Die Alhambra in Granada. Baukunst Spaniens. Maurischer Stil.

Alhambra, Granada, Spanien, Architektur, Baukunst, Maurischer Stil
Granada. Alhambra – Innenraum – Sala de la Barkah; der Saal der Segnung.

MAURISCHE ARCHITEKTUR. INNERES EINER VORNEHMEN WOHNUNG. XIII. UND XIV. JAHRHUNDERT.

Die Alhambra, aus welcher das auf unserer Tafel dargestellte Interieur entnommen ist, war eine grosse, für uneinnehmbar gehaltene Festung. Sie bildete eines der Stadtviertel von Granada und war nach dem Ausdruck der arabischen Geschichtsschreiber „eine Stadt in der Stadt“. Auf dem Gipfel eines steilen Hügels gelegen, hatte sie einen doppelten Kranz von dicken Mauern und war auf allen Seiten von den Gewässern des Xenil und des Darro umgeben. Sie enthielt den Palast der maurischen Könige, die zur Speisung der zahlreichen Fontänen durch einen noch vorhandenen Aquädukt das Wasser von den schneebedeckten Abhängen der Sierra Nevada leiten liessen. Der Kern der Gebäude besteht aus rotem Backstein, der der Alhambra ihren Namen Madinat al Hamra (arabisch), die rote Stadt, gegeben zu haben scheint.

Alhambra, Patio Principal, Granada, Architektur, Baukunst, Maurischer Stil
Alhambra – El Patio Principal. Haupthof. Cour Prinzipale.

Das Palais, dessen Pracht durch die nach arabischer Sitte einfache und schmucklose Aussenarchitektur in keiner Weise verraten wird, bildet den Mittelpunkt der Festung. Ausser den Gemächern des Herrschers und seiner Frauen enthielt es eine Moschee, die Wohnungen der Imams und der im Dienste des Fürsten befindlichen Offiziere. Der Palast bestand aus fünf Abteilungen, deren jede zum Zentrum einen grossen, von Säulenhallen umgebenen Hof hatte, der mit Myrthen- und Orangenbäumen bepflanzt und in der Mitte mit einem Bassin oder einem Springbrunnen versehen war. Die um diesen, patio genannten Hof gruppierten Zimmer und Säle erhielten gewöhnlich durch denselben ihr Licht.

Die Räume waren so disponiert, dass die frische Luft der Höfe in denselben zirkulieren konnte. Die Aus- und Eingänge waren hoch und breit und von Hufeisenbögen überwölbt, deren durchbrochene Arbeit der frischen Luft ebenfalls freien Zutritt liess. Zur Bekleidung der Wände und Fussböden brauchte man Marmor, Stuck, Porphyr, Gipsplatten mit erhabenen und durchbrochenen Ornamenten und besonders jene emaillierten Fayenceplatten, mit denen man die Fussböden, namentlich aber die unteren Teile der Wände bekleidete.

Abencerrages, Alhambra, Granada, Architektur, Baukunst, Maurischer Stil
Abencerragehalle. Sala de los Abencerrages (arabisch: Banu s-Saradsch).

Da die Sitzgeräte, Divans, Polster, Decken u. s. w., gewöhnlich an den Wänden platziert waren, wollte man durch diese Platten die Malerei ersetzen, die durch die Sitzenden beschädigt und beschmutzt worden wäre. Der Fussboden wurde aber auch mit Marmorplatten belegt, während die Decken aus einer Balkenlage von Holz, bisweilen auch aus hölzernen Kuppeln bestanden. Der obere Teil der Wände wurde farbig bemalt, wobei Gold, Silber, Zinnober und Ultramarin die Hauptfarben waren. Bei den emaillierten Platten wurden Grün, Gelb, Blau, Braun und Schwarz bevorzugt.

Malereien und Emaillen, von denen die ersteren durch aufgelegte, durchbrochene Stuckornamente, die man vergoldete oder versilberte oder färbte, unterstützt wurden, bildeten zusammen jene prachtvolle maurische Ornamentik, die ihren Höhepunkt in der Alhambra gefunden hat. Das ornamentale System setzt sich ausschliesslich aus geometrischen Mustern mit geringen vegetabilischen Zusätzen zusammen. Die häufig angebrachten Inschriften, die fromme Sprüche und Segenswünsche enthalten, ordnen sich gleichfalls diesem linearen Charakter des Ornamentes unter.

Der hier dargestellte Raum ist die Sala de la Barkah; der Saal der Segnung, der vor dem berühmten Saale der Gesandten liegt. Er führt auf den Hof der Bäder oder Patio de la Alberca. Seine vortreffliche Erhaltung zeichnet ihn vor allen übrigen Räumen der Alhambra aus.

Es fehlen nur die bunten Fensterscheiben, die von zierlichen Stuckeinfassungen umrahmt waren. Die tiefe Fensternische ist durch die Dicke der Mauern bedingt. Es gibt Nischen, die neun Fuss tief sind. Die Figuren sind nur in den Raum gesetzt, um als Massstab für die Grösse desselben zu dienen. Da sich kein Mobiliar erhalten hat, ist auf die Anbringung desselben verzichtet worden, zumal die Orientalen darin sehr sparsam sind. Die Zugänge wurden nicht durch Türen, sondern durch Vorhänge und Teppiche geschlossen.

(Nach einer Photographie nach der Natur. Aquarelliert von Stephan Baron.)

Quelle:

  • Geschichte des Kostüms in chronologischer Entwicklung von Auguste Racinet. Bearbeitet von Adolf Rosenberg. Berlin 1888.
  • Die Baukunst Spaniens in ihren hervorragendsten Werken von Max Junghändel. Dresden, Gilbers‘ sche Königl. Hof-Verlagsbuchhandlung, 1888.

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