Frankreich. Die Mode des Schals im 18. und 19. Jahrhundert

Schal, Mode, Empire, Direktorat, Konsulat, Frankreich, Racinet
Frankreich 18. und 19. Jahrhundert. Frauentrachten. Schaltücher.

FRANKREICH XVIII. u. XIX. JAHRHUNDERT. FRAUENTRACHTEN. SCHALTÜCHER.

Die Mode des Schals im 18. und 19. Jahrhundert während des französischen Direktorats, Konsulats und ersten Empire.

Während man bis um die Mitte der neunzig er Jahre des 18. Jahrhunderts nur weite Brusttücher von Krepp getragen hatte (Nr. 18), kamen gegen Ende des Jahrhunderts die feinen Kaschmir Gewebe und damit auch die Schals und Schaltücher in Gebrauch. Die Figuren dieser Tafel zeigen, in welch mannigfaltiger Form der Schal – ursprünglich ein länglich viereckiges Stück Stoff mit mehr oder weniger breiten Stickereien an den Enden – getragen und drapiert wurde, bald als Hals- und Brusttuch (Nr. 19-21), bald als vollständige Umhüllung des Oberkörpers (Nr. 9, 11, 23).

Die ersten Gewebe aus Kaschmirwolle kamen schon im Jahre 1775 nach Paris, fanden damals aber keine Gnade vor den Augen der Damen. Erst nach der ägyptischen Expedition des ersten Konsuls (Napoleon Bonaparte) verbreitete sich die Mode, indische Schals zu tragen, immer mehr, bis sie um die Wende des Jahrhunderts allgemein und der Schal als ein unerlässlicher Bestandteil der weiblichen Toilette erachtet wurde. Kaschmir lieferte dann nicht mehr allein die Gewebe. Man verfertigte schliesslich Schals in allen Grössen je nach den Jahreszeiten und aus den verschiedenartigsten Stoffen, aus Tuch, Wolle, Seide, Baumwolle, ostindischem Cattun und Spitzen. Daneben waren natürlich immer noch die feinsten Gewebe im Gebrauch, deren Feinheit, wie man erzählt, von den Frauen dadurch geprüft wurde, dass sie versuchten, die Schals durch ihre Ringe zu ziehen.

Als die Mode der Schals aufkam, trennten sich die Damen von denselben nicht. Sie trugen sie auf der Promenade, in der Gesellschaft, auf dem Ball. Der Schal war eine willkommene Ergänzung des gleichzeitig auftauchenden „griechischen“ Kostüms. Man fand dadurch einerseits Gelegenheit, sich nach antiker Art zu drapieren und sich nach dem Vorbild der antiken Statuen darin einzuhüllen (Nr. 23), andrerseits die Blössen des Körpers zu verhüllen, welche das griechische Kostüm allzu freigebig preisgab. Neben diesen weiten und grossen Schals waren aber auch die schmalen, schärpenartigen in Mode, die nur den Hals schützten (Nr. 21). Den Gipfel der Beliebtheit erreichte der Schal, als man ihm zu Ehren einen Tanz, le pas du schall, veranstaltete, mit dem die schöne Gräfin von Hamilton in der vornehmen Gesellschaft einen grossen Erfolg erzielte. Man bediente sich bei diesem Tanze eines leichten SeidenSchals (Nr. 6).

Während des Konsulats und der ersten Hälfte des Kaiserreichs waren die Schalstoffe einfarbig mit breiten Borten, die mit Palmen oder Blumen auf einem andersfarbigen Grunde gestickt waren. Man nannte sie damals türkische Schals. Gelb, grün, weiss und ponceau-rot (Cochenillerot) kamen nach einander in Mode.

Um 1811 trug man blaue Schals à la Marie-Louise mit grossen Palmen auf breiter, weisser Borte. Um den Faltenwurf zu erleichtern und die einmal arrangierte Drapierung zu erhalten, befestigte man an den Enden des Schals goldene Eicheln oder man nähte solche von Blei in die Ecken ein (Nr. 11, 22 -24).

(Nach verschiedenen gleichzeitigen Modejournalen.)

Quelle: Geschichte des Kostüms in chronologischer Entwicklung von Auguste Racinet. Bearbeitet von Adolf Rosenberg. Berlin 1888.

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