Afrika. Das arabisches Zelt. Algerische Frauentrachten

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DAS ARABISCHE ZELT. NOMADISIERENDE UND SESSHAFTE ALGERISCHE FRAUENTRACHTEN.

Afrika. Das arabisches Zelt.

Frauentrachten nomadisch,- und sesshafter algerischen Frauen.

Das arabische Zelt ruht auf einem Mittelpfosten von 2,50 Meter Höhe und wird von mehreren etwas kürzeren Stangen gestützt. Die Enden desselben sind durch feste Wollseile an Pflöcken befestigt, die im Erdboden stecken. Die Decke besteht aus zusammengenähten Streifen von Wolle und Kamelhaar. Jeder dieser Streifen, Felidj (in der Mehrheit Feldja) genannt, hat eine Breite von 75 Zentimetern und eine Länge von 8 Metern. Der Felidj ist ein einförmiges Muster von braunen und weissen Linien, die, in der Breite verschieden, in der Länge stets gleichmässig verlaufen. Alle Zelte sehen einander ähnlich und sind nur in der grösseren oder geringeren Anzahl ihrer Feldja verschieden. In den an Gummilack reichen Gegenden ist der Felidj rot gefärbt, jedoch ohne Veränderung des ursprünglichen Musters. Einige Stämme, die sich zur religiösen Aristokratie zählen, schmücken die Spitze des Mittelpfostens mit einem Büschel Strauss Federn.

Das Innere des Zeltes enthält kein eigentliches Hausgerät. Am Fusse des Mittelpfostens liegen einige Säcke, welche die Vorräte an Getreide und Datteln für acht bis vierzehn Tage enthalten. Hier, zwischen und hinter diesen Säcken, befinden sich die Verstecke, in welchen die Frauen ihre Schmucksachen, wie Ohrringe, Halsbänder etc. aufzubewahren pflegen. Küchengeräte, Wasserschläuche aus Bockshaut, innen geteert und aussen behaart, sowie andere Säcke liegen zerstreut im Raum umher. Der gewöhnlich etwas abseits befindliche Herd besteht aus zwei neben einander gelegten grossen Steinen. Ein irdener Topf dient zum Kochen. Ist das Zelt reich, so besitzt es einen Teppich, bisweilen, jedoch nur ausnahmsweise, auch deren zwei. Die Leute schlafen zumeist auf Matten. Endlich besitzt jedes Zelt noch einen Vorrat von Stricken und Schnüren, die zum Ankoppeln der Pferde im Lager und während des wanderns zur Befestigung der Maultier- und Kamellasten dienen. Mit Ausnahme der Pfosten und Pflöcke darf kein Bestandteil des Zeltes Holz oder Eisen enthalten. Alles muss aus Binsen geflochten sein.

Wie das Oberhaupt eines Lagers stets bereit sein soll, zu Pferde zu steigen und zu kämpfen, so soll auch im Zelt alles leicht beweglich und schnell auf die Lasttiere zu verladen sein. Die nomadisierenden Einheimischen sind von Kindheit an sowohl an diese Vorrichtungen wie auch an verschiedene andere Arbeiten gewöhnt. Das Leben unter dem Zelt bringt es mit sich, dass Alles, was mit der Hand verfertigt ist, überall und von Jedem schnell gemacht werden kann.
Beim Anbruch der Nacht wird das Zelt durch Herablassen der Eingangs-Feldja geschlossen.
Die alten Frauen und die Kinder schlafen auf der einen, die Ehegatten auf der andern Seite. Die Vereinigung einer gewissen Anzahl von Zelten, die gewöhnlich von den Angehörigen derselben Familie bewohnt werden, bildet einen Duar. Die Zelte stehen in der Runde mit dem Eingang nach dem Duar.

Je nach der Beschäftigung der Bewohner ist das Leben unter dem Zelt verschieden. Der Hirte ist Nomade; er verändert das Lager täglich, je nach Bedürfnis und Neigung. Der Ackerbauer hingegen ist längere oder kürzere Zeit an die Scholle gefesselt. Sein Duar hat nicht die Beweglichkeit des anderen und nimmt leicht den Charakter eines feststehenden Dorfes an. In Algier ist der Araber der Sahara Nomade, der Bewohner des Tell Ackerbauer. Im Frühjahr und während des Sommers führt der Sahara-Araber seine Herden auf die grünen Weiden des Tell und erst im Winter kehrt er in die Einsamkeit der Wüste zurück. Der Landmann bebaut das Feld, erntet, schert die Schafe, besucht die Märkte, reitet auf die Jagd oder in den Krieg.

Die auf der Tafel dargestellte Kabylin, welche sich auf einen Krug stützt, hat ihr Prachtgewand angelegt. Sie ist, wie ihr Kopfputz verrät, verheiratet. Wenn eine Kabylin sich festlich kleidet, so vertauscht sie das gewöhnliche hemdartige Gewand, welches durch einen einfachen Gürtel gehalten wird, mit einem mit Fransen besetzten Kleid, bedeckt sich mit ihren Schmucksachen und drapiert sich mit gemusterten Tüchern von zumeist lebhaften Farben. Diese feingefalteten und mit Geschmack arrangierten Draperien sind auf den Schultern und an den Hüften befestigt, und fallen wie ein zurückgeworfener Schleier von dem flachen und charakteristischen Kopfputz der Gebirgsbewohnerinnen herab. Jede Kabylin färbt sich das Haar schwarz, mag dasselbe von Natur auch noch so dunkel sein. Sie bedient sich ferner einer roten Schminke, die besonders von den älteren Frauen mit grossem Geschick aufgetragen wird.

Links neben der auf ihren Krug sich stützenden Kabylin von der Bergkette des Atlas aus Algier und Tunis sitzt auf einem Divan eine Frau aus der Oasenstadt Biskra, der Hauptstadt des Zab, im Plural Ziban, d. h, der Oasen. Diese Gegend bildet den äussersten Teil der Provinz Constantine und liegt an der Grenze der grossen Wüste. Die Einheimischen gehören nicht der arabischen Rasse an. Gleich einem syrischen Götzenbild ist diese Frau mit Schmucksachen überladen. Das Obergewand gehört der Kabylentracht an und ist wie diese durch Nadeln befestigt. Was die rechts stehende Maurin im Hauskleid betrifft, so bietet dieselbe ein Beispiel in ganzer Figur und eine Variante von zwei Fragmenten,.Nr. 5 und 8, welche sich auf der Tafel unter Afrika mit dem Zeichen des Negerkopfes befinden. Jung und bereits schwerfällig, ist diese Frau eine jener Maurinnen, denen das Alter die üppigen Formen verleiht, welche die äusseren Abzeichen der Vornehmheit sind.

Nach Photographien.
(Vgl. Capitän Villot, Moeurs et institutions des indigenes de l’Algerie, Constantine, 1871. – Hamoteau und Letourneux, la Kabylie, les moeurs et les coutumes kabyles, Paris 1873, 3 Bde.)

Quelle: Geschichte des Kostüms in chronologischer Entwicklung von Auguste Racinet. Bearbeitet von Adolf Rosenberg. Berlin 1888.

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