Byzanz. Die Byzantiner. Kostümgeschichte des oströmischen Reiches.

DIE ERBEN DES RÖMISCHEN REICHES.

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Byzantiner

Die Byzantiner

von Friedrich Hottenroth.

Ob es stets anders nur, nie besser werd‘ auf Erden,
Doch du, stets anders, musst auch immer besser werden.
Rückert, Weisheit des Brahmanen, Bd. VI. S. 10.

Der gekreuzigte Gott war der richtige Gott für das gekreuzigte Volk! Der Gott der Christen setzte sich auf den Thron Jupiters, der Germane auf den Stuhl der Cäsaren, und Byzanz an die Stelle von Rom. Die Stunde der klassischen Welt hatte geschlagen; eine grosse Wendung war in der Geschichte eingetreten und übte ihre Wirkung selbst auf die Kleidung der Menschen aus. Das Nackte hatte seine Rolle ausgespielt: das Fleisch war Sünde geworden; aber während die klassische Tracht im Abendland sich in neuen und eigenartigen Bildungen weiter entwickelte und unentwegt den körperlichen Formen anpasste, begann sie umgekehrt im Osten unter den Byzantinern gleichsam zu erstarren, faltenlos platt und geradlinig zu werden und die Körperformen zu unterdrücken.

Als Konstantin das alte Byzanz zu seiner Residenz erwählte, bevölkerte er die Stadt, welche damals einem verwüsteten offenen Flecken glich, mit grossen Scharen italienischer Übersiedler; so kam die abendländische Tracht nach Byzanz. Damals hatten sich die Gewänder hinsichtlich des Schnittes gegen früher noch nicht wesentlich geändert, und die Christen kleideten sich ebenso, wie die Heiden.

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Tafel 64. Byzantiner 400-800.

Beschreibung: Tafel 64. Byzantiner 400-800.

Die Tracht der Männer (64. 1-7.) bestand in einer langen, halblangen oder kurzen Tunika, in einem Mantel, in den zur Zeit fast allgemein gebräuchlichen Beinkleidern und in in mehr oder minder hohen Ledersocken oder Stiefeln. Sämtliche Arten der Tunika waren mit langen und ziemlich engen Ärmeln versehen. Die halblange Tunika, die bis unter die Knie herab reichte (64. 1. 2. 4-c), wurde gegürtet und etwas heraufgezogen. Die lange Tunika (64. 7.), Tunika talaris genannt, diente als Überkleid; ihre weiten Ärmel wurden nicht besonders eingesetzt, sondern aus der grossen Breite des Oberteiles hergestellt. Den Schmuck sämtlicher Tuniken bildeten zwei senkrechte, vom Halse bis zum unteren Rand sich erstreckende Streifen oder Borten am unteren Saum sowohl als auf der Brust und um die Hals- und Ärmelöffnungen herum.

Als Umhang diente den Byzantinern hauptsächlich der auf der rechten Schulter mit einer Agraffe festgeheftete Mantel (64. 18. u. A.) in der Form des altrömischen Sagum oder der griechischen Chlamys. Später hing man jedoch den Mantel von hinten her über beide Schultern und verknotete ihn auf der Brust vermittelst daran genähter Bänder (64. 3.). Die Konsuln trugen den Mantel in Form des Himation mit dessen togaartig schräger Umlage (65. 13.), und die Kunst bekleidet Christus und seine Apostel auf diese Weise bis auf den heutigen Tag.

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Tafel 65. Byzantiner 400-700.

Beschreibung: Tafel 65. Byzantiner 400-700.

Die früher gebräuchlichen weiten und langen Hosen und selbst die engen Kniehosen (64. 1.) wurden von ganz engen Beinkleidern verdrängt, die sich an den Beinen trikotartig anlegten; statt der Sandalen kamen die dem Orient von jeher eigenen halb oder ganz geschlossenen Schuhe (65. 2. 6. 7.) oder höhere mit Riemen versehene Socken (64. 3. 67. 13.), sowie ganze Stiefel in Gebrauch.

