Schloss Ballenstedt in Sachsen-Anhalt. Stammsitz der Askanier.

Schloss, Ballenstedt, Askanier, Sachsen-Anhalt
Schloss Ballenstedt um 1892.

Das Schloss zu Ballenstedt, der Stammsitz der Askanier.

Schloss Ballenstedt (1046 Ballenstit, 1073 Ballenstetin, Ballenstedi, 1106 Ballenstad, 1118 Balenstedo, Balensted, 1134 Ballenstat, 1121, 1196 Ballenstide, 1121 Ballenstede).

Aus dem Personennamen Ballo (Genitiv — in) und aus dem althochdeutschen stat (locus) gebildet, „eine von Ballo angelegte Stätte“. Der Name Ballo wird schon im 2., 6. und 8. Jahrhundert erwähnt. Die erste geschichtliche Persönlichkeit, zugleich der älteste bis jetzt bekannte Ahnherr der Askanier ist Graf Esico von Ballenstedt. (Urkundlich 1036.) Er gründete hier (mit seinem Bruder Dietrich als Probst?) ein Stift, dessen Kirche am 10. Juni 1046 im Beisein von König Heinrich III. geweiht wurde. Neben der Burg Anhalt, die er erbaut haben soll, blieb die Burg Ballenstedt (auf dem jetzigen Schlossberg) für ihn und seinen Sohn Albrecht (oder Adalbert; urkundlich 1063 bis 26. Oktober 1074) Hauptsitz.

Erst dessen Sohn Otto der Reiche (* um 1070; † 9. Februar 1123, Vater Albrechts des Bären, Gründer der Mark Brandenburg) baute die Burg Anhalt weiter aus und verwandelte das Stift 1110 in ein Benediktinerkloster, dessen erbliche Schutzvögte die Fürsten von Anhalt wurden, das aber unmittelbar unter dem Papst stand.

Das Kloster wurde 1397 vom Markgrafen Wilhelm und Friedrich zu Meissen, weil sich hier mehrere Strassenräuber aufhielten, verwüstet, doch fehlen im Codex dipl. Anh. die Urkunden hierüber — und bestand, nachdem es wiederhergerichtet, bis 1525, wo es im Bauernkrieg teilweise zerstört wurde. Bald darauf, zum fürstlichen Hause ausgerüstet, bewohnte es 1627 Christian II., dann wurde es seiner Gemahlin Witwensitz bis 1675. Erst Friedrich Albrecht verlegte seine Residenz gänzlich hierher (1765), nachdem es 1704, 1719, 1748, erweitert worden war. Auch 1766 und 1773 erfolgten noch Erweiterungen des Schlosses. Das Schloss blieb bis 1863 Residenz von Anhalt-Bernburg, wo es an Dessau fiel.

Der südliche Flügel ist noch jetzt der Witwensitz Ihrer Hoheit der Herzogin Friederike, Gemahlin des letzten Herzogs von Bernburg, Alexander Carl.

Wappen: fünf schwarze Balken im goldenen Feld.

Quelle: Anhalts Bau- und Kunstdenkmäler von Franz Büttner Pfänner zu Thal. Dessau 1892.