George Sand. Französische Autorin und Journalistin.

George Sand, Schriftstellerin, Journalistin, Porträt, Frankreich, Romantik,
George Sand. Geb. 5. Juli 1804; gest. Juni 1876.

George Sand war eine französische Romanautorin, Memoirenschreiberin, Literaturkritikerin und Journalistin. Zu ihren Lebzeiten war sie eine der populärsten Schriftstellerinnen Europas und in den 1830er und 1840er Jahren in England bekannter als Victor Hugo und Honoré de Balzac. Sand gilt als eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen der europäischen Romantik und zählt zu den produktivsten Schriftstellerinnen mit mehr als 70 Romanen und 50 Bänden verschiedenster Sujets, darunter Kurzgeschichten, Erzählungen, Theaterstücke und politische Texte.

Wie ihre Urgroßmutter, die sie bewunderte, Madame Dupin (Marie-Aurore de Saxe, Madame Dupin de Francueil 1706-1799), setzte sich George Sand für die Rechte der Frauen ein, propagierte die leidenschaftliche Liebe, kritisierte die Ehe und kämpfte gegen die Vorurteile einer konservativen Gesellschaft.

George Sand sorgte zeitlebens für Skandale durch ihr ungewöhnliches Leben sowie wechselnden Partnern, durch ihre maskuline Kleidung, deren Mode sie lancierte, durch ihr maskulines Pseudonym, das sie bereits 18294 annahm. Nach ihr signierte Marie d’Agoult ihre Schriften mit Daniel Stern (1841-1845), Delphine de Girardin nahm 1843 das Pseudonym Charles de Launay an.

George Sand.


Geb. 5. Juli 1804; gest. Juni 1876.

Amantine Lucile Aurore Dudevant, geborene Dupin, weit bekannter unter ihrem Schriftstellernamen George Sand, wurde am 5. Juli 1804 zu Paris geboren. Sie war die Tochter von Maurice Dupin de Francueil, der als Oberst in der französischen Armee unter dem General Bonaparte diente, und seiner Frau Victoria Delaborde, der Tochter eines Pariser Vogelhändlers, die in Paris Putzmacherin gewesen war.

Da die streng aristokratische Mutter Dupins nichts von einer Missheirat mit einem Geschöpf niederen Standes wissen wollte und das Kind nur wegen der Ähnlichkeit mit ihrem vergötterten Maurice anerkannte, wurde die kleine Aurore nach dem früheren Tode ihres Vaters größtenteils auf dem Landgut der Großmutter zu Nohant in der Provinz Berri erzogen. Ihre Jugend wäre eine glückliche gewesen, wenn die Zwistigkeiten zwischen ihrer Mutter und Großmutter nicht ihre Schatten auch auf sie geworfen hätten.

Schon mit dreizehn Jahren wurde Aurore von ihrer Großmutter über das Vorleben ihrer Mutter aufgeklärt. Da sie an dieser mit großer Innigkeit hing, kam ihr inneres Leben durch diese Mitteilungen in einen eigentümlichen Zwiespalt, der sich in mancherlei Tollheiten und in einer gewissen Zerfahrenheit ihres Wesens kund gab. Um diesen Zustand in ihr zu beseitigen, beschlossen Mutter und Großmutter, Aurore dem Kloster der Englischen Fräulein zu Paris zur weiteren Erziehung zu übergeben. Sie brachte dort drei Jahre zu, von 1817 bis 1820, und nahm nach ihren eigenen Worten aus dem Kloster nur eine „krasse Unwissenheit neben einer überreizten Einbildungskraft und einem erschlafften Willen“ fort.

Nach ihrer Rückkehr nach Nohant vertiefte sie sich in die Schriften Rousseaus, dessen begeisterte Schülerin sie Zeit ihres Lebens blieb, und las die Werke Shakespeares, Byrons und Chateaubriands mit regstem Interesse. Als ihre Großmutter starb, zog Aurore zu ihrer Mutter nach Paris, mußte aber bald wegen der Launenhaftigkeit derselben auf ein weiteres Zusammenleben mit ihr verzichten. Sie begab sich zu einer befreundeten Familie auf das Land nach Du Plessis bei Melun. Hier lernte sie den 27jährigen Casimir Dudevant, den natürlichen Sohn des Obersten Dudevant, kennen und fühlte sich bald zu dem stattlichen jungen Mann so hingezogen, daß sie sich entschloß, seine Frau zu werden. Die Hochzeit erfolgte am 22. September 1822. Das Paar zog nun nach Schloß Nohant, wo Madame Dudevant ihrem Manne am 30. Juni des nächsten Jahres einen Sohn schenkte.

Trotzdem war ihre Ehe nichts weniger als glücklich. Mr. Dudevant war ein „ganz gewöhnlicher Landjunker“ und zeigte für die allerdings etwas extravaganten seelischen und geistigen Bedürfnisse seiner Gemahlin kein Verständnis. Sie fing daher sehr bald an, ihn zu übersehen, und wandte ihre Neigung einem gewissen Jules Sandeau, einem jungen Studenten, zu, der sich zum Besuch auf Schloß Nohant aufhielt, ohne sich eine eigentliche Pflichtverletzung zu Schulden kommen zu lassen. Da sie nun obendrein noch pekuniär von ihrem Manne abhängig war und diese Beschränkung ihrer Freiheit nicht ertragen zu können meinte, beschloß sie, sich unabhängig zu machen und als Schriftstellerin ihr Glück zu versuchen.