Eine Kopfbedeckung war im Allgemeinen bei den Byzantinern ebenso wenig üblich, als früher bei den Römern; nur Leute, die im Freien arbeiteten, trugen einen Filzhut mit Krämpe (65.1.2.) oder eine flache Kappe (65.3. 66.10.) oder eine Kapuze von derbem Stoff. Vom neunten Jahrhundert an wurden Mützen in Gestalt der phrygischen üblich (67. 13. 14.).

Um diese Zeit hatte die Mode in den kleinasiatischen Besitzungen der Byzantiner eine Tunika von ganz besonderem Schnitt hervor gebracht; diese war vom Gürtel bis zum unteren Rand hinab aufgeschlitzt
(Fig. 52.3.) und an einer Hüfte bedeutend länger als an der anderen Seite; der lange Schoss wurde hinter einen Gürtel mit lang herabfallenden Enden untergesteckt (67. 13.), der Gürtel selbst aber mit einer breiten, ebenfalls gegürteten Schärpe wiederum verdeckt; ähnlich verfuhr man nach Belieben mit beiden Schössen (67. 14.).

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Edelknabe. Byzantinischer Kaiser.

Byzanz. Die Tracht der Frauen.

Die Tracht der Frauen bewahrte durch alle Zeiten des Byzantiner Reiches in der Hauptsache ihren herkömmlichen Schnitt, wie sie denn von Haus aus der asiatischen näher stand, als die männliche Tracht. Die Tunika oder wie die Byzantinerin dieses Gewand zu nennen pflegte: die Stola reichte bis an die Füsse oder auch über die Füsse herab (64. 8—13. u. s. w.) und schloss sich eng um den Hals und das Handgelenk. Eine zweite Tunika, über die erste angezogen, hatte kurze oder lange, immer aber weite Ärmel (66. 11. 67. 3.). Auch das römische Jäckchen blieb in Gebrauch (Fig. 51. 1.). In der Form und Anlage des Mantels machte sich eine grosse Variation geltend. Der Mantel war bald rechteckig, bald halbkreisförmig und wurde auf der rechten Schulter oder mitten auf der Brust durch eine Agraffe festgehalten (67. 4. 12. u. A.).

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Dienerin. Byzantinische Kaiserin und Prinzessin.

Sehr beliebt, auch bei den Männern, war die ringsum geschlossene Pänula mit und ohne Kapuze (64. 10-12. 65. 3. 66. 9. 17.). Noch gab es einen Mantel, dessen Anlage durchaus vom antiken Umhang des Himation oder der Palla abwich; dieser wurde nämlich vom Rücken her über beide Schultern nach vorn gelegt (64. 8. 9.), hier kreuzweise über die Brust hinweg von der linken Schulter über die rechte und umgekehrt von der rechten Schulter über die linke nach rückwärts geschlagen und mit dem Nackenteil über den Kopf nach vorn gezogen. So angelegt war dieser Mantel vor Allem das Kleid der ehrbaren Matrone und wurde in dieser Eigenschaft von der byzantinischen Kunst als Gewandung der Mutter Gottes beliebt und bis auf unsere Tage festgehalten. Auf der Theodosius-Säule in Konstantinopel finden sich auch Männer in diesem Umwurf abgebildet.

