Benjamin Jonson englischer Dramatiker und Dichter.

Ben Johnson, England, Barock, Dramatiker, Dichter, Schauspieler, Literaturkritiker,
Benjamin Jonson (ca. 11. Juni 1572 – ca. 16. August 1637)

Ben Johnson.
(ca. 11. Juni 1572 – ca. 16. August 1637)

Benjamin Jonson war ein englischer Dramatiker, Dichter, Schauspieler und Literaturkritiker, dessen Werk die englische Dichtung und Theaterkomödie nachhaltig beeinflusst hat. Jonson war ein klassisch gebildeter, belesener und kultivierter Mensch der englischen Renaissance mit einem Hang zu Kontroversen (persönlich und politisch, künstlerisch und intellektuell), deren kultureller Einfluss von beispielloser Breite auf die Dramatiker und Dichter der jakobinischen Ära (1603-1625) war.

Benjamin Johnson, gewöhnlich Ben Johnson genannt, wurde am 11. Juni 1573 zu Westminster als Sohn eines nach England übergesiedelten schottischen Geistlichen geboren. So lange sein Vater lebte, erfreute er sich der Wohltat einer gelehrten Erziehung, nach seinem Tode aber wurde er von seinem Stiefvater, einem Maurer, zum Eintritt in dieses Gewerbe bestimmt. Da er jedoch keine Neigung für dasselbe empfand, entlief er und trat in das Heer ein. So kam er zu Anfang der neunziger Jahre mit den englischen Hilfstruppen nach den Niederlanden, wo er sich im Kampfe gegen die Spanier durch Tapferkeit auszeichnete. Es währte indessen nicht lange, bis Johnson des Kriegslebens überdrüssig wurde. Er kehrte nach England zurück, um in Cambridge auf dem Johannes-Kollegium seine unterbrochenen Studien fortzusetzen. Aus Mangel an Unterstützung mußte er dieselben bald wieder aufgeben. Er trat nun einer Schauspielergesellschaft bei und versuchte sein Glück auch als Dichter für die Bühne, hatte aber in keiner Richtung einen Erfolg zu verzeichnen, bis Shakespeare sich seiner annahm, indem er sein Lustspiel »Everyman in his humor« zur Aufführung brachte. Dasselbe erregte großes Aufsehen und verschaffte seinem Verfasser eine angesehene Stellung in der Literatur, die von Jahr zu Jahr zunahm, während das Publikum die seitdem in rascher Aufeinanderfolge erscheinenden Stücke nur wenig beachtete. Johnson hatte daher fortwährend mit Sorgen zu kämpfen und fühlte sich erst dann behaglicher, als Jacob I. ihn im Jahre 1616 zum Hofpoeten ernannte und ihm eine kleine Pension aussetzte. Die ihm auf diese Weise gegönnte Muße benutzte er, um in Oxford noch einmal seine Studien aufzunehmen. Nachdem er im Jahre 1619 das Magisterdiplom erhalten hatte, besuchte er Schottland, die Heimat seiner Vorfahren, welche ihm ausnehmend gefiel.

Die nächsten Jahre hindurch war er namentlich mit der Anfertigung allegorischer Stücke für die Weihnachtsfeste des Hofes beschäftigt. Nach dem Regierungsantritt Karls I. versuchte er aufs neue sein Glück bei der öffentlichen Bühne, ohne mit seinen Stücken einen nennenswerten Erfolg zu erzielen. Dies hinderte ihn nicht, bis an sein Ende tätig zu sein und ein Stück nach dem anderen zu vollenden. Johnson starb an einem Schlagfluss am 6. August 1637 zu London, von den jüngeren Dichtern und Schriftstellern wie ein Patriarch aus der Blütezeit der englischen Literatur verehrt.

Eine einseitig verständige Natur und im Besitz einer umfassenden gelehrten Bildung, wurde Johnson der Vorkämpfer der verstandesmäßig-akademischen Poesie in England. Seine Muster waren die antiken Dichter, deren Werke er gründlich studiert hatte. Trotzdem aber huldigte er in seinen eigenen Stücken einem fast brutalen Realismus, der mit seiner sonstigen Richtung kaum in Einklang zu bringen ist. Seine Anschauung der menschlichen Dinge war nicht wie diejenige Shakespeares durch den Humor bestimmt, sondern durch die Neigung zur Satire. Er besaß nur ein sehr bescheidenes Maß von Phantasie, aber eine um so stärkere Gabe der Beobachtung, deren Resultate er oft in eine einzige typische Figur zusammenzudrängen suchte. Seine Gestalten schildern »nicht ein Individuum, sondern einen Begriff, nicht den Geizigen, sondern den Geiz; alles ist bis zum höchsten Gipfel gesteigert, der nun nicht mehr überflogen werden kann; sehr oft wird aus der scharf umrissenen Zeichnung eine herbe Karikatur« .

Aus diesem Umstande erklärt es sich, warum den Dramen Johnsons ein so kurzes Leben auf der Bühne beschieden war. Schon unter Karl II. wurden sie nur noch selten aufgeführt, weil es an Schauspielern fehlte, welche derartige Karikaturen darzustellen fähig waren.
Der Zeitraum zwischen 1605 und 1620 kann als Jonsons Blütezeit angesehen werden. Am bedeutendsten erscheint Johnson in seinen Lustspielen. Die gelungensten derselben sind »Volpone or the fox« (1605) und »The alchemist« (1610). An seinen Trauerspielen: »Sejanus, his fall« und »Catiline, his conspiracy« ist die getreue Schilderung der römischen Zustände zu loben, während die undramatische Ausführung und die überwiegende Rhetorik die Wirkung des Ganzen beeinträchtigen. Eine ganz eigenartige Gattung der Poesie begegnet uns endlich in Johnsons »Masken«. Dieselben sind Feststücke, in welchen die Herren und Damen des englischen Hofes als allegorische und mythologische Personen aufzutreten pflegten. Gesang und Tanz wechselte in ihnen mit dem gesprochenen Wort. Johnson zeigt in diesen Arbeiten eine große Vielseitigkeit und poetischen Sinn. Man muß daher gerade seine »Masken« zu seinen besten Leistungen zählen, wie er denn selbst zu ihnen sich in weit höherem Grade hingezogen fühlte, als zu den für die Volksbühne bestimmten Stücken.

Quelle: Das Zeitalter des Dreissigjährigen Krieges (1600-1670). Allgemeines historisches Portraitwerk. München 1895. Verlagsanstalt für Kunst und Wissenschaft vormals Friedrich Bruckmann. Nach den besten gleichzeitigen Originalen nach Auswahl von Dr. Woldemar von Seidlitz mit biografischen Daten von Dr. H. Tillmann und Dr. H. A. Lier.

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