Seuchen im Dreissigjährigen Krieg 1625-1630.

Todesengel
Der Todesengel aus: Histoire de la Peste Noire par A. Phillippe. Paris 1853.

Seuchen, Hunger- und Kriegsnot zur Zeit des dreissigjährigen Krieges.

Böhmisch-niedersächsischer Krieg 1625-1630.

Das Jahr 1625.

Das Jahr begann mit Schnee, Sturm und Regen; dann folgte von Januar bis Mitte Februar warme Witterung, so dass die Bäume Laub trieben. Ende Februar stellte sich starker Frost ein, der alles zerstörte; Mai und Juni waren kalt, im Juni fiel Schnee, das Getreide litt durch nasse Blüte. Der Sommer war vorwiegend rauh; der Jahrgang war unfruchtbar. Wein wuchs in der Pfalz ziemlich viel, von mittlerer Güte: In manchen Gegenden war grosse Teuerung; so galt in Eichstätt 1 Scheffel Weizen 55 H., Roggen 50, Gerste 56 H., eben so schwer litt Neuburg a. D.

Musketier und Pikenier. Deutsche Soldaten im dreissigjährigen Krieg um 1640.
Musketier und Pikenier im dreissigjährigen Krieg um 1640.

In Württemberg wurden der Jagst- und Neckarkreis von der Pest heimgesucht. Zu Öhringen forderte 1625-26 die Pest 780 Opfer. Zu gleicher Zeit wurde Raboldshausen (0. A. Gerabronn) heimgesucht. In Dürrenzimmern (0. A. Künzelsau) starben an der Pest 205 Personen, darunter Pfarrer Diezel mit 4 Kindern. Von September an starben in Grossgartach (0. A. Heilbronn) 8 Personen an der Pest. In Künzelsau stellte sich am 5. November die ungarische Kopfkrankheit ein, die besonders 1626 vom 29. Oktober bis 3. Dezember viele Opfer kostete (k. Kirchenbuch). In Hollenbach wurde der Friedhof, einer Seuche wegen, ausserhalb dem Dorf angelegt. Zu Weinsberg raffte die Pest bei herrschender Not vom Juli bis Dezember 334 Menschen hinweg (gegen 50 des Vorjahres). (Im Juli mit 12. August starben 34, im September 111, Oktober 103, November 34, Dezember 20 Personen.) 17 Leichen wurden, der Kosten wegen, unangezeigt hinausgetragen. (Weinsberg hatte damals 290 Bürger.) (Matrikel.)

1) Zeiler, Topogr. v. Böhmen, Mähren u. Schles. 1650, S. 100. 2) HansenNarva 83, Lenz, Dorpat 24.

Auch in der Pfalz fand die Pest Verbreitung. Auf der Haardt wütete die Pest; weshalb vier Tdtengräber angestellt werden mussten.
In Nassau kamen zu einer mageren Ernte drückende Einquartierungen und böse die verschiedenen Landesteile verheerende Seuchen. In Dillenburg folgte auf Hungertyphus und Ruhr die Pest. Furchtbar schwang „der schwarze Tod“ seine Sichel schonungslos über der Stadt. Am 18. Dezember 1625 begann die Krankheit und dauerte bis zum 30. Oktober 1626; in zehn Monaten starben 378 Personen, ein Drittel der Bevölkerung. In den heissen Monaten starben vom 21. Juni bis 25. Juli 166 Personen, vom 26. Juli bis Ende August 80 Personen, vom 1. September bis 30. Oktober 47 Personen, unter ihnen der Chronikschreiber Johann Textor von Heeger; die gräfliche Familie flüchtete auf das Schloss Tringenstein und kehrte erst 1627 zurück, als im Winter die Pest erlosch.

Ebenso brach im Herbst in der Gegend von Walsdorf an der Ems unter den dort angehäuften Soldaten die Pest aus, um einige Jahre die armen ausgehungerten Leute ihre entsetzliche Macht fühlen zu lassen. In Idstein starben in zwei Monaten 57 Personen. Von Walsdorf flüchteten die Nonnen nach Kirberg.

In Bonn forderte die Pest zahlreiche Opfer; viele Häuser mussten geschlossen werden. Im Jesuitenkollegium, im Franziskaner- und Minoritenkloster brach die Pest ebenfalls aus, weshalb ihre Kirchen gesperrt wurden. Die Seuche hielt bis zum nächsten Jahre an 1).
Im Trierer Land hauste 1625-1630 eine „pestartige Krankheit“. Um der Einschleppung in die Herrschaft Vollmerath (Kreis Cochem) vorzubeugen, wurde, unter Androhung schwerer Strafe, das Verbot erlassen, dass Niemand sich unterstehe, ausser dem Hochgerichtsbezirk in die „böse sterbende Luft“ zu gehen. Die angedrohte Strafe hat trotzdem über Zuwiderhandelnde öfters verhängt werden müssen 2). Bei einer durch Missernte herbeigeführten Teuerung herrschte in Aachen eine ansteckende Krankheit, weshalb die Aachener am 18. Juli einen Bittag hielten 3).

Pestarzt, Pestdoktor, Schnabelmaske, Maske, Schutzkleidung, Mediziner, Arzt, Barock, Renaissance
Der Doctor Schnabel von Rom, ca. 1656. Ein Pestarzt in seiner Schutzkleidung. Nach einem Stich von Paul Fürst 1656. München Kupferstichkabinet.

Auch in Frankfurt a. M. kehrte die Seuche ein und verursachte grössere Sterblichkeit. Die gewöhnliche Sterbeziffer mit 700 erhöhte sich auf 1871. Man öffnete daher das Pestilenzhaus. Dieser Krankheit erlagen in 3 Monaten 3 Stadtärzte. Der Frankfurter Arzt L. v. Hörnigk spricht in seiner Schrift „Würgengel“ den Tadel aus, dass man bei Ausbruch der Pest die nötigen sanitären Vorkehrungen gegen die Verbreitung unterlassen habe.
Die Seuche suchte von Frankfurt bis Bamberg die am Maine gelegenen Orte heim. Zu Hörstein (bei Aschaffenburg) wütete 1625 die Pest dergestalt, dass ihr täglich 19, und in wenigen Wochen 400 Personen zum Opfer fielen. Es wurde deshalb das Fest zum hl. Bernhard gelobt. (Matr.) Auch in dem Spessart fand die Pest wieder Verbreitung.

1) Annal. f. Niederrhein 1876. 2) Jahresb. f. nützl, Forschg., Trier 1857. 3) Hagen, II. 241.

Mode deutscher Edelleute zur Zeit des dreissigjährigen Krieges. 17. Jahrhundert.
Deutsche Edelleute zur Zeit des dreissigjährigen Krieges.

In Aschaffenburg hielt die Seuche noch an. – Eisenbach (bei Obernburg) wurde so entvölkert, dass sich nach 1625 kein Pfarrer mehr halten konnte. Auch Erlenbach bei Klingenberg suchte die Pest heim. Zu Wertheim a. M. wütete sie in den Jahren 1625, 1626 und 1629. Bei kälterer Witterung legte sich die Seuche, bei zunehmender Wärme erhob sie sich wieder. In dem Schreiben eines Arztes in Miltenberg an den Wertheimer Rat Philipp Reinhard werden folgende „Präparatoria“ beim Wiedereinzug in die angesteckt gewesenen Häuser gegeben: Purgiren durch Rauchwerk, Besprengen mit wohlriechendem Wasser, Wachholderfeuer in Gängen und Höfen, Dampf mit Rautenessig auf glühendem Ziegelstein, „welcher Dampf dem gifft so starckh widersetzt, dass er auch also baldt die Spinnen tödtet“, Präservativküchlein u. A. 1).

Die Tauber entlang entfaltete die Seuche ebenfalls ihre Tätigkeit. In Mergentheim wütete die Pest 1625-26 in solchem Grade, dass die Mühlwehrgasse ganz ausstarb; nur ein einziges Kind fand man bei Durchsuchung der Häuser noch am Leben; es starben 192 Personen (gegen 50-60 jährlich). Auch Rothenburg a. T. wurde durch die Pest in Schrecken versetzt.

In Gemünden am Main starben vom 3. Juli 1625 bis 31. Juni 1626 260, in Retzbach 73 Personen durch die Seuche. – Würzburg wurde von gefährlichen und ansteckenden Krankheiten heimgesucht; das zur Aufnahme der armen Kranken bestimmte Ehehaltenhaus wurde überfüllt. Der Bischof begab sich nach Schlüsselfeld. – In Marktbreit erlagen der Seuche 250 Personen (Matr.) Im Dorfe Külsheim raffte die Pest, bis sie im nächsten Jahre ihr Ende fand, 99 Menschen hinweg 2). – In Schweinfurt verbot man am 7. Oktober, aus fremden Orten Zureisende einzulassen; am 16. Oktober wurde von der Kanzel eine Weisung verlesen, wie man sich gegen die in der Nachbarschaft grassierende Seuche zu verhalten habe, um davon befreit zu bleiben. – Die Seuche, im Sterberegister Pestis genannt, durchzog auch das Baunachtal; es erlag ihr u. A. der Pfarrer von Fischbach bei Ebern 3). – Wegen der in Bamberg aufgetretenen Pest begab sich der Bischof nach Höchstädt. – Gefrees (O.-Frk.) wurde, in Folge der dort ausgebrochenen Pest, ein ganzes Jahr lang gesperrt, so dass Not entstand. (Ratsprotokoll.) – Im August liess sich die Pest zu Hof nieder und raffte 1400 Menschen dahin 4). – In Nürnberg trat auch erhöhte Sterblichkeit ein; man zählte bei 1834 Geburten 2881 Todesfälle.

1) Al. Kaufmann, Zeitschr. f. Kulturgesch, Hannover 1872. 2) Mittelfr. Arch. XIII. 3) Unterfr. Arch. VII. 4) Hechtel, Hist. Pestis Curiana 1723.

In vielen Orten Niederbayerns herrschten „pestilenzialische Krankheiten“, weshalb in Kelheim bei Tag und Nacht die Tore bis Ende März 1626 bewacht wurden 1). – Um dem Fortschritt der Pest Einhalt zu tun, wurde von Seite der Regierung in Burghausen den Gemeinden die schärfste Weisung erteilt, weder auf Gassen noch in den Häusern Dünger oder faulende Stoffe aufhäufen zu lassen und nachsichtslos Jeden zu bestrafen, wer unsauberen Haushalt führe. – Manche Gemeindebehörden kamen diesem Auftrage mit Pflichteifer nach. So wachten auch die Gemeinderäte des Marktes Kraiburg am Inn sorgsam, dass kein Nachteil erwuchs; sie hielten wöchentlich Hausvisitation, stellten einen Infektionsarzt auf und Wachen aus, welche die aus infizierten Orten kommenden Personen abwiesen oder zur Quarantaine anhielten. Die Pest verschonte in der Tat den Markt, während sie in den Pfarreien Grüntal, Babensheim, Eiselfing und von Wasserburg bis Mühldorf hinab Opfer nach Hunderten verschlang. (Vergl. 1634, 1644.) – Im August fing die Seuche in der Augsburger Gegend zu herrschen an; sie riss namentlich in Augsburg unter den armen Leuten ein und trieb eine ziemliche Anzahl derselben zu dem verzweifelten Entschluss, ihrem Jammerleben durch eigene Hand ein Ziel zu setzen. Der Rat unterliess es nicht, die nötigen Vorkehrungen zu treffen.

Massenbestattung, Pest, Massengrab,
Im dem Schutz der Dunkelheit wird eine Massenbestattung von Pestopfern durchgeführt; die Leichen werden aus einem zweirädrigen Wagen in ein großes Loch geworfen. Illustration von J. Franklin

In Thüringen herrschte in diesem und dem folgenden Jahr die Bubonenpest (Beulenpest) neben dem Petechialtyphus (Fleckfieber). In Schmalkalden gesellte sich zur Kriegslast im Juni die Pest, um bis Ende August all da zu verweilen. – In Eisenach starben in diesem Jahr 315 Personen neben 232 Geburten, im folgenden Jahre aber 769 neben 227 Geburten, während 1627 die Totenzahl auf 156 zurückging. – Ende Juli wurde die Pest in Gotha eingeschleppt, wo sie sich dann auch bald weiter verbreitete es starben 722 Personen, worunter 115 Ehegatten getrennt wurden und 22 Ehepaare ganz ausstarben, ferner 52 Lateinschüler und ebensoviele Mädchen aus der deutschen Schule, 16 Kindbetterinnen und 2 Diakonen. Im folgenden Jahre raffte die Seuche noch 209 Menschen hinweg. – In Gräfenroda herrschte die Pest anhaltend bis Ende 1630, in welchem Jahre über 400 Personen starben; kein Haus blieb verschont. – Brüheim wurde 1625 und 1626 heimgesucht. In Ruhl zählte man 39, in Haina vom 22. August bis Jahresschluss 87 Pestopfer. – In Remstedt starben vom Juli bis Ende Oktober von 353 Einwohnern 145 an der Pest. – In Ruhla forderte die Pest in diesem und dem folgenden Jahre 98 Opfer. Sie herrschte auch in Weimar, wo sie im Januar 1626 erlosch.

1) Niederb. Arch. IX.

Geertruydt Roghman, Baroque, Dutch, painting, Two Women Sewing,
Zwei Frauen beim Nähen ca. 1640–57, von Geertruydt Roghman.

In der Stadt Pössneck (n. ö. von Weimar) gab es über 1000 Pestopfer, so dass der Leichenacker erweitert werden musste; ebenso herrschte die Pest im Städtchen Camburg im Saaltal 1); ferner grassierte sie in Königsee, wo 58 Personen erlagen, und in Unterlömitz. In Allstedt (Sachsen-Weimar) lichtete die Pest gewaltig die Reihen der Lebenden 2). – In Ohrdruf (Thüringen) starben 203 Personen an der Pest, im folgenden Jahr 143. Am 23. September 1626 wurde angeordnet, „dass bei den jetzigen geschwinden und sorglichen Zeiten: 1. die Häuser so infiziert seien, sollten zugehalten werden, und 2. den Bewohnern, sich inne zu halten, sollte auferlegt werden; 3. werden besondere Träger zu den Verstorbenen angestellt; 4. Schreiner und Zimmerleute sollen vor der Stadt ihre Werkstätten , um Vorrat an Särgen zu schaffen, haben, aber nicht bei der Kirche oder in der Schulgase die Särge abholen lassen; 5. sollen besondere Ammen in die infizierten Häuser geschickt werden, damit andere gesunde „Weiber darob nicht scheu und feig gemacht werden.“ Das Dorf Wechmar verlor 1625 bis 1627 viele Einwohner. Im Marktflecken Herbeleben starben in kurzer Zeit 75, im folgenden Jahre 297 Menschen an der Pest.

In Arnstadt (Schwarzburg) grassierte im Frühjahr die Hauptkrankheit in heftiger Weise, um am 2. Juli der Pest Platz zu machen, welche, durch die Lumpen der Papiermühle eingeführt, bis Michaelis ihr Gift ausstreute. Im August starben 433, am 20. allein 27 Menschen, im ganzen Jahr aber 1236 Personen, wohl der 4. Teil der Bewohner. Der Pest folgte Teuerung, so dass 1626 eine Mass Weizen 8 Taler, ein Mass gemengtes Korn 8 H. und die Gerste 4 H. kostete. Im Frühjahre kehrte die Pest wieder zurück, um auch in den Dorfschaften aufzuräumen 3). – Die Stadt Ilm verlor vom 13. Juni an 887 Einwohner durch die Pest, nachdem vorher 16 Personen anderen Krankheiten erlegen waren. Greussen, welches vom Januar bis 9. Juni nur 10 Sterbfälle zählte, büsste vom 18. Juli bis Weihnachten 833 Einheimische und Fremde durch die Pest ein; am 24. August begrub man 23 Leichen. Ehrig hatte 454, Döllstedt 150 Pestopfer zu beklagen (Toppius). In Ballstedt (Thüringen) starben von 600 Einwohnern 365 Personen an der Pest, welche angeblich durch eine fremde Bettlerin eingeschleppt worden war; der Pfarrer schrieb daher nach deren Tode in das Kirchenbuch: „bestia haec uobis fuit pestifera“.

In Burgtonna wurden 209 Menschen hingerafft; vom 22. August bis 31. Dezember erlagen in Hayna 87 Menschen der Pest; in Hochheim 170, im Dorfe Warza bei Gotha 41 Menschen; weiter hauste die Pest in Metebach, wie in Nordhofen mit Sonneborn, wo sie bis zum nächsten Jahre anhielt 4). Zu Strausfurt an der Unstrut erlagen 367 Personen der Pest 5).