Der Hauptunterschied zwischen klassischer und byzantiner Tracht wurde vor allem durch den Stoff bedingt. In der antiken Kleidung herrschte der Stoff aus Wolle vor; derselbe schloss sich aufs Bequemste dem Körper an, folgte dessen Bewegungen, erzeugte durch seine Faltung Licht und Schatten und bestimmte so den plastischen Wert des Kostüms. An die Stelle des plastischen Wollstoffes trat jetzt der malerische Seidenstoff: ein schwerer, mit Gold durchwebter und mit Brokat besetzter Stoff, welcher sich bog, aber keine Falten warf und statt Licht und Schatten nur Glanz und Schimmer gewährte. Der Seidenstoff war durchwebt und bestickt mit regelmässigen geometrischen Mustern in Kreisen, in Vier- und Vielecken, in Sternen, Pflanzen und Arabesken, in Tierfiguren von so märchenhafter Art, wie sie eben nur die morgenländische Phantasie seit undenklichen Zeiten geschaffen hatte; ja fromme Christen verzierten ihre Tuniken und Mäntel mit ganzen szenischen Darstellungen aus der christlichen Geschichte: mit der Hochzeit zu Kana, mit den Wundern Christi u. s. w. In Rom lachte man über solche Maskenanzüge, aber in Byzanz wurden sie mit Stolz getragen.

Die Kopfbedeckung der Frauen von Byzanz.

Als Kopfbedeckung dienten den byzantinischen Frauen teils farbige Tücher, in einfacher Weise um den Kopf gewunden, teils — und vorzugsweise jüngeren Mädchen — zierliche Netze, Kopfreifen und Stirnbinden (68.1-5.). Verheiratete Frauen trugen meist eine eng anschliessende Haube mit einem aus zwei verschiedenfarbigen Binden zusammengedrehten Wulst, die das Gesicht umrahmte (68. 6.).

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Die Kopfbedeckung der Byzantinerinnen.

Ihr Haar ordneten die Byzantinerinnen noch in altgriechischer Weise, indem sie die ganze Fülle desselben nach hinten strichen und verknoteten (68. 3.), oder sie flochten es mit einem Schmuck von Bändern und Perlen in zwei grosse Zöpfe, legten diese an den Schläfen her in den Nacken nebeneinander und zuletzt über den Scheitel wiederum nach vorn, oder sie drehten ihr Haar um Stirn und Wangen her mit Bändern in einen Wulst zusammen (68. 1.2.4.5.).

Ohrringe, Arm-und Fingerspangen waren die üblichen Schmuckmittel, vor allem aber Colliers oder Halsketten mit einem daran befestigten Bildchen. Die Fussbekleidung bestand in tief ausgeschnittenen Schuhen.

Der byzantinische Kaiserornat.

Das formale Gepräge des byzantinischen Kaiserornates wurde schon von Theodosius bestimmt. Die kaiserliche Tunika, auch Dalmatika genannt, anfangs von weisser, später von dunkelblauer Seide, reichte bis zu den Füssen (65. 4. 66. 4. 5.) und hatte lange, eng anschliessende, am Handgelenke mit Perlen besetzte Ärmel. Wurde eine Überziehtunika getragen, so hatte diese lange und weite Ärmel (66. g. 7. 67. 1. 11. 15.), oder, doch erst in der letzten Zeit des Reiches war deren Schnitt kurz und eng. (67. 21.). Ihr Schmuck war ein goldgestickter Besatz am Halsausschnitt, auf den Schultern und am untern Rande; im Verlauf des zehnten Jahrhunderts kamen noch zwei kreisförmige Scheiben in der Kniegegend dazu (66. 4. 7.).

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Tafel 66. Byzanz 700-1000.

Beschreibung: Tafel 66. Byzanz 700-1000.

Auf einem Mosaikbild in der Kirche San Vitale zu Ravenna erscheint Kaiser Justinian (um 547) in einer kurzen weissen Tunika mit schildförmigem Besatz auf den Schultern (65. 8.) und einem schwertförmigen unten an den Seiten; der Gürtel ist rot und sitzt ziemlich tief; goldene Spangen umschliessen den Unterarm. Der kaiserliche Mantel hatte, wie die Mäntel vornehmer Byzantiner überhaupt, die Form eines Halbkreises (Fig. 52. 1.) und bei schwerem Stoff einen Ausschnitt für den Hals in der Mitte seiner geraden Kante. Hier wurde er von links her auf die Schulter gehängt und auf der rechten mit einer Agraffe zusammengeheftet (65. 4. 8. 66. 6 7. 67. 11. 15.).

