Frédéric François Chopin, polnischer Komponist und Pianist.

Frédéric François Chopin, Komponist, Virtuose, Pianist, Romantik
Frédéric François Chopin. Nach einer Zeichnung von A. Duval.

Frédéric François Chopin

(Friedrich Chopin)

Geb. 1. März 1810; gest. 17. Oktober 1849.

Frédéric François Chopin, geboren als Fryderyk Franciszek Chopin (1. März 1810 – 17. Oktober 1849), war ein polnischer Komponist und virtuoser Pianist der Romantik, der hauptsächlich für das Soloklavier schrieb. Er ist weltweit als einer der führenden Musiker seiner Epoche bekannt geblieben, dessen „poetisches Genie auf einer professionellen Technik beruhte, die in seiner Generation ihresgleichen suchte.“

Chopin wurde in Żelazowa Wola im Herzogtum Warschau geboren, kam schon im nächsten Jahr nach Warschau, wo sein aus Lothringen stammender Vater die Stelle eines Professors der französischen Sprache am neu begründeten Lyceum erhielt, und wurde hier anfänglich von dem aus Böhmen stammenden Albert Zywny, einem eifrigen Anhänger Bachs, und später von Joseph Xaver Elsner, dem Direktor des Konservatoriums, in der Musik unterrichtet.

Schon in seiner frühen Jugend zeigte es sich, daß Chopin eine ungewöhnliche Begabung für das Klavierspiel besaß; auch währte es nicht lange, bis sein Talent zur Komposition offen zu Tage trat. Nachdem er im Jahre 1827 das Abiturienten-Examen als Lyceaner bestanden hatte und die Entscheidung, daß er sich ganz der Musik widmen sollte, gefallen war, begab er sich auf Reisen, zuerst nach Berlin und dann nach Wien, wo er am 11. August 1829 im Opernhaus zum ersten mal als Klavierspieler öffentlich auftrat.

Mit reichem Erfolge gekrönt, verließ er schon am 19. August die Kaiserstadt wieder, um über Prag, Dresden und Breslau zu den Seinigen nach Warschau zurückzukehren. Hier schrieb, angefeuert durch seine Liebe zu der Sängerin Konstantia Gladkowska das schöne Konzert in E-moll mit dem träumerischen Adagio in E-dur und ließ sich sowohl von dem Geiger Paganini als von der Sängerin Henriette Sontag, die er zu hören Gelegenheit hatte, begeistern. Am 2. November 1830 kam der Tag, an dem er von seinen Eltern und seiner Geliebten sich trennen mußte, da beschlossen war, daß er eine größere Kunstreise unternehmen sollte. Sie führte ihn wieder über Breslau und Dresden nach Wien, wo ihn die Nachricht vom Aufstand der Polen ereilte. Chopin wollte sich der Revolutionsarmee anschließen und ließ sich nur durch die dringenden Bitten der Eltern von der Ausführung dieses Planes abhalten. Wie zu erwarten war, erwiesen sich die politischen Ereignisse seinem Auftreten in Wien hinderlich.

Erst Anfang Juni 1831 ließ er sich in einem eigenen Konzert hören. Da dasselbe jedoch schlecht besucht war, kehrte er Wien den Rücken und reiste über Linz und Salzburg nach München. Hier spielte er zum letzten mal in Deutschland mit großem Beifall in einem Konzert der philharmonischen Gesellschaft, und eilte dann über Stuttgart nach Paris, das ihm seitdem eine zweite Heimat werden sollte.

Die vorzüglichen Aufführungen an der dortigen großen Oper, die damals in ihrer Glanzzeit stand, und die Ermahnungen seines Lehrers Elsner bestimmten ihn, sich um ein Textbuch zu bemühen, in der Absicht, sich an die Komposition einer Oper zu machen. Indessen blieb sein Wunsch unerfüllt, und als seine Klavierwerke eine immer sensationellere Aufnahme erfuhren, gab er seinen Plan selbst wieder auf, vermutlich zu seinem Glück, da seine ganze Veranlagung nicht für das Gebiet der Oper geeignet war.

