Die Tracht von Danstedt, Gemeinde Nordharz im 19. Jh..

Provinz Sachsen. Danstedt, im Regierungsbezirk Magdeburg.

Albert Kretschmer, Trachten, Danstedt, Halberstadt, Nordharz
Provinz Sachsen. Danstedt, im Regierungsbezirk Magdeburg.

Die Gegend oberhalb des Harzes, zunächst in der Nähe von Halberstadt, hat in der Männertracht das gleiche Aussehen, das dem Bewohner des unteren Harzes eigen ist und was bei diesem schon berührt wurde. Dem Braunschweigischen sich nähernd, gewinnt sie aber mehr das diesem Nachbarland eigentümliche; wie dort sind auch hier die schwarzen oder dunkelblauen Tuchwesten mit den zwei Reihen besponnener Knöpfe und die Wollstrümpfe von derselben Farbe unter den hellen Lederkniehosen sehr beliebt.

Im Vergleich zu der sehr einfachen Tracht des Bauern ist dagegen die seiner Gattin viel reicher bedacht. Die Frauen in Danstedt unterscheiden sich in der Kleidung von den Mädchen insbesondere durch die lange Bänderhaube, die in ihrer Fülle und Kostbarkeit des Stoffes namentlich bei den reichen Bäuerinnen ein Gegenstand des Luxus ist. Sie bildet oberhalb des Wirbels eine Spitze von schwarzer Seide mit einem breiten Band von schwarzem, zum Teil auch geschlagenem Samtdamast, oder einfach schwarzer Seide, die von der Spitze ausgehend das Gesicht einrahmt und unter dem Kinn befestigt bis unter die Brust herabhängt. Im Rücken fallen von dieser Spitze zwei umgeschlagene und zwei lang herabhängende Bänder bis zu den Füßen und endigen dort in einer troddelartigen Franse. Die Breite des Bandes, sowie die Länge des selben geben seiner Trägerin ein stattliches Ansehen. Der Preis einer solchen Haube soll oft fünf Friedrichsd’or erreichen.

Das Halsband von dicken goldenen Ketten ist im Nacken mit einem breiten goldenen Schloss befestigt, und vorn bis auf die Brust herabhängend, endigt es in einem Kreuz. Dieser Schmuck steht in nächster Verbindung mit der Bänderhaube, denn von ihm hängen längs des Rückens, zu beiden Seiten des Schlosses, ebenfalls zwei lange und ebenso breite schwarze Bänder wie bei der Haube (auch von demselben Stoff wie bei dieser) bis zu den Füssen herab, so dass diese beiden Bänder beim ersten Anblick zur Haube zu gehören scheinen.

Den Oberteil des Körpers umschließt ein Mieder mit langen engen Ärmeln, von dunkelgemustertem Seidenstoff, der Rock, oft von derselben Farbe, doch von anderem Muster, in Seide, endigt in einem Streifen, der gleichfalls von derselben Farbe, ein drittes Muster zeigt. Doch ist diese Zusammenstellung auch den verschiedensten Geschmacksrichtungen unterworfen. Oft ist der Streifen so breit, daß er bis über die Hälfte des Rockes hinaufreicht. Ein Tuch von schwarzer Wolle, welches an der Kante mit seidenen Fransen besetzt und übrigens mit buntseidenen Blumen in den auffallendsten Mustern und Farben, sowie mit Gold und Silberflittern bestickt ist, deckt das seidene Mieder auf Brust und Rücken. Über diesem größeren Tuch wird noch ein kleineres buntseidenes getragen, welches am Rücken im Zipfel herabfällt. Die Schürze von Seide oder halbseidenem Stoff ist gleichfalls in Kniehöhe mit einer Blumen oder Blätterborte bestickt. Die Schürzenbänder von anderer Farbe, sehr bunt, endigen in Silberfransen und flattern vorne herab.

Zu diesem Anzug tragen sie blaugraue Strümpfe und Schuhe von schwarzem Leder mit Bändern, welche kreuzweise den Fuß umschlingen.

In Trauer ist diese Tracht durchweg in schwarzer Farbe mit weißen Blumen an den bezeichneten Stellen gebräuchlich.

Jüngere Frauen und Mädchen tragen das Haar in der Mitte gescheitelt, ältere Frauen streichen es nach der Höhe zurück.

Die Mädchentracht ist mit Ausschluss der Bänderhaube, für welche sie sich bei Festlichkeiten mit einem bunten Blumenkranz schmücken, dieselbe, nur sind alle Farben des Anzuges lebhafter.

Der Mantel, welcher hier ebenso wie Harz gebräuchlich ist, ist von dickem Stoff in blauschwarzer Farbe mit weißen Streifen und weißem Futter; von dem eigentlichen Mantel der Harzerinnen unterscheidet er sich nur durch einen kleinen Kragen von demselben Stoff, welcher überschlagartig in einer Spitze nach hinten und vorn auseinander gehend in zwei Spitzen herab hängt.

Quelle: Volkstrachten. Original-Zeichnungen mit erklärendem Text von Albert Kretschmer. Maler und Professor am Königl. Hoftheatr Berlin. Leipzig J. G. Bach`s Verlag (Fr. Eugen Köhler) 1887. Deutsche Volkstrachten von 1864-1870.

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