An der geraden Kante vorn und hinten, anfangs ziemlich tief, später weiter oben, sass je ein viereckiges Stück von anderem Stoffe mit reicher Ornamentierung, der Clavus. Zum kaiserlichen Ornat gehörten ferner purpurfarbige Hosen, ein reich mit Perlen besetztes Diadem und ein goldenes Scepter, das sogenannte Labarum; dieses war ein langer Stab mit dem Monogramm Christi am oberen Ende (64. 15.) oder mit einem Kreuzstab, an dem ein kleines viereckiges Purpurtuch zumeist mit dem gleichen Zeichen hing (66. 4. 6. Fig. 51.). Mehr denn Szepter und Krone galten purpurne, mit Perlen gestickte Schuhe oder Halbstiefel als kaiserliche Würdezeichen, und zwar so sehr, dass auf den unberechtigten Gebrauch derselben die Todesstrafe gesetzt war; der byzantinische Ausdruck: «die Purpurschuhe anlegen» bedeutete so viel als das moderne Wort: «den Thron besteigen».

Die byzantinische Kaiserkrone.

Die Krone der Byzantiner war ein Reif, der in der späteren Zeit mit einer halbovalen roten Kappe ausgefüttert wurde (66. 4. 5. 67. 15. 21.). Die römischen Kaiser der zwei ersten Jahrhunderte kannten die Krone noch nicht; sie begnügten sich mit einem Lorbeerkranz. Eine Krone mit Zacken wurde zuerst von Gallienus getragen (260—268). An der byzantinischen Krone oder Kronenhaube hing rechts und links sowie hinten ein Schmuck von kurzen Perlenschnüren (68. 13.) und zuweilen auch ein seidenes Nackentuch (Fig. 51. 3.).

Die Tracht der Kaiserin stimmte anfangs mit dem männlichen Ornate ziemlich überein (64.13.), nur hatte der Mantel statt des viereckigen Clavus einen Besatz am unteren Rand. Später wurde der Mantel bedeutend kleiner und lediglich über den Rücken herab gehängt (65. is.); über die obere mit weiten Ärmeln besetzte Stola kam eine Schärpe aus schwerem Goldstoff (65. 18.); dieselbe wurde um beide Schultern geschlungen, in der Art, dass ihre beiden Enden vorn und hinten frei herabfielen; zuletzt wurde sie mit einem Gurt an den Leib geschlossen. Der Schärpe gesellte sich noch ein breiter, goldener, mit Perlen und edeln Steinen besetzter Schult er kragen.

Fig. 51

Etwa vom zehnten Jahrhundert an griff bezüglich des kaiserlichen Ornates eine grosse Willkür Platz. Die Männer trugen sich bei nicht mehr bestimmbarem Anlass wie die Frauen (67.1.2.) und umgekehrt die Frauen wie die Männer (67.11.12.); im ersten Fall kam sowohl über die untere wie über die obere Tunika eine Schärpe zu liegen; die obere

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Tafel 67. Byzantiner 1000-1200.

Beschreibung: Tafel 67. Byzantiner 1000-1200.

Tunika war in der unteren Hälfte von den Hüften an rechts und links aufgeschlitzt; der vordere Teil des Gewandes wurde aufgehoben und über den linken Arm geworfen, so dass die untere Schärpe zum Vorschein kam (67. 1. 2.); in dieser Weise pflegte man auch, falls man nur Eine Schärpe trug, den hinteren Teil nach vorn zu nehmen und überzuwerfen. In der letzten Zeit des Reiches wurde die untere Schärpe auf die Stola festgenäht (67. 10.), statt der oberen aber ein kurzes breites Stück Brokat vorn und hinten am Kragen befestigt, überhaupt die Anlage der Schärpe einem grossen Wechsel unterworfen (66. 4. 5. 67. 21.).