Übrigens waren die ersten Schritte, die Chopin in Paris tat, um sich in die dortige musikalische Welt einzuführen, keineswegs glücklich. Erst seitdem er in einer Soiree des Baron Rothschild gespielt hatte, wurden die vornehmen Kreise der französischen Hauptstadt auf ihn aufmerksam. Er erhielt zahlreiche Aufforderungen, Klavierunterricht zu erteilen, und galt bald als der erste Pianist von Paris. Seit 1832 brachen sich auch seine anfangs unbeachteten Kompositionen mehr und mehr Bahn, und selbst Männer der alten Schule, wie Moscheles, zollten dem Polen ihre Anerkennung, nachdem sie ihn seine eigenen Sachen hatten vortragen hören.

Im Frühjahr 1834 wohnte Chopin dem von Mendelssohn geleiteten niederrheinischen Musikfest in Düsseldorf bei. Das nächste Jahr hatte er eine Begegnung mit den Seinigen in Karlsbad, 1836 eilte er nach Marienbad, um sich dort mit Maria Wodzynski zu verloben. Aber schon im Herbst desselben Jahres erfuhr er, daß seine Braut ihm untreu geworden sei und sich mit einem reichen polnischen Grafen vermählt habe. Auf diese Weise frei geworden, ließ er sich bald darauf von der Liebe zu George Sand (Aurora Dudevan) fesseln, deren Bekanntschaft er im Jahr 1837 in einer Pariser Soiree machte. Zur selben Zeit stellten sich die ersten Krankheitsanfälle bei ihm ein. Die Ärzte hielten ihn für lungenleidend und sandten ihn nach Palma auf Mallorca, wo er schwer erkrankte, trotzdem aber zu musizieren fortfuhr und die Sammlung der „Preludes“ Op. 28 schuf.

Auf der Rückreise erklärte der berühmte Arzt Cauvierès Chopins Leiden für eine Luftröhrenentzündung und empfahl ihm die größte Ruhe. Er fand dieselbe zu Nohant auf dem Landgute seiner Freundin, wo er seitdem regelmäßig die Sommermonate verlebte, während er im Winter den Pavillon eines Hauses am Quai d’Orléans bewohnte. Hier sah er die geistige Aristokratie des damaligen Paris, Komponisten, Sänger, Klaviervirtuosen und Maler, um sich und entwickelte unter solchen Einflüssen recht eigentlich erst sein Genie, verzehrte aber auch gleichzeitig in dem Salontreiben die schwachen Reste seiner Kraft. Von Jahr zu Jahr wurde er überreizter und nervöser. Das Geringste vermochte ihn zu verstimmen und in Aufregung zu versetzen. Der Tod seines Vaters im Jahre 1844 und der seines Freundes Johann Matuszynski steigerte diesen Zustand noch mehr und führte sogar eine vorübergehende Trübung seines Geistes herbei. Kein Wunder, daß auch seine Kompositionen aus jenen Jahren die Spuren dieser krankhaften Gemütsstimmung tragen.

Nachdem es im Jahre 1847 zum Bruch mit George Sand gekommen war und die Revolution den Sturz Louis Philipps, der den Künstler immer ausgezeichnet hatte, herbeigeführt hatte, begab sich Chopin im Frühjahr 1848 nach London, wo seiner noch die größten Triumphe harrten. Doch war er den damit verbundenen Anstrengungen nicht mehr gewachsen. Er suchte in Schottland vergebens Erholung, kehrte krank nach Paris zurück und starb hier am 17. Oktober 1849.

Chopin war im wesentlichen Klavierkomponist. Von seinen die Opus-Zahl 65 erreichenden Werken gehört der bei weitem größere Teil der Klavierliteratur an. Die meisten sind für Soloklavier, obwohl er auch zwei Klavierkonzerte, einige Kammermusikstücke und etwa 19 Lieder mit polnischen Texten schrieb. Seine Klavierkompositionen waren technisch anspruchsvoll und erweiterten die Grenzen des Instruments, seine eigenen Aufführungen waren bekannt für ihre Nuancen und Sensibilität. Zu seinen wichtigsten Klavierwerken gehören Mazurken, Walzer, Nocturnes, Polonaisen, die Instrumentalballade (die Chopin als instrumentale Gattung schuf), Etüden, Impromptus, Scherzi, Präludien und Sonaten, von denen einige erst posthum veröffentlicht wurden. Zu den Einflüssen auf seinen Kompositionsstil gehörten die polnische Volksmusik, die klassische Tradition von J. S. Bach, Mozart und Schubert sowie die Atmosphäre der Pariser Salons, in denen er häufig zu Gast war. Seine Innovationen in Stil, Harmonie und musikalischer Form sowie seine Verbindung von Musik und Nationalismus waren während und nach der Spätromantik einflussreich.

Erst nach seinem Tod erschienen noch acht weitere Kompositionen, darunter „Siebzehn polnische Lieder“ aus den Jahren 1824 bis 1844. In seinen Kompositionen bemerken wir die Einflüsse der drei Nationen, die an der Ausbildung seiner Kunst Anteil hatten. „Er hat“, sagt Heinrich Heine, „sich das Beste angeeignet, wodurch sich diese drei Völker auszeichnen. Polen gab ihm seinen chevaleresken Sinn und seinen geschichtlichen Schmerz, Frankreich gab ihm seine leichte Anmut, seine Grazie, Deutschland gab ihm den romantischen Tiefsinn, die Natur aber gab ihm eine zierliche, schlanke, etwas schmächtige Gestalt, das edelste Herz und das Genie“.

Die Natur gestaltet nicht wie die Kunst, so realistisch sie auch sein mag. Sie hat Kapriolen, Inkonsequenzen, wahrscheinlich nicht real, aber sehr geheimnisvoll. Die Kunst korrigiert diese Inkonsequenzen nur, da sie zu eingeschränkt ist, um sie abzubilden. Chopin war ein Resümee dieser Inkonsequenzen, die sich Gott allein erlauben kann, und die ihre besondere Logik haben. Er war bescheiden aus Prinzip, sanft aus Gewohnheit, aber er war herrisch aus Instinkt und voll von einem berechtigten Stolz, der sich seiner selbst nicht bewusst war. Daraus ergaben sich Leiden, die er nicht begründete und die sich nicht auf ein bestimmtes Ziel fixierten.
George Sand in „Die Geschichte meines Lebens“.

Chopin schloss eine Freundschaft mit Franz Liszt und wurde von vielen seiner anderen musikalischen Zeitgenossen bewundert, darunter Robert Schumann.

Frédéric François Chopin,  Bronze-Relief, Jean Francois Antoine Bovy
Frédéric François Chopin. Bronze-Relief von Jean Francois Antoine Bovy, 1837.
Frédéric François Chopin Autograph
Frédéric François Chopin Autograph

Friedrich Chopin. Bronze-Relief von Jean Francois Antoine Bovy, 1837.

Rue de la Chaussée d’Antin Nr. 5 war der erste Wohnsitz von Frederic Chopin in Paris, über den wir irgendwelche Aufzeichnungen haben, nach seiner Ankunft dort im Jahr 1831. Ein Freund (Jan Matuszyński), der kam, um in Paris Medizin zu studieren, schrieb an seine Verwandten in Warschau: „Das erste, was ich bei meiner Ankunft in Paris tat, war, Chopin ausfindig zu machen. Er ist so stark und groß geworden, dass ich ihn kaum wiedererkannt habe. Chopin ist der erste Pianist in Paris, und gibt sehr viele Stunden, aber keine unter zwanzig Francs. Er hat sehr viel komponiert, und seine Werke sind sehr begehrt. Ich wohne bei ihm in der Rue de la Chaussée d’Antin, Nr. 5. Den Abend verbringen wir im Theater oder mit Besuchen, und wenn wir nichts von beidem tun, machen wir es uns zu Hause gemütlich.“

Zwei Jahre hatten einen großen Unterschied in Chopins Ansichten gemacht. Ein Jahr nach seiner Ankunft in Paris war er so unzufrieden, dass er darüber nachdachte, nach Amerika auszuwandern. Auf Bitten seiner Eltern änderte er dieses Vorhaben und wollte eigentlich nach Warschau zurückkehren, als eine zufällige Begegnung mit Fürst Radziwill auf der Straße zu einer Einführung in die Salons von M. Rothschild und einer schnellen Verbesserung seiner Lebensumstände führte. Im Jahr 1838, als er hier wohnte, traf er zum ersten Mal Georges Sand und schrieb an seine Eltern: „Ich mag ihr Gesicht nicht, es hat etwas an sich, das mich abstößt.“ Unter den häufigen Gästen finden sich Heine, Meyerbeer, Liszt, Ary Scheffer, Eugene Delacroix, Nourrit und andere ein.

Chopin verließ die Rue de la Chaussée d’Antin, als er Ende 1838 in Begleitung von Georges Sand Mallorca besuchte. Seine Gesundheit brach damals rapide zusammen. In einem seiner frühesten Briefe aus Paris schreibt er: „Alles ist hier zu finden, Gutes und Schlechtes, Erhabenes und Lächerliches. Man kann tun, was man will, lachen, weinen, auf Vergnügungsjagd gehen oder an nichts anderes als an Geschäfte denken. Niemand nimmt Notiz von dir. Ich glaube nicht, dass es eine Stadt auf der Erde gibt, in der es mehr Pianisten oder – mehr Esel gibt.“

Paris Rue Tronchet. – In Nr. 5 wohnte Frederic Chopin nach einem Sommer, den er mit Georges Sand in Nohant verbrachte, nachdem sie 1839 auf Mallorca waren. Aber sein Aufenthalt hier war nur kurz. Georges Sand sagt, dass „die Räume sowohl kalt als auch feucht waren, und sein Husten kehrte sehr schlimm zurück. Ich konnte die Zeit für die ständige Anwesenheit als Krankenschwester und das Hin- und Hergehen nicht aufbringen. Er schlug vor, zu uns zum Essen zu kommen, und kam immer zitternd in einem Taxi an. Als ich sah, wie sehr das unsere Familienverhältnisse störte, bot ich ihm an, ihm einen der Pavillons zu vermieten: er nahm freudig an.“ Die „Pavillons“ befanden sich im Haus von Georges Sand in der Rue Pigalle.

Der Verlust von Chopins Korrespondenz ist zu bedauern. Ihr Schicksal war eigenartig. Seine Briefe, mit Ausnahme einiger weniger aus der Zeit seiner ersten Ankunft in Paris, wurden zusammen mit einigen anderen Relikten des Komponisten von einer Gruppe von Soldaten während eines Aufstandes in Warschau als Brennmaterial benutzt, um das Feuer aufrechtzuerhalten, an dem sie Punsch brauten.

Quelle:

  • Historisches Porträtwerk. Das Zeitalter der Befreiungskriege (1810-1845). Nach Auswahl von Dr. Woldemar von Seudlitz. Mit biographischen Daten von Dr. H. Tillmann und Dr. H. A. Lier. München 1897. Verlagsanstalt Friedrich Bruckmann A.-G.
  • Memorable Paris houses, with illustrative critical and anecdotal notices by Wilmot Harrison. London S. Low, Marston, 1893.
Illustration, Delphin, Putte

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