Der Casaquin, pet-en-l’air oder Caraco

Caraco, Gasaquin, Rokoko, Mode, Kostümgeschichte, Modegeschichte
Trachten des Adel, der Bürger und der niederen Klassen unter Ludwig XV. Historische Figuren und Modetypen. Der Gasaquin.

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FRANKREICH. XVIII. JAHRHUNDERT.
TRACHTEN DES ADELS, DER BÜRGER UND DER NIEDEREN KLASSEN UNTER LUDWIG XV. HISTORISCHE FIGUREN UND MODETYPEN.

Der Casaquin, pet-en-l’air oder Caraco.

Nr. 1.
Marie Luise, Kaiserin von Deutschland, Gemahlin Leopolds II.
Bildniss aus dem XVIII. Jahrhundert im Museum zu Versailles.
Niedrige Haartour mit flachem Chignon, der durch einen Musselinschleier mit Diadem und Agraffe bedeckt ist; Ohrgehänge; Armbänder; Spitzenkrawatte; Mieder, mit Schleifen verziert, mit offenen Ärmeln en éventail und doppeltem Spitzenvorstoss; panier à coudes; weite Robe mit Blumenzweigen und breiten Streifen. Schuhe mit hohen Absätzen.

Nr. 3.
Maria Beatrice von Este, Herzogin von Massa, Gemahlin des Erzherzogs Ferdinand. Bildniss aus dem XVIII. Jahrhundert; Museum zu Versailles.
Niedrige, über der Stirn erhöhte Frisur mit crochets und dragonnes; Agraffe, Ohrgehänge, Perlenhalsband; Spitzenkragen an einem Mieder mit der Krone und dem Wappen des Erzherzogs; Ärmeln en éventail mit Doppelmanschetten und zwei grossen Bandrosetten; weisse Atlasrobe mit drei Streifen aus Goldbrokat und langer Schleppe.

Nr. 4.
Ulrike Eleonore, Königin von Schweden, Schwester Karls XII.
Bildniss aus dem XVIII. Jahrhundert; Museum zu Versailles.
Männliche Tracht in polnischer Art; Pelzmütze mit Agraffe; blauer Kontusch mit Litzen und Pelzkragen; weisse Schärpe; Deliura, ärmelloser Mantel; rote Weste und ebensolche Hosen; weisse Strümpfe und Escarpins; krummer Säbel.

Nr. 2. Bäuerin.
Als Kopfputz die bei den Frauen des Volkes übliche dormeuse; geschürzter Rock mit kurzen Ärmeln; Unterrock ans Barchent; Brusttuch, zum Teil durch den Latz der Schürze verdeckt. Lange Filethandschuhe.

Nr. 5 und 7. Damen im Casaquin.
Der Casaquin, pet-en-l’air oder Caraco ist eine Abart der Casaque mit weiten Schössen. Der Pet-en-l’air ist eine lange Jacke mit Watteaufalten und wird zur Robe à la Française getragen. Normalerweise fällt es auf die Hüften und ist mit sehr breiten Watteau-Falten versehen. Diese bewegten sich unkontrolliert im Wind und waren namengebend übersetzt mit Kleiner Pups der sich im Wind bewegt. Dieser Stil war von den 1750er bis 1770er Jahren beliebt.

Nr. 5. Kopfputz, aus Marli einer Art Gaze, dessen Barben mit Nadeln befestigt sind; Spitzenkragen; Casaquin über die Robe fallend.
Nr. 7. Casaquin mit enger Taille; robe volante; palatine aus Chenille; Kopfputz aus marli; Arbeitsbeutel.

Nr. 6. Dame des Bürgerstandes.
Den Kopfputz bedeckt eine unter dem Kinn geknüpfte Mantille; weite Robe, an das Korsett anliegend, aber hinten und an den Seiten frei fallend; Ärmel en pagodes mit Aufschlägen.

Nr. 8.
Mann in gewöhnlicher Tracht (1730).
Galonnierter Hut mit Schleife; Beutelperrücke; weisse Krawatte; Jabot und in der Taille geknöpfte Weste; weiter Rock mit Ärmeln en pagodes, roten Aufschlägen und gesteiften Schössen; Kniehosen; Schnallenschuhe mit hölzernen Absätzen.

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Das Schokoladenmädchen von Jean-Etienne Liotard, 1743-45, trägt einen taillierten Caraco, einen Petticoat und eine Schürze.

Der Caraco oder Casaquin ist eine Frauenjacke, die von der Mitte des 18. bis frühen 19. Jahrhunderts in Mode war. Die Caracos reichten über die Hüfte hinaus bis zum Oberschenkel und wurden vorne offen getragen, mit engen Dreiviertel- oder Langärmeln. Wie bei den damaligen Kleidern konnte die Rückseite des Caraco an die Taille angepasst werden oder in Falten an der Schulter wie ein Sackrücken hängen. Sie wurden in der Regel aus bedrucktem Leinen oder Baumwolle hergestellt.

Der Caraco entwickelte sich in den 1760er Jahren in Frankreich zu einem informellen Stil, der auf Arbeiterjacken basierte und von Frauen aus dem Volk oder dem Land über dem Rock getragen wird.. Er wurde mit einem Petticoat und, wenn er vorne offen war, einem dekorativen Stecker (obere Teil des Mieders) getragen. Der englische Caraco war in der Regel vorne geschlossen. Ein ähnliches Kleidungsstück mit einer Wickelfront, im Englischen als Bettkleid oder kurzes Kleid bezeichnet, war das Standardarbeitskostüm der Frau des späten 18. Jahrhunderts.

Nr. 2 aus der Folge von Stichen von Dupin: Costumes des diverses classes de la société française au dix-huitième siècle.
Nr. 6 aus der Continuation des démonstrations de miracles opérés à l’intercession de M. de Paris, 1741.
Nr. 5, 7 und 8 aus der Sammlung Engelbrecht.
Vgl. Quicherat, Histoire du costume en France, und Paul Lacroix, le Dix-huitième siècle, Institutions, Usages et Costumes.

Quelle: Geschichte des Kostüms in chronologischer Entwicklung von Auguste Racinet. Bearbeitet von Adolf Rosenberg. Berlin 1888.

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