Bezüglich der Gewandabzeichen der Hofbeamten finden sich nur dürftige Spuren. Jener ringförmigen Schärpe (65. 5. 6), die unter Konstantin das Abzeichen hoher Würdenträger bildete, ist bereits gelegentlich der Beschreibung römischer Gewänder gedacht worden (S. 67). Die byzantinischen Konsuln trugen auch den grossen Mantel mit dem viereckigen Besatz (65. 7.) und darüber, doch erst in der späteren Zeit, eine vorn verknotete Halsbinde (66.15.).

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Fig. 52.

Statt dieses Mantels war noch ein Umwurf im Gebrauch, der auf ganz eigenartige Weise getragen wurde (Fig.52.2.65.10.). Derselbe bestand nämlich aus einer langen Stoffbahn, die an einem Ende von bedeutender Breite war, sich aber gegen die Mitte hin verschmälerte und zuletzt in einen bandartigen Streifen auslief. Mit dem schmalen Teil vorn herab gelegt, wurde der Überwurf über die rechte Schulter rückwärts, unterhalb derselben Schulter wieder nach vorn genommen, mitten auf der Brust mit dem begegnenden Streifen zusammengeheftet, sodann über die linke Schulter nochmals zurück, um die rechte Hüfte herum zum zweiten Male nach vorn gelegt und hier über den aufgehobenen linken Vorderarm geworfen. In diesem Konsularischen Überwurf findet sich Kaiser Athanasius auf einer aus dem sechsten Jahrhundert stammenden Elfenbeintafel abgebildet, in der erhobenen Rechten das zusammengeballte Tuch, mit dem das Zeichen zum Beginn der Zirkusspiele gegeben wurde.

In jener Zeit war ausserdem noch die nach griechischer Weise angelegte Toga in Gebrauch (65.13.). In den letzten Zeiten des byzantinischen Reiches hatte die Tracht der Hofbeamten eine gänzlich veränderte Gestalt angenommen; eine sackartig geschlossene faltenlose Ärmeltunika verbarg den Körper vom Hals bis zu den Füssen (67. 20.), darüber lag wie die Hülse einer Puppe ein unter dem Hals geschlossener enger, steifer, mit dem Clavus besetzter Mantel (67. 16.17.). Eine auffällige Rolle unter den Ornamenten dieser Gewänder spielen die vier Zeichen unserer heutigen Spielkarte: Eckstein, Herz, Kreuz und Schaufel (Pique).

Die kirchliche Kleidung.

Die geistliche Tracht unterschied sich bis in das sechste Jahrhundert hinein nicht von der weltlichen. Um diese Zeit trug die Geistlichkeit als Oberkleid noch die altgewohnte lange weisse Tunika (Stola oder Dalmatika) mit zwei schwarzen Längsstreifen (65. 11.), und darüber eine grüne Pänula ohne Kapuze: die Casula (65. 12.); den Bischof zeichnete eine etwa drei Meter lange, weisse, mit einem schwarzen Kreuz besetzte Binde aus, die Omorphium genannt und dergestalt doppelt um die Schultern geschlungen wurde, dass ihre Enden über Brust und Rücken fielen (65. 12.). In der Folgezeit wurde das Omorphium nicht mehr umgeschlungen, sondern zusammengenäht und umgehängt, so dass es vorn und hinten bis auf die Füsse herabfiel (65. 14.); sein Schmuck bestand in einem purpurnen Rand, in drei Kreuzen aus Rot und Blau und in Fransen an der unteren Kante; rot und blau waren auch die Streifen der Stola, alle Gewandstücke sonst aber weiss.

Um das Jahr 700 kam eine zweite Binde, das Epitrachelion, in Gebrauch; man legte dasselbe unmittelbar auf die Stola (66. 14.) und zwar so, dass seine beiden Enden vorn herabfielen und sich deckten; darüber kam die Casula und das wiederum nach alter Weise umgeschlungene, nicht zusammengenähte Omorphium.