1) Brückner 1. c. 2) Däumler, 3) Olear. 341; Zeitschr. d. V . f. thüring. Alterth. Jena, 1887, XIII .. 184. 4) Beck, Gotha III, 1. 36. 5) Olear. Syntagma 230.

Auch im Werragebiet gesellte sich zu mancherlei Elend die allgemeine Landplage, welche die Bevölkerung von Eschwege so lichtete, dass daselbst gleichzeitig vier Totengräber beschäftigt waren. Die Seuche erstreckte sich bis ins folgende Jahr; in Witzenhausen (Hessen) starben in etlichen Wochen 700 Menschen, so dass nur noch 20 Häuser bewohnt waren 1).

Auch in Sachsen traten Pest und andere Seuchen verheerend auf. In der Stadt Plauen herrschte die Pest; wie auch im Jahre 1628 und 1630. Reichenbach hatte einen Verlust von etwa 1000 Personen. Ebenso trat die Pest in Schwarzenberg heftig auf 2). Zwickau wurde wiederholt durch die Pest schwer geprüft. Auch Naumburg a. d. Saale musste die Geisel der Pest fühlen 3). In Leipzig starben am 23. Februar 2 Schwestern an Blattern. Bald erkrankten während des Jahres viele Erwachsene und über 200 Kinder an dieser Krankheit, für gar manche zum Tode. Die Pest fand wieder im sächsischen Erzgebirge Eingang. In Annaberg starben 134, in Zöblitz 323 Personen; in Altenberg und Geising eine geringere Zahl. In Frankenberg und mehreren anderen Städten währte das Übel bis in’s nächste Jahr 4). Nach Golditz wurde die Pest angeblich von einer Schneiderin durch infizierte Kleider eingeschleppt, es starben in diesem und dem folgenden Jahre 180 Personen.

Geertruydt Roghman, Baroque, Dutch, painting, A Young Woman Ruffling
Eine junge Frau stickend oder das Mädchen mit dem Totenkopf um 1640 von Geertruydt Roghman

In Frankenheim legte die Pest im Herbste 42 Personen ins Grab. Mit der Kälte trat sie zurück, stellte sich aber Anfangs April wieder mit Heftigkeit ein, so dass ihr 500 Personen erlagen. Einem grösseren Verlust wurde dadurch vorgebeugt, dass man sich im Feld und Wald in Hütten aufhielt. Im Herbst erhob sich die Pest in Bischofswerda, um bis ins folgende Jahr Schrecken zu verbreiten; sie tötete 182 Personen. Die Stadt Stolpen samt Umgegend litt in diesem und nächsten Jahre durch die Epidemie. In Berthelsdorf bei Herrnhut herrschte die Pest. In Zittau wurden vom Mai bis Juli 109 Kinder von Blattern und Masern hingerafft. Daneben starben viele Leute an hitzigem Fieber und der Hauptkrankheit 5).

In Schlesien fand die Pest weitere Verbreitung; so herrschte sie an der sächsischen Grenze in Löwenberg. Zu Hirschberg sollen 506 Personen der Pest erlegen sein. Auch in Naumburg a. Q. grassierte die Pest und legte die Hälfte der Einwohner in’s Grab. Gleichzeitig wurde Herzogswaldau wieder von der Pest betroffen. Dasselbe Schicksal teilten Liegnitz und Neumarkt.

1) Rommel, hess, Gesch. VII, 606, 650. 2) Meltzer, Schneeberg 1341. 3) Saxonia II. 4) Bahn 290. 5) Pescheck, Carpzow.

Nachdem im Januar zu Breslau der „Stadt Arzat“ mit Weib und Kind plötzlich gestorben, an denen sich indes „nichts von Beulen, Apostematibus (Geschwüren) oder dergleichen gefunden“ und im März einige Erkrankungen „durch hitzige Fieber“ in der Vorstadt vorgekommen, gewann im Juni „die Hauptkrankheit“ (Typhus) an Ausdehnung.
Derselben mag die am 17. Juni eingetretene verheerende Überschwemmung der Oder, welche viele Häuser und Gebäude wegriss, sowie die durch Misswachs herbeigeführte geringe Ernte und grosse Getreideteuerung Vorschub geleistet haben. Wegen Zunahme der Sterblichkeit wurden am 11. August die Schulen geschlossen, besonders wurden viele Leute im Bürgerwerder, Graupengasse, beim neuen Turm, auf der Altbüssergasse, darunter drei Stadtärzte weggerafft. Die kaiserlich schlesische Kammer wurde während der Seuche nach Jauer (Jawor) verlegt. Es starben im Laufe des Jahres 3000 Personen gegenüber den 920 Geburten. Am 19. Januar 1626 wurden die Schulen wieder eröffnet 1.).

Folter, Hinrichtung, Salbader, Mailand, Pest
Folter und Hinrichtung der Salbader. Der Justizpalast in Mailand während der Pest von 1630, der die Folterung und Hinrichtung von Guglielmo Piazza und Gian Giacomo Mora zeigt, die der Zunahme der Pest beschuldigt wurden.

In Waldenburg (s. v. Breslau) trat die Pest auf. Mehrere Familien starben in einer einzigen Woche vollständig aus. In diesem Jahre wurden 67 getauft und 101 Personen begraben. In Neisse (Oberschlesien) brach die Pest (die sog. kleine im Vergleich mit jener von 163B) aus, welcher auch der Pfarrer Hoppe erlag. Zu Neustadt, Reg. Oppeln, herrschte schon seit 1620 erhöhte Sterblichkeit, die Pest aber seit 1624, am schlimmsten vom Mai bis September 1625 bei anhaltend grosser Teuerung. Der grösste Teil der Fleischer und Bäcker starb (wohl durch Infektion im regen Geschäftsverkehr).
(Im Jahr 1620 zählte man 113 Geburten und 298 Leichen, 1624 bei 149 Geburten 198 Tote, 1625 bei 115 Geburten 420 Gestorbene, 1626 bei 115 Geburten 175 Leichen, 1627 bei 117 Geburten 472 Tote. Matr.)

Pestarzt, Marseille, pest, Frankreich
Kleidung eines Pestarztes in Marseille, 1720.
Karikatur, Pestarzt, Marseille, Pest, Frankreich
Deutsche Karikatur von obigen dargestellten französischen Pestarztes aus Marseille.

Die Provinz Sachsen wurde ebenfalls von der Pest schwer betroffen. In Grünstedt (Kreis Weissensee) raffte die Pest 145 und im nächsten Jahre 357 Personen weg. Im Ort Grüningen herrschte die Pest, in diesem Jahre 69, im folgenden 87 Opfer fordernd. In Scherndorf und Walterdorf sind im Oktober 100 und in Grifstedt 9 Personen an der Pest gestorben 2). In Eilenburg zeigten sich im März die Blattern, woran viele Kinder und Erwachsene starben. Im September stellte sich hier und in der Umgegend die Pest ein, um viele dahinzuraffen. Am ärgsten hauste sie in Authausen, hernach in Düben, Petri, den Nachbarstädten Torgaus. Ebenso grassierte diese Krankheit in der Umgegend von Halle.

1) Zeitschr. für schles. Gesch. XIII, 222, 224. 2) Erfurt. Arch., v. Hagke, Urk. Nachr. 337, 573.

Ende Oktober kamen 3000 Mann Wallensteinische Truppen nach Querfurt und lagen hier 7 Wochen lang in Quartier; „sie brachten das Durchlauffen (Ruhr) in die Stadt“, woran in wenigen Wochen über 200 Soldaten und etliche Bürger starben. Zur Ruhr gesellten sich noch die Blattern, welchen eine Menge Kinder und viele Erwachsene erlagen. Die Pest drang bis zur Unstrut vor; in Allerstedt ereigneten sich schon vom Oktober an mehrere Pestfälle; in Rossleben vom 3. November bis April 1626, weshalb einige Schüler das Kloster schleunigst verliessen (Kirchenb.) 1).

Durch die streifenden Heere verbreitete sich zu Delitzsch (Sachsen) ein gefährliches Fieber (Febris maligna), dem vom Eintritte des Herbstes an gegen 150 Personen, bei einem Gesamtverlust von 206, erlagen. In den folgenden ·Winter- und Frühlingsmonaten zeigte sich der Typhus minder heftig, nahm aber im Juni 1626 so überhand, dass die Stadt 880 Einwohner verlor. Im September starben 229, an einzelnen Tagen 20 bis 30 und selten blieb ein Tag ohne Leichen. Zahlreiche Familien starben mit dem Namen aus.

Zu Aschersleben (Sachsen-Anhalt) kam die Pest am 15. Juni zum Ausbruch und forderte sie bis Jahresschluss 157 Opfer und in Allem 534. Mit Eintritt der Kälte trat das Übel zurück, um mit der wärmeren Jahreszeit mit neuer Wucht einzusetzen. Im August 1626 zählte man 249 Tote. Gegen Ende des Jahres schwand die Seuche, nachdem sie einen neuen Verlust von 1066 Menschen, zusammen 1800, verursacht hatte; hierbei ist das Militär nicht mitgerechnet. In den nächsten drei Jahren war die Mortalität auffallend gering. In der zweiten Jahreshälfte riss die Pest in Bernburg (Saale) ein und wurden gegen 24 Familien eine Beute des Todes. In diesem Jahr starben gegen 1340, und im folgenden noch 425 Personen 2).

In Dessau brach die Pest am 3. September aus; im Oktober starben allein 90, im November 79, im Dezember 32 und vom September bis Jahresschluss 224 Personen, überhaupt im Jahre 1625 399 Tode. Auch im folgenden Jahr, 1626, griff die Pest abermals um sich, am 18. Juli starben 10, am 16. August 13, am 27. August 9 Personen, im Juli überhaupt 141, im August 164, im September 100, im Dezember niemand; im Ganzen starben in diesem Jahre 662 Personen; (im folgenden nur 39).

Jakob Böhme, Theologe, Mystiker, Philosoph, Barock
Jakob Böhme lutherischer evangelischer Theologe.

Die Stadt Wanzleben wurde im Oktober sehr heftig von der Pest heimgesucht, ebenso Kalbe und Aken 3). In Magdeburg brach um Johannis die Pest aus und dauerte bis ins nächste Jahr hinein. Die reicheren Bürger flüchteten aus der Stadt, wurden aber, als sie vor den anrückenden Kaiserlichen wieder zurückkehrten, erst recht ein Opfer der Seuche. Mehrere Tausende der Einwohner wurden hinweggerafft, wie z. B. in der Johannispfarrei vom April 1625 bis Ende des Jahres allein gegen 1360 Erwachsene und Kinder starben 4).

1) Dr. Nebe, Unstruttal; Sturm 71. 2) Beckmann III, 137. 3) Hävecker 157, Geiss, Stassfurt 62. 4) Hofmann II, 90.

In der Landschaft südwestlich von Magdeburg forderte die Pest auch zahlreiche Opfer. Im Dorfe Unseburg scheint sie im August ausgebrochen zu sein, es erlagen daselbst Soldaten, Einheimische und Fremde. Vom 27. Juni an zählte man in Osterweddingen 20 Pestleichen; im nächsten Sommer aber trat die Seuche neuerdings mit Heftigkeit auf, indem sie vom 19. Juli bis 27. November 55 Menschenleben als Beute an sich riss 1). In Neuhaldensleben raffte die Pest vom Ende August bis Jahresschluss 76 Menschen hinweg, jene nicht gerechnet, welche in der Stille eingegraben wurden und im Kirchenbuche unerwähnt sind. Die Seuche grassierte im nächsten Jahre in steigender Progression bis zum Herbst hin fort; die Zahl der Opfer betrug im Januar 22, Februar und März je 26, Mai 81, Juni 145 (mancher Tag zählte 8 Tote) Juli 122, worunter ein Pastor, jeden Tag 3 bis 7 Tote, im August 63, Sept. 29, Okt. 8, worunter der Pestbarbier war. Die Seuche war beendigt; man zählte im November 6, im Dezember 5 Leichen. Das Kirchenbuch enthält im Jahre 1625 583 Verstorbene ohne die nicht Eingetragenen.

In der Altmark nisteten sich die Ruhr, Pest und Hauptkrankheit (Typhus) in fast allen Orten ein (von 1625-28). In Gross-Salze (heute Schönebeck in Sachsen-Anhalt) herrschte die Seuche in diesem und dem folgenden Jahr; ebenso in Tangermünde, wo die Krankheit als „rote Ruhr“ bezeichnet wird. Die Einwohner flüchteten vielfach, da vom 30. Juli bis 19. November 1626 gar keine Taufe stattfand“).

In Salzwedel raffte die Seuche 335 Menschen, im nächsten Jahre aber 451 hin. In Seehausen stellte sich anfangs die Ruhr ein, um indes bald der Kriegspest (Petechialtyphus) Platz zu machen, welche denn auch 1626 und 1627 anhielt und erst 1628 sich zurückzog. Es starben 200 hier einquartierte Soldaten und 1100 Einwohner, hierunter der Stadtschreiber, dessen Haus ganz ausstarb. In Lenzen begann die Pest um Johannis; ihre Ernte allda beziffert sich auf 336 Menschenleben 3).

Ebenso entstand in Königsberg in der Neumark um Pfingsten eine Seuche, welche in 23 Wochen 990 Personen hinraffte; auch in Bernekow starben 109. – Zu Frankfurt a. d. Oder zeigte sich vom 7. Juli bis 14. Nov. eine Pestseuche, welcher, meistens in der Guben’schen Vorstadt, 353 Personen erlegen sind; mit dem Eintritt starken Frostes erlosch sie; ein Teil der Professoren zog nach Fürstenwalde, der andere mit dem Rektor Chr. Neander blieb in der Stadt 4). In Schwiebus kam die Pest Mitte August im oberen Spital zum Ausbruch, verbreitete sich über Salkau, Mehrendorf und Umgebung; grassierte dann aber heftiger in der Stadt bis zum Neujahr. An der Pest starben 615, an anderen Krankheiten 160, zusammen 775 Personen.

1) Geschichtsbl. f. Magdeburg 1878. 2) Magdeb. Geschbl. 1870, 342 f. 1877. 407. 3) Beckmann, Brandenburg 118, II, 244. 4) Spieker 183.

In den Jahren 1625 bis 1627 richtete die Pest, durch den Krieg gefördert, in ganz Niedersachsen furchtbare Verheerungen an. In Osterode brach sie am 6. September aus und ihre Wirkungen mussten um so verderblicher werden, je grösser die Zahl derer war, die vor dem Kriegsgetümmel in die schützenden Mauern flüchteten. In der St. Aegidiengemeinde raffte sie über 1500 Menschen hinweg, unter diesen viele Fremde. Im September 1626 sind über 250 Todesfälle im Kirchenbuch zu St. Aegidii verzeichnet. Erst mit dem Schluss dieses Jahres erreichte die Krankheit in Osterode ihr Ende.

In Klaustal war sie im Juli 1625 ausgebrochen und mit Ende des Jahres erloschen, nachdem sie 1350 Opfer gefordert hatte, In St. Andreasberg starben über 700 Personen. In Einbeck raffte die Seuche über 3000 Menschen, im September 1626 zwei Prediger hinweg 1). – Der allgemeine Notstand, die Teuerung und schlechte Beschaffenheit der Lebensmittel hatten auch in Goslar eine pestartige Krankheit zur Folge, die man schwarzen Tod nannte und die kein Alter verschonte. Durch Berufung der auswärtigen Ärzte Herm. Göddeus und H. Wolf suchte man der Seuche Einhalt zu tun. Den Armen gewährte man unentgeltlich ärztliche Hilfe und Arznei. Trotz rühmlicher Sorgfalt starben in diesem und dem folgenden Jahre gegen 3000 Menschen und drei Prediger. Das Elend steigerte sich noch, als nach der am 27. Aug. 1626 bei Lutter am Barenberg (zwei Meilen von Goslar) geschlagenen Schlacht, welche der Dänenkönig Christian IV. gegen Tilly verloren hatte, viele verwundete kaiserliche Soldaten nach Goslar gebracht wurden. Die grössere Zahl dieser Soldaten fand hier die letzte Ruhestätte 2).

