Burg Cheb. Die Kaiserpfalz der Staufer in Eger.

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Tschechien. Die Burg Cheb (Burg Eger) Kaiserpfalz, im 18. Jahrhundert.

Die Kaiserburg in Eger oder Burg Cheb (tschechisch Chebský hrad).

Der Saalbau in der schon oft angeführten Burg Eger, nach dem schwarzen Turm das älteste der dortigen Denkmäler, wurde, von Kaiser Friedrich I. genannt Barbarossa, damals noch Herzog Friedrich III. von Schwaben, wahrscheinlich im Jahre 1149 begonnen und wie es scheint, rasch vollendet.

Das Gebäude liegt auf einer von der Eger im Bogen umschlossenen Felskuppe, an deren steil nördlichen gegen den Fluss abfallenden Rand; es besteht aus einem grossen Saal, an welchen mehrere Gemächer anstossen. Südlich vom Saalbau befindet sich die geschilderte Doppel-Kapelle, dieser schräg gegenüber der schwarze Turm: den westlichen Raum erfüllten allerlei Nebengebäude, welche längst verschwunden sind.

Vom Saalbau, der eigentlichen Residenz, stehen nur die nördlichen und südlichen Umfassungsmauern, und diese nur in Bruchstücken, aufrecht, doch lassen sich an den Ansätzen der Scheidemauern die ursprünglichen Einteilungslinien erkennen. Bei weitem die grössere Hälfte des Gebäudes nahm der Saal selbst ein und bildete ein 81 Fuss langes 33 1/2 Fuss breites Rechteck; an dieses reihten sich zwei Stuben und ein Vorhaus an, ferner eine Küche und weiterhin gegen Westen ein nicht mehr vorhandener Flügel. Der Fussboden des Saales lag etwa 4 Fuss über dem gegenwärtigen Niveau des Schlosshofes, unterhalb befanden sich, in den Boden vertieft, aber von der Nordseite her genügend erleuchtet, die Räume der Dienerschaft und- Vorratskammern. Ein überhalb des Saales sich erhebendes Stückwerk war aus Fachwerken gefügt, ist aber längst verschwunden.

Der vorzüglichste Schmuck des in Ruinen liegenden Schlosses besteht in drei; je 17 Fuss breiten gekuppelten Fenstern, von denen jedes durch vier Säulen eingeteilt wird. Diese Fenster haben sich in der Hauptsache erhalten, höchst merkwürdige Zeichen der alten Herrlichkeit. Die Leibungen sind in die Wand vertieft und bilden Nischen, in welchen man sitzen, die Gegend betrachten oder auch ungestört plaudern konnte. Das Material der Säulen Kapitelle und Auskragungen ist weisser Marmor, die Wände bestehen aus feinkörnigem Granit und die Mauern, aus unregelmässigen Stücken des am Schlossberg sich brechenden Schiefergesteins. Im Innern waren die Mauern sorgfältig verputzt und mit Wandmalereien geschmückt, von denen einige Spuren noch zu entdecken sind. Die Stuben zeigen sich zwar nicht so reich ornamentiert wie der Saal, doch ist die Ausstattung eine ähnliche und es offenbart sich in allen Teilen hoch entwickelter Formensinn, wenn auch die Einzelheiten nicht jene feine Modellierung besitzen, die man in dem nur einige Jahre später vom selben Kaiser erbauten Schloss zu Gelnhausen bewundern kann.

Der Stil in welchem das Saalgebäude ausgeführt ist, zeigt keinerlei Anklänge an die Gotik, wie man in der Doppel Kapelle häufig sieht; es ist die streng romanische Bauweise aus der Mitte des XII Jahrhunderts und zwar nähern sich die Formen mehr der süddeutschen als rheinischen Schule. Die Mauerstärke in der Höhe des‘ Saales beträgt 5 Fuss, in den untern Räumen 7 bis 8 Fuss; die Nordwand bildete zugleich die Umfassungslinie oder Wallmauer der Burg, Vorwerke waren zur Zeit der Anlage nicht vorhanden, wie denn der kaiserliche Gründer keine, Veste, sondern eine wohnliche Residenz errichten wollte.

Direkte Nachrichten über die Bauführung fehlen, doch sprechen alle Umstände dafür, dass Friedrich I., genannt Barbarossa, aus dem Adelsgeschlecht der Staufer, welcher sich im Jahre 1149 mit Adelheid von Vohburg aus dem Hause der Diepoldinger-Rapotonen, Tochter des Markgrafen Diepold III. von Vohburg und Erbin der Egerlande, vermählte, den Bau bereits im selben Jahr eingeleitet hat. Herzog Friedrich war sich damals wohl bewusst, dass ganz Deutschland auf ihn als den künftigen Kaiser blickt, daher die Anlage eines so grossen Saales, wie er in keiner deutschen Burg damaliger Zeit vorkommt. Der eigentliche Baumeister war ohne Zweifel Friedrich selbst, denn der Palast zu Gelnhausen stimmt in seinen Dimensionen und Einteilungen so auffallend mit der Eger Burg über ein, dass der Grundgedanke nur von ein und derselben Person ausgehen konnte.

Eger war ein Lieblingsaufenthalt aller Hohenstaufen, Kaiser Friedrich I. wohnte hier längere Zeit im Jahre 1179 als das Kloster Waldsassen nachträglich eingeweiht wurde, dann 1183 und 1188 als er in der Burg das Weihnachtsfest feierte. Heinrich VI., Philipp, und Friedrich II., wie auch des letzten ungetreuer Sohn Heinrich bewohnten alle immer wieder die Burg, die von den Chronisten als „castrum Imperatorist“ (Kaiserburg) genannt wird, und es war bereits 1183 Konrad, nachmaliger Bischof zu Lübeck, vom Kaiser eingesetzter Schlosskaplan. Um diese Zeit war mithin das Schloss bewohnt und die Kapelle wenigstens so weit ausgeführt, dass Gottesdienst abgehalten werden konnte.

Quelle: Kunst des Mittelalters in Böhmen nach den bestehenden Denkmalen geschildert, von Bernhard Grueber. Wien 1871.

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