Formenkanon im Stil des Empire. Französisches Kaiserreich

Formenkanon, Empire, Stil, Ornamente, Textildesign,
Tafel 47. Empire-Stil. 1793—1815.

Empire Stil.

Tafel 47.

(Stil des französischen Kaiserreiches oder Napoleonsstil.)

Modekunde, Arbeitsbuch, Bildbuch ,

Modekunde: Kleines Arbeits- und Bildbuch,

von Charlotte Lowack, Ruth Prof. Dr. Bleckwenn
Über 200 Zeichnungen. Ein Klassiker.

Zeit: 1793—1815.

Von 1792—1804, der Zeit der ersten französischen Republik, entwickelte sich in Frankreich ein Stil, welcher als der Direktoirestil bezeichnet wird und als Übergang zum Empire zu betrachten ist.

Die Neigung, rein antike Elemente auch in die Formenwelt der angewandten Kunst aufzunehmen, hatte schon durch die erwähnten Ausgrabungen in Pompeji wesentliche Förderung erfahren. Durch Napoleons Vorliebe für die Antike wird diese noch gesteigert.

Der Empirestil findet mehr bei der Innenarchitektur und in den dekorativen Künsten Anwendung als bei der Architektur, obwohl meist architektonische Gesetze bei den Werken des Kunstgewerbes durchgeführt sind.

In der ornamentalen Kunst waren allegorische, Sieg und Ruhm behandelnde Motive und namentlich solche aus der altrömischen Geschichte, besonders beliebt. Kronen und Lorbeerkränze, Säulenstümpfe, Waffengehänge finden sich vor, und als Erinnerungszeichen an Napoleons Feldzug nach Ägypten werden sogar die Formen der ägyptischen Architektur und Ornamentik mit in den Formenkanon der ornamentalen Kunst aufgenommen. Auch die Initiale Napoleons, das charakteristische N ist vielfach angewendet.

Wenn auch die Vorliebe für die Antike nur eine rein äusserliche sein konnte, da sie mit den Bedürfnissen und Anschauungen der Zeit im Widerspruch stand, sind trotzdem im Empirestil viele kunstgewerbliche Erzeugnisse entstanden, die ausserordentlich ansprechend wirken.

Durch die Bevorzugung der Farben Weiss und Gold wird in der Innenarchitektur eine vornehme, ruhige Wirkung hervorgebracht.

Gewebe und Stickereien.

In der Bemusterung der Textilien ist ebenfalls der Einfluss der griechisch-römischen Formensprache zu bemerken.

Die Mannigfaltigkeit der Einzelformen und die farbige Behandlung der Blüten und Blätter verschwindet immer mehr, um schliesslich einer strengen Gliederung und Einteilung und einer sehr einfachen Farbengebung der Empiremuster zu weichen (47, 3, 5, 8, 9).

Der im Barock- und Rokokostil beliebte, natürlich behandelte Faltenwurf wird flächig wiedergegeben, wie die Lorbeer-, Eichen- und Efeuzweige (47, 4, 8, 9), die Weinranke, der Akanthus (47, 8), die Palmette und die Blumengehänge (47, 8). Die Farbenstimmungen beschränken sich auf ganz wenige Farben. Meist heben sich die Formen nur in einer Farbe vom Grund ab (Tafel 47), doch kennt das Empire auch mehrfarbige Formenbehandlung. Solche Muster wirken farbig reizvoll und erfreuen durch ihren harmonischen Gesamteindruck.

Die Kunststickerei bevorzugt kleinere Motive als die Weberei und zeigt oft neben Formen, wie wir sie in der Weberei finden, rein naturalistisch behandelte Blütenzweige oder Streublumen. Die Kostüme werden nicht mehr so reich bestickt wie früher, sondern weisen einfache Formen und naturalistische Blumenbordüren auf.

Die Gebildweberei (Gobelins) gibt hauptsächlich Gemälde aus der kaiserlichen Zeit in getreuer Nachbildung wieder.

Tafel 47,

Figur 1, 2, 4 u. 6 nach Originalstoffen aus der Städtischen Vorbildersammlung in Chemnitz.
3, 5, 8 u. 9 aus Empire (Musee de Lyon).
7 nach Originalstoffen aus der Gewebesammlung der Höheren Webschule in Chemnitz.

Quelle: Stil-Lehre für farbige Flächen-Verzierung und Gewebe-Musterung von Oskar Haebler. Plauen i. V.: C. Stoll, 1909

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