Gleichzeitig mit dem Hereinbrechen der Wallenstein’schen Scharen verbreitete sich in Helmstedt die Pest; sie raffte während des Sommers den 3. Teil der Bürger hin; 295 Häuser standen leer. Die Universitätslehrer flüchteten größtenteils nach dem festen Braunschweig; die Studierenden wanderten ihrer Heimat zu oder folgten dem Werber. Zwei Jahre hielt die Pest, an, so dass die Ausgewanderten erst 1628 zurückkehrten. In der Nachbarstadt Schöningen wütete die Pest nicht minder; kaum konnte man damals die Toten begraben; sie wurden von einer Totenbahre, „Schüdderrump“ genannt, sofort, ohne weitere Berührung, ins Grab geschüttet. In gleicher ‚Weise hauste die Pest im Marktflecken Calvörde (4 M. von Helmstedt) 3).
In Hameln starben 1143 Menschen. Von Hannover wurde eine Seuche in die Stadt Uelzen durch einen Ziegelmeister eingeschleppt; sie warf in diesem und dem folgenden Jahre einige 100 Personen ins Grab.

1) Max, Grubenhagen I, 442. 2) Heineccii Antiq. 565 f., Röbbelen, Gronau. 3) Havelmann, Braunschweig III, 36, 74, 256. Görges I, 217 f.

In Lüneburg schlich sich 1625 die Pest ein, um bis 1628 festen Fuss zu fassen. – Im August fand die Pest in der Stadt Osnabrück Verbreitung. Der Rat erliess eine Pestordnung, auch bildete sich eine Laurentii-Bruderschaft zur Bestattung der Leichen 1). Zu Rüden riss die Pest den grössten Teil der Einwohner weg 2).
Die Pest suchte auch Bremen. Hamburg und Buxtehude heim. In Lübeck und in der Nachbarschaft herrschte das ansteckende Fleckfieber und brachte 6952 Menschen den Tod 3).

Bevor wir dem weiteren Vernichtungszuge der Seuchen nach Osten folgen, haben wir ihr Auftreten in den Niederlanden und England zu verzeichnen. In der von den Spaniern belagerten Festung Breda an der Mark (Nordbrabant) wüteten Hunger, die Pest und Skorbut, von welch‘ letzterem die in einem sehr feuchten Quartiere untergebrachten Engländer am meisten zu leiden hatten. Mit Eintritt der Kälte liess die Pest, welche übrigens selten mit Bubonen auftrat, nach. Nach achtmonatlicher Belagerung zwang das Elend zur Übergabe; über 8000 der Eingeschlossenen wurde eine Beute der Seuchen.

Auch Brüssel litt durch die Verheerungen der Pest. Der Opfermut der unerschrockenen Franziskaner verdient hier ehrenvolle Erwähnung 4).
In England nahm die Pest in der zweiten Jahreshälfte an Heftigkeit ausserordentlich zu. In London erlagen in einer Woche bei Herbstanfang 5-6000 Personen; die Infizierten starben binnen zwei Tagen; man erinnerte sich in England keiner heftigeren Seuche. König Karl I. mit Königin und Hofstaat begaben sich an seuchenfreie Orte im Westen; er beschied das Parlament auf den 1. August nach Oxford. Ebenso entwichen die Kollegien und Gerichtsstellen; in kurzer Zeit glich die Stadt einer Einöde. Der Verlust durch die Pest betrug 35417, die ganze Sterblichkeit des Jahres, welche sonst im Mittel 10000 betrug, 54265 bei 6983 Geburten 5).

1) Mitth. f. Geschichte von Osnabrück 1882. 2) Seibertz, Quellen I, 250. 3) Görges III, 90, Kirchring 299. Lüb. Blätter 1842. 421. 4) Henne et Wauters, Histoire II, 43. 5) Johnston, Rer. Britann. Lib. XXI, 664, Theatr. Eur. I, 899, Rapin, Gesch. v. Engl. VI, 11.

Auch Mecklenburg wurde von der Pest heimgesucht. In Wismar herrschte die Pest, es erlagen ihr u. a. zwei Pastoren. Sie zeigte sich dort auch im Jahre 1628, wo ihr der Bürgermeister Eggebrecht zum Opfer fiel, und im Jahre 1630, wo der Bürgermeister Ribow starb. Am 21. Oktober brach in Schwerin die Pest aus, weshalb sich der Herzog Adolf Friedrich im neuen Hause zu Kraak aufhielt. Die Krankheit währte bis ins nächste Jahr. In der Stadt Plau griff die „Hauptkrankheit“ um sich. Im Herbst fielen dem Tode eine Masse Garben im Lande 1). In Neubrandenburg raffte eine Seuche („Pest“ und böse „Ruhren“) gegen 1000 Menschen hinweg. In Massow (Pommern) herrschte die Pest 2).

Ostpreussen wurde in diesem Jahre durch Pest, hitzige Fieber, Ruhr und Blattern schwer geprüft. In der von schwedischen und polnischen Kriegsvölkern besetzten Stadt Danzig herrschten wieder pestartige Krankheiten (Kriegstyphus); viele junge Leute wurden von der „Pest“ weggerafft. Begraben wurden 4197 Leichen; dagegen erhielten 1863 Kinder die Taufe. In Insterburg (Reg. Gumbinnen) hauste die Pest. Zu Elbing fing das Sterben im August an, wo in einer Woche 215 Personen das Leben liessen, und dauerte es bis Dezember. Es starben in diesem Jahr 3608; auch im folgenden Jahr herrschte noch die Pest.

In Königsberg (Prov. Preussen) raffte die Pest wieder vom 8. Juni bis 28. Dezember, also in 6 Monaten 2964 Menschen hin. Die Stadt Rastenburg wurde von der Seuche in hohem Grade heimgesucht; in der Gemeinde starben 2500 Personen, unter ihnen fast alle Schüler nebst dem Kantor. In Goldapp (4 1/2 M. s. v. Gumbinnen) herrschte, wie im ganzen Lande die Pest. Auch Preussisch-Holland und Wehlau litten wiederholt durch die Pest 3). Eckartsberg am Spirdingsee teilte das gleiche Verhängniss 4). Anhaltend mordete der Würgengel der Pest in Thorn an der Weichsel; vom 21. August 1624 bis zum 25 Juli zählte man bereits 2121 Opfer; im August starben 71 Bürger; bis zum Jahresschluss zählte man 2742 Leichen, so dass die Gesamtzahl der an der Pest gestorbenen 4863 betrug. Am 31. August lief ein an der „Pest“ (Petechialtyphus) darniederliegender Müller, der von der Pest „im Haupte verrücket,“ zum Mühlteiche und ertränkte sich. Die Pest, welche sich in Posen im Jahre 1624 eingestellt hatte, erreichte 1625 eine solche Höhe, dass ihr angeblich gegen 7800 Menschen zur Beute fielen. Der Rat war entflohen; die zurückgebliebenen Einwohner aber erlitten die bitterste Not 5).

1) Jahrb, f. Meckl. Gesch. 1836. 45. 1852. 202. 2) Kratz; die Städte Pommerns. 3) Beitr. z. Kunde Preuss. II, 153, Preuss. Provinzialb. 1832. 435. 4) Gregorovius, Neidenburg. 5) Zeitschr. d. hist. Gesellsch. f. Posen 1887. III. 219.

Durch die seltsame Witterung begünstigt, fanden die Pestseuchen weite Verbreitung in Polen, Böhmen, Mähren, Österreich und den angrenzenden Gebieten, „welchen viele Vornehme erlagen“. Nach Polen, wo sie während des ganzen feuchten Winters anhielt, soll die Pest von Ungarn herübergekommen sein. Nachdem sie in Warschau Eingang gefunden hatte und der königliche Hof in Gefahr gekommen war, entwich der König Sigmund mit Familie zunächst nach Osieczko, später in entlegenere Landesteile.

In Böhmen dehnte sich die Pest in weiteren Kreisen aus. In Prag herrschte sie von St. Prokop (1. April) bis Weihnachten, es sollen vom Juni bis 16. Oktober über 6000 Menschen erlegen sein; (nach Pröckl, Karlsbad 140, forderte die Pest von 1624 an 30000 Opfer). Zu Eidlitz (1/2 M. von Komotau) starben 350 Menschen an der Pest. In Böhmisch Brod fanden fast täglich 40 Personen den Tod; weil unter dem Coladischen Regiment viele Soldaten starben, verlegte man das Militär nach Glatz und Schlesien 1).

Wie in Bayern, so erhob sich die Pest im Oktober auch in Salzburg, wo viele Häuser ausstarben, und deshalb die Schulen und Bäder geschlossen wurden. Auch in Ober- und Nieder-Österreich tauchte das Übel auf. – In Krems herrschte die Pest; sie entstand durch den Zusammenfluss vieler Fremden, die von Furcht vor den Kosaken getrieben, sich aus Mähren, Schlesien und Böhmen geflüchtet hatten. In Wien fand eine ansteckende Seuche Eingang und ergiebigen Boden; der Kaiser mit seinem ganzen Hofstaate begab sich nach Wiener-Neustadt 2). In der Steiermark stellte sich die Pest an verschiedenen Orten ein; so in Admont, wo die Leichen im Friedhof der Filiale Hall beerdigt wurden, in Pettau, wo sie sich schon 1623 einnistete, im Markte Vorau, wo sie vom Oktober bis Januar 1627 manche Opfer forderte. Ebenso erlagen in der Umgegend von Steyr, in Sierning, Untergarsten, Unterwald und in der „Rämbing“ viele Leute.

Am 2. November zeigte sich das Übel auch in Steiyrein, ohne indes grosse Verbreitung zu finden 3). Nach dem 1626 gedruckten „Kurtzer und klarer Bericht: Wie man sich zu Zeiten der Pestilenz und anderer in Österreich gewöhnlichen Seuchen, als: Ungrischen Krankheit, Ruhr, Peteckien, Kindsblattern und Flecken … bewahren solle“, vom „Praefectus sanitatis Dr. Phil. Persius zu Linz“, herrschte am häufigsten das „boshaftige giftige pestilenzische Fieber, die ungrische Krankheit, welche durch die von Kranken benützte Bettwäsche vererblich ist“.

1) Zeiler, Topogr. l. c. 100. Hellwich , Graupen 168. Nikol. von Urbanstadt, Komotau, Meteran. nov. Contin. 100. 2) Geusau IV. 3) Museum Franc. Carolin. Linz 1878.

Das Jahr 1626.

Der Januar war gelind, das Frühjahr kalt; am 20. und 26. Mai erfror bei grimmiger Kälte der Wein, Getreide und Obst; regnerischer Sommer, trockener Herbst. Geringe Ernte, Wein wenig und sauer. Korn und Wein stiegen im Preise; allenthalben grosse Teuerung und Hungersnot. In Württemberg mussten sonst gutbestellte Leute betteln; Hunderte starben Hungers. Andere suchten sich durch Gras, Melden u. dgl. bis zur Ernte zu erhalten. Laut einer Familienchronik aus Zeil (Unterfranken) entstand nach dem harten Maifrost „ein grosses Flehen und bitten unter dem gemeinen Pöffel, warumb man solang zusehe, das allbereit die Zauberer und Unholden die Früchten sogar verderben“; 35 derselben fielen als Opfer des Aberglaubens.

Ernst von Mansfeld, Feldherr, dreissigjähriger Krieg, Barock, Harnisch, Rüstung
Ernst von Mansfeld, Feldherr im dreissigjährigen Krieg. Geb. circa 1580, gest. 30. Nov. 1626.

Am 25. April 1626 schlägt Wallenstein mit 20000 Mann Mansfeld an der Dessauer Elbbrücke. August 1626 besiegt Tilly Christian IV. bei Lutter am Barenberge. Norddeutschland und Jütland gehen an die Kaiserlichen verloren, Wallenstein erhält vom Kaiser Mecklenburg, dessen Herzoge verjagt werden, 1628 als Lehen; Stralsund wird von ihm zehn Wochen lang vergebens belagert.

In diesem Jahre trat ausser typhösen Seuchen die Ruhr und Bubonenpest sehr verheerend auf. Im Elsass herrschte die Pest. So wurde Zabern von einer Seuche heimgesucht. Auch in Strassburg, wo 2594 Personen in diesem Jahre starben, forderte (nach A. Goldmayer’s Chronica) die Seuche Opfer. Daselbst machte sich, wie in Rom, die Influenza bemerkbar 1).

Zu Langensteigbach bei Karlsruhe starben täglich 5-6 Personen an der Pest. Auch Heidelberg wurde von der Pest heimgesucht.
In Württemberg folgten auf Misswachs und Hungersnot, durch die vielen Umzüge kaiserlicher Truppen gefördert, Pest und Seuchen, welche im ganzen Lande bei 28000 Menschen hinrafften. Wie Zwiefalten wurde auch das Kloster Schussenried von der Pest heimgesucht und zwar dergestalt, dass fast der ganze Konvent dahinstarb 2). Im Pfarrdorf Gross-Eislingen (bei Göppingen) nahm die Pest 214 Einwohner weg. In der Gemeinde Wangen starben vom August bis November 118 Menschen. Im Herbste brach die Pest in Esslingen (Neckarkreis) aus. Einem für für die Krankenpflege aufgestellten Bader und Barbier wurde aufgetragen, die Häuser fleissig mit Wachholderholz oder dem hierzu angefertigten Rauchpulver zu räuchern, die Kranken tüchtig schwitzen zu lassen, zuerst ihnen Theriak und Kardobenediktenwasser, dann auch Pestlatwergen (eingedickte Saft-Honig-Zubereitung u. a. mit Zusatz Granatapfel, Wacholder) und Pulver zu reichen, ohne Zustimmung des Arztes aber keine Ader zu schlagen, für Blattern und Beulen die vorgeschriebenen Pflaster zu brauchen, und den Kranken keinen „Wein, sondern nur Quitten – und Irbselensaft zu trinken zu geben. Neben jenem Bader stellte man noch 4 Wärter und 4 Wärterinnen auf.

1) Pascal, Rec. de mém, de med. mil. 1851 LI. 68. 2) Zwiefalten v. Sulzer II, 22. 59. Holzherr 113.

Die Seuche zeigte sich in Stuttgart weniger verheerend als auf dem Lande, da man für gute Krankenpflege und Reinlichkeit sorgte.
Empfohlen wurde häufiges Räuchern, das Kauen von Wacholderbeeren und an einem gewissen Holze. Teuerung und Seuche hielten noch in den zwei nächsten Jahren an. In Neuenstadt am Kocher zählte man im Jahre 1626: 121 und 1627: 24 Sterbefälle an der Lust- und Pestseuche. Kaiserliche Truppen brachten die Pest nach Markgröningen; da hielt sie vom 27. Juli 1626 bis zum 26. Februar 1627 an. Im Oktober erlagen 124, im November 141 Personen; vom 1. Juli bis letzten Januar 1627 starben im Ganzen 466 Personen. Auch Bitterfeld wurde von der Pest heimgesucht. In Bönnigheim, 0. A. Besigheim, wütete die Pest und erlagen 381 Personen; am 3. September kamen 10, am 11. Sept. 7 Leichen in ein Grab; in Erligheim starben 59 Menschen an der Pest, die bis 1627 anhielt. In Erbigheim nahm die Pest 56 Personen hinweg; sie dauerte bis ins nächste Jahr. Erdmannshausen (0. A. Marbach) verlor 253 Einwohner (Steininschrift in der Kirche). Güglingen beklagte manche Pestopfer; in Grossgartach (0. A. Heilbronn) wurden 371 Menschen, meistens von der Pest, hinweggerafft; noch im folgenden Jahre fielen einige zum Opfer. Ebenso herrschte in Kirchheim am Neckar die Pest. In Dürrenzimmer nahm die Pest vom 16. Juni bis 31. Dezember 73 Personen weg; in Frauenzimmer starben im September 14 Personen daran. In Brackenheim starben vom 1. August bis letzten Dezember 177 Personen, hauptsächlich an der Pest, welche am 6. Januar’1627 erlosch. Laufen am Neckar verlor vom Januar bis August manchen Einwohner durch die Pest 1). Oedheim (0. A. Neckarsulm) beklagte vom September bis Februar 1627 nicht weniger als 184 Pestopfer (gegen den Jahresdurchschnitt von kaum 20 Gestorbenen). Im Jagstkreis fand die Seuche ebenfalls grössere Verbreitung. So starben in Ellwangen 34 Häuser durch die Pest aus. Der Pfarrweiler Hohenberg (0. A. Ellwangen) wurde von einer ansteckenden Krankheit bis ins nächste Jahr durchseucht. Auch Crailsheim an der Jagst wurde mit seiner Umgebung von Not und Pest heimgesucht; daselbst herrschte überdies eine durch Misswachs herbeigeführte Viehseuche 2). In Hohebach forderte die Pest 205 Opfer (Kirchenb.). In Ingelfingen starben 156 Personen, darunter 124, mit dem Pfarrer, an der Pest, ebenso 1627 noch 19 Personen (Kb.). In Bieberfeld (0. A. Hall) raffte die Seuche viele Menschen weg. Ober-Stetten (0. A. Gerabronn) verlor durch die Pest 259 Menschen.

1) Klunzinger, Zabergau I, 110, 140. II, 29, 63, 97, 191. 215. III, 20, 152. 2) Stieber, Onolzb. 304, Feierabend 1880. 15.

Bei Schöntal (0. A. Künzelsau) hatte Herzog Franz von Sachsen-Lauenburg ein Lager mit etwa 10000 Mann; diese brachten die Bubonenpest mit, welche dann 1626 bis 1628 furchtbar wütete. In Buchenbach starben 148 Personen an der Pest (Kirchenb.). Lichtel (ehedem Rothenburgisches, jetzt württ. Dorf) verlor vom Juli 1626 bis Februar 1627 von 158 Personen 60 Personen an der Pest (gegen 12-16 jährlich) 1). Das Pfarrdorf Elpersheim (0. A. Mergentheim) büsste durch eine Epidemie 272 Personen ein (Matr.).

Der Magistrat von Wimpfen am Neckar (Hessen) hatte schon im Vorjahre wegen der in der Umgegend sich zeigenden Pest verboten, auswärtige Märkte zu besuchen, er hob die heimischen auf, stellte Wachen aus u. dgl. Trotzdem wurde die Stadt nach dem kalten Winter von der Seuche heimgesucht. „Die armen Leute fielen wie Mückhen um.“ Am 12. Juni 1626 gebot man dem Medicus, sich der Seuche wegen gefasst zu halten. Am 22. August erliess der Magistrat die Weisung, den durch die Pest unterbrochenen Feldbau wieder aufzunehmen. „Und so Einer von Gott mit der Seuche angegriffen wird, soll er sich und die Seinigen einen Monat einhalten, nicht in die Kirche oder sonst unter die Leute zu gehen. Die Nachbarn sollen ihnen Wasser und andere Notdurft zutragen. Ihre Wäsche sollen sie in der Nacht oder Morgens frühe auf dem Damm am Leyer See waschen und nicht bei gemeiner Wäsche, wie man bisher getan.“ Die Leichen wurden in den ersten 24 Stunden beerdigt. Noch im Oktober heisst es, „dass keine Gasse davor (vor der Seuche) sicher sei“. Zu allem Unglücke fiel noch eine Viehseuche ein (Frohnhäuser).

Im Dorfe Langenselbold bei Hanau grassierte die Pest. In Schaafheim und Schlierbach im Bachgau zählte man in diesem Jahr 36 Geburten und 125 Tote. Im März starben verschiedene Personen an der Pest in Schlüchtern 2). In Friedberg in der Wetterau brach die Pest, nachdem sie sich kurz vorher schon gezeigt, wieder aus und raffte in der Stadt allein 336 Menschen dahin. Anfang des folgenden Jahres starben auch der Rektor der Augustinerschule Johann Conrad Kirch mit Weib und 4 Kindern. Hersfeld an der Fulda wurde aufs neue von der Pest heimgesucht; es starben vom Juni bis September 445 Personen.

In den nassauischen Landen wütete die Pest furchtbar; in Dillenburg wurden, bei einer geringen Bevölkerung, in zwei Monaten 246 Menschen ein Opfer der mörderischen Seuche. Idstein verlor in zwei Monaten, vom November bis Jahresschluss, 57 Personen durch die Pest. Auch in Walsdorf brach wieder die Pest aus. Die dortigen Klosterpfründnerinnen flüchteten sich nach dem benachbarten Kirberg, wo übrigens im Herbste die Seuche auch zum Ausbruch kam und mehrere Jahre dauerte.

1) Bundschuh, top. Lex. III, 344. 2) Zeitschr. f. hess. Gesch. 1876. 226.

Im Amt Ottweiler, im Sawardischen (Saarland), und in der Herrschaft Forbach fand im Juni die Pest Verbreitung; von hier verpflanzte sie sich nach Saarbrücken, wo am 15. Juli plötzlich in der Marktpfortenvorstadt mehrere Personen der Pest erlagen. Bis zur Mitte August hatte die Krankheit, welche Typhus gewesen sein mag, so um sich gegriffen, dass manche die Stadt verliessen. St. Johann wurde abgesperrt und blieb von der Infektion verschont. Ende Februar 1627 liess die Krankheit nach, wie es scheint, ohne grossen Menschenverlust verursacht zu haben.
Im Luxemburger Lande wütete wieder die Pest und ward sie Veranlassung zur Einführung der Prozession zum hl. Adrianus, die sich bis auf unsere Zeit erhalten hat.

In Unterfranken wurden verschiedene Orte von der Pest heimgesucht. In Wollbach bei Neustadt a. S. starben, wie eine beim Pfarrhause stehende Denksäule bekundet, 124 Menschen, Gross und Klein, an der Pest. In Volkach raffte die Pest wieder 123 Personen hinweg gegen jährlich im Durchschnitt 59. Am 24. August brachte ein fremdes Mädchen (vagabunda) die Pest in ein Haus zu Strüth bei Röttingen; am 26. August wurden der Hausvater mit 4 Kindern und der Magd beerdigt, denen am 2. September die Frau und bald der letzte Sohn nachfolgten. Im Oktober war die Seuche schon in Röttingen eingedrungen und da riss sie bis zum 14. Oktober täglich 5-7 Personen ins Grab. Vom 14. bis 27. Oktober betrug die Zahl der Opfer 35. Im Ganzen waren vom 11. August 1626 bis 7. Februar 1627 in Röttingen und Strüth 269 Einwohner gestorben, während in Markelsheim vom 19. Juli bis 30. Dezember 1626 der Pest 510, in Apfelbach 125 Personen erlegen waren 1).

Auch im Fürstentum Bayreuth kam zu den Kriegsdrangsalen noch die Pest; sie herrschte in Gefrees und musste deshalb der Ort ein halbes Jahr gesperrt werden 2). In etwa 5 Monaten (Juli bis November) starben in Kronach 415 Personen und zwar in manchem Hause 5-8, ja 10 Personen an der Pest (Matr.) In weiterer Verbreitung überschritt die Seuche die Grenze und raffte in Eger 49 Personen hinweg; gleichzeitig entstand dort wegen Futtermangels eine Viehseuche. Auch in der Pfarrei Münchaurach (Bez. Höchstadt a. A.) starben viele Menschen, besonders „die mit einem grünen Kreuz bezeichnet, hat Gott durch Pestilenz hinweg geraffet,“ wie der Pfarrer im Totenregister bemerkt. In Kleinerlbach und Schauerheim bei Neustadt a. A. grassierte die Pest so sehr, dass ganze Familien ausstarben. Der Häfnersjunge Zimmermann von da, dessen Eltern und Geschwister sämtlich an der Pest gestorben waren, hatte auch 7 Pestbeulen an sich, kam aber davon; am 22. Mai 1628 wurde er unvorsichtiger Weise erschossen. Gleichzeitig fielen im Aurach-, Fembach-, Seebach- und Zenngrunde viele Menschen der Seuche zum Opfer.

1) Dr. Wieland, Röttingen 62. 2) Holle, Oberfr. Arch. IV.

In Lehrberg bei Ansbach starben 84 Personen 1). Wilhemsdorf verlor durch die Pest vom 9. Juli bis 22. Dezember, nach dem Register, einige 70, im September allein bei 20 Menschen; manche Familie starb aus. Schwangere Frauen pflegten zu abortiren und dann zu sterben. Im September kam die Pest nach Stinzendorf, von da nach Gundersdorf und endlich nach Cadolzburg und währte bis Dezember, so dass fast alle Menschen in den erstgenannten Orten erlagen.

In Nürnberg sah man sich am 23. September genötigt, das Pesthaus zu St. Rochus wieder aufzumachen, um 11 infizierte Personen unterzubringen; die Pest begann wieder und bald lagen draussen an die 60 Personen. Wöchentlich starben 10-15, doch wurde der grösste Teil wieder gesund. In den Kirchenlisten sind 1792 Geburten und 3148 Leichen verzeichnet 2). Eltersdorf (am Ludwigskanal, Mitteltr.) wurde von der Pest gegen Ende 1626 und 27 stark heimgesucht. Neustadt a. D. und Umgegend wurden von der Pest betroffen. In Straubing stellte sich gegen Ende des Jahres die Pest ein, um bis zum Frühlinge des folgenden Jahres sich aufzuhalten. Dem hl. Sebastian wurde 1627 eine s. Z. in der Carmelitenkirche befindlich gewesene silberne Votivstatue geweiht; der Tag Sebastian aber wurde fortan gefeiert.

Wegen der in der Nachbarschaft überhand nehmenden Seuchen wurde zu Coburg der Martini-Markt abgestellt. Als auch hier viele Personen von dem „pestilenzialiscben Fieber“ angesteckt wurden und daran starben, erliess man eine Pestordnung. In Dermbach an der Fulda (Eisenach), wie im ganzen Fuldagrunde, wütete neben den Kriegsdrangsalen die Pest. Im Oktober zeigte sie sich in Fambach bei Schmalkalden; ein Lehrersohn war das erste Opfer. Eisenach verlor 2500 Einwohner. In Schlotheim starben 542 Personen (bei 24 Geburten), in Gräfentonna 510, in Grossen-Vargel 347, in Gebesee 275, in Königssee 707 Personen (Toppius). Die Seucbe herrschte in Harra, Lobenstein, Metebach. In Burgtonna starben 89 Personen. Von Herbsieben wurde die Pest nach Gierstadt verschleppt, woselbst dann vom 14. Mai bis 14. November 227 Personen starben. In Ruhl erlagen 59 Personen der Pest. In Nazza begann die Pest im Oktober 1626 und hielt bis 1627 an und sind alle Tage und manchmal 6-7 Leute, zusammen über 500 Personen gestorben.

1) Mittelfranken Arch. 26. B. 2) Siebenkees, Mater. III, 39. Dr. Ziehl, Seuchen 8.

In Haina zeigte sich die Pest neuerdings, ohne jedoch grössere, Verluste herbeizuführen. In Nordhofen grassierte die Pest; ebenso in Pferdingsleben, wo 157 Personen und 1628 darauf 94 der Pest erlagen (Brückner); in Herbsleben starben wieder 297, in Tanna 195, in Tambach 400, in Lichtstedt 116, in Zeitz über 1100, in Lichte 18, zu Meuselbach (Rudolstadt) 85, im Kirchspiel Saulfeld 101, in Schwarza bei Rudolstadt in 5 Monaten (von 1625-26) 129, in Schleiz vom Juni bis Weihnachten 181 Personen.

Wie allenthalben in Thüringen, herrschte die Pest auch zu Triptis, Auma und Neustadt an der Orla (Weimar). Ebenso wurde Jena von der Pest heimgesucht. In Gera trat die Seuche in diesem, dann nochmals in der 2. Hälfte des folgenden Jahres mit besonderer Heftigkeit auf; bis Ende Dezember 1626 starben 228 Personen; auch das nahe Dorf Kraffsdorf litt durch das Übel (Hahn). Zu Pausa wie in Wolfshain kehrte die Pest in etlichen Häusern ein. Auch Werdau, besonders die Neustadt, wurde wieder von ihrem Besuche überrascht.

In Zwickau starben vom Juni bis Weihnachten 216 Personen. Die Seuche gelangte auch nach Freiberg. In und vor der Stadt wurden viele Häuser infiziert und so starben von 752 Personen gegen 500 an der Seuche 1). Schlimmer erging es anderen Orten. In Schwarzenberg starben 205, in Gottesgabe 178, in Breitenbrunn 81 Personen 2). In Mittweida zeigte sich die Pest am 9. April, und nahm sie an Heftigkeit so zu, dass Totengräber wie Nachtwächter erlagen. Vor Ausbruch der Seuche starben 22 Personen, nach dem Ausbruch aber bis zum Neujahre 1000 Menschen, worunter 164 aus den eingepfarrten Dörfern. In Altmittweida starben an der Pest 290 Personen. Am 25. Juli verscharrte ein Mann M. Hörnig in Lauenheim seine Toten, Weib und 5 Kinder, selbst in aller Eile auf seinem Acker ein wenig in die Erde an verschiedenen Stellen; als es ruchbar wurde, trug die Gemeinde Sorge, dass der städtische Totengräber die Leichen aufsuchen und in ein tieferes gemeinsames Grab bringen musste 3). In Frankenberg starben an der Pest von der Karwoche an bis zum Winter 581 Personen. Die Leute zogen aus den infizierten Orten ins Feld und Holz und bauten sich Hütten. Auf den Strassen wucherte Gras und stundenlang sah man daselbst keine Menschen 4).

Auch in Annaberg, Buchholz, wo über 200 Menschen starben, sowie in Schneeberg war die Seuche eingedrungen, ohne jedoch bedeutende Ausdehnung zu erlangen; im Oktober starben 62, im November 32 Pestopfer, im ganzen Jahre aber 228. In Neustädtle bei Schneeberg starben im Oktober und November 70 Personen an der Pest 5).

1) Möller, Ann. 454. 2) Lehmann, 955. 3) Kretschmar 405. 4) Bahn 290; Eckardt, Glauchau 467. 5) Meltzer 1004.

Von Döbeln, wo sie bereits im Vorjahr aufgetaucht war, wurde die Pest nach Rosswein verschleppt; hier erlagen der Seuche 376 Personen; die eingepfarrten Dörfer Seifersdorf und Haslau wurden nicht minder arg mitgenommen 1). Von Colditz her fand die Pest Eingang in dem Pfarrsprengel Altleisnig; doch verfuhr sie mit demselben ziemlich glimpflich, während sie in dem Kirchspiele Zschoppach grimmig einher schritt 2). In Borna erlagen abermals 70 Personen der Pest. Nachdem sich zu Grimma bereits im Vorjahre einzelne Pestfälle gezeigt hatten und verschiedene Ausgaben für Kranke „peste grassante“ vom Juli bis November veranlasst hatten, trat die Seuche in diesem Jahre heftiger auf. Im August und September waren gegen 150 Häuser infiziert und über 350 Personen gestorben. Am 15. August lagen 15 Leichen in der Stadt und waren 10 angesteckte Personen ins Spital geschafft worden. Leipzig, dessen Einwohnerzahl im Jahre 1623 bis zu 17312 Seelen angewachsen war, hatte in diesem Jahre nur noch 14496 Bewohner; überdies verlor die Stadt noch in diesem Jahre 1268; hiervon starben (nach Heidenreich p. 363) im Sommer und Herbst bis Weihnachten nicht mehr als 122 Personen an der Pest, wiewohl fast in allen Gassen die Häuser infiziert waren 3).

Anfang August nistete sich die Pest in Wurzen ein; in diesem Monate erlagen ihr an manchem Tag 6-7 Personen; jedoch liess sie im September wieder nach. Durch ungestörten Verkehr des Totengräbers mit den Leuten, sowie durch Verschleppung von Betten und anderen Geräten aus den durchseuchten Häusern wurden manche weggerafft. Zu Dresden starben, bei einer Bevölkerung von etwa 13000 Einwohnern, an der Pest 341 Personen; darum mussten der Altdresdener, auf Maria Geburt fallende und der Neudresdener Gallimarkt eingestellt werden. In Grossenhain kam am 23.Juni der erste tötliche Pestfall vor; die Seuche griff sofort heftig um sich, so dass in der 1. Woche 26, in der 2. 29, in der 3. 30, in der 4. 73 Personen starben, und in allem 900 Personen in der Stadt, 100 in Naundorf und 1219 im Kirchspiel erlagen. In Dohna starben 157 Menschen (gegen die gewöhnliche Zahl 60). Ebenso litt das Städtchen Lauenstein durch die Pest. Die Seuche suchte auch die Stadt Löbau heim 4). In einigen Dörfern, namentlich zu Harte bei Zittau, wurde, wegen der nahenden Pest, aller Verkehr eingestellt. (Carpzov.)

Die Seuche überschritt auch die böhmische Grenze. In der Bergstadt Graupen starb am 25. August der erste Pestkranke, um desselben Tages noch Weib und Kind nachzuholen. Die Krankheit griff so um sich, dass bis Ende des Jahres 150 an der Pest Verstorbene begraben wurden.

1) Altzella’sche Chronik VII, 183 f., Kamprad, Leisnig. 2) Mitth. d. Gesch. und Altert.-V. Leisnig. 1878. 21. 3) Leonhardi 252. 4) Saxonia V. 61.

