Cestus Kämpfer. Der griechische Faustkampf. Das Pankration.

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Griechischer Cestus Kämpfer.

Cestus.

Ein Cestus oder Caestus (vom latein. caedere „zuschlagen“) ist ein historischer Kampf,- oder Boxhandschuh der Antike, der manchmal im Pankration verwendet wurde. Sie wurden wie die heutigen Boxhandschuhe getragen, waren jedoch aus Lederstreifen gefertigt und manchmal mit Eisenplatten gefüllt oder mit Klingen oder Stacheln versehen und wurden entsprechend als Waffen verwendet.

Das Pankration.

Pankration war ein Sportereignis der Antike, das 648 v. Chr. in die griechischen Olympischen Spiele eingeführt wurde und ein Wettkampf mit bloßen Händen war, für das es kaum Regeln gab. Die Athleten setzten Box- und Ringtechniken ein, aber auch andere, wie Treten und Halten, Blocken und Würgen am Boden. Der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich „alle Macht“ von pan „alle“ und kratos „Kraft, Macht, Macht“. Es gibt Belege dafür, dass die meisten Pankrationswettkämpfe, obwohl K.O. üblich waren, auf der Grundlage der Unterwerfung (des Aufgebens) entschieden wurden. Im Extremfall konnte ein Pankrationswettbewerb sogar den Tod eines Gegners zur Folge haben, was als Sieg gewertet wurde. Die Kämpfer wurden Pankratiasten genannt.

Der Cestus Kämpfer.

Unter den verschiedenen Arten von Wettkämpfen, in denen in den Ringschulen oder den Gymnasien Knaben und Jünglinge ausgebildet wurden, war bei weitem der gefährlichste der Faustkampf (Pugillatio, Pygme, Pyx, Pyxmachia, Pygmahia). Um den Schlag mit der geballten Faust noch zu verstärken und sie zugleich vor Verwundung zu schützen, wurde die Hand mit einem Geflecht von Riemen (cestus, griech. himantes) aus Ochsenhaut umwunden, so jedoch, dass die Finger noch frei blieben und sich zur Faust ballen konnten. Die Enden dieser Riemen wurden über den Handgelenken mehrfach verschlungen, so dass namentlich die Pulsader gedeckt war, und oft reichte, wie auf unserer Abbildung, das Riemengeflecht bis zum Ellenbogen hinauf. Um aber durch den Schlag mit der Faust nicht bloss Beulen, sondern auch Wunden zu erzielen, waren die Schlagriemen mit Nägeln oder bleiernen Buckeln besetzt.

Nachdem die Faustriemen durch Sachverständige angelegt waren, traten die Kämpfer (pugiles) auf die Mensur und beschrieben zuerst, um die Gelenkigkeit ihrer Arme zu prüfen, einige Bewegungen in der Luft. War das Signal zum Kampf gegeben, so stellten sich die Kämpfer auf, und dann begann der Kampf, wobei bald mit dem rechten, bald mit dem gleich bewehrten linken Arme geschlagen wurde.

Der erfahrene Faustkämpfer hütete sich wohl, seine Kraft durch unbesonnenes Anstürmen zu vergeuden, er hielt sich vielmehr möglichst lange defensiv und suchte durch Parieren und Ausweichen seinen Gegner zu ermüden. Die Anwendung unerlaubter Mittel wurde schwer geahndet. Die Schläge waren hauptsächlich gegen den Oberkörper und den Kopf gerichtet, wobei Kinn, Zähne, Ohren und Nase am schlimmsten wegzukommen pflegten. Der Kampf endigte erst dann, wenn der eine der Kämpfer durch Emporheben der Hände sich für besiegt erklärte, oder, was nicht selten vorkam, tot niedergestreckt war.

Der auf unserer Tafel abgebildete Faustkämpfer befindet sieh im Museum in Dresden. Die Statue ist aus bläulich-grünem Marmor gearbeitet. Der Kämpfer, mit dem linken Fuss an den Rumpf eines Palmbaums gelehnt, legt sich eben zum Kampfe aus und erwartet den Gegner.

Als ausgezeichnete Faustkämpfer werden von den Alten Amycus, der König der Bebryker in Bithynien, und Eryx, ein König der Elymer auf Sizilien, erwähnt, von denen der erstere von Pollux, der letztere won Herkules im Faustkampfe überwunden und getötet worden sein soll.

Quelle: Album des klassischen Alterthums: zur Anschauung für Jung und Alt besonders zum Gebrauch in Gelehrtenschulen von Hermann Rheinhard, Professor am K. Realgymnasium in Stuttgart. Verlegt von C.B. Griesbach Verlag, Gera 1891.

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