Gewandung eines deutschen Edelmannes zur Zeit Friedrich Barbarossas.

Edelmann, Gewandung, Gotik, Ritter, Mittelalter, Lipperheide
EDELMANN AUS DER ZEIT KAISER FRIEDRICHS I., BARBAROSSA’S, 1152— 1190.

Deutscher Edelmann aus der Zeit Friedrich Barbarossas in der Gewandung des 12. Jahrhunderts.

Im Gegensatz zu früheren Zeiten des Mittelalters besteht die Kleidung aus langen Gewändern, nämlich einem etwas längeren Untergewand mit halbengen Ärmeln (der langen dalmatischen Tunica) und einem ärmellosen Übergewand, welches faltig den Körper bedeckt, sich über dem Gürtel bauscht und bis etwa zur Mitte des Unterschenkels herabfällt.

Der Ärmel des Unterkleides ist reich mit Stickerei verziert, ebenso die Säume und der Einsatz des Übergewandes, und zwar nicht in althergebrachter Weise, als Nachahmung antiker, namentlich griechischer Muster, sondern selbständig in romanischem Stil, und dies in reichster, üppigster Anwendung desselben, als breite Borten und Besätze, die nicht selten bei den Vornehmsten, wenn auch nicht so vielfach wie während der Herrschaft der fränkischen Tracht, mit kostbaren Steinen verziert wurden.

Mit dem empor blühenden Frauen-Kultus, der Minne, und dem daraus sich entwickelnden Schönheitssinn wurden namentlich in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts die Verzierungen an der Gewandung einfacher und beschränkten sich auf schmale Umsäumungen der Tunica und des Mantels. Dieser, der früher besonders bei der männlichen Tracht stets auf der rechten Schulter befestigt war, wurde nunmehr, ähnlich dem Frauen- Mantel, auf beiden Schultern getragen und entweder mitten auf der Brust durch eine Agraffe zusammengehalten, oder durch zwei kostbare Spangen mit einer reichen Kette, Borte oder Schnur verbunden. Auf unserer Darstellung; zeigt sich der Übergang zu der eben erwähnten Tragweise des Mantels, und noch deckt derselbe die ganze linke Seite der Figur.

Eine reich gemusterte, breite Borte umzieht den Mantel, der entweder mit Pelz oder einem, der Farbe des Gewandstückes entsprechenden, weicheren Stoff gefüttert wurde. In Betreff der Farben ist zu bemerken, dass mit dem Frauen-Kultus auch in dieser Hinsicht ein feinerer Geschmack sich geltend machte, und dass man statt der bisher üblichen, ganzen Farben feinere Töne wählte und gern grelle Gegensätze vermied.

Am oberen Saum des Untergewandes sehen wir das Hemd hervortreten, welches zumeist von Leinwand, häufig aber auch von Seide getragen wurde. Das Schwert, gross und wuchtig, bildete mit der Parierstange die Form des Kreuzes und wurde an einem starken, weissen Gehänge getragen.

Die Kopfbedeckung gleicht der phrygischen Mütze und ist ohne Zweifel byzantinischen Ursprungs. Eine enganliegende, bis an die Hüften reichende Hose und reich verzierte und gestickte Schuhe aus Leder oder starkem Stoff vervollständigen die Tracht, welche den Vornehmen, nachdem er Brünne (Panzerhemd) und Schild abgelegt, würdig machte, das Frauen-Gemach oder den Festsaal zu betreten.

Blätter für Kostümkunde. 1. Blatt. Verlag von Franz Lipperheide in Berlin.

Quelle:

  • Blätter für Kostümkunde: Historische und Volkstrachten von Franz Lipperheide. Herausgegeben von A. von Heyden. Berlin 1887. Neue Folge, Bd. 1-3, Bildlicher beschreibender Teil von August von Heyden, 1876.

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