Das Grab des Virgil. Italienische Landschaften von E. F. Batty.

Das Grab des Virgil (italienisch: Tomba di Virgilio) ist eine Grabkammer aus römischer Zeit in Neapel, die das Grab des Dichters Virgil (70-19 v. Chr.) sein soll. Sie befindet sich am Eingang eines alten römischen Tunnels, der als Crypta Neapolitana oder Grotta vecchia bekannt ist, im Stadtteil Piedigrotta, zwischen Mergellina und Fuorigrotta.

Virgil war schon vor seinem Tod Gegenstand literarischer Bewunderung und Verehrung. In den folgenden Jahrhunderten und besonders im Mittelalter wurde sein Name mit Legenden von Wunderkräften verbunden und sein Grab zum Gegenstand von Wallfahrten und heidnischer Verehrung.

Zum Zeitpunkt von Virgils Tod stand ein großer Lorbeerbaum in der Nähe des Eingangs. Nach einer lokalen Legende ging er ein als Dante starb; Petrarca pflanzte einen neuen, weil jedoch Besucher beständig Zweige als Souvenirs mitnahmen, starb auch der zweite Baum.

Als Virgil 19 v. Chr. in Brindisi starb, bat er darum, dass seine Asche zurück in seine Villa außerhalb von Neapel gebracht werden sollte. Dort wurde ein Schrein für ihn errichtet, und jedes Jahr an seinem Geburtstag wurden dort Riten für einen Helden abgehalten, an dessen Grab die Frommen Schutz und Beistand finden konnten. Vergils Grab wurde für viele Jahrhunderte zu einem Wallfahrtsort. Petrarca und Boccaccio gehörten zu denen, die das Grab besuchten.

Das Grab enthält noch einen Dreibein zum Feueropfer, der ursprünglich Apollo gewidmet war. Es befinden sich jedoch keine menschlichen Überreste im Grab, da die Asche Virgils bei einer Überführung im Mittelalter verloren ging.

VIRGIL’S GRAB.

TAFEL XLIV.

Grab, Virgil, Dichter, Antike, Italien,
Das Grab des Virgil.

Übersetzung aus: Italian scenery von Elizabeth Frances Batty.

Von St. Elmo beginnt der Berg von Pausilippo. Dazwischen befindet sich die Kirche, in der die Verflüssigung des Blutes (Blutwunder) des heiligen Januarius (ital.: San Gennaro) zum ersten Mal stattfand, oder vielmehr erfunden wurde, wenn diese Gaukelei nicht so alt wie Horaz ist.

Der Berg ist ein Teil der antiken Colles Leucogei (Solfatara, Phlegräische Felder) und ist bemerkenswert für die Grotte oder Durchgang durch sein Massiv über eine Länge von fast einer halbe Meile und dadurch einen Teil der Straße von Neapel nach Puzzuoli bildet. Der Durchgang scheint in einer weit zurückliegenden Zeit ausgeführt worden zu sein, obwohl die verschiedenen Verbesserungen und Reparaturen, die es von Zeit zu Zeit erfahren hat, dazu geführt haben, dass dieser verschiedenen Personen zugeschrieben wurde. Entsprechend scheint Varro es Lucullus zuzuschreiben; Strabo dem Corceius, als auch Augustus und sogar die Magie von Virgil als die Urheber dieses nützlichen Durchganges zitiert worden sind.

Die Passage ist etwa sechs Meter breit, und übersteigt vielleicht fünfzehn in der Höhe. Löcher im Felsen lassen das Licht hindurch; zu einer bestimmten Zeit des Jahres beleuchtet jedoch die untergehende Sonne den Durchgang und man kann ihn in seiner ganzen Länge sehen.

Unmittelbar über der Grotte, und auf der linken Seite in dieser Ansicht, ist das Grab von Virgil, oder zumindest das so genannte Kolumbarium (altrömische Grabkammer); denn seine tatsächliche Bedeutung ist ein großes Thema der Kontroverse. Neapel war ein Lieblingsort des Dichters, und hierher wurden nach seinem Tod seine sterblichen Überreste auf Befehl von Augustus überführt.

Verschiedene Autoren behaupten, seinen Sarkophag gesehen zu haben, und einer erklärt, dass er von einem Monarchen in das Castel d’Uovo transportiert wurde, um dort die Sicherheit zu finden, die sein Heiligtum nicht bieten konnte; während der Lorbeerbaum vor der Grotte, den die Legende mit seinem Namen belegt hatte, bis zum Jahr 1776 weiter blühte: aber dennoch bleibt nichts als die Überlieferung, um die Faszination aufrechtzuerhalten, die sich um diese kleine Zelle als Erinnerung an den Fürsten der Poesie verbreitet hat.

Das Gebäude steht am Rande des Abgrunds, wenn auch geschützt durch den ansteigenden Felsen dahinter und beschattet durch das grüne Laub des Ilex, der sich über das Dach beugt und sich mit dem Efeu verflechtet, der die Wände kleidet und den steilen Abhang darunter festigt. Das schmucklose oder besser gesagt kahle Innere bietet kein Objekt für die Befriedigung der menschlichen Neugier, außer dem antiken Epitaph, das von einem modernen einheimischen Adligen angebracht wurde:

Mantua me genuit, Calabri rapuere, tenet nunc
Parthenope; cecini pascua, rura, duces.

(„Mantua hat mich gezeugt, Kalabrien raffte mich dahin, nun birgt mich Parthenope; ich besang Hirten, Landbau und Helden“). *)

Diese Inschrift auf einer Marmorplatte befindet sich vor dem Eingang. Eustace, bestrebt, die Überzeugung zu pflegen, dass er das echte Grab von Virgil besucht hatte, und dessen heiligen Schatten auf der Stelle begrüßte, wo dessen Asche seit langem ruhte, bekämpft die Meinung von Addison und Cluverius, die dessen Identität als Vergils Ruhestätte anzweifeln.

Er fügt hinzu, dass die Leser mit Bedauern erfahren werden, dass Virgils Grab, das, wie es sein sollte, dem Genie und der Meditation geweiht ist, manchmal in den Rückzugsort von Mördern oder den Lauerplatz von Sbirri (Polizei) verwandelt wird. So war es jedenfalls bei seinem Besuch, als er am Ende des Tages dorthin wanderte und es voller bewaffneter Männer vorfand, deren bedrohlicher Anblick an einem so einsamen Ort natürlich seine Besorgnis und seinen Alarm erregte. Sie erwiesen sich als Sbirri, die einem Mörder auflauerten, von dem man annahm, dass er hier sein nächtliches Asyl hatte.

Quelle: Italian scenery from drawings made in 1817 by Elizabeth Frances Batty. London: Published by Rodwell & Martin, 1820.

*) IRENE FRINGS. MANTUA ME GENUIT – VERGILS GRABEPIGRAMM AUF STEIN UND PERGAMENT.
aus: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik 123 (1998) 89–100

Literatur:

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