Eine fürstliche Versammlung im Mittelalter.

Chroniken des Froissart. Mittelalter Kostüme des 15. Jahrhundert. EINE FÜRSTLICHE VERSAMMLUNG. EIN DOKTOR DER RECHTE. FRAUENTRACHTEN.
MITTELALTER FRANKREICH. XIV. XV. JAHRHUNDERT. EINE FÜRSTLICHE VERSAMMLUNG. EIN DOKTOR DER RECHTE. FRAUENTRACHTEN.

MITTELALTER FRANKREICH. XIV. XV. JAHRHUNDERT.

EINE FÜRSTLICHE VERSAMMLUNG. EIN DOKTOR DER RECHTE. FRAUENTRACHTEN.

Die in dem Hauptbild dargestellte Szene ist die erste in der Chronik des Froissart aus dem XV. Jahrhundert. Sie schildert den Protest Eduard III. von England gegen die Thronbesteigung Philipp VI. nach dem Tode Karls des Schönen (1328). Der König von Frankreich sitzt nicht auf dem Throne, sondern auf einer Bank, die ein Baldachin Überspannt. Uber der zackenförmigen Krone erhebt sich eine Art Mütze.

Die sich entfernenden Männer bringen den Grossen des Reichs die Einladung zur Salbung des Königs (27. Mai 1328). Ihre Kostüme zeigen die Mode von 1430. Man sah damals weniger auf den Reichtum, als auf die Zahl der Kostüme, von denen man am liebsten eins für jeden Tag der Woche hatte. Den Kopf bedeckte man mit der Kappe oder mit dem Hut. Der Letztere, aus blauen, grauen oder roten Samt, zeigte eine vorn herunter-, hinten herauf geschlagene Krempe und wurde möglichst hoch auf den langen, in der Mitte gescheitelten Haaren getragen. Die Kappe, wie sie der Edelmann zur Rechten des Königs aufgesetzt hat, bedeckte Kopf und Schultern zugleich. Gegen 1430 bestand sie aus einem Filzwulst, einem nach hinten geworfenen Tuchstreifen und einer Tuch- oder Seidenbinde (Sendelbinde), die man gewöhnlich um den Hals schlang. Wenn man die Kappe abnahm, befestigte man sie an einer Agraffe oder einem Knopf auf der Schulter.

Das viereckige Barett des Vertreters des Königs von England ist der Doktorhut, wie ihn die Ärzte noch zur Zeit Molières trugen. Die Robe der Doktoren der hohen Fakultäten und der Hofchargen hat für die verschiedenen Funktionen keine bestimmte Farbe und fällt ungefältelt und ungegürtet herab. Alle Personen auf dem Bilde tragen Schnabelschuhe von einer für die verschiedenen Rangstufen vorgeschriebenen Länge.

Die beiden kleineren Abbildungen zeigen eine Anzahl Sibyllen, die mit Wahrsagen und Singen beschäftigt sind. Sie sind nach Miniaturen aus der Zeit Ludwigs XI. reproduziert.

Der lange und enge Pelzärmel, die Coudière, und der Gürtel der vorhergehenden Epoche sind verschwunden. Die weite, in eine Schleppe endende Robe ist mit Pelz besetzt und an der Seite zur Erleichterung des Ganges geschlitzt. Die so entstandene Öffnung wird bisweilen etwa in der Höhe des Knies durch eine Spange oder durch einen Überschlag von demselben Stoff geschlossen. Der Kopfputz ist ausserordentlich mannigfaltig: das Leinen-Schleiertuch auf einem Drahtgestell, die turbanartig gerollte Haube mit Goldstreifen und die doppelt gehörnte Haube mit freiwehendem Schleier. Die hier dargestellten Sibyllen tragen das ungeflochtene, herab wallende Haar der Jungfrauen. Die sieben Sibyllen des oberen Bildes zeigen das Kostüm der Zeit treuer als die der unteren Darstellungen.

Die Pulte der wahrsagenden Sibyllen sind aus Holz und ruhen auf einer beweglichen Axe, die sich aus einer Bücherlade erhebt. Unter den Musikinstrumenten der singenden Sibyllen erkennt man eine kleine Orgel, eine Minstrelharfe und eine Art Gitarre.

Die Abbildungen sind der Chronik des Froissart in der Bibliothek des Pariser Arsenals und einem Manuscript des Valerius Maximus in der Nationalbibliothek zu Paris entnommen. Vgl. die Werke von Montfaucon, Viollet-le-Duc und Quicherat.

Jean Froissart (ca. 1337 – ca. 1405) war ein französischsprachiger, mittelalterlicher Schriftsteller und Hofhistoriker aus den Niederlanden. Seit Jahrhunderten gelten Froissarts Chroniken als eine der wichtigsten mittelalterlichen Überlieferungen, als der wichtigste Ausdruck der ritterlichen Renaissance der Königreiche England, Frankreich und Schottland im 14. Jahrhundert. Seine Geschichtsschreibung ist auch eine eine der wichtigsten Quellen in der ersten Hälfte des Hundertjährigen Krieges.

Der Text seiner Chroniken ist in mehr als 100 illuminierten Manuskripten erhalten, die von einer Vielzahl von Miniaturisten illustriert wurden. Eine der aufwendigsten illuminierten Kopien wurde in den 1470er Jahren von Louis von Gruuthuse, einem flämischen Adligen, in Auftrag gegeben. Die vier Bände dieser Kopie (BNF, Fr 2643; BNF, Fr 2644; BNF, Fr 2645; BNF, Fr 2646) enthalten 112 Miniaturen, die von bekannten brüsseler Künstlern der damaligen Zeit gemalt wurden, darunter Loiset Lyédet, dem die Miniaturen in den ersten beiden Bänden zugeschrieben werden.

Das Datum und die Umstände des Todes von Jean Froissart sind unbekannt, aber die Stiftskirche St. Monegunda von Chimay könnte die letzte Ruhestätte für seine Überreste sein, wenn auch noch nicht bestätigt.

Quelle: Geschichte des Kostüms in chronologischer Entwicklung von Albert Charles Auguste Racinet. Bearbeitet von Adolf Rosenberg. Berlin 1888.

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