Vom neunten Jahrhundert ab wurden statt der ausschliesslich weissen auch farbige und gemusterte Stoffe beliebt. Im elften Jahrhundert legte man über die Dalmatika und das Epitrachelion eine kürzere buntfarbige Tunika (67.5—7.), die Tunicella, die lange, teils enge, teils weite Ärmel hatte (67.18.); über die Tunicella kam sodann die Casula und schliesslich das Omorphium.

Eine Bereicherung des geistlichen Ornates geschah vom dreizehnten Jahrhundert an durch kleinere Paramentstücke, namentlich durch ein kleines viereckiges Tuchstück, Epigonation genannt, das in Form einer bequasteten Tasche an der rechten Seite getragen wurde (67. 18.), sowie durch eine mit edlen Steinen besetzte Krone, die Mitra.

Die weitere Ausbildung des griechischen Priesterornates fällt in nachbyzantinische Zeiten. Es sei hier noch der ersten christlichen Einsiedler gedacht, die in stillen Wüsten ein den weltlichen Vergnügungen abgewandtes Leben führten. Jeglichen Aufwand in der Tracht vermeidend, begnügten sie sich mit der dürftigen Kleidung der niedersten Stände: mit der Tunika und der Pänula, beide Gewänder vom gröbsten Stoff und dunkelfarbig. Sie trugen die Pänula in zwei Formen: bald als ringsum geschlossene Casula, bald als vorn der ganzen Länge nach geöffneten Birrus (67. 19.). Abzeichen eines besonderen Siedlerordens waren ein in der Mitte mit einem Kopfloch versehenes Stück Stoff, das man über Brust und Rücken schürzenartig herabfallen liess, und ein unterm Kinne geschlossener Mantel von beliebiger Länge (Fig. 51. 4-6.). Noch sei hinzugefügt, dass man die ersten plastischen Darstellungen des Gekreuzigten mit einer langen ärmellosen Tunika darstellte.
(Fig. 51.7.).

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Tafel 68. Byzantiner.

Beschreibung: Tafel 68. Byzantiner.

Das byzantinische Militär.

Die Byzantiner hatten ein stehendes Heer, das sich aus Angeworbenen und Ausgehobenen zusammensetzte. Die Kleidung der Soldaten war, abgesehen von der Ausrüstung, ganz die der niederen Stände überhaupt. In der ersten Zeit kam neben der zuweilen doppelt übereinander angelegten Tunika (65.2.) noch der altgriechische Chiton vor, der die Arme und einen Teil des Oberkörpers unbedeckt liess (65. 1.); die höheren Führer trugen entweder ein Kettenhemd oder den römischen Panzer mit Cinctorium, Bauch- und Schulterlaschen (64.14.15.18.), ausserdem Helm, Beinschienen oder Halbstiefel und kurze oder auch gar keine Hosen; statt des Cinctoriums wurde eine breite Binde üblich (65. 21.); zugleich begann man die Schulterlaschen vom Panzer zu trennen und sie als selbstständigen Schmuck um den Oberarm zu schliessen (65. 15. 21. 66. 1. 2. 8. 18.).

Die justinianische Garde (65. 9. 20.) erschien in einer Art von Kragen oder Überhang, der in zwei Seitenlaschen endigte, ein Schmuck, der auch den Kaisern der ersten Periode eigentümlich war (65.4.); ausserdem führte sie einen goldenen Halsring, schwarzbesetzte Schuhe, ovale Schilde mit dem Monogramm Christi und goldene Lanzen. Sonstige Begleiter der ersten byzantinischen Kaiser trugen Bauch- und Schulterlaschen, doch ohne Panzer und nur oben auf der Tunika oder am Gürtel angeheftet (64. 16.), dazu schräg über die Brust gelegt das «Cingulum bullatum» in Gestalt eines doppelten Rosenkranzes. Vom siebenten Jahrhundert an trug man Harnische aus buntgefärbten Lederstreifen (66. 12. 16.) und Lederkoller, die mit runden oder viereckigen Erzplatten besetzt waren (65. 15. 19.).

