Die Hallauer Brautkrone. Volkstracht des Kanton Schaffhausen.

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10. Kt. Schaffhausen (Hallauer Braut).

Kt. Schaffhausen (Hallauer Braut).

Die Hallauer Bräute des vorigen Jahrhunderts haben farbenprächtig ausgesehen, aber auch diese Tracht hat sich nicht erhalten und kaum die ältesten Leute des Klettgau erinnern sich noch daran. Die „Jüppen“ waren meistens grün, gekratzt, d. h. feingefältelt, von glattem Halbwollstoff, unten mit einem Ansatz mit fünf roten Zwischenstücken.

Die kurzen Mieder bestanden aus gleichfarbigem Stoff, wie der Rock, doch war der Stoff des letztern glatt dagegen die Mieder stets façonniert. Vorn schnitt man sie bogenförmig aus und versah sie mit Haken. Der blaue, grüne oder geblümte Nestel hält das scharlachrote, mit Goldspitzen verzierte Brusttuch. Der weiße „Halsmantel“ hatte eine Einfassung von schmalen Spitzen. Um den Hals trugen die Frauen stets ein schwarzes, eng geschlungenes Tuch, dessen Enden entweder über den Rücken hingen oder vorn ins Armloch gesteckt wurden.

Die Kennzeichen der Braut waren der Gürtel aus Edelmetall und die Krone. „Nur wer die Braut erstreitet, darf den Gürtel lösen!“ Die Brautkrone der Hallauerinnen hat sich länger erhalten, als die übrige Tracht; doch ist es schon über ein halbes Jahrhundert her, seit die letzten „Schäppel“ getragen wurden.

Die Sitte des tragens der Schäppeli- oder Brautkronen war weit herum verbreitet und ist es zum Teil heute noch. In den Sammlungen des Schweizer Landesmuseums sind Brautkronen aus einer ganzen Reihe von Schweizerkantonen. Von allen ist die Hallauer Krone die höchste. Wer erinnert sich da nicht an die Szene in Scheffels Ekkehard *), wo Praxedis der langen Friderun die „glitzernde, von Glasperlen behängte Krone voll farbiger Steine und Flittergold“ aufsetzt und ausruft: „wenn du mit dem Kopfschmuck einherschreitest, Friderun, werden sie in der Ferne glauben, es sei ein Festungsturm lebendig geworden und wandle zur Trauung“? Aber die hochgewachsene Jungfrau will ihre Krone um keinen Preis missen: „wenn ein Hegauer Kind Hochzeit macht, muß die Schappelkrone sein Haupt schmücken. Das gilt von jeher, seit der Rhein durch den Bodensee rinnt“. Und der Klettgau ist der Machbar des Hegau.

Die Hallauer Brautkrone zeigt ein etwa fußhohes, zylindrisches Gestell, mit Goldpapier überzogen und mit Perlen, mit farbigen Steinen und Glasstücken versehen. Gold- und Silberfaden wurden bei der Erstellung der Krone benutzt und mit all diesen Dingen stellte man Figuren dar, wie das Schiff, das Rad, die Jungfrau Maria. Die rings umhängenden glänzenden Bleche repräsentieren Sonne, Mond, Sterne, Trauben, Eicheln, Adler etc. Es sind dies alles Sinnbilder. Die Maria möge die Braut geleiten und diese auf dem Glücksschiff fahren.

Nicht bloß in der Schweiz läßt sich die Sitte der Brautkronen nachweisen, sondern auch in Österreich, Bosnien, Rumänien, Russland, Deutschland, Norwegen, Schweden u. s. w. Das Schäppeli durfte nur von reinen Jungfrauen getragen werden, wehe der Braut, die versuchen wollte, unverdientermaßen damit vor den Altar zu treten. Es wäre ihr von den ledigen Mädchen unbarmherzig vom Kopf gerissen worden, oder wie ein Erforscher alter Bräuche schreibt: „Die Gefallene bekäme zwar weder mit weltlichem noch mit geistlichem Gericht zu tun, aber würde mit Weiberzungen gezüchtigt werden!“ Man merkt, daß dieser Ausspruch von einem alten Hagestolzen herrührt.

Wir fügen noch 2 Bilder bei; das eine veranschaulicht einen Hallauerbauern in schwarzen Plumphosen und seine Frau mit dem sog. „Biremäßli“ auf dem Kopf. Das andere zeigt eine Frau im Kirchenstaat. Nur reiche Frauen trugen an hohen Festen die weiße Unterhaube. Für gewöhnlich wurde nur die Schwarze aufgesetzt.

*) Joseph Victor von Scheffel (16. Februar 1826 – 9. April 1886) war ein deutscher Dichter und Romancier.

Quelle: Die Schweizer Trachten vom XVII – XIX Jahrhundert nach Originalen. Dargestellt unter der Leistung von Frau Jul. Heierli und auf Fotomechanischem Wege in Farben ausgeführt. Originalaufnahmen vom Schweizer Trachtenfest. Verlag: Zürich, Brunner & Hauser, (1897-98).

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