Mädchen aus Brotterode in traditioneller Tracht. Thüringen 19. Jh.

Trachten, Volkstracht, Brotterode, Thüringen, Kostümkunde, Franz Lipperheide
Mädchen aus Brotterode, Thüringen.

MÄDCHEN AUS BROTTERODE, IN DER GEGEND DES INSELBERGES IN THÜRINGEN um 1850.

Brotterode-Trusetal, Landkreis Schmalkalden-Meiningen.

Mädchen aus Brotterode, Thüringen. Blätter für Kostümkunde. 171. Blatt. Verlag von Franz Lipperheide in Berlin.

Mit dem hochromantischen Charakter des Tales, das sich vom Fusse des Inselberges südwestlich, nach der Werra-Gegend hinabzieht, harmoniert aufs beste die Kleidung der dortigen Bewohner; sie hat sich noch ziemlich treu erhalten, während die mehr bekannte, sehr ähnliche Volkstracht im nahen Ruhla fast verschwunden ist. Nur turbanartig um den Kopf gelegte Tücher bei Frauen und Mädchen und der hellgrüne, breite Besatz des Rockes sind hier die Überbleibsel der alten Tracht.

Das Mädchen auf unserem Bild ist aus Brotterode. Ihr buntes Kopftuch hat sie fest um den Kopf geschlungen und vorn in einen Knoten geknüpft, dessen Zipfel um den Rand des Tuches gesteckt werden. Die nur oberhalb des Tuches sichtbare, eigentümliche Haartour, der „Oberzopf“, wird hergestellt, indem das schöne, reiche Haar straff nach oben gekämmt, hier fest zusammengebunden und in sechs bis zwölf Zöpfe geflochten wird, die nach rechts herum in ein Netz zusammengelegt werden. Jacke und Schürze sind aus gleichem Stoff und stets dunkel in der Farbe, zu der ein auf dunklem Grund bunt geblümtes Halstuch sehr gut steht.

Die vorn offene Jacke trägt einen breiten, schwarzen Samtkragen. Die weiten Ärmel sind oben mit je zwei Samtbesätzen versehen, die die reizende Faltung bewirken; oberhalb des Ärmelbundes sitzt ebenfalls ein kleines Fleckchen aus Samt, das, gleich den oberen Besätzen, mit weissen Porzellanknöpfen hübsch verziert ist.

Der Gürtelteil, mit dem die Jacke endet, sowie die breiten Streifen auf der Schürze sind gleichfalls aus schwarzem Samt. Mitunter findet man die Besätze, sowie den Kragen der Jacke, aus gleichem Stoff, wie Jacke und Schürze; letztere ist unten mit einer faltigen Falbel besetzt. Der aus sogenanntem Waschtuch bestehende weite, schwarze Rock, unter dem bei Festlichkeiten, selbst im Sommer, oft sechs Unterröcke angezogen werden, ist künstlich gefaltet. Die Falten setzen oben ganz eng aneinander liegend an und sind unten, in ihrer größten Breite, nicht viel über einen Finger breit; nur das Vorderteil ist glatt.

Zwei Finger breit über dem Saum des Rockes setzt ein fussbreiter, hellgrüner Besatz an, der aber von der weit um den Rock herab fallenden Schürze zum größten Teil verdeckt wird und nur hinten in seiner ganzen Breite sichtbar ist. Die Füsse sind mit weissen Strümpfen bekleidet, die, um die Leuchtkraft des Weiss zu erhöhen, oft doppelt angezogen werden; die ganz tief ausgeschnittenen, zierlichen Lederschuhe, die sogenannten Commoden, geben den Blick frei auf die Füsse der meist hübschen, kräftigen Mädchen.

Von W. Hasemann.

Mädchen aus Brotterode, Thüringen. Blätter für Kostümkunde. 171. Blatt. Verlag von Franz Lipperheide in Berlin.

Quelle:

  • Blätter für Kostümkunde: historische und Volkstrachten von Franz Lipperheide.
  • Volkstrachten. Neue Folge, Bd. 1-3 , Bildlicher Beschreibender Teil von August von Heyden, 1876.

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