In Bunzlau (Schlesien) brach im September und Oktober die Pest wieder aus, weshalb die Schule und Badstube geschlossen werden mussten. Von den 288 Toten dieses Jahres waren 149 an der Pest verschieden. Am 21. August 1626 trafen in Goldberg 6000 Mann des kaiserlichen Heeres unter Graf Merode ein; „sie waren meistenteils krank und steckten voller Pest“. Nachts zogen sie ab und liessen die Pest hinter sich, welcher ein Teil der Bevölkerung erlag; in Christoph Scholzens Vorwerke (jetzt der Weisstein) starben allein 16 Personen daran (C. Wenzel). Während der zweiten Jahreshälfte fand sich zu Breslau die Pest wiederholt ein. Im Kinderhaus in der Neustadt starben einige Knaben und Mädchen, wie auch in der St. Maria-Magdalena-Schule und Elisabeth-Schule, weshalb am 7. August die Schulen wieder geschlossen wurden; 1874 Personen starben und 472 genasen. 1) In Brieg wurde wegen der dort herrschenden Seuche in diesem und folgendem Jahr der Jahrmarkt eingestellt.

In Grätz (Posen) wütete 1626-27 die Pest in Gemeinschaft mit Hungersnot. Die armen Leute suchten sich vergebens vor dem Tod durch die Flucht in die Wälder zu retten. 2)
Die Seuchen griffen, durch die unausgesetzten Einquartierungen und Durchmärsche der Kriegsscharen geweckt und unterstützt, in den Provinzen Sachsen, Brandenburg, Hannover ungehindert um sich. Trotz aller Vorkehrungen stellte sich in Erfurt, dessen Bewohnerzahl schon vor dem 30 jährigen Krieg auf 15000 Einwohner herabgesunken sein soll, die Pest in verheerender Weise ein und raffte 3474 Menschen hin. Um der Seuche Einhalt zu tun, erliess der Rat am 25. Dezember 1625 eine Ordnung. Hiernach sollten die von infizierten Orten Kommenden nicht durch die Tore eingelassen werden; der Trödelmarkt, das Hausieren mit gebrauchten Sachen wurden eingestellt. Okkultisten, Wundärzten und ähnlichen Personen war das Feilbieten ihrer Waren streng verboten.

Präservativmittel wurden zum Gebrauch bestimmt, eigentliche Heilmittel aber nur auf den Rat der Ärzte gebraucht, welche zu bestimmten Stunden an einem gewissen Orte, namentlich „im kleinen Spittel“, wo auch Arznei aus gerbellt wurde, zu treffen waren. Personen aus Pesthäusern „durften nicht unter reine Leute laufen“, darin Verstorbene nicht heimlich weggeschafft werden; auch durfte niemand aus solchen zu öffentlichen Versammlungen kommen. Nach erfolgtem Tod sollte aber sechs Tage lang kein Fenster in der Wohnung geöffnet werden!

1) Zeitschr. f. schles. Gesch. XIII. 224. 2) Zeitschr. d. hist. Gesellsch. f. d. Prov. Posen, 1886, 224.

Sechs Wochen später wurden die unmittelbaren Gebrauchsgegenstände der Verstorbenen an einem passenden Orte gereinigt oder verbrannt; der Leichnam selbst aber wurde sofort nach dem Tod gewaschen und in den sogleich zu verschliessenden Sarg gelegt. Die Beerdigung musste frühestens 18 Stunden nach dem Tod erfolgen. Die Leichenzeremonien wurden wenigstens in etwas beschränkt. Genesene, oder Personen aus infizierten Häusern durften erst nach vier Wochen ihr Haus verlassen 1). In Tennstedt (bei Erfurt) raffte „das grosse Sterben“ sehr viele Menschen weg. Ebenso grassierte die Pest in Weisensee und Umgebung. Es starben an ihr in der Stadt allein im Oktober 131, und in Allem gegen 500 Menschen. Durch Plünderungen von Seiten der Pappenheimer im Jahre 1632, der Schweden in den Jahren 1634, 1635 und 1639 und der hessischen Truppen noch 1645, wurde die Stadt so entvölkert, dass nur 98 Häuser bewohnt, von der Bürgerschaft aber nur noch 40 Bürger und 50 Witwen übrig waren. Grünstedt verlor im Jahr 1625: 145 und im Jahr 1626: 357 Einwohner. In Ottenhausen raffte die Pest 257 Personen weg. Gebesee verlor durch die Pest 275, Kindelbrück 519 Einwohner durch die Pest und 34 an anderen Krankheiten; der Friedhof musste erweitert werden 2).

Kriegslast und Erpressungen erzeugten in der Herrschaft Querfurth grosse Teuerung und Not. Nebenbei wütete in der zweiten Jahreshälfte in der Herrschaft die Pest, so dass in der Stadt 1400 Personen, darunter 200 Soldaten, zu Barnstädt 300, zu Lodersleben 274, zu Leimbach 85 Personen starben. Die Pestepidemie welche im Vorjahr in Naumburg a. S. begonnen hatte, raffte in diesem Jahre 799 Menschen hinweg. Merseburg hatte eine Einbusse von 431 Einwohnern durch die Pest zu erleiden. In Kölleda wütete, am 12. Juni von einer Frau aus Ellersleben eingebracht, die Pest; im August starben 448, im September 341, im Oktober 66, also in mancher Woche 130-200 Personen; begraben wurden an manchem Tag 30-40, im Ganzen starben 1000 Individuen. Im Jahre 1627 wurden 88 Paare kopuliert.
Die Pest gelangte durch kaiserliche Völker auch nach Halle. Dabei stockte der Handel ganz, Teuerung und Not steigerten sich täglich. Hierzu kam die Sperrung der Stadt mit solcher Strenge, dass die Toten nicht hinausgeschafft werden konnten. Vom Juni bis Dezember starben wieder 3400 Menschen 3). In Eisleben begann die Pest im Mai zu grassieren und sie riss so ein, dass täglich 30, 40 und endlich 50 Leichen nach einander begraben wurden. Im St. Andreaskirchspiel erlagen 797, in St. Peter und Pauli 578, St. Nikolai 915, in St. Anna 704, im Hospital 74, zusammen 3068 Menschen, darunter 9 Geistliche.

1) J. C. Motschmann, Erfordia liter. 1729, 32. 2) Hagke, Weisensee 253, 277, 307, 342; Hagke, urk. Nachr. 36. Olearius. 3) G. Olearius 380, Rathmann.

In Vockstedt grassierte die Ruhr; es erlag ihr u. a. am 17. August der Amtmann Jak. von Grüntal 1). Zu Sangershausen eröffneten 39 Personen im Juni den Todesreigen, es schlossen sich an im Juli 92, August 344, September 570, Oktober 180, November 37, Dezember 17, zusammen 1323 Personen; in der Pfarrei St. Jakob zählte man 653. Viele Leichen kamen nicht ins Register; manchen Tag wurden 16-30, ja 36 begraben. Auch durch die Nachbarorte eilten die Boten des Todes, so erlagen in Ober-Röbling 308, in Bayer-Naumburg 130, Holdenstett 180, Gonna 158, Pölsfeld 168, Walhausen 500, Langenfeld 150, Mettelroda 100, Riebstedt 327, Rieth-Nordhausen 208, Rossleben 200, Ober-Heldrung 74, in Ziegelrode 141, in Donndorf 194, in Langenrode 52, in Allerstedt 70 Personen; bei 52 unter diesen 70 wird ausdrücklich bemerkt, dass sie der Pest erlagen. Kaum war die Pest erloschen, so nahte neue Kriegsnot. Ebenso herrschte die Pest in Greussen, Allstett, Artern u. a. 0. 2).

In Sondershausen, welches bis Ende Juli nur 54 Gestorbene zählte, stieg mit dem August die Sterblichkeit; man zählte in diesem Monat 36 Leichen, im September 137, im Oktober 143, im November 69 und im Dezember nur 22. Im Ganzen starben 466 Personen (gegen jährlich 60), wovon an 400 Pestopfer; in Frankenhausen starben 915, in Heringen der 4. Teil der Bewohner 542, in Langensalza, wo im Jahre 1625 bereits 436 gestorben waren, zählte man in diesem Jahre 913 Pestopfer – gegen 177 Geburten.

Nach einem alten Verzeichnis starben zu Nordhausen in Thüringen vom 1. Januar bis 6. Dezember 3283 Personen, nämlich 2504 Einheimische, was ungefähr den 3. Teil der damaligen Einwohner entsprach, und 779 Fremde, welche sich wegen des Krieges hierher geflüchtet hatten. Schwache und ängstliche Personen wurden meistens ein Opfer der Pest, während die rohen Soldaten sich mit wenigen Ausnahmen ohne Gefahr in die Betten legten, aus welchen sie Pestkranke herausgeworfen hatten. Der Arzt Philipp Grüling aus Stolberg, damals Korrektor am Gymnasium zu Nordhausen (von 1619 – 1627), welcher einen Tractatus de peste herausgegeben hat, riet den Leuten, als kräftiges Präservativ ihre Wohnstuben monatlich einmal mit Kalk zu weissen und dieselben erst am Tage nach dem Weissen und nach vorhergegangener starker Ausräucherung wieder zu beziehen. Der genannte Arzt will auch bemerkt haben, dass in dem Hause eines Fleischers, welcher einen Ziegenbock (Stinkbock) gehalten habe, niemand gestorben sei. Emdenius, damals Pastor zu St. Blasii, klagt in seinem „Theol. Pestilenz-Diskurse“, „dass die vornehmsten, heiligsten und stillsten“ Personen dahin gerafft wurden und wenig öffentlich Gottlose zu Grunde gingen!

1) Zeitschr. a. Harzvereins f. Wernigerode 1879. 2) Müller 361; Nebe, Unstruttal, Zeitschr. d. Harzv. VII, 22. XVIII. 112.

Im Eichsfelde brach die Pest aus, um fürchterlich im Lande zu wüten; in Heiligenstadt herrschte sie zur Herbstzeit so stark, dass allein im Monat September über 200 Menschen erlagen. Von den Studenten wurde ein Drittel zu Grabe getragen. Als Opfer der Nächstenliebe starben 6 Priester, von denen 5 Jesuiten waren. In Werbis wurden vom 24. November 1625 bis 23. November 1626 225 Bürger hingerafft. In Duderstadt, wo die Seuche in gleicbem Grad hauste, verfielen ihr bei 2000 Menschen (Bürger, Soldaten und Flüchtlinge) 1).

In Stolberg am Harz gesellte sich zur Teuerung am 27. Juni die Seuche, um zunächst und vorzugsweise der Kinder sich zu bemächtigen. Bald wurde indes, angeblich durch Furcht vor Ansteckung, die Krankheit allgemein, so dass die Zahl der Toten an einem Tage auf 11 Personen stieg, der 24. Oktober, wie der 10., 14., 17. und 22. November ausgenommen, an welchen Tagen niemand starb. Die Seuche forderte ein Opfer von 623 Personen.

Die Städte Quedlinburg, Aschersleben, Halberstadt wurden von der Pest heimgesucht; zu Gröningen im Halberstädtischen forderte sie 549 Menschenleben zum Opfer 2). Im April zeigte sie sich in Stassfurt und nahm sie stetig zu. Die Stadt Acken an der Elbe verlor 1000 Personen, darunter auch Soldaten, durch die Pest. Ebenso hart wurden Dessau wie Zerbst und andere Orte des Fürstentums Anhalt betroffen 3). Auch Magdeburg musste die Geisel der Pest fühlen. Im nahen Dorfe Drackenstadt starben 40 Personen und zwar die meisten an der Pest. Ein grosser Teil der Einwohner, wie auch jener von Dreileben, floh vor Pest und Krieg. In Förderstedt starben im Juni und Juli mehrere einquartierte Soldaten an der Pest; vom 26. Juli an starben 5 Einwohner, im August 43, im September 63 und im Oktober 14, in 60 Häusern starben 134 Inwohner, während des ganzen Jahres aber 155 4). Die Pest nistete sich bereits im Oktober des Vorjahres in Egeln ein, um im Februar d. J. mit neuer Heftigkeit zu wüten: sind doch vom Januar bis zum 16. August 296 Tote eingetragen, darunter im Juli 100 und im August 96. In gleicher Weise hauste die Pest in Altenweddingen; in Bottmarsdorf starben viele Häuser aus. In der zweiten Jahreshälfte wütete die Pest in Volmirsleben, da starben vom 6. Juli bis Ende Oktober 246 Leute, hiervon im September allein 144. In Unseburg wurden in diesem Jahre über 400 Soldaten, Weiber, Kinder, Knechte und Jungen beerdigt, und zwar viele heimlich, in Gärten, Holz und Wiesen. Nach einer im ersten Halbjahre beobachteten erhöhten Sterblichkeit wüthete die Pest im August mit Heftigkeit und starben bis Ende Oktober 194 Leute.

1) Wolf, 64, Werner, das Eichsfeld 156. 2) Leuckfeld 278. 3) Beckmann, Anhalt III, 304 f. 4) Geschichtsbl. f. Magdeb. 1876. 155. 391.

Dem grossen Verluste folgten im nächsten Jahre zahlreiche Eheschliessungen. In Tharthun begann die von Egeln eingeschleppte Pest Ende Juli; bis zum 20. Oktober wurden 116 Leichen bestattet 1).
Wallensteins wilde Scharen zogen im August auf der Verfolgung des Grafen Mansfeld von Dahme über Luckau, Calau, Sagan nach Schlesien, nach allen Richtungen die Pest und andere Infektionskrankheiten verbreitend. In Sagan erlagen an der durch die Soldateska eingeschleppten Pest täglich 20-40 Menschen. In Forst (n. w. von Sorau) und Umgegend brach nach dem Durchzug der Armee die Pest aus, die binnen 14 Tagen mächtig um sich griff; sie raffte vom 16. August bis 29. Dezember 500 Personen dahin; viele Bewohner flohen in die umliegenden Orte. In Cottbus starben an derselben Seuche 900, in Spremberg vom 10. August bis Jahresschluss 312 Menschen; auch in Weissagk brach die Seuche aus. In Luckau erlagen 386 Personen. In Jüterbock herrschte die Pest während des ganzen Jahres; von etwa 4000 Einwohnern starben 902; viele flohen in andere Städte, etliche in die „Weinpressen“. Trotzdem hielten sich die Soldaten nicht ferne.

Weiter wütete die Pest in der Stadt Müncheberg (2 M. von Fürstenwalde). Auch die Einwohnerzahl Spandau’s wurde durch die Pest bedeutend verringert; es standen viele Häuser leer. Seit der grossen Teuerung 1622 war die Leistungsfähigkeit der Stadt gebrochen und die Not gross 2). Ingleichen wurde Neustadt-Eberswalde VOll der Pest heimgesucht.

Die in der Altmark hausende Seuche fasste nun auch in Gardelegen festen Fuss und gewann an den einquartierten Soldaten förderliche Helfershelfer. Die infizierten Soldaten wurden daher in die Hopfenhäuser und nach St. Georg verlegt. Von den Soldaten des Herzogs Georg von Braunschweig und Lüneburg, der hier das Hauptquartier hatte, wurden 20 und mehr Leichen in eine Grube geworfen. In der Pfarrei St. Nikolai starben allein 766 Personen, im Ganzen aber 1154 3). – In dem nächst der Stadt Tangermünde errichteten Feldlager brach unter der dänischen Besatzung die Ruhr aus, welche sich bis in die Stadt verbreitete und gegen 1600 Menschen hinraffte; am 29. Juni zogen die Dänen ab. Auch Stendal wurde nach dem Abzug der Dänen furchtbar heimgesucht. Im Juli stellte sich die Ruhr ein und tötete binnen wenigen Monaten 2511 Personen, welche kirchlich begraben wurden, während sonst die Durchschnittszahl der Leichen 280-290 betrug.

Ausserdem wurden viele Leichen in den Gärten hinter den Häusern begraben; ebenso starben viele Bauern, die sich in die Stadt geflüchtet hatten, so dass die Gesamtzahl von 5000 Toten kaum übertrieben erscheint. In der Nikolaipfarre sind vom 1. bis 24. September allein 228 Tote eingetragen. Im Kirchenbuch ist bemerkt: Dysenteria grassari coepit. Dysenferiae comes erat pestis, quod Contagium opinione celerius totam circumrepsit urbem et intra breve aliquot mensium multos e medio sustulit. In der Stadt Osterburg erlagen von 1626-38 der Pest 624 Menschen (Matr.).

1) Geschichtsbl. f. Magd. 1878. 70. 2) Krüger 268. 3) D. Bauke 71.

Auch die Stadt Werben wurde davon heimgesucht. In Bismark erlagen 163 Bewohner, in Prizwalk 138. In der Stadt Havelberg starben an Ruhr, Hauptkrankheit und Pest gegen 668 Personen, wovon etwa 400 an Pest 1).

In Salzwedel wütete die Pest; von den in diesem Jahre all da verstorbenen 461 Personen sind über 400 ihr zuzuschreiben. – In Rathenow ist die Pest im September durch einen Bettler eingeschleppt worden, der am 9. plötzlich starb und heimlich eingescharrt wurde; bis Jahresschluss wurden 132 Personen öffentlich beerdigt; im Januar hingegen starben nur noch 5 Personen. In Mecklenburg traten Ruhr und Pest epidemisch auf; letztere soll sich von Rostock aus im Jahre 1624 über das Land verbreitet haben. Am 12. März zeigte sich die Pest in Parchim. Nachdem sie Mitte Mai ihren Höhepunkt erreicht, währte sie noch bis Martini. Einzelne Pestfälle kamen indes bis Pfingsten 1627 noch vor. Es fielen gegen 1600 Pestopfer.

Die am 23. Juli publizierte Pestordnung bestimmt: Infizierte und Gesunde sollen sich aller Gemeinschaft enthalten. Die Pest-Betten, Kleider und Sachen sollen bis auf den Winter verschlossen bleiben und erst bei hartem Frost an die Luft gebracht werden. Bei schwerer Strafe sollen die Pestleichen nicht länger als einen Tag und eine Nacht unbegraben liegen bleiben. Die Gräber sollen sehr tief gegraben werden etc.

1) Beckmann, Brandenburg.

Über das Schicksal der Stadt Einbeck (Hannover) berichtet Georg Jeremias von Dassel, Gutsbesitzer zu Hoppensen und Einbeck: Was die Sterbens-Läuffte, damit Gott der Allmächtige uns auch fast stark heimgesucht, belangen tut, haben dieselben auch jetzo leider allerdings nicht nachgelassen und sind seit Jacobi vorigen Jahres bis jetzt allhie in Einbeck an der Pest und Hauptkrankheit über die 3000 Personen (nämlich Landbewohner und flüchtige Einwohner von Meringen, Dassel, Stadtoldendorf inbegriffen) mit Gesang und Klang begraben, auch sehr viele, vornehmlich aus dem Bauernvolk, so herein geflohen, heimlich hinausgebracht und in die Erde gescharrt worden. In Massen denn auch noch heutigen Tages fast viel in dieser Stadt hin und wieder auf der Gasse erbärmlich krank liegen und eines Teils jämmerlich sterben. Auf dem Lande und in den Dörfern sind von den Leuten, so vom Feinde nicht erschossen und zermetschet und fast häufig im Holze und Felde halb vom wilden und zahmen Viehe zerfressen gefunden worden, über die Hälfte gestorben, haben ihrer Seelsorger nicht mächtig werden können und haben ohne christliche Ceremonien begraben werden müssen, ja ihrer viele sind in Stroh verbunden und in die Erde, wo sie gestorben, verscharrt, dass es also dieses Orts ein erbärmlicher Zustand gewesen und noch ist, und was am höchsten zu beklagen, ist auf dem Lande und in den kleinen Städten nun über drei Vierteljahre kein Beten verrichtet worden, ja die Kirchen sind alle miteinander aufgebrochen, was darin gewesen, weggeraubt und in vielen Orten die Glocken zerschlagen und weggenommen worden u. s. w.“ 1).

Nachdem in Göttingen schon längere Zeit die Ruhr und andere hitzige Krankheiten geherrscht hatten, ja einige Pestfälle aufgetreten waren, nahm die Pest während der Belagerung der Stadt durch Tilly (Juni bis 12. August) in den heissen Tagen des Juni und Juli bei grossem Mangel in der von Flüchtlingen dicht bevölkerten Stadt so mächtige Dimensionen an, dass fast täglich 50 bis 60 Personen begraben wurden; der ganze Freudenberg war mit gestorbenen Bauern angefüllt; Mangel an Futter brachte auch das Vieh zu Fall 2). Nicht minder wehte während der Belagerung ein giftiger Hauch über das nahe Dransfeld, wo in Folge dessen 700 Menschen starben; „die Stadt war so wüste, dass man einen halben Tag vor der Türe sitzen konnte und keinen Menschen zu sehen bekam“ 3). – Mit grosser Heftigkeit stellte sich die Pest in Goslar ein, wo ihr 3000 Menschen zum Opfer fielen. Zu den Kriegsleiden gesellte sich in Bockenem die Pest, deren Opfer auf dem im Garten der Kapelle B. M. V. eigens angelegten Totenacker beerdigt wurden. In Wolfenbüttel wurden 1705 Menschen eine Beute der Pest 4).

In der dicht bevölkerten Stadt Hannover vertrieb im März die sich furchtbar ausbreitende Pest selbst die Besatzung. Durch die vielen Flüchtlinge vom Lande hatten Teuerung, Hungersnot und Pest überhand genommen. Aus Mangel an Särgen wickelte man die vielen Leichen in alte Tücher oder Stroh, um sie dann auf Karren zum Leichenacker zu bringen. Der ein volles Jahr wütenden Krankheit erlagen über 3000 Menschen und soll kaum der dritte Teil der Bevölkerung übrig geblieben sein. Im Jahre 1636 zeigte sich die Pest nur in wenigen Häusern 5). In der Stadt Nienburg, welche von den Kaiserlichen nach der Schlacht bei Lutter am Barenberge blockiert wurde, brach unter der dänischen Besatzung und der Bevölkerung die Pest aus; ihr erlag auch der Kommandant von Limbach 6).

Die Stadt Wiedenbrück an der Ems (Westfalen) wurde von Einquartierungslasten, Hungersnot und durch die „boesse krankheit“ schwer heimgesucht 7).

1) Harland II, 265. 2) Hist. Beschr. v. Göttingen 1734. 184. 3) Havelmann, Braunschweig II, 654, III, 2. 4) Goerges, Bege, Roloff. 5) Hoppe 131 f. 6) Goerges III. 7) Güterloh 7.

Das Jahr 1627.

Nasses, kaltes Jahr; spätes Frühjahr, Mitte Mai starker Frost, der Wein, Obst und Feldfrüchte an vielen Orten schädigte; im Sommer häufige Unwetter mit Hagel, viele Regengüsse, von Mitte August bis in den November, verdarben das Getreide; die Ernte war gering, Wein wenig und sauer. Grosse Teuerung.

In Franken und Bayern tauchte die Pest in manchen Gegenden auf; so in der Maingegend. In Eichenbühl bei Miltenberg erlagen gegen 70 Personen der Pest (Matr.) In Wertheim blieben die Schulen wegen der herrschenden Pest drei Monate geschlossen; die Schülerzahl verminderte sich um 30 1). In Schweinfurt trat gegen Ende des Jahres die Pest sporadisch auf; am 4. Dezember gebot der Rat, alle an der Pest Gestorbenen bei Nacht zu begraben. Die Sterblichkeit war jedoch eine sehr geringe, da man 221 Geburten und 206 Sterbefälle zählte. Das Übel machte sich weiterhin im folgenden Jahre bemerkbar, da der Rat noch am 27. Dezember die Anordnung erliess, dass jene, welche von der jetzt grassierenden Pest entweder persönlich angesteckt oder nur aus angesteckten Häusern und Orten wären, sich des Besuches der Badestuben und anderer Versammlungen zu enthalten hätten. Bei 253 Geburten starben nur 296. Die Pest fand sich auch wieder in Neustadt a. d. A. ein, so dass einige Häuser geschlossen wurden; sie zog sich jedoch bald zurück. In Burgbernheim erlagen, der Pest 180 Personen; sie dauerte bis ins nächste Jahr. In diesem und folgenden Jahre herrschte das Übel auch in Leutershausen; in der Rechnung vom 11. April 1628 erscheinen Ausgaben für Dr. Knobloch in Onolzbach „als er wegen der Pest zu Rath gezogen war“, in die Apotheke für Medicamenta praeservativa und curativa, so von den Geistlichen und Weltlichen abgeholt worden, für Wartgeld den 4 Totengräbern, welche 26 Wochen gehalten worden sind 2).

1) Neidhart, Schulgesch. 9, Müller-Falke, Zeitschr. f. Kulturgesch. 1856. 2) Mittelfr. Arch, XI.

Auch Nürnberg wurde von der Pest wieder heimgesucht, so dass täglich 30 bis 40 Menschen starben (Ziehl). Zu Altsittenbach bei Hersbruck raffte sie 44 Personen weg. In Eichstädt wütete als Folge der Teuerung im Herbst eine heftige Seuche und wurde eine auf einer Anhöhe (am Freudhof) vor dem Westentor angelegte „Pestgrube“ ganz gefüllt. Viele Domherren flohen, der Bischof blieb 1).

Auch in der Bayreuther Gegend wütete die Pest; so starben in Plech, Bez. Pegnitz, und Ottenhof 168 Personen, weshalb der Friedhof erweitert wurde. Im nächsten Jahre wurden von Beginn des September bis 21. Dezember 214 Personen beerdigt. Auch die Oberpfalz blieb von der Pest nicht verschont. In der Michlfelder Pfarrei (bei Auerbach) fing die Pest im August 1627 an und dauerte bis gegen 1635 fort. Die ersten Opfer waren die Fischsteiner. Das Übel griff so heftig um sich, dass, ebenso wie in Auerbach, die Leute die Ihrigen gleich in der Nähe ihrer Häuser begraben mussten. Selbst diese getrauten sich kaum mehr und mussten mit grossen Kosten Jemand bezahlen, welcher die Leichen begrub. (So liest man, dass sich Zigeuner als Totengräber gebrauchen liessen. Unter anderen liess sich ein Totengräber von Plech bei Bayreuth seine Dienste in der Pfarrei Michlfeld teuer bezahlen, z. B. für ein Begräbnis am 31. Dezember 1627 liess er sich gegen acht Reichstaler samt Kost und Trunk geben).

Zu den Seuchen kam noch in Folge des Misswachses Mangel an allen Viktualien und an Vieh, welche Not durch Einquartierung gesteigert wurde. So klagten die Metzger von Tirschenreuth, dass das meiste Vieh zu Grunde gegangen sei; das noch vorhandene sei halbkrank, matt und so dürr, dass „Einen davor eckeln muss, es auch nur anzuschauen, geschweige denn es zu geniessen, wodurch gar leicht eine Krankheit causirt (herbeigeführt) werden könnte.“ Die allgemein überhand nehmenden Kriegsdrangsale erzeugten allenthalben Unsicherheit. Markgraf Hans Georg trieb sich im Nordgau mit seinem Gesindel umher und raubte den armen Leuten das noch übrige Vieh.

Zu Landshut legte man zum Begraben der infizierten Leichen einen „Pestfreithof“ an. Im nahen Pfarrdorf Altheim trat die Pest auf (Gesch. v. Ebersberg). In Südbayern verbreitete sich allmählich die Ruhr, welche, nach dem Urteil der Ärzte, durch Genuss unreifen Obstes und in manchen Fällen durch Trinken von schlecht gegorenem Tiroler Wein aus dem Etschtal veranlasst worden war. Durch landesherrliches Mandat vom 9. Oktober und 4. November wurde die weitere Einfuhr solchen Weines verboten 2).

1) Bundschuh, top. Lex. I, 768. 2) Meichelbeck, Chr. Benedictob. I. 291.

Auch in den Vororten Neuburgs a. D. brach eine ansteckende Seuche aus, welche bis zum Schluss des Jahres währte; das Gymnasium blieb bis zum Katharinentag geschlossen 1). Im Oktober riss zu Augsburg die Pest wieder ein; sie nahm im November so zu, dass innerhalb 8 Tagen 100 und mehr Menschen erlagen. Der Rat liess das Lazaret oder Brechhaus öffnen, bestellte Sesselträger, welche die angesteckten Personen sofort dahin zu bringen hatten und verbot alle Lustbarkeiten. Der Kurfürst Maximilian in Bayern untersagte bei schwerer Strafe seinen Untertanen in die Stadt zu gehen, erlaubte ihnen jedoch, ihre Waren an die Lechbrücke zum Kaufe zu bringen, wo die mit Erlaubnisschein versehenen und noch nicht infizierten Personen aus der Stadt verkehren durften. (Ratsdekr.) Schrecklich wütete die Pest – rote Ruhr – in der Pfarrei Grünenbach (sw. von Kempten) 1627, 1628, 1630.

Während des Winters, bis Ende März, herrschten in Schaffhausen bösartige ansteckende Fieber, welche namentlich in der Unterstadt und Webergasse viele Personen wegraffte 2). In Radolphzell hauste die Pest, weshalb die Laienpriester die Stadt verliessen, während die Kapuziner standhaft aushielten.
In Durlach trat die Pest im Sommer mit Heftigkeit auf, ja sie verbreitete sich auch in den Nachbarorten. Im September wurden 12, dann 16 Krankenwärterinnen und 8 Totengräber bestellt. Zu den 2 Durlacher Ärzten kamen noch jene von Pforzheim zur Aushilfe. Im Frühjahr 1628 liess die Seuche nach.
In Württemberg erhob sich die Pest zu neuer Tätigkeit; so in der Stadt Wangen; in Crailsheim nahm sie vom Mai bis November 265, in Crispenhofen (O. A. Künzelsau) 101 Menschen hinweg (Matr.)
Im November waren durch Wetterfeld (kleines Dorf bei Laubach, Wetterau) spanische Truppen marschiert; diese haben wohl die Pest dahin verschleppt. „Vom 21. – 25. Dezember starben 4 Personen an der Pest“ und am 2. Januar 1628 eine Müllerstochter 3).

In der Provinz Sachsen grassierte noch die Pest zu Eckartsberga bei Halle; dann in Mühlberg an der Elbe: hier wütete sie 16 Wochen: die am meisten heimgesuchte Himmelreichsstrasse wurde mit Brettern verschlagen; im nächsten Jahr trat sie hier wieder auf. In Crossen an der Oder sollen ihr gegen 1000 Menschen erlegen sein; den selben Verlust beklagte Sommerfeld in diesem und dem folgenden Jahre 4).

1) Neub. Collect. 49. 2) Chron. IV, 289. 3) Wetterfeld. Chron. 72. 4) Wedekind, Züllichau 196.

Nachdem die Pest im verwichenen Jahr in Niedersachsen grosse Tätigkeit entfaltet hatte, richtete sie nun in Bremen bei grosser Hungersnot eine mörderische Niederlage an; nach einem Verzeichnis wurden gegen 10000 Menschen, Einheimische und Flüchtlinge, ihre Beute 1). In Flensburg (Schleswig) herrschte während der Besetzung durch die Kaiserlichen die Pest neben allgemeinem Elend in hohem Grad. Mit dem Abzug des Feindes wich das Übel. So heisst es im Stadtprotokoll von 1630: „An 1630 am 25. Januar war der Rat nach erlangtem lieben Frieden und aufgehörter Pestilentz zur Haltung des Gerichts wieder beysammengekommen.“ – Brüssel ward wieder der Schauplatz einer verheerenden Epidemie; sie nistete sich vorzüglich in den feuchten Wohnungen der tiefgelegenen Stadtteile ein; man nahm seine Zuflucht zur Fürbitte des Pestpatrons St. Rochus 2).

Das Jahr 1628.

Einem warmen Winter folgte im Frühling Schnee und Regen, wodurch die Blüte litt; nasser kalter Sommer; das Getreide kam spät zur Reife und nicht trocken in die Scheune; im September stand in manchen Gegenden noch viel Getreide auf dem Felde und konnte wegen bald eingetretener Kälte nicht eingeheimst werden. Die Früchte waren schlecht geraten; die Trauben erfroren, ehe sie reif waren; an manchen Orten mussten sie mit dem Stempel gestossen werden, so dass man diesen Wein, welcher seit 100 Jahren nicht so schlecht gewachsen, „Stösselwein“ nannte. Dazu kam in manchen Gegenden eine fürchterliche Teuerung, die im nächsten Jahre anhielt; in Landsberg (Oberb.) kostete ein Scheffel Korn über 100 fl. Nach der Tyroler Hauschronik aus Pfans entstand wegen der Fehlernte eine solche Not um Matrey, dass man das Bohnenstroh mahlte, um Brod daraus zu backen; das Staar Roggen galt 12 fl.; Christian Mair von der Leiter trug um 100 fl. Brod von Kapfstein auf der Kraxen nach Matrey.

Frankreich wurde 1628-31 von typhösen Seuchen, wie von der Pest heimgesucht. So Angers, wo besonders die Armen durch Not und Krankheit litten, so Chalons, Aix, Montpellier, Avignon, Marseille; in Agen hatte man vom März bis Juli 1631 vor der Pest Ruhe, jedoch herrschte unter den Vornehmen „le pourpre“ und eine „grande phrénésie“. Mit Nachlass des Typhus brach die Pest von Neuem aus. In Lyon herrschte die Pest vier Monate hindurch in der verheerendsten Weise; es erlagen ihr über 50000 Menschen, gegen 3000 flohen auf das Feld 3). Limoges soll 25000 Einwohner verloren haben.

Die Schweiz wurde abermals der Schauplatz einer Jahre hindurch anhaltenden Pestseuche. In Zug trat die Pest am 8. September auf. „Et incipit pestis“ sagt das Totenbuch. Von diesem Datum an bis zum 29. Dezember 1629 ergaben sich in der Stadt allein 468 Todesfälle, unter Ausschluss von etwa 240 Kinderleichen. Im August 1629 starben 97 und im September 151 Kommunikanten. Im Frauenkloster zu St. Klara starben 1629 in kurzer Zeit 18 Professinnen (4 an einem Tag) und 2 Kosttöchter.

1) Topogr. inter, 66. 2) Henne et Wauters II, 43. 3) Ludolph, Schaub. I, XV, 475; Newer Unpartheyischer Mercur, Cölln 1629.

Das Jahr 1630 weist gegen den Verlust 78 Ehen für die Stadtgemeinde Zug auf 1). In Sursee erlagen (1628-1629) der Pestseuche in einem halben Jahr bei 400 Menschen; zu gleicher Zeit raffte die Pest in der Stadt Zofingen gegen 200 Personen weg 2). Am Ende des Jahres herrschte im Städtchen Sempach am Vierwaldstätter See die Pest. Das „Gemeindebuch“ im Stadtarchiv Sempach sagt: „1628 war ein stärbet in der statt, starben jung und alt uf die 100 Personen.“ Das Totenbuch bestätigt es. Dasselbe enthält von der Hand des Leutpriesters R. Entlin die Worte: „Extra parochiam nuptiae celebratae, infra nullae.“ „In fine et circa finem pestis grassabat. 1628, Sept. 5., Adrian Gassmann, hat die Pest von Sursee kramet“. In Kanton und Stadt Zürich zeigte sich die Pest 1628-29 in mässigem Grad. In Frauenfeld (Thurgau) breitete sich die Pest im Winter 1628 auf 1629 heftiger aus, als aus dem Jahre 1611 berichtet worden. Im Kirchspiel fielen 400 Personen der Pest zum Opfer.

Zur Berichtigung irriger Ansichten über das Wesen der Krankheit wurde der Satz aufgestellt, nicht die Luft sei vergiftet, sondern die Ansteckung erfolge durch Berührung der Kranken oder von ihnen verunreinigter Kleider, Tücher und Geräte, daher die sorgfältigste Reinlichkeit empfohlen, das Ausschütten des Unrates auf die Gassen, die Verunreinigung der Brunnen und des Stadtbaches aber strenge verboten, Leuten aus infizierten Orten der Eintritt in die Stadt verwehrt; der Verkehr der Infizierten oder deren Angehörigen mit den übrigen Stadtbewohnern strengstem untersagt wurde. Als Mittel gegen Ansteckung riet man die Wohnzimmer täglich mehrmals zu beräuchern und zu beflammen; auf gleiche Weise musste auch der Messner die Kirche eine halbe Stunde vor dem Gottesdienste von unreinen Dünsten befreien. Die Särge durften nicht getragen, sondern mussten auf Umwegen neben der Stadt an den Friedhof gefahren werden. Liestal (s. ö. v. Basel) wurde in diesem und dem folgenden Jahre schwer heimgesucht. Auch in Basel fand die Pest Eingang. Das Totenregister nennt 527 Opfer für das Jahr 1828 und 2656 für 1629, ohne jene, welche eines gewöhnlichen Todes starben 3).

1) Geschichtsfr. Einsiedeln XV, 33, 90. 228, XIV, 33. 2) Attenhofer 68. 3) Beiträge z. Gesch. B. 1839.

Mit den Zügen des österreichischen Heeres wurden die Krankheitskeime weiter verbreitet. Auf diese Quelle führte man auch „die wütende Seuche der Pestilenz“ zurück, welche in Schaffhausen trotz verschiedener Vorsichtsmaßnahmen ausbrach. Am 5. November fiel das erste Pestopfer, welches am Jahresende gegen 60 Personen, meist weiblichen Geschlechtes, nach sich gezogen hatte. Bei andauernder Teuerung erhielt sich die Pest bis zum Schluss des nächsten Jahres. Nach Joh. Mich. Wepfers Verzeichnisse starben im Januar 47 Personen, im Februar 43, März 38 April 32, Mai 50, Juni 149, Juli 463, August 901, September 608, Oktober 183, November 64, Dezember 17, im Ganzen 2595 Personen, unter ihnen der grösste Teil der Beamten, Geistlichen, Ärzte und eine grosse Zahl Jungfrauen. In Beringen starben 300, in Thayngen 340 Personen u. s. f., überhaupt in der Landschaft gegen 2000 Menschen. Am 14. August wurde angeordnet, dass „der Abgestorbenen hinterlassene Sachen eine gute Zeit liegen bleiben sollen.“ Der Stadtschlosser musste, „wenn in einem Hause alles ausgestorben war, dasselbige wohl verschliessen“. (Noch in der Neuzeit fanden sich hier und da Spuren solcher Schliessungen) 1).

In Sulzburg (Kreis Lörrach, Baden) herrschte die Pest 2). Im Elsass hielt die Seuche nur in einigen Städten Einkehr, so in Gebweiler 3), in Mülhausen, wo die Epidemie bis ins nächste Jahr währte.
Freiburg i. Br. wurde von der Pest heimgesucht. Am 20. Januar am Feste des hl. Sebastian, ist daher „zuom erstenmal gebotten worden zuo feiren, wegen einfallender böser Sucht abzuobitten“ 4).


Württemberg hatte abermals der Pest zahlreiche Opfer zu bringen Die Pest wütete in diesem und dem folgenden Jahre am Bodensee. In Langenargen blieb 1629 nur das Schloss von der Pest verschont 5). In Ravensburg nahm die ansteckende Seuche so überhand, dass vom halben August bis Weihnachten gegen 400 Personen starben. In Oberschwaben trat die Pest in verschiedenen Orten auf; so starben in Leutkirch während eines halben Jahres 150, im nächsten Jahre 120 Personen. Auch Isny hatte viele Opfer zu beklagen. Im Pfarrsprengel Ummendorf brach zur Herbstzeit die Pest aus; in dem Filialorte Fischbach erlagen 50 Personen, in Ummendorf nur wenige 6). Im Oktober herrschte die Pest in der ganzen Umgegend von Ingoldingen, besonders aber in Wintersrettenstadt (Donaukreis) 7). In Frauenzimmern (Zabergau) erlagen 10 Personen der Pest. In der Umgegend von Jagstberg (0. A. Künzelsau) hauste die Pest in verheerender Weise (Pfarrchr.).

1) Chron, Schaffh. IV, 291 f. Wepfer, Jahrb. f. Schweizer Gesch. Zürich 1884. 128. 2) Zeitschr. f. Geschichtsk. Freib. i. Br. 1880. 102. 3) Dominikanerchronik. 4) Th. Mallinger’s Tagbuch. Mone. II, 533. 5) Gattenauer Chron. 55. 6) Stift Ochsenhausen 114. 7) Gaisser’s Tagb. Mono II, 179.

Zu Dillenburg (Nassau) trat die Pest 1628 und 29 wieder auf, jedoch nicht so gefährlich wie 1626. Wegen der schrecklich zunehmenden Pest flüchteten die Nonnen des Klosters Walsdorf an der Ems, gingen jedoch meist elend zu Grunde, nachdem bereits 1626 und 1627 einzelne Schwestern von der Seuche weggerafft worden waren.

Die in der Umgegend herrschenden Infektionskrankheiten „Pest“ fanden Ende Juni auch in Saarbrücken und St. Johann Eingang; sie währten bis in das nächste Jahr, da die über diese Städte verhängte Sperre noch im April bestand. Die Zahl der Verstorbenen ist nicht bekannt. Köln wurde 1628, 1629, 1630 und 1631 der Schauplatz verheerender Epidemien 1).
In Bayern griff die Pest, besonders in Schwaben, um sich, wohl im Anschluss an die Verwüstungen im Bodenseegebiete und Württemberg.

Die Pest raffte in Lindau 300 Menschen hinweg, ja sie wütete noch im folgenden Jahre 2). (Nach F. Bouton sollen daselbst in 1 1/2 Jahren 2000 Pestopfer gefallen sein). Zu den Einquartierungslasten, Teuerung und Not kam in Schwaben die Pest. Kempten verlor durch die Seuche 499 Männer, 633 Frauen und 680 Kinder, zusammen 1822 Personen; selbst noch im folgenden Januar 138 Menschen; am 14. Oktober 1628 starben allein 12 Männer, 11 Frauen und 7 Kinder (Haggenmüller gibt als Zahl der Gestorbenen 2735 an). Die Krankheit verbreitete sich auch über das Land; in der Pfarrei Legau starben im gleichen Jahre 212 Personen. Im Juli erhob sich in mehreren umliegenden Dörfern bei Memmingen die Pest, im August betrat sie die Stadt. Die Bewohner infizierter Häuser durften nicht ausgehen, die armen Kranken kamen ins Brechhaus. Erst der Wintermonat 1629 machte der Pest ein Ende, nachdem in einem halben Jahre 650 Menschen, meist Arme, gestorben waren; ganze Häuser standen entvölkert da. Eine Folge dieser Entvölkerung waren die vielen Hochzeiten; am Ostermontage 1629 wurden 17 Paare verkündet 3).

Die Drangsale des Krieges brachten im Jahre 1628 zu Oberdorf eine grosse Sterblichkeit unter die Leute; das gab den Anlass eine Kapelle zu stiften. Zu Anfang des Jahres herrschte in Augsburg die Pest noch immer fort. Als im März ein Rückgang der Seuche zu verspüren war, sperrte man das Brechhaus, um den Handel und Wandel der Stadt wieder zu eröffnen, allein im Juli erhob sich die Seuche von Neuem, und nun dauerte sie fast bis zum Jahresschluss. Nach dem Berichte Einiger sollen in diesem Jahre über 9000 Menschen der Pest erlegen sein. Man teilte den Rat in zwei Hälften, wovon je eine 14 Tage lang im Dienst blieb. Nach Lewald erlagen innerhalb zweier Jahre gar 30000 Menschen 4).

1) Ennen, Volksausg. 447. 2) Ver. f. Gesch. d. Bodens. 1869. 82. 3) Unold, Memm. 23. 4) Stetten II, 16.

Auch in Neuburg a. D. erhob im Jahresanfang die Pest von Neuem ihr Haupt; sie zeichnete sich durch gesteigerte Ansteckungsfähigkeit und raschen Tod aus. Gedacht sei hierbei des Pfarrers Gg. Ridd von Oberhausen als eines Opfers seiner Nächstenliebe. Nach kurzem Stillstand rührte sich die Pest abermals um Mitte des Sommers. In Landsberg a. Lech wütete die Pest fürchterlich und zwar bis ins Jahr 1630 1). In der ganzen Gegend gesellte sich zur allgemeinen Teuerung die furchtbar ansteckende Seuche, welche Tausende hinraffte. In Schongau starben an manchem Tage gegen 30, im Ganzen über 700 Personen. Im Mai waren die Orte Unterpeissenberg und Luberzried wegen der Pest abgesperrt worden. So wurde am 11. September auch die Stadt Weilheim wegen vorhandener Spuren der Pest versperrt, bis der Verkehr am 22. Januar 1629, nach Erlöschen der Infektion, wieder hergestellt werden konnte. Anfangs August bereitete sich die Pest den Weg nach Andechs (Heiligenberg) durch verbotswidrige Aufnahme von zwei Wallfahrern; das bald um sich greifende Übel forderte in 2 1/2 Monaten 21 Opfer. Niemand wollte die Toten begraben, weshalb die Verwandten selbst ihre Toten bei Nacht der Erde übergeben mussten. Gleich darauf wurde das nahe Dorf Erling von München aus gesperrt und der Verkehr verboten. Auch hier fehlte der Totengräber; da in den angesteckten Häusern oft kein Gesunder war, der den Tod des Anderen hätte anzeigen, viel weniger diesen begraben können, so blieben die Leichen oft längere Zeit liegen, ohne dass etwas bekannt wurde. Endlich liess sich der Hirt von Fischen zum Dienst herbei. Am 11. Oktober starb das letzte Pestopfer. Die Pestgräber bedeckte man mit frischem Wasen, reinigte die infizierten Häuser mit Kalk und verbrannte die Mobilien 2).

Bavaria von Ludwig Schwanthaler.
Bavaria von Ludwig Schwanthaler. Patrona Bavariae. Schwanthaler’s Statue in München. Gezeichnet von F. R. Roffe. Graviert von G. R. Hall.

München war bis jetzt von der herrschenden Pest verschont geblieben; da starb plötzlich am 28. September eine Magd des Vizekanzlers Richl an den Symptomen der Pest. Das Haus wurde gesperrt, die mit den Kranken verkehrenden Personen, Arzt, Bader, Seelnonne wurden vom öffentlichen Verkehre abgesondert und andere Maßregeln verfügt; die Seuche ergriff nur wenige Personen, ohne nach anderen Opfern ihre Hand auszustrecken.

In weiterer Ferne herrschte die Seuche in der Umgebung von Traunstein, Burghausen und zu Schärding am Inn, dann in Wien, wo sie bis 1630 grassierte 3). In der Oberpfalz ersah sich die Pest Amberg als Arbeitsfeld aus 4).

1) Oberb. Arch. IX, 309. 2) Chron. v. Erling. 3) Büheim , Wiener·Neustadt. 4) Baumgarten. Neustadt a. D. 109.

Nach dem Matrikel von Schlüsselfeld (Oberfr.) starben in Obermelsendorf 24 Personen an der Seuche. Burgebrach verlor in diesem Jahre 90 Menschen, im September 23, worunter 7 Kinder, im Oktober 26, darunter 5 Kinder; Ampferbach allein zählte 33 Verstorbene, unter ihnen wenige Kinder 1). In Lehrberg bei Ansbach starben 125 Personen 2).
Hessen blieb von der Pest nicht verschont. Im Juli fand sie Eingang in Giessen; derselben erlagen bis zum 29. November 57 Personen. Auch im Jahre 1629 und 1630 kamen noch einzelne Todesfälle durch Pest vor (Kirchenbuch) 3).
Pferdingsleben (Thüringen) verlor wieder 94 Personen durch die Pest. Im Kirchspiel Saalfeld forderte sie 74, ein Jahr später 87 Pestopfer. Nach Beckmann’s Anhalt. Hist. 1. 160 starben in der Stadt Hoym (an der Selke) 500 Menschen an der Pest. – Das Kirchenbuch nennt jedoch in diesem wie in den vorher- und nachgehenden Jahren sehr wenig Verstorbene; es scheint hier ein Irtum obzuwalten 4).

In Spandau herrschte 1628 und 1630 die Pest. In Lenzen unweit der Elbe erlagen ihr 168 Personen 5). Die Stadt Schwedt an der Oder, musste in diesem und dem folgenden Jahr über 100 Pestopfer lassen, während sonst jährlich 12-30 Todesfälle vorkamen. In Buxtehude herrschte abermals die Pest; gegen 700 Menschen tötete ihr Gifthauch. Auch Stade wurde von ihr heimgesucht 6). Nach Hamburg hatten sich während der Kriegszeit viele Auswärtige geflüchtet und dadurch Stoff gegeben zu einer Seuche („Hauptkrankheit“), welche viele Opfer forderte. Im St. Michaeliskirchspiel wurden allein gegen 4200 Leichen begraben. Unter den Verstorbenen befanden sich mehr denn 5000 aus dem Colmarer Bezirk. Nach dem am 28. Mai des folgenden Jahres zwischen dem König von Dänemark und Kaiser Ferdinand geschlossenen Frieden kehrten die noch von der Seuche Verschonten in ihre Heimat zurück, wo grosses Elend herrschte 7). – Auch in Glückstadt an der Mündung des Rhyn in die Elbe (Holstein) herrschte die Pest heftig. 8). In die Stadt Schleswig wurde die Pest mit der im September erfolgten Einquartierung kaiserlicher Truppen und insbesondere am 20. November durch den Einmarsch von 813 Mann mit 70 Weibern und 30 Jungen vom Scharfenbergischen Regiment eingeschleppt. Durch Krankheit, Not und Flucht der Vermögenden verödete die Stadt, so dass um Weihnachten 211 Häuser leer standen. Den Bewohnern Nordfrieslands wie der friesischen Inseln brachte der Krieg Anfangs 1628 grosses Unglück. Die kaiserlichen wie dänischen Truppen bedrängten das Volk durch Einquartierungen, Kontributionen, Erpressungen aller Art.

1) Haas, Slavenl. I, 308, II, 55. 2) Mittelfr. Arch. 26. 3) Oberhess. V. f. Lokalgesch. 1881. 4) Zeitschr. d. Harzv. f. Gesch. Wernigerode 1869. 5) Beckmann, Brand. II, 244. 6) Arch. f. Gesch. zu Stade 1869. 396. Topogr. Sax. inf. 1652, 223. 7) Kurze Hamb. Chron., Jahrb, f. Landesk. Kiel 1859. 8) Top. Sax. inf. 100.

Übrigens folgten der Kriegsnot Teuerung und Pest fast im ganzen Nordfriesland bis zur Ernte des Jahres 1630 1).
Die Stadt Rastenburg (s. ö. von Königsberg) verlor durch eine Epidemie abermals viele Schüler (vgl. 1625).

Das Jahr 1629.

Ziemlich kalter Winter, sehr günstiger Sommer; häufige Hagelwetter, Frucht und Wein verblühten 14 Tage vor Johanni; gute Getreideernte, frühe Weinlese, Wein gut und viel.

1629 Friede zu Lübeck (Separatfrieden von Lübeck) zwischen dem Kaiser und Christian IV., der Dänenkönig erhält seine Lande zurück und verspricht, sich nicht weiter in die deutschen Angelegenheiten zu mischen. Um die Ketzerei auszurotten, ergeht am 6. März das Restitutionsedikt, nach dem alle seit dem Passauer Vertrag eingezogenen geistlichen Güter herauszugeben sind.

In diesem Jahre fand die Pest in der Schweiz grössere Verbreitung, besonders im Kanton St. Gallen. – Am 20. Mai kam von Trogen, dem Hauptort des Kantons Appenzell-Ausser-Rhoden, ein Mann nach St. Gallen, übernachtete im Wirtshaus zum Adler und wurde daselbst am andern Morgen schwer erkrankt aufgefunden. Noch am Abende starb er; der ganze Hausstand des Wirtes aber fühlte sich alsbald angesteckt und einige Glieder desselben starben. Bei gehöriger Vorsicht hätte der weiteren Ansteckung wohl vorgebeugt werden können, denn erst im Juni verbreitete sich die Seuche in und vor der Stadt. Es starben innerhalb 7 Monaten in der Stadt und ihren Gerichten 671 Kinder unter 14 Jahren und 749 Erwachsene, sohin 1420 Personen 2). Nach v. Arx erlagen in St. Gallen 1630 Menschen. Auch im Kloster St. Gallen äusserte sich die Pest mit Pestbeulen auf der Brust, in der Leistengegend und an den Armen.

Zu Anfang des September erkrankte und starb ein Pater, worauf der Abt mit den 6 Novizen und ihrem Präceptor nach Rorschach übersiedelte, die Schüler aber in ihre Heimat entliess bis auf einen, dessen Geburtsort Gossau durchseucht wurde. Weiter erkrankten bis Ende September von 26 Konventualen 6, wovon 4 starben und 2 Diener, welche ihrem Leiden erlagen. Auch ins Kloster von Rorschach wurde von St. Gallen aus die Pest mitgebracht. Doch erlitt das Kloster dadurch keine besonderen Verluste 3). – In Toggenburg hauste die Pest in schrecklicher Art; nur das Frauenkloster Magdenau blieb verschont 4). Im ganzen Kanton wüteten Hunger und Pest gemeinschaftlich. In der Pfarrei Wil wurden 1060, in der alten Landschaft 19953 Menschen hinweg gerafft 5).

1) Hansen, Uthland 116 f. 2) Hartmann. 3) Mittheil. z. vaterl. Geschichte St. Gallen 1866. 161. 4) Naeff, St. Gallen 899. 5) Vgl. Collectanea Steplin Num. 462 p. 400, 435; v. Arx III, 124.

Nachdem im Orte Altdorf, Kanton Uri, bereits viele an der Pest gestorben waren, wurde die Seuche von da in das nahe Frauenkloster zum obern hl. Kreuz in Attinghausen verschleppt. Mehrere Schwestern erkrankten, eine starb 1). Gegen Ende des Jahres 1628 kam die Pest neuerdings über die Pfarrei Wetzikon (Kanton Zürich). Sie erreichte ihren Höhepunkt im August mit 135 und im September mit 131 Leichen. Bei einer Bevölkerung von etwa 710 Seelen erlagen der Seuche bis Jahresschluss 370 Personen. Die Krankheit nahm einen raschen Verlauf, dafür zeugt die Notiz, dass eine Frau, welche ihren Mann in den Totenbaum gelegt hatte, kurz darauf selbst zu ihm darein gelegt wurde. -Auch Lenzburg (Kanton Basel) litt durch die Pest; ein Wirt starb mit Frau und 4 Kindern.

In Feldkirch (Vorarlberg) wurde wegen der leidigen Pest der Markt bei Bludenz abgehalten. Es erlagen viele Menschen der Seuche. In der ehem. Reichsstadt Pfullendorf (n. von Konstanz) raffte die Epidemie gegen 600 Menschen hinweg. Eine geschriebene Nachricht aus jener Zeit sagt, dass an dieser Seuche der grössere Teil des kleinen Rats, drei Priester und beinahe alle städtischen Diener gestorben seien. Nach der Tanner Chronik „brachten umb diese Zeit unsere kayserl. Völckher ein miserable Pest mit sich aus Ungarn, Polen und Preussen in unser armes Vatterland, welche seit dem September an biss dato angefangen zu grassiren, dass zu Strassburg, Hagenau, Schlettstadt, Kolmar, Ruffach und hierumb gar viele Menschen schon gestorben sein.“ – In Strassburg scheint die Pest nicht besonders heftig aufgetreten zu sein, da dort (nach Dr. J. Krieger) im Jahre 1629 nur 1786 Todesfälle aufgezeichnet sind. In Metz trat die Pest von Neuem auf; es starben jedoch nur 120 Personen daran.

In Württemberg litten manche Gegenden durch die Pest. Im Juli zeigte sich die Pest in Leutkirch wiederholt; sie raffte bis Januar des folgenden Jahres 120 Personen weg. Ebenso erlagen ihr in Roth viele Menschen. Auch Ochsenhausen blieb nicht verschont 2). Im Bezirk Waldsee gingen Teuerung, Hungersnot und Seuchen Hand in Hand, letztere wüteten 1629 und rafften in der Gegend gegen 7/8 der Einwohner hinweg. Graf Heinrich von Waldsee bezog für die Dauer der Pest 1628 die Heinrichsburg als Zufluchtsstätte. Wolfegg, das im Jahre 1600 über 2000 Einwohner zählte, hatte im J. 1647 noch 139; Ähnliches erfuhr Schussenried u. a. O. – In Giengen an der Brens (O. A. Heidenheim) fing Mitte Oktober 1628 die Pest an; es starben bis Ende des Jahres 23 Personen; im J. 1629 aber erlagen ihr 71 Erwachsene und 80 Kinder (gegen 15-20 im jährlichen Durchschnitt). In Sulzburg forderte die Pest abermals 29 Opfer.

1) Geschichtsfr. 37. 2) Eggmann, Illertal.

Von Dattingen bemerkt das Lagerbuch Fol. 118: „in diesem Sterbend ist der Stabhalter und alle Gerichtspersonen, alle Geschwornen und beinahe alle Bürger hinweggestorben; es sind viele elende Witwen und verlassene Waisen geworden, dass sie alle haben mögen bevogtet werden; kein Vieh, nicht einmal ein Hündlein ist ihnen geblieben; die Not war in Britzingen gross, aber in Dattingen noch viel grösser“. Ende Februar 1630 hörte die Pest auf, wo vom Jahresanfang bis dahin 43 gestorben sind. Im Kirchspiel, das ungefähr 160 Bürger zählte, starben 217 Personen (von etwa 800 Einwohnern).

Auch in Darmstadt trat die Pest auf, weshalb der Landgraf mit Hofstaat nach Schloss Lichtenberg übersiedelte. Wer sonst konnte, flüchtete sich. Die infizierten Häuser wurden zugeschlagen und Niemand durfte sich am Fenster sehen lassen.
Die Pfalz blieb von Seuchen nicht verschont. So waren in Annweiler, nach einigen Notizen, Krankheiten ausgebrochen.
Auch in der Rhöngegend scheint eine epidemische Krankheit geherrscht zu haben. Im Dorfe Sondheim starben 29 Personen (Matr.) Walterahansen im Grabfelde bestand 1629 noch aus 150 Köpfen, welche durch Krieg und Pest unglaublich viel zu leiden hatten. Obernbreit (U. Fr.) verlor durch die Pest 152 Einwohner mit dem Pfarrer.

In der Oberpfalz trat die Pest nur sporadisch auf. Ende September zeigte sich die Pest in der Apotheke auf dem Kreuz in Regensburg. Es wurde dem Dr. Gichtl befohlen, bei Vermeidung gänzlicher Haussperre die Kranken mit allem zu versorgen und das im Hause befindliche Vieh ins Lazaret schaffen zu lassen, wo es das Almosenamt gegen billigen Wert übernehmen wollte. Zu Abensberg (N. B.) grassierte die Pest 1). Im August starb im Kloster Andechs ein von Salzburg zugereister P. M. Rainbeck an den Erscheinungen der Pest, welche er in Perchting, wo er übernachtet, geerbt haben sollte 2). In Waging (Bez. Laufen) wüthete die Pest. In der Stadt Laufen herrschte die „Bräune“ (Typhus) epidemisch, weshalb die Abhaltung des Jahrmarktes verboten wurde 3).

Im Februar wurden in Retges (Dorf bei Laubach, Wetterau) etliche von der Pest mitgenommen 4). In Schmalkalden herrschte die rote Ruhr sehr stark. In Saalfeld (Meiningen) starben 408 Personen an der Pest und im folgenden Jahre musste die Schule der Pest wegen etliche Monate geschlossen bleiben. In Siebenlehn, unweit der Freiberger Mulde, grassierte während des Sommers die Pest, weshalb viele Leute flüchteten, um bei Nachlass der Seuche mit Winteranfang zurückzukehren. Im sächs. Dorfe Plenschitz herrschte 1629/30 die Pest.

1) Baumgarten. Neustadt 109. 2) Chron. v. Erling. 3) Oberb. Arch. 22. 4) Wetterf. Chron. 77.

In Camenz wurden viele Menschen ein Opfer der Ruhrseuche. Zittau wurde von den Blattern betroffen. In Zeitz (Prov. Sachsen) herrschte wieder die Pest; auch das Rindvieh wurde von ihr ergriffen. Zu Pritzwalk (Altmark) erlagen der Ruhr 35 Personen 1). Durch anhaltende Regengüsse zur Erntezeit verdarb das Getreide auf den Feldern. Dieser Übelstand erzeugte in der Niederlausitz grosse Teuerung und Hungersnot 2). In Neustadt-Eberswalde (Mark Brandenburg) grassierte wiederholt die Pest mit ihrem Todesgefährten, dem Hunger. In der Stadt Lüneburg trat die Ruhr verheerend auf.

Auch Holstein musste abermals die Geiseln des Krieges und der Seuchen fühlen. In Stade, wo Tilly sein Hauptquartier genommen hatte, vermehrte eine heftige Ruhrepidemie die Leiden der Einwohner wie der Garnison 3). In der Stadt Travemünde, wie in anderen holsteinischen Orten, trat hin und wieder die Pest auf. Lübeck kam mit dem Schrecken davon.
Das Land Mecklenburg wurde aufs Neue von der Pest heimgesucht.
Am 13. August brach die Pest zu Rostock und Teterow aus und sie griff stark um sich. Nach einer Äusserung des Rostocker Pastors Joh. Quistorp an Jungius am 22. August 1629 waren bis dahin 300 Menschen an der Pest gestorben. Wie das auf Geheiss des Rats angefertigte „Verzeichnis aller Toten“ bekundet, fing die Pest Anfangs Juni zu grassieren an. Das kaiserliche savellische Regiment, in welchem sich Pestkranke befanden, brachte die Seuche nach der Stadt Plau, wo es sich in der Nacht des 29. November aufhielt. Jedoch verlief des bald eintretenden Winters wegen die Krankheit zunächst ganz gelinde 4).

Während Pommern von den kaiserlichen Scharen verwüstet wurde, herrschte im Lande allgemeines Elend, zu welchem Pest und eine förmliche Hungersnot das Ihre wesentlich beitrugen; Gras, Kräuter und Baumwurzeln fristeten das Leben vieler Menschen, Kalk und Erde wurden unter das Mehl gemischt. Von dieser jammervollen kläglichen Zeit berichtet ein heimischer Zeuge: „Pommern bot eine endlose Stätte herzzerreissenden Jammers dar, über welche sich das kaiserliche Kriegsvolk wie ein Heuschreckenheer lagerte. Hunden gleich schoss man die unglücklichen Bewohner nieder, zündete ihre Häuser an, marterte sie erbarmungslos, um Geld und Lebensmittel zu erpressen.“ Von der Hungersnot auf der Insel Usedom erzählt Micrälius, dass eine Frau im Dorf Bannemin, von den Qualen des Hungers getrieben, ihr eigenes Kind getötet und verzehrt hat 5).

Danzig wurde von der Pest ebenfalls heimgesucht; es wurden in diesem Jahre 4285 Leichen bestattet und 2453 Kinder getauft. Elbing wurde von der Seuche verheert; man zählte 3911 Pestopfer.

1) Beekmann, Brandenb. 136. 2) Vetter, Luckau. 3) Arch. f. Gesch. zu Staue 18G9. 4) Krabbe, Rostock 123. Lisch, Jahrb. f. Mecklenb. Gesch. 1852. 5) Gadebusch, Usodom 117.

In Königsberg starben vom 12. August bis 30. Dezember 4133 Personen an der Pest. (Vom 12.-19. August starben 194, vom 19.-26.: 218, vom 26. Aug. bis 2. Sept. 232, vom 2.-9.: 203, vom 9.-16.: 210, vom 16.-23.: 218, vom 23.-30.: 215, vom 30. Sept. bis 7. Okt.: 249, vom 7. Okt.-14.: 246, vom 14.-21.: 243, vom 21.-28.: 266, vom 28.0k~. bis 4. Nov.: 226, vom 4.-11.: 246, vom 11.-18.: 226, vom 18.-25.: 204, vom 25. Nov. bis 2. Dez. 162, vom2.-9.: 187, vom 9.-16.: 160, vom 16.-23.: 120, vom 23.-30.: 108).


Unter den polnischen Truppen, die den Schwedenkönig Gustav Adolf in dem von ihm besetzten Marienberger Werder einschliessen wollten, brach eine verheerende Seuche aus, so dass sie sich zum Abzug gezwungen sahen.

Die Stadt Konitz (15 M. s. v. Danzig) wurde von der Pest hart mitgenommen 1). In Thorn an der Weichsel hauste abermals die Pest; es erlagen ihr 2363 Kranke, worunter 112 Bürger. Das neugeborene Kind einer an der Pest verstorbenen Bäckersfrau taufte man am 17. August auf der Strasse unter freiem Himmel. Die Seuche währte bis ins nächste Jahr und mordete besonders heftig im Juni und Juli, wo noch 40 Bürger zum Opfer fielen. Ausserdem zählte man noch 1811 Personen, welche mehrenteils dem Hungertode verfallen waren 2). – Auch die Stadt Posen wurde von 1629 bis 1632 durchseucht.

In Schweden herrschte die Pest von 1629-30; die Universität Upsala verlief sich 1629. In Spaa und Lüttich trat während des heissen Sommers die Purpura epidemisch auf und überfiel besonders die besseren Stände. In der provenzalischen Stadt Digne starben vom Juni 1629 bis April 1630 von 10000 Einwohnern 8500 an der Pest. (P. Gassendus Notitia eccles. Diniensis 1654.)

1) H. R. Uppenkamp 21. 2) Chron. 279 f.

Quelle: Geschichte der Seuchen, Hungers- und Kriegsnot zur Zeit des dreissigjährigen Krieges von Gottfried Lammert. Erschienen bei J. F. Bergmann Verlag, Wiesbaden 1890.

Abbildung Bavaria aus: The Sydenham Crystal Palace expositor with engravings on steel and wood. Great Exhibition London. England 1851.

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