In der Zeit vom neunten bis elften Jahrhundert wurden die langen Beinkleider allgemein getragen (66. is. 20. 21. 67. 8. 9.) und der Harnisch verlor die den Unterleib deckenden Flügel (66. 1. 2. 12. 13. 67. 9.). Als Kopfschutz trug man gefärbte Lederkappen (66. 10. 67. 9.) und Helme von Metall (66. 12. is. 67. 9.). Die angeworbenen Söldner behielten die Rüstung ihrer Heimat bei, sei diese nun das Morgen- oder das Abendland gewesen (66. 8. 19. 20.).

Zu den alten kreisförmigen und ovalen Schilden von geringem Durchmesser (66. 2. 16. 67. 9.) gesellten sich grosse herzförmige Schilde (66. 1.), wie sie als solche der antiken Welt fremd gewesen waren. Ausser dem Schwert zählten noch Lanze, Streitaxt und Bogen zu den byzantinischen Trutzwaffen, letzterer bereits in Form der Armbrust oder Gastrafete (Vorläufer der späteren Armbrust der griechischen Infanterie der Antike ).

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Fig. 52

Der Sattel war schon im vierten Jahrhundert bekannt und vermutlich auch der Steigbügel; doch erhielt der Sattel erst im achten Jahrhundert eine Rücklehne. Abbildungen aus der ersten Zeit führen uns in verschiedener Weise geschirrte Rosse vor Augen (Fig.53.3.); merkwürdig ist ein am Kopfgestell des einen Pferdes angeheftetes Stück Stoff, das die ganze Mähne bedeckt (Figur 53. 3.).

Wie die Tracht, so bildete auch das Handwerk der Byzantiner nur eine Fortsetzung des griechisch-römischen unter orientalischem Einfluss. Für die profanen Geräte blieben in den ersten Jahrhunderten noch die alten Formen vorherrschend (68.8.); für die kirchlichen aber kamen sofort symbolisch – christliche Elemente, vermischt mit orientalischen,zur Verwendung.

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Tafel 69. Byzantiner.

Beschreibung: Tafel 69. Byzantiner.

Da gab es säulengezierte Tempelchen, Leuchttürme, Lampen, Leuchter, Rauchgefässe, Kannen, Kreuze, Kelche und Reliquienkästen (68.7.12,27.69.5.11.). Auch bei den Arbeiten in Gold und Elfenbein wurde das Ornament in reichster Abwechslung verschwenderisch angewendet (68.11.12. u.s.f.) und grosse Möbel, wie Kirchenstühle, ganz aus geschnitzten Elfenbeinplatten zusammengesetzt (69.1.); ebenso wurden bei sehr reich ausgestatteten Sarkophagen sämtliche Nischen mit stark erhobenen Reliefs versehen (69. 2.). Das Mobiliar (68.21. u. s. f.) zeigten gleich der Architektur ein System von Halbkreisbögen, die auf einem oder mehreren Säulchen ruhten.

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Byzantinische Kunst. Fresken, Gemälde, Mosaiken und Malereien aus Manuskripten.

Unter den Musikinstrumenten (68. 15. 20.) war es vor allem die schon den Etruskern bekannte Orgel, die insofern eine Verbesserung erfuhr, als für das Auspressen der Luft statt der sonst üblichen Wasserpresse die Trittblasebälge angewendet wurden.

Quelle:

  • Trachten, Haus, Feld-und Kriegsgerätschaften der Völker alter und neuer Zeit, von Friedrich Hottenroth. Stuttgart Verlag von Gustav Weise 1891.
  • Münchener Bilderbogen 1848 bis 1898. Zur Geschichte der Kostüme. Herausgegeben von Braun & Schneider. Kgl. Hof-und Universitäts-Buchdruckerei von Dr. C. Wolf & Sohn in München.

Der blinden Welt behagt der Irrtum allzu sehr. Vernunft ihr predigen, scheint nur ein Irrtum mehr.

Haug, Epigramme. Bd. II. W. 41.

Weiterführend: