Österreich. Der Orden vom Goldenen Vlies.

Die Tracht der Ritter. Die Orden. Die wichtigsten Bestimmungen. Die Insignien des Ordens.

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Der Orden vom Goldenen Vlies. Die Orden, Insignien.

ÖSTERREICH. DER ORDEN DES GOLDENEN VLIESES.

Der „Orden vom Vlies“ wurde von Philipp le Bon (Herzog von Burgund und den Niederlanden) am 10. Januar 1429, dem Tag seiner Hochzeit mit der Prinzessin Isabelle von Portugal, gegründet. Die Zahl der Mitglieder wurde ursprünglich auf einunddreißig festgelegt, darunter der Herrscher als Oberhaupt der Institution. Sie sollten sein: „Gentilshommes de nom et d’armes sans reproche“. Im Jahr 1516 stimmte Papst Leo X. zu, die Zahl der Mitglieder auf zweiundfünfzig zu erhöhen, einschließlich des Oberhauptes.

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Nach der Thronbesteigung Karls V. im Jahr 1556 blieb der Orden im Besitz der österreichisch-spanischen bzw. der spanisch-niederländischen Linie des Hauses Österreich. Im Jahr 1700 erhoben sowohl Kaiser Karl VI. als auch König Philipp von Spanien Anspruch auf den Orden. Ersterer nahm jedoch bei seinem Weggang aus Spanien – den er mit Waffengewalt nicht verhindern konnte – das Archiv des Ordens mit nach Wien, dessen Einweihung er dort 1713 mit großem Pomp feierte; Philipp V. von Spanien erklärte sich jedoch zum Großmeister und protestierte auf dem Kongress von Cambrai (1721) formell gegen die Ansprüche des deutschen Kaisers. Der Streit wurde zwar in der Folge durch die Fürsprache Frankreichs, Englands und Hollands beigelegt, doch wurde er immer wieder neu aufgerollt, bis der Orden stillschweigend in beiden Ländern eingeführt wurde und nun je nach dem Land, in dem er ausgestellt wird, den spanischen oder österreichischen „Orden vom Goldenen Vlies“ trägt.

Die wichtigsten Bestimmungen der Ordensstatuten, die derzeit in Österreich in Kraft sind, lauten:

  1. Die unkontrollierte Macht des Oberhauptes, eine beliebige Anzahl von Mitgliedern aus dem katholischen und alten Hochadel des Reiches zu ernennen. (Wenn es sich um einen Protestanten handelt, muss zuvor die Zustimmung des Papstes eingeholt werden).
  2. Die Pflicht der Mitglieder, das Oberhaupt im Krieg und in anderen gefährlichen Situationen zu unterstützen.
  3. Das Verbot für die Mitglieder, ohne besondere Erlaubnis einen fremden Senat zu betreten.
  4. Bei Hochverrat oder Feigheit im Krieg wird der Orden verwirkt.
  5. Alle Streitigkeiten zwischen Mitgliedern sind vom Kapitular gütlich zu schlichten.

Die Insignien des Ordens bestehen aus einem Goldenen Vlies, das an einem goldenen, blau emaillierten Feuerstein hängt, der Feuerflammen aussendet und seinerseits von einem Feuerstrahl getragen wird. Auf der emaillierten Vorderseite sind die Worte (von Claudian) „Pretium laborum non vile“ (Kein schlechter Lohn für Arbeit) eingraviert. (Tafel 4. Tab.I. Nr.1.)

Ursprünglich wurde den Mitgliedern vorgeschrieben, den Orden ständig an einer goldenen Kette um den Hals zu tragen, deren Glieder ebenfalls aus Feuersteinen und Strahlen bestehen sollten (Tab.I. Nr.8). Da die Kette jedoch als zu beschwerlich für den Träger empfunden wurde, erlaubte Karl V. die Ersetzung durch ein rotes Band, mit dem die Insignien entweder um den Hals oder am Knopfloch getragen werden können. Gegenwärtig wird es in der Regel um den Hals getragen, außer bei feierlichen Anlässen, bei denen die Kette über den Kragen um den Hals gelegt wird.

Ausstattungen

Die Kleidung der Ritter bei besonders feierlichen Anlässen besteht aus einem langen Gewand aus tiefrotem Samt, das mit weißem Taft gefüttert ist. Darüber wird ein langer Mantel aus violettem Samt geworfen, der mit weißem Satin gefüttert und reich mit Stickereien verziert ist, die Feuersteine und Stähle enthalten, die Flammen und Funken ausstoßen. Auf dem Saum, der ebenfalls aus weißem Satin besteht, sind wiederholt die Worte „Je l’ay empris“ (Ich habe ihn angenommen – den Orden) in Gold gestickt. Die ursprüngliche Inschrift lautete: „Autre n’auray“ (Ich werde keinen anderen Orden haben), die jedoch von Karl dem Kühnen, dem Sohn des Stifters, durch die frühere Formulierung ersetzt wurde. Der Kopf wird von einer Kappe aus purpurnem Samt bedeckt, die ebenfalls mit Goldstickereien besetzt ist und hinter der eine kleine Kapuze angebracht ist. Die Schuhe und Strümpfe sind rot.

Das jährliche Ordensfest wird in Wien am Andreastag (30. November) oder am darauffolgenden Sonntag gefeiert, wenn der Kaiser und alle Ritter, die sich zu diesem Zeitpunkt in Wien aufhalten, in Prozession und in voller Tracht zur Hofkapelle ziehen, um den Gottesdienst zu hören, und von dort in die Burg zurückkehren, um bei offener Tafel im „Rittersaal“ zu speisen.

Das Kapitel tritt jedes Jahr am 6. Januar in der Hofkapelle zusammen.

Quelle: Das Buch der Ritterorden und Ehrenauszeichnungen aller Nationen von Sir Bernard Burke. London: Hurst und Blackett, 1858.

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