Degen des Rokoko und Würdewaffe des Malteserordens von Assad Ullah.

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Rokoko Hofdegen und Würdewaffe des Malteserordens von Assad Ullah.

Nr. 117. ROKOKO-HOFDEGEN MIT SCHEIDE. Die schmale, leichte Klinge zweischneidig mit Mittelfläche, in der zwölf silberne Niete mit Blumen- und Rosettenköpfen sitzen, und Blutrinne. Der ganze Griff nebst Heft, aus blankem Eisen und von typischer Form, ist in Medaillenschnitt mit Verzierungen bedeckt, die auf Kaiserin Maria Theresia von Österreich und auf den Abschluss des Hubertusburger Friedens *) Bezug nehmen. Auf dem Heft vorn das Porträt-Medaillon der Kaiserin, gehalten von Athene und Herakles. Darüber eine Putte als Fama; hinten Justitia. Auf dem Knauf vorn Stadtgöttin mit Schild von Österreich-Lothringen; hinten der böhmische Löwe. Auf der Vorderseite des Pariermittelteils Clio, auf der Rückseite Abundantia.

Auf der Mitte des Griffbügels vollrund ausgearbeitete Figur eines gefesselten Sklaven. Das Stichblatt hat beiderseits Vorgänge aus dem Siebenjährigen Krieg. Auf der Innenfläche des Stichblattes, gedeckt durch den Sockel der Parierstange, die Inschrift: NUNCIA PACIS 1763 WIDEMAN CARLSBAD. Anton Widemann, Schüler von Schega und von Donner, war seit 1758 Hofmedailleur in Wien. Geschenk der Stadt Carlsbad an die Kaiserin Maria Theresia; Original einiger Wiederholungen von anderer Hand. – Schwarze, nicht ursprüngliche Lederscheide.
Deutsch, Wien und Karlsbad, 1763. Länge 91 cm. s. Dr. Nr. 110.

*) Der Vertrag von Hubertusburg (Frieden von Hubertusburg) wurde am 15. Februar 1763 auf Schloss Hubertusburg von Preußen, Österreich und Sachsen unterzeichnet, um den Dritten Schlesischen Krieg zu beenden. Zusammen mit dem fünf Tage zuvor unterzeichneten Vertrag von Paris markierte er das Ende des Siebenjährigen Krieges. Der Vertrag beendete den Kontinentalkonflikt ohne wesentliche Änderungen der Vorkriegsgrenzen. Österreich und Sachsen verzichteten auf alle Ansprüche auf die schlesischen Gebiete, die im Vertrag von Berlin von 1742 und im Vertrag von Dresden von 1745 an Preußen abgetreten wurden. Preußen hatte sich durch den Siebenjährigen Krieg als fünfte Großmacht in Europa etabliert, während der Vertrag die Rivalität mit Österreich verstärkte.

Nr. 120. WÜRDEWAFFE. KOMTURSCHWERT DES MALTESER-ORDENS (JOHANNITTERORDEN) MIT SCHEIDE. Einschneidige flache Klinge aus persischem Stufendamast mit Goldtauschierung, von Assad’ullah aus Ispahan, dem Schwertschmied Abbas des Grossen um 1600. Ein kaiserlicher Wahlspruch ist später auftauschiert. Der Griff besteht aus vergoldetem Silber und sibirischen Halbedelsteinen. Alle Verzierungen der Klinge und des Griffes haben Bezug auf den Johanniterorden, auf Russland, auf das russische Kaiserhaus und auf die Familie des Grafen Demidof. Der Knauf zeigt vorn St. Georg in gotischer Rüstung mit Spieß und Schild, den Drachen erlegend, darunter in einer Nische des Heftes die gefesselte Königstochter Aja die zum Ritter empor schaut. Die anderen drei Seiten des Heftes tragen auf dunkelblauen, goldführenden Malachit das weiße Johanniterkreuz. Der Handschutz endigt in vier Seraphe und ist vorn mit dem Wappen der Demidof belegt. Rückwärts sind der Künstler „de Triqueti“ und der ausführende Goldschmied „Fossin & Fils à Paris“ bezeichnet. Die Scheide ist mit grünem Samt bezogen und hat vergoldete Bronzebeschläge mit Schmelz; der Scheidenschuh fehlt. – Geschenk des Zaren Nikolaus I., des Protektors des Malteserordens an seinen Günstling, den erblichen Ehrenkomtur Grafen Anatolio Nikolajewitsch Demidof. Aus dem Besitz des Herzogs Demidof-San Donato zu Florenz.
Klinge persisch, um 1600, Griff und Scheide französ., um 1840. Länge 104 cm. s. Dr. Nr. 85. Tafel 23.

*) Assad Ullah war der berühmteste persische Schwertschmied und lebte während der Herrschaft des großen Militärführers Schah Abbas (1587-1622) in der Stadt Isfahan. Seine Klingen wurden für ihr schönes Erscheinungsbild und ihre feine Balance gefeiert. Die Signatur, die Assad Ullah auf seinen Klingen anbrachte, wurde von weniger kompetenten Handwerkern, die den Wert ihrer eigenen Arbeit steigern wollten, weitgehend gefälscht; daher stammt heute eine Waffe mit dem Namen Assad Ullah nicht unbedingt aus der Werkstatt dieses Meisters.

Quelle: Schwerter-Sammlung des Herrn Dr. ing. h.c. M. Dreger, Berlin. Galerie Fischer 1927.

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