Mit Erlaubnis ihres Mannes ging sie im Jahre 1831 nach Paris, wo sie sich, um das Leben besser kennen zu lernen und gründlicher auf ihren Beruf vorbereiten zu können, Männerkleider bediente und zuerst sich der Journalistik zuwandte. Auf Sandeaus Rat und mit dessen Hilfe schrieb sie ihren ersten Roman „Rose et Blanche“, ein schwächliches Machwerk, das längst in Vergessenheit geraten ist. Ihren zweiten Roman „Indiana“ dagegen schrieb sie unter dem nachmals so berühmt gewordenen Pseudonym George Sand allein in der Einsamkeit zu Nohant. Der Erfolg dieses Buches war überraschend. Enthielt es doch einen wilden, aus einem verzweifelnden Herzen kommenden Aufschrei gegen die Ehe, wie sie in der französischen Gesellschaft Regel war. Der wertvollste Gewinn für die Verfasserin bestand in der Bekanntschaft mit Buloz, dem Herausgeber der „Revue des Deux Mondes“, der sie unter die Mitarbeiter seiner Zeitschrift aufnahm und ihren Roman „Lelia“ in ihren Spalten veröffentlichte.

Auf einem Feste bei Buloz im August 1833 wurde der Dichterin der 23jährige Alfred de Musset vorgestellt. Ihr Verhältnis wurde bald ein sehr intimes. Da ihnen Paris zu eng schien, gingen sie auf Reisen. Sie verlebten den Winter von 1833 auf 1834 in Venedig, wo es während der Krankheit Mussets zum Bruch kam, da Aurore ihn betrog und zärtliche Beziehungen mit seinem Arzt anknüpfte. Musset reiste allein nach Paris zurück und Aurore folgte ihm über Tirol und die Schweiz nach. In Paris angelangt, wurde sie bald in gerichtliche Streitigkeiten mit ihrem Mann verwickelt, die im Jahre 1836 mit der Trennung ihrer Ehe endeten. Sie erhielt den Besitz und den Genuss des Landgutes Nohant zugesprochen und hatte ihren Gatten mit einer bestimmten Summe abzufinden.

Der Besitz von Nohant war für ihre künstlerische Weiterentwicklung von größter Bedeutung. Hier fand sie immer wieder Ruhe und Gesundheit, wenn sie von den Stürmen ihres viel bewegten Pariser Lebens dahin zurückkehrte, um sich zu neuem Schaffen zu kräftigen. Ihre Produktivität war namentlich in jenen Jahren erstaunlich groß. Sie hat im ganzen über hundert Bände Romane zusammengeschrieben und außerdem noch ungefähr 20 Schauspiele. Memoiren, zahlreiche Reisebriefe und Journalartikel, die an Wert natürlich untereinander sehr ungleich sind, aber alle den Stempel ihres im Grunde doch hervorragenden Geistes und ihrer oft wilden Leidenschaftlichkeit tragen.

Diese Leidenschaftlichkeit fand seit dem Jahre 1837 in dem Umgang mit dem kränklichen und äußerst reizbaren Chopin neue Nahrung. Aurore begleitete ihn im Winter 1837 auf 1838 auf seiner Erholungsreise nach der Insel Mallorca und hatte die Genugtuung, ihn auch in Nohant bei sich zu sehen, obwohl Chopin das Landleben keineswegs liebte.

Während der vierziger Jahre geriet George Sand mehr und mehr unter den Einfluß der Führer der sozialen und politischen Revolution. Damals entzweite sie sich mit Buloz, der ihren sozialistischen Roman „Horace“ nicht aufnehmen wollte. Erst im Jahre 1858 wurde die alte Verbindung dauernd wieder hergestellt und erhielt sich dann bis zu ihrem Tode. Die Hoffnungen, die George Sand auf die Februarrevolution des Jahres 1848 gesetzt hatte, gingen nicht in Erfüllung. Napoleons Staatsstreich bestimmte sie, im Jahre 1851 nach Brüssel zu flüchten. Als sie aber die Grundlosigkeit ihrer Befürchtungen erkannte, ließ sie sich wieder in Nohant nieder, wo sie, nur ihren literarischen Neigungen lebend, eine Reihe hochbedeutender Werke schuf, darunter die „Histoire de ma vie“ (1853-55) die allerdings von den verschiedenen Kritikern sehr verschieden beurteilt wurde.

Großes Aufsehen erregte ihr Roman „Elle et lui“, die Schilderung ihres Verhältnisses zu Musset enthaltend. Ihm stellte bekanntlich der Bruder Alfreds, Paul de Musset, den Roman: „Lui et elle“ entgegen, der den Tatbestand sehr zu Ungunsten der Sand in ein ganz neues Licht setzte.

George Sand erlebte noch den deutsch-französischen Krieg von 1870 und 71. Sie hatte vor ihm gewarnt, begab sich aber nach Ausbruch desselben auf den Kriegsschauplatz und veröffentlichte in der „Revue“ ihre Erlebnisse unter dem Titel „Journal d’un voyageur pendant la guerre“.

Sie starb erst, bis kurz vor ihrem Ende fortwährend literarisch tätig, am 8. Juni 1876 auf ihrem Landgute Nohant.

Stich von L. Calamatta.

Quelle: Historisches Porträtwerk. Das Zeitalter der Befreiungskriege (1810-1845). Nach Auswahl von Dr. Woldemar von Seudlitz. Mit biographischen Daten von Dr. H. Tillmann und Dr. H. A. Lier. München 1897. Verlagsanstalt Friedrich Bruckmann A.-G.

Ähnlich

Kommentar verfassen