oder von der untersten Stufe an gerechnet, 20,8 Meter Giebelhöhe, 32 Meter Breite, 73,5 Meter Länge mit je 8 Säulen in der Fronte und 17 Säulen auf jeder Seite von 11 Meter Höhe und 1,9 Meter unterem Durchmesser. Jede Säule ist mit 20 Kannelierungen verziert und besteht regelmässig aus 12 Marmorblöcken, die so kunstreich aufeinander gesetzt sind, dass man sogar in der Nähe sie aus einem Stein gebildet glaubt. Im Ganzen umschlossen 50 Säulen den Tempel.

Der von den Säulenhallen umgebene Raum war 59,9 Meter lang und enthielt die 20 Meter breite und 31,6 Meter lange Cella. In einer an sie anschliessenden hinteren Halle war der athenische Staatsschatz aufbewahrt. Vor der Cella wuden die Weihgeschenke aufgestellt. In der Mitte der Cella stand auf einem polierten Stück Felsen der Akropolis das Bild der Athene unter einem von Karyatiden getragenen Baldachin.

Die Metopen und Giebelfelder waren mit herrlichen, aus der Werkstätte des Phidias hervorgegangenen Bildwerken geschmückt, welche die Kämpfe der Giganten, der Kentauren und Lapithen, den Amazonenkampf, die Taten des Herkules und Theseus, die Mythen des Perseus und Bellerophon, die Geburt der Athene aus dem Haupte des Zeus, und ihren Streit mit Poseidon in 3,5 — 3,6 Meter hohen Statuen darstellten, während um die äussere Wand der Cella sich ein ununterbrochener Fries von 171 Meter Länge mit meisterhaften Beliefs hinzog, die die Feierlichkeiten des Festzugs bei den grossen Panathenäen darstellten.

Sämtliche erhaltenen Figuren zeichnen sich durch Naturtreue und einen ebenso gefälligen als erhabenen Styl aus. Die meisten und besterhaltenen Stücke befinden sich jetzt im Britischen Museum in London, wenige in Kopenhagen und im Louvre zu Paris.

Der Parthenon, nachher in eine christliche der Mutter Gottes geweihte Kirche umgewandelt, stand im Jahre 1676 noch fast ganz unversehrt. Als aber im Jahr 1687 im Krieg der Venetianer gegen die Türken erstere unter dem Grafen Königsmark die Akropolis belagerten, fiel eine Bombe mitten auf das Marmordach des Parthenon, wodurch der Bau in zwei Hälften zerrissen wurde. Von seinen Verzierungen, die auch noch die Trümmer schmückten, verlor derselbe das meiste durch Lord Elgin, der mit Erlaubnis der türkischen Regierung dieselben völlig ausplünderte und seine reiche Beute für die Kunstgeschichte dadurch rettete, dass er sie nach London schickte, wo sie, wie oben erwähnt, im Britischen Museum aufgestellt ist. Vgl. Stuart and Revett Antiq. of Athens und O. Müller, Denkmäler d. Kunst Bd. 1.26.

Bei der für die Menge der Heiligtümer, die die Akropolis schmückten, geringen Ausdehnung des Plateaus derselben, ist nicht wohl anzunehmen, dass sie zugleich als Wohnplatz gedient und Strassen und Häuser gehabt habe, vielmehr war sie ausschliesslich den Göttern geheiligt. Vgl. E. Curtius: „die Akropolis in Athen“ und desselben Verfassers: „Attische Studien.“

Auf unserer Abbildung (erstes Bild ganz oben) sehen wir rechts das Erechtheum, in der Mitte die Propyläen, links den Parthenon, vor dem letzteren den Opferaltar, an dem die Festopfer dargebracht und um den die Festtänze aufgeführt wurden; ausserdem aber erblicken wir noch Weihgeschenke u. dgl. und die ganze mutmassliche Anlage des Innern der athenischen Burg.

Quelle:

  • Album des klassischen Altertums: zur Anschauung für Jung und Alt besonders zum Gebrauch in Gelehrtenschulen von Hermann Rheinhard, Professor am K. Realgymnasium in Stuttgart. Verlegt von C.B. Griesbach Verlag, Gera 1891.
  • Standbild der Athena Promachos: (Monuments et ouvrages d’art antiques, restitués d’après les descriptions des écrivains grecs et latins, et accompagnés de dissertations archaeologiques by Quatremère de Quincy, M. (Antoine-Chrysostome), 1755-1849. Paris: Jules Renouard, libraire, rue de Tournon, no. 6)
  • Westseite der Akropolis: Fragments d’architecture antique, d’après les relevés & restaurations des anciens pensionnaires de l’Académie de France à Rome par Hector d’Espouy, (1854-1928). Paris, C. Massin